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Interview mit der "Märkischen Allgemeinen"

Sohn outet Erwin Strittmatter als homophob


Fünffacher Nationalpreisträger: Erwin Strittmatter zu DDR-Zeiten

Der 1994 gestorbene Schriftsteller habe das Schwulsein seines Sohnes nie akzeptiert, klagt der heute 62 Jahre alte Erwin Berner in einem Interview.

Der sorbisch-deutsche Schriftsteller Erwin Strittmatter (1912-1994) zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Schriftstellern der DDR – und heute auch zu den umstrittensten. Zeit seines Lebens verschwieg er seine Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Ordnungspolizei sowie seine Beteiligung an Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Von 1958 bis 1964 arbeitete der fünffache Nationalpreisträger der DDR als Geheimer Informator der Staatssicherheit.

Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod wurde Strittmatter von seinem Sohn Erwin Berner nun auch noch als homophob geoutet. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "Märkischen Allgemeinen" sprach der heute 62-Jährige, der seit 1982 offen schwul lebt, ausführlich über seinen Vater.

"Mein Vater war bis zu seinem Tod homophob"

"Wir haben nie darüber gesprochen", sagte Berner der in Potsdam erscheinenden Tageszeitung im Hinblick auf seine Homosexualität. "Laut Tagebuch war seine Frage immer: Wie gehen wir damit um? Nicht: Wie kommt mein Sohn damit zurecht?" Für ihn sei diese Haltung in den Neunzigerjahren ein Schock gewesen: "Mein Vater war bis zu seinem Tod homophob. Das ist für mich bitter. Und hätte ich das nur im Entferntesten geahnt, ich hätte es ihm nicht durchgehen lassen. Für jemand, der sich als Humanist bezeichnet, war diese Haltung ein Armutszeugnis."

Erwin Berners Verhältnis zu seinem Vater war bereits früh von Reibungen geprägt. Mit 18 Jahren brach er – gegen den Willen Strittmatters – die Oberschule ab und verließ den heimischen Schulzenhof in Stechlin, um in Rostock die Schauspielschule zu besuchen. Zu dieser Zeit legte er sich den Künstlernamen Erwin Berner zu, um unerkannt leben und arbeiten zu können – laut Geburtsurkunde heißt er genauso wie sein Vater Erwin Strittmatter. Erst nach dessen Tod bekannte er sich öffentlich zu seiner Herkunft. Berner ist als Lyriker und Autor tätig, zudem wirkte er als Schauspieler in mehreren Film- und Fernsehproduktionen mit.

Zu den bekanntesten Werken seines Vaters zählen "Tinko" (1954) und "Ole Bienkopp" (1963). Nach der Wende schrieb Erwin Strittmatter den letzten Teil seiner von Jo Baier verfilmten Romantrilogie "Der Laden". Die Werke des Schriftstellers wurden in rund 40 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. (cw)



#1 Dont_talk_aboutProfil
  • 12.03.2016, 19:16hFrankfurt
  • Finde es gut, dass der Sohn das sagt. Auch wenn man es dagegen abwägen muss, dass der Vater sich nicht mehr wehren kann, finde ich es trotzdem insgesamt gut
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#2 NicoAnonym
  • 12.03.2016, 20:08h
  • Voll was neues?? Welcher Vater nicht? Und zu dieser Zeit erst recht. Andersrum wärs schräger.

    Ups, Andersrum lol...
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#3 David77Anonym
  • 12.03.2016, 20:25h
  • Antwort auf #1 von Dont_talk_about
  • "Auch wenn man es dagegen abwägen muss, dass der Vater sich nicht mehr wehren kann"

    Immer wenn man mal einen Beitrag findet, dem man die endlich mal zustimmen kann, kommt wieder so eine dämliche Wendung von dir, die einfach nur zum Kotzen ist!

    Konnte ER sich etwa gegen seinen Vater wehren??
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#4 michael008
  • 12.03.2016, 20:49h
  • Antwort auf #2 von Nico
  • Bitte keine Beleidigungen gegen meinen Vater.

    Der war nicht schräg und hat sich trotzdem sehr schnell positiv mit meinem Outing ( 1981 ) auseinandergesetzt.
    Und nebenbei er hat sich keine Sorgen darüber gemacht wie das Anderen erklären muss.
    Er hat mich und mein Schwulsein immer offensiv
    vertreten und gutgeheißen. Meinen Dank Ihm immer dafür!
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#5 Homonklin44Profil
  • 13.03.2016, 11:48hTauroa Point
  • Das ist ja nicht selten so, wenn man mit völlig vernagelten Eltern aufwachsen musste, unter Konservativen oder Prügel-Erzogenen alter Schule.
    Selbst wenn die sich als Fortschrittler oder 'Humanisten' oder wie auch immer aufgeschlossen sehen mögen.

    Mein alter Herr wird auch nie begreifen, was homo-orientiert faktisch bedeutet. Er läuft lieber zur Hinbeterin, lässt sich erzählen,der heilige Matthäus hätte ihr gesagt, ich hätte Probleme mit den Frauen, und löhnt dafür 400 Euro.
    Man kann mit dem besten Willen und feinfühliger Rücksicht auf 'alte Tradition' nix ausrichten, wo das Gras nicht mehr nachwächst,wenn es erst Mal weg ist.

    Von einem Lyriker weiß ich auch,dessen Vater ihn nach Erfolgen in mehreren Ländern immer noch prügeln wollte, damit er etwas "Richtiges" arbeitet. Ab einem gewissen Alter ändern sich Viele nicht mehr, bzw. sind Ansichten starr, wie zementiert.
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#6 audi5000Profil
#7 ursus
#8 NabelschnurAnonym
  • 13.03.2016, 17:43h
  • Antwort auf #5 von Homonklin44
  • Zum Glück zwingt niemand ein schwules oder lesbisches Kind dazu, Kontakt zu solchen "Eltern" zu halten. Schwule und Lesben dürfen, können und sollten solchen Leuten den Rücken kehren, wenn Auseinandersetzungen nichts bringen oder durch fortgesetzte Verletzung noch mehr schaden. Einfach ist das sicher nicht, aber im Endeffekt heilsamer, als sich durch religiös und gesellschaftlich anerzogene Schuldgefühle den "Eltern" gegenüber die eigene Identität, das eigene Leben beschädigen zu lassen.
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#9 Miguel53deProfil
  • 13.03.2016, 19:58hOttawa
  • Antwort auf #5 von Homonklin44
  • Mit dem "ab einem gewissen Alter aendern sich viele nicht mehr" hast Du nur allzu Recht. Und bei Manchen beginnt diese gewisse Alter verdammt frueh. Und dann wueten sie hier auf dieser Seite herum mit ihren vernagelten Koepfen.

    Ich habe Strittmatter gelesen. Vor einiger Zeit noch "Ole Bienkopp". Es ist klar, dass der Humanismus nur vorgeschoben, die Anbiederung an das Regieme hingegen offensichtlich war. Kein Wunder, dass er entsprechende Preise erhielt.

    Traurig fuer seinen Sohn, spaet noch die Einstellung seines Vaters kennenzulernen. Darueber oeffentlich reden ist das Beste, was er machen kann.

    Strittmatter war ein interessanter Schreiber, wenn man allein vom Schreibtstil ausgeht. Aber einer, der keinesfalls auf einen Denkmal-Sockel gehoert.
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#10 wiking77
  • 14.03.2016, 14:33h
  • wie armselig. Vielleicht hätte man dem alten Herrn Strittmatter noch zu Lebzeiten die Leviten lesen sollen ...
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