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Die schwul-lesbische Organisation GLAAD schlägt Alarm: Transgenders werden im Fernsehen immer mehr zu Witzfiguren degradiert.

Von Damon Romine (GLAAD)

Sogar innerhalb der schwul-lesbischen Community werden Transgenders wie Dreck behandelt. Wir müssen dieser Gruppe aber genauso viel Respekt zollen, wie wir ihn für Schwule und Lesben einfordern. Als neuer Verantwortlicher für Unterhaltungsmedien bei der GLAAD ist mir gleich ein neuer, Besorgnis erregender Trend ins Auge gestochen: Innerhalb von zwei Wochen haben die beiden populären Cartoon-Serien "Die Simpsons" und "South Park" sehr fragwürdige Darstellungen von Transgenders gezeigt. Wir sollten alle darüber empört sein.

Wenn ich mir aber die Blogs und Message Boards ansehe, ist der Gay-Community dieser Trend egal. Warum ist das so? Als schwuler Mann denke ich, dass wir uns an solche Attacken gewöhnt haben – im Fernsehen und Film waren wir oft die Opfer von Stereotypen. Vielleicht haben wir gedacht, das alles sei nur Satire. Sogar ich musste mir die Sendungen noch einmal ansehen, um zu verstehen, warum Transgenders darüber erzürnt sind. Jetzt verstehe ich die Kritik – und ich hoffe, Sie werden das auch verstehen, nachdem Sie meinen Artikel zu Ende gelesen haben.

Die wirklich lustige "Simpson"-Folge über die Homo-Ehe wurde am 20. Februar in den USA ausgestrahlt. Hier hat Marges Schwester Patty ihr Coming-out. Sie kündigt an, Veronica – eine professionelle Golferin – zu heiraten. In der harsch geführten Debatte um die Homo-Ehe war es erfrischend, dass die "Simpsons" positiv eingestellt waren gegenüber schwul-lesbischer Gleichstellung.

Am Ende der Sendung entdeckt Marge jedoch, dass Veronica in Wirklichkeit ein Mann ist, der sich als Lesbe verkleidet hat, um Frauen-Golf spielen zu können. Die Transgender-Community war über zwei Aspekte dieses "Outings" bestürzt: Die transsexuelle australische Golferin Mianne Bagger durfte in den USA nicht bei Turnieren teilnehmen, weil sie die Sportverbände verlangen, dass die Spielerinnen seit der Geburt Frauen sein müssen. Zweitens, die Sendung hat ein Vorurteil wieder zum Leben erweckt, dass Transgenders uns betrügen wollen. Als Marge in einer dramatischen Szene Veronicas Kragen wegriss, um ihren Adamsapfel zu zeigen, schien das lustig zu sein. Im wirklichen Leben aber führen solche Enthüllungen oft zu fürchterlicher Gewalt – das ist kein Witz!

Die Trans-Community hat auch die erste Folge der neuen "South Park"-Staffel am 9. März besorgt verfolgt. Hier will sich Mr. Garrison – der lange als "Klemmschwester" dargestellt wurde – zu einer Frau umwandeln lassen. Die neue Mrs. Garrison hat nach wie vor ihr gewohntes Aussehen – inklusive Glatze und Brille – ist jetzt aber noch extrovertierter und wartet auf ihre erste Periodenblutung.

Nach Mr. Garrison lässt sich der Grundschüler Kyle in einen großen Schwarzen umwandeln, damit er Basketball spielen kann und Kyles Vater erfüllt sich seinen großen Wunsch und wird ein Delfin (im Ernst!). Am Ende der Folge sehen alle albern aus wegen ihrer Entscheidungen. Mrs. Garrison geht sogar zu ihrem Chirurg und sagt: "Sie haben mich zu einem Freak verwandelt. Machen Sie das rückgängig". Der Doktor sagt später: "Ich hätte Ihnen gleich sagen sollen, dass der Eingriff nur kosmetischer Natur war."

Hier wird das Geschlecht mit anderen Attributen wie Rasse gleichgesetzt. Außerdem wird dem Irrglauben Vorschub gegeben, dass eine Geschlechtsanpassung nicht wirklich das Geschlecht verändert. Des weiteren herrscht wieder mal das Vorurteil vor, dass schwule Männer in Wirklichkeit Frauen sein wollen. So sagt Mr. Garrison am Ende: "Auch wenn ich keine richtige Frau bin, wäre ich lieber eine Frau, die keine Periode haben kann, als eine Schwuchtel." Das ist einfach nicht mehr lustig.

