Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?25655

Truvada soll als Präexpositions-Prophylaxe erheblich dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken

Die Vereinigten Staaten planen, die Zahl der neuen HIV-Fälle in großem Ausmaß zu senken – und setzen dabei vor allem auf HIV-Medikamente.

Laut einer am Mittwoch auf einer Konferenz in Boston vorgestellten Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC kann mit HIV-Medikamenten die Zahl der Neuinfektionen in den USA bis 2020 um 70 Prozent gesenkt werden. Die Behörde geht demnach davon aus, dass innerhalb von vier Jahren 185.000 Infektionen verhindert werden können, falls vier von fünf Positiven antiretrovirale Medikamente einnehmen würden und die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) die geplanten Zuwachsraten verzeichnet.

Insbesondere schwule Männer und Afroamerikaner seien gegenwärtig in den Vereinigten Staaten gefährdet, so die Behörde. So müssten, wenn die augenblicklichen Raten der HIV-Neudiagnosen nicht gesenkt werden könnten, die Hälfte der schwarzen Schwulen damit rechnen, sich mit dem Virus anzustecken. Daher müssten die Präventionsanstrengungen zielgruppenorientiert ausgebaut werden.

Die meisten Infektionen könnten gestoppt werden, wenn möglichst viele Positive mit HIV-Medikamenten ihre Viruslast unter die Nachweisgrenze drücken könnten – dann liegt das Risiko einer Übertragung Studien zufolge praktisch bei Null. Außerdem soll die seit 2012 in den USA zugelassene PrEP, die von Negativen eingenommen werden muss, das Risiko von Ansteckungen weiter minimieren.

Bislang wird als PrEP einzig das vom US-Konzern Gilead hergestellte antiretrovirale Medikament Truvada (mit den Wirkstoffen Tenofovir und Emtricitabin) verwendet, das auch bei HIV-Positiven eingesetzt wird und hier zuverlässig die Ausbreitung des Virus hemmt. Es senkt Studien zufolge bei HIV-Negativen die Wahrscheinlichkeit einer Infektion um rund 90 Prozent – bei neuesten Studien aus der Alltagspraxis wird bei konsequenter täglicher Einnahme ein nahezu 100-pozentiger Schutz vermutet.

Die CDC hat bereits im letzten Jahr empfohlen, dass rund ein Viertel der schwulen Männer das Medikament einnehmen sollten (queer.de berichtete). Derzeit berät die Europäische Arzneimittel-Agentur über die Zulassung von PrEP auf dem Kontinent (queer.de berichtete).

Aids-Aktivisten: Vergesst Kondome nicht!

Amerikanische Aids-Aktivisten begrüßten die Anstrengungen der Gesundheitsbehörde, warnten aber auch davor, die Prävention durch Kondome aus den Augen zu verlieren. "Kondome schützen den einzelnen nicht nur vor HIV, sondern auch vor vielen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten", erklärte Michael Weinstein von der Aids Healthcare Foundation (AHF) in Los Angeles. "Ein HIV-Präventionsplan ohne Kondome ist verantwortungslos und potenziell desaströs." Die AHF wurde vor allem durch ihren Einsatz für eine Kondompflicht in pornografischen Filmen bekannt, die in der Szene umstritten ist (queer.de berichtete).

Laut der Deutschen Aids-Hilfe ist die PrEP kein Ersatz für Kondome, sondern stelle lediglich "eine zusätzliche Schutzmöglichkeit für einige Gruppen dar". Eine dauerhafte Einnahme komme "vor allem für eine kleine Gruppe von schwulen Männern in Frage, die ein sehr hohes HIV-Risiko haben, zum Beispiel, weil es ihnen aufgrund ihrer Lebensumstände schwerfällt, sich mit Kondomen zu schützen." Außerdem wird vor vor Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall und Magenbeschwerden gewarnt. Auch die Kostenfrage dürfte ein Thema werden: Derzeit müssen für eine Monatsdosis Truvada in Deutschland mehr als 800 Euro ausgegeben werden.

In Deutschland wurden 3.525 HIV-Neudiagnosen im Jahr 2014 gestellt (queer.de berichtete). Das ist ein leichter Anstieg, allerdings melden Länder wie Frankreich oder Großbritannien weit mehr neue HIV-Fälle. In den USA gibt es derzeit rund 40.000 HIV-Neudiagnosen pro Jahr. (dk)



#1 yslmd
  • 25.02.2016, 18:06h
  • Es ist sicherlich EINE Möglichkeit das Infektionsrisiko zu verringern. Aber was mir einfach nicht plausiebel erscheint ist die Tatsache: Eine Monatsdosis Truvada kostet mehr als 800 EUR, 100 quakitativ hochwertige Kondome ( also vielleicht etwas mehr als einen Monatsbedarf ) kann ich für unter 50 EUR beschaffen. Für wen soll dann diese zusätzliche Möglichkeit eine echte Chance sein, eine Infektion zu verhindern?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KomplexAnonym
  • 25.02.2016, 19:07h
  • Das Problem ist leider sehr komplex. Klar ist Vöglen ohne Gummi geiler (weil kopfloser) als mit. Insofern schreie ich (HIV-) "Her mit PrEP!" Auf der anderen Seite: Will/kann ich 9000 Euro im Jahr dafür abdrücken? Oder soll ich das der Solidargemeinschft der Krankenkassen-Einzahler aufbürden?
    Wie müssen denn meine Lebensumstände aussehen, dass es mir schwer fällt, Kondome zu benutzen? Also, schwerer als Anderen? Das dürfte doch wohl Allen gleich schwer fallen, oder nicht? (Dass es bequemer ist, steht ja außer Frage)
    Es hat wie so oft auch dieses Gschmäckle: Profitieren werden vor allem die Pharma-Konzerne. Das allein kotzt mich an.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 yslmd
  • 25.02.2016, 19:55h
  • Antwort auf #2 von Komplex
  • sobald das Medikament zugänglich gemacht wird, gibt es einen großen Gewinner, die Pharmakonzerne. Abgesehen von denen, denen eine Infektion erspart bleibt. Wenn sich die Solidargemeinschaft nicht bereit erklären kann Kondome als relativ sicheren Schutz vor Infektion durchrimgen kann, witrd sie es erst recht nicht bei einem Medikament tun, welches meht als 800 EUR/mtl. kostet. Abgesehen davon würde das auch eine Reihe von anderen Interessengruppen mobilisieren, denen z.zt. auch mögliche medizinische Aufwendungen von den Kassen verwehrt werden, aus Kostengründen. Das klingt sehr unwahrscheinlich als umsetzbar, auch wenn ich es sehr beführworten würde.
  • Antworten » | Direktlink »