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  • 10.03.2016, 19:26h           45      Teilen:   |

Bermudadreieck der Main-Metropole

Frankfurt: Aufregung um "Razzia" im Homo-Viertel

Artikelbild
Die Frankfurter Polizei bei einer früheren Razzia im Bahnhofsviertel
Bild: Andreas Trojak / flickr / cc by 2.0

In der Alten Gasse kontrollierten Beamte Lokale und Gäste. Eine Grünen-Politikerin findet das "alarmierend", während die Polizei von Routine spricht.

In Frankfurt sorgt eine Polizei-Razzia für Debatten. "Am Dienstag, den 8. März, fuhren gegen 22 Uhr etwa ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei mit Blaulicht in der Alten Gasse in der Frankfurter Innenstadt auf", berichtete am Donnerstag die grüne Stadtverordnete Jessica Purkhardt in einer Pressemitteilung.

Die Beamten hätten in den Lokalen, die teilweise von LGBT besucht oder der örtlichen Szene zugerechnet werden, umfangreiche Kontrollmaßnahmen durchgeführt, so die Politikerin. Die Personalien von Angestellten und Gästen wurden kontrolliert, "Besucher, die sich nicht ausweisen konnten, wurden Augenzeugenberichten zufolge festgenommen". Auch seien Gäste, die die Lokale betreten wollten, abgewiesen worden. Einige Betriebe hätten danach geschlossen.

"Dass offensichtlich bewusst Bars und Gaststätten mit homosexuellem Publikum zum Ziel einer groß angelegten Polizeirazzia wurden ist alarmierend", empörte sich die Politikerin. "Eine solche Aktion nur wenige Tage nach dem mutmaßlichen Drogenfund bei dem schwulen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der sich seit Jahrzehnten streitbar für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transgendern engagiert, lässt die gebotene Umsicht und Sensibilität vermissen. Sie leistet der Sorge der Community Vorschub, dass sie künftig häufiger ohne Anlass zum Objekt polizeilicher Maßnahmen werden könnte."

Gerade bei älteren Homosexuellen weckten die Razzien "schlimme Erinnerungen an die Zeit des §175", so Purkhardt. "Ich erwarte von unserer Polizei und unserem Ordnungsamt, dass sie darauf achtet, dass nicht der Eindruck entsteht, dass Minderheiten anderer sexueller Orientierung und Identität neuerdings im Fokus polizeilicher Beobachtung oder unter besonderem Verdacht stehen."

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Polizei: Sinnvolle Routine-Kontrolle

Die Polizei, die in ihrem Pressedienst zunächst nicht auf die Razzien eingegangen war, wies die Vorwürfe der Politikerin auf Twitter zurück. "Waren normale Gaststättenkontrollen. Regelmäßig überall in #FFM – kein homophober Hintergrund", schrieben die Beamten.

Inzwischen berichtet der Hessische Rundfunk (hr), dass das Frankfurter Ordnungsamt an dem Abend insgesamt 20 Gaststätten im Viertel mit Hilfe der Polizei kontrolliert hat, also nicht nur Szeneeinrichtungen. Fünf ließ es gar wegen Hygienemängeln schließen und zehn weitere wegen Mängeln verwarnen. Die vorab geplante Maßnahme der Stadt, wenige Wochen nach einer ähnlichen Aktion in einem anderen Viertel, habe zudem verschlossene Notausgänge und nicht genehmigte Erweiterungsbauten entdeckt.

Dem hr zufolge hat die Polizei an dem Abend 216 Menschen kontrolliert und eine Person wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz festgenommen. Außerdem hätten Beamte nicht erlaubte Pfeffersprays, ein Messer und Drogen sichergestellt.

Mehr Sensibilität gefordert

Während die Pressemitteilung der Grünen in sozialen Netzwerken am Donnerstag weiter für Empörung sorgte, etwa auf der Facebook-Seite des CSD Frankfurt, ruderte ihre Urheberin inzwischen zurück: "Die Razzia in den schwul-lesbischen Bars der Alten Gasse stand im Zusammenhang mit etwa 20 Gewerbekontrollen im Innenstadtbereich", stellte sie nun ebenfalls fest.

Sie fragte aber weiter, "ob dort die Überprüfung aller Gäste im Vegleich mit Lokalen im Kriminalitätsschwerpunkt Allerheiligenviertel wirklich nötig gewesen wäre, zumal die Preisgabe der eigenen Personalien in einer schwulen Bar für die Kontrollierten eventuell brisanter ist als in einem beliebigen Schnellimbiss". Hier sei "mehr Umsicht angezeigt gewesen", auch um "die missverständliche Auffassung der Betroffenen zu vermeiden, es handele sich um eine gezielte Aktion in schwulen Bars".

