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Jetzt hat er auch einen Oscar: Der britische Ausnahmesänger Sam Smith (r.) mit seinem Mitkomponisten Jimmy Napes

Sam Smith hat nun auch einen Academy Award für seinen James-Bond-Song. Enttäuschend aus LGBT-Sicht: "Carol" ging trotz sechs Nominierungen leer aus.

Bei der 88. Oscar-Verleihung konnte der britische Sänger Sam Smith am Sonntagabend die Trophäe für den besten Filmsong gewinnen. Im Dolby Theatre in Hollywood wurde sein Song "The Writing's on the Wall" aus dem Film "James Bond 007: Spectre" ausgezeichnet. Nach dem Sieg von Adele mit "Skyfall" ist es bereits die zweite Auszeichnung für einen 007-Titelsong binnen drei Jahren.

Smith, der die goldene Statue mit seinem Mitsongschreiber Jimmy Napes entgegennahm, erklärte in seiner Rede, dass er als offen schwuler Mann "den Preis der LGBT-Community in der ganzen Welt widmen" wolle. "Ich stehe hier als stolzer schwuler Mann und hoffe, dass wir eines Tages alle gleichberechtigt sein werden."

Der 23-Jährige meinte, wahrscheinlich der erste offen schwule Oscar-Gewinner zu sein – und berief sich dabei auf eine angebliche Aussage von Ian McKellen. In dieser Kategorie gewann allerdings bereits Elton John für "Can You Feel the Love Tonight" aus dem Zeichentrickfilm "Der König der Löwen" im Jahr 1995. Außerdem wurde die lesbische Sängerin Melissa Etheridge für "I Need to Wake Up" aus "Eine unbequeme Wahrheit" im Jahr 2007 mit einer goldenen Trophäe ausgezeichnet.

In der Kategorie beste Filmmusik war auch die bisexuelle Sängerin Lady Gaga für "Til It Happens to You" aus "The Hunting Ground" nominiert worden. Sie ging ebenso leer aus wie die transsexuelle Sängerin Anohni, die für "Manta Ray", das Titellied aus dem dem Dokumentarfilm "Racing Extinction", nominiert worden war. Anohni boykottierte die Verleihung, weil sie ihren Song bei der Oscar-Gala nicht live vortragen durfte – nach Angaben der Academy aus Zeitgründen.

Youtube | Sam Smith bei seiner Rede im Dolby Theatre

Kein Oscar für "Carol", einer für "The Danish Girl"

Enttäuschung gab es hingegen für die Macher des lesbischen Films "Carol", der auf Patricia Highsmiths Roman "Salz und sein Preis" aus dem Jahr 1952 beruht. Trotz sechs Nominierungen erhielt der Film keine einzige Auszeichnung. Nominiert worden war der Film für das beste adaptierte Drehbuch, die beste Filmmusik, die beste Kamera, die beste Hauptdarstellerin (Cate Blanchett) und die beste Nebendarstellerin (Rooney Mara).

Immerhin einen Oscar gab es für den Trans-Film "The Danish Girl". Hier wurde Alicia Vikander als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Hauptdarsteller Eddie Redmayne, der bereits im letzten Jahr für "Die Entdeckung der Unendlichkeit" ausgezeichnet worden war, musste sich dagegen dem hochfavorisierten Leonard DiCaprio aus "The Revenant" geschlagen geben. "The Danish Girl" hatte insgesamt vier Nominierungen.

Die meisten Oscars konnte das postapokalyptische Actionspektakel "Mad Max Fury Road" gewinnen, allerdings in keiner der wichtigsten Kategorien. Es erhielt insgesamt sechs Trophäen für das Kostüm- und das Produktionsdesign, für den Film- und den Tonschnitt, die Tonmischung sowie Make-up/Hairstyling.

Als bester Film des Jahres wurde "Spotlight" ausgezeichnet, der sich überraschend gegen "The Revenant" durchsetzen konnte. Weder "The Danish Girl" noch "Carol" gehörten zu den acht nominierten Filmen in der Königskategorie. (dk)

Youtube | Video zu "The Writing's on the Wall"


#1 RobinAnonym
  • 29.02.2016, 17:13h
  • Eine tolle Rede von Sam Smith.

    Ian Kellen hat zwar nicht ganz recht, dass noch nie ein offen Schwuler den Oscar gewonnen hat, denn 2009 hat Dustin Lance Black den Oscar für das Drehbuch zu "Milk" bekommen (und eine ähnliche Rede gehalten, wo er allen LGBTI versprochen hat, dass der Kampf um Gleichstellung sich nicht mehr aufhalten lässt).

    Aber die Rede war natürlich dennoch gut. Nicht ganz so kämpferisch und emotional wie damals bei Dustin Lance Black, aber nicht minder wichtig.
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#2 Sabelmann
  • 29.02.2016, 17:22h
  • Schönes Statement von Sam Smith!
    Dass Carol nix gewonnen hat überrascht mich persöhnlich nicht.Ich finde ihn von der Community total überbewertet!
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#3 PickyAnonym
  • 29.02.2016, 20:31h
  • ach, souveräner wär doch gewesen, seine sexualität nicht anzusprechen, da jeder weiß, dass er schwul ist, und es um nur einen james bond song ging. beim milk-schauspieler damals hatte das hand und fuß, weil es um diesen bestimmten film nach wahrer begebenheit ging. aber bei den oscars vermischen die immer privat mit beruf und danken ihren müttern, omas und rechtsanwälten. bei welcher anderen betriebsfeier ist man schon durcheinander...
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#4 userer
  • 01.03.2016, 10:25h
  • Antwort auf #3 von Picky
  • Picky: "souveräner wär doch gewesen, seine sexualität nicht anzusprechen"

    Typische Herrschaftsstrategie: Erst marginalisieren - und wenn die Ausgegrenzten sich zu Wort melden, ihnen vorwerfen, dass sie wohl immer rumkrakelen müssen.

    Und welche Betriebsfeier erreicht geschätzte 800 Millionen Zuschauende weltweit?
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