Es gibt sicher Leute, die sagen, der GLAAD sei humorlos. Sie sagen, ich hätte den Witz einfach nicht verstanden. In Wirklichkeit bin ich aber ein großer Fan beider Serien (ich habe sogar viele DVD-Kollektionen). Manchmal wird aber selbst in diesen Sendungen übers Ziel hinausgeschossen.

Manche werden sagen, das ist einfach Satire. Aber Satire klappt nur, wenn David Goliath attackiert. Wenn Goliath David zusammenschlägt – oder wie hier eine besonders diskriminierte Randgruppe – ist das schlicht fies. Das ist wie der Rüpel auf dem Schulhof, der das schwächste Kind verprügelt.

Natürlich ist Comedy ein Minenfeld. Die schwul-lesbische Community darf aber nicht Transgenders zum Abschuss freigeben unter dem Motto: "Zumindest hackt man nicht auf uns herum". Die Macher von "Die Simpsons" und "South Park" sympathisieren mit den Zielen der Gay-Community – schlagen aber gerne auf die Trans-Community ein. Wir müssen ihnen klarmachen, dass Humor auf Kosten einer kleinen Gruppe in unserer Community letztendlich allen schadet.

Die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD) ist eine der größten Lobby-Gruppen für Schwule, Lesben und Transgenders in den USA.

(Übersetzung: Dennis Klein)

19. März 2005



#1 AndreasAnonym
  • 19.03.2005, 20:44h
  • die Kritik an SouthPark finde ich durchaus berechtigt, die an den Simpsons allerdings nicht.

    Ich habe die Folge gesehen und es es geht schlichtweg darum, dass jmd. bewusst getäuscht werden soll. Und in solchen Fällen ist eine Entlarvung - auch in Cartoons - angebracht. Der transsexuelle Hintergrund ist hier eher hineininterpretiert, das ganze ist mehr ein Seitenhieb auf die "kein sex vor der ehe"-bewegungen, da sich eben auch zwei Lesben (ok, nur eine, aber das weiss ja da noch niemand) daran halten...
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#2 OlafAnonym
  • 21.03.2005, 15:13h
  • Es ist doch völlig übertrieben, diese Sendungen zu kritisieren. Die machen sich doch beide über alle lustig - bei South Park ist beispielsweise auch der Teufel schwul, ohne dass sich jemand darüber aufgeregt hätte.

    Cartman rules!!!
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#3 joAnonym
  • 21.03.2005, 18:55h
  • Southpark ist dafür bekannt ganz tief in die Kloschüssel zu greifen um Amis zu zeigen, wie beschissen sie sie eigentlich verhalten. Ich sehe diese Folge nicht als Option um Transen zu verhöhnen, sondern als Antwort auf Schönheitswahn und Selbstentfremdung. Und um sowas zu zeigen, ist ihnen jeds Mittel recht. Zu Mr. Garrison kann ich nur sagen, dass er in allen anderen Folgen immer als ultraperverse Klemmschwester dargestellt wird, die überhaupt nicht mit sich selbst zurechtkommt...
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#4 CartmanAnonym
  • 20.04.2005, 21:09h
  • Ich kann mich den anderen Meinungen nur anschließen. Ich kenne zwar nicht den politischen Standpunkt eines Matt Groening (Simpsons), aber bei Parker/Stone (South Park) kann man ruhig von Satire ausgehen. Im Film wird der personifizierte Teufel als Liebhaber von Sadam dargestellt und Mr. Garrison ist nun mal der schrullig Selbstverliebte mit einer Handpuppe als besten Freund. Alles nur Satire!
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#5 AgitaAnonym
  • 18.12.2008, 18:23h
  • ... lol ? ja es ist nur eine sendung ... aber das beispiel mit dem satan hat üüüberhauptnix mit der sache von transgendern zu tun !
    ich bin transgender (Transfrau) und ja , evtl ist es nur eine normale sendung in der alles mögliche veräppelt wird..

    aber genau dank solchen verarschungen von transgendern fällt es menschen wie mir schwer in der öffentlichkeit zu leben .. weil dort nämlich genau das selbe getan wird !

    gut nett und freundlich werden scherze gemacht ... vielleicht auch nicht böse gemeint ..

    so sieht es vielleicht von eurer seite aus !?
    mich hat so etwas nicht nur einmal schon an den rand von depressionen getrieben !

    dieses thema ist kein spass ! es ist nicht schön so geboren zu werden und zu leben !

    und ich finde es sollte sich auch nicht im fernsehen darüber lustig gemacht werden .. auch wenn es nur als scherz gemeint ist .. denn das fernsehen und so stehen 1 zu 1 in verbindung mit der öffentlichkeit
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