Die Frage, wie feinfühlig Beamte bei Routine-Kontrollen in Einrichtungen der Szene sein sollen, beschäftigte auch andere Städte. Selbst im Berliner Nollendorfkiez gab es in den letzten Jahren Razzien etwa zum Nichtraucherschutz, die von Besuchern als übertrieben und unsensibel eingeschätzt wurden. In NRW hatten mehrfach Razzien in schwulen Saunen für Schlagzeilen gesorgt, die teilweise mit einem Vorgehen gegen vermeintliche Prostitution begründet worden waren. (nb)

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Tags: polizei, frankfurt, razzia, alte gasse
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Reaktionen zu "Frankfurt: Aufregung um "Razzia" im Homo-Viertel"


 45 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
10.03.2016
20:09:26
Via Handy


(+4, 14 Votes)

Von Nico


Dann sind wir ja schon fast wieder wie zu düstersten Zeiten des §175.

Oder wie in der New Yorker Christopher Street der 60er-Jahre.

Hätte nicht gedacht, dass diese Zeiten so schnell wieder kommen.


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#2
10.03.2016
20:28:59


(+6, 16 Votes)

Von Geschichte


So hat es damals auch angefangen...


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#3
10.03.2016
20:42:45


(+3, 11 Votes)

Von Heiner
Antwort zu Kommentar #1 von Nico


>>>>>>>
Oder wie in der New Yorker Christopher Street der 60er-Jahre.
<<<<<<<

Dann brauchen wir vielleicht auch neue Stonewall-Riots...


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#4
10.03.2016
20:57:59


(-4, 14 Votes)

Von luckygay


Die Razzien zum Nichtraucherschutz sind doch völlig in Ordnung. Ich beobachte immer wieder, dass einzelne Besucher dagegen verstoßen. Für meine Gesundheit nehme ich die kurze Unterbrechung durch die Kontrolleure gerne in Kauf.


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#5
10.03.2016
21:08:40


(-6, 12 Votes)

Von lucdf
Aus köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 04.09.2011


Was ist daran so alarmierend?


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#6
10.03.2016
21:33:27


(+5, 13 Votes)

Von TheDad
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"Gewerbekontrollen" ?
Abends ?
Wenn Gäste dort sind, deren Identitäten dabei festgestellt wurden ?

Ich kenne Gewerbekontrollen, vor allem auch solche, wonach dann Lokale wegen "Hygienemängel" geschlossen wurden..
Die finden aber nicht Abends um 22:00 Uhr statt, und nicht unter Amtshilfe einer Hundertschaft !

Unfaßbar..
Da kommen "alte Erfahrungen" in Erinnerung aus den späten Siebziger Jahren..


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#7
10.03.2016
21:37:02


(-4, 10 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Die Situation in Frankfurt ist völlig anders als Mrs Purkhardt suggeriert. Polizei-Razzien müssen vor allem die Kollegen in den beliebten FKK-Clubs Mainhattan und Palace über sich ergehen lassen


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#8
10.03.2016
21:52:12


(-2, 10 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von luckygay


""Die Razzien zum Nichtraucherschutz sind doch völlig in Ordnung. Ich beobachte immer wieder, dass einzelne Besucher dagegen verstoßen. Für meine Gesundheit nehme ich die kurze Unterbrechung durch die Kontrolleure gerne in Kauf.""..

Wenn es Dir dabei um die eigene Gesundheit ginge, würdest Du keine Raucher-Kneipen aufsuchen !


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#9
10.03.2016
21:52:52


(-3, 13 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014
Antwort zu Kommentar #6 von TheDad


Lächerlich. Diese Hygieneüberprüfungen finden schon seit Monaten in Frankfurt statt und niemand regt sich drüber auf, außer vielleicht unseriöse Betreiber. Die Prüfungen führt man am besten während der Zeit durch, wo die Küchen am meisten Betrieb haben und das ist halt in jedem Betrieb anders


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#10
10.03.2016
21:54:27


(-1, 9 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Dont_talk_about


""Kollegen""..

""Polizei-Razzien müssen vor allem die Kollegen in den beliebten FKK-Clubs Mainhattan und Palace über sich ergehen lassen""..

Was genau ist nun hier der Anlass für die Ablenkung von der Geschichte im Artikel ?


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