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  • 16.03.2016, 06:24h           3      Teilen:   |

"Ken. To be destroyed"

Transgender in den 1950er-Jahren

Artikelbild
Ab Donnerstag im Schwulen Museum*: Mit handkolorierten Bildern zeigt Sara Davidmann ihre Fiktion, wie sich der Mensch, den ihre Familie als Onkel Ken kannte, auch außerhalb der eigenen vier Wände als Frau bewegt.
Bild: Sara Davidmann

Die neue Ausstellung "Ken. To be destroyed" im Schwulen Museum* Berlin zeigt die berührende Spurensuche der Künstlerin Sara Davidmann in der eigenen Familie.

Von Michael Fürst

Vielleicht ging es Sara Davidmann ähnlich wie Bastian Balthasar Bux, der Hauptfigur in Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte", der in einem Antiquariat auf ein Buch stößt, das ihn magisch anzieht. Auf der Vorderseite des Einbands prangt ein Symbol, das ihm fremd ist und seine Neugier entfacht. So beginnt er damit, das Buch zu lesen, es regelrecht zu verschlingen – und dabei zunehmend Teil der Handlung zu werden.

Davidmanns Ausstellung "Ken. To be destroyed", die am Donnerstag im Schwulen Museum* Berlin eröffnet wird, beginnt mit einem außergewöhnlichen Fund. In der Garage des Hauses ihrer verstorbenen Mutter, einem Ort, der die aussortierte Vergangenheit einer Familie beherbergt, stoßen Sara Davidmann und ihre Geschwister auf Überraschendes: Auf einem bräunlichen Umschlag stehen nur vier Worte, die zugleich vertraut und befremdlich wirken, in jedem Fall aber eine magische Anziehung auf die Künstlerin ausüben: "Ken. To be destroyed" ("Ken. Zu vernichten").

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Das Geheimnis von "Onkel" Ken und Tante Hazel

Parallel zur Ausstellung ist das Buch "Ken. To be destroyed" beim Schilt Verlag erschienen, herausgegeben von Val Williams.
Parallel zur Ausstellung ist das Buch "Ken. To be destroyed" beim Schilt Verlag erschienen, herausgegeben von Val Williams.

Als sie den Umschlag öffnet, ist sie von dessen Inhalt, ebenso wie Bastian Balthasar Bux in Michael Endes Roman, unweigerlich in den Bann gezogen, der sie fortan nicht mehr loslässt. Vor ihren staunenden Augen entfaltet sich eine Geschichte aus Briefen, Fotografien und Dokumenten, von der sie immer schon ein Teil war, die aber bis zu diesem Tag vor ihr verborgen geblieben war.

Es ist die Geschichte ihres "Onkels" Ken, ihrer Tante Hazel und ihrer Eltern – oder vielmehr ein Teil ihrer Geschichte, den Sara Davidmann bisher nicht kannte, weil er von der Familie verschwiegen und tabuisiert worden war. Der Fund in der Garage offenbart, dass Ken transgender war, dass sie im Privatleben Frauenkleider trug, dass ihre Frau damit umzugehen lernte und dass der Rest der Familie sich um die beiden zwar kümmerte, aber diesen Teil seines Lebens in Schweigen hüllte.

Niemand sollte von dieser Sache erfahren, vielleicht um die Familie nicht in ein schlechtes Licht zu rücken, vielleicht aus Scham, vielleicht aus berechtigter Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung – es sind die 1950er Jahre in England.

Die Bilder, Briefe und Unterlagen waren aus unbekannten Gründen nicht vernichtet worden, sondern fielen in die Hände einer Verwandten und Künstlerin. Sara Davidmann sichtete das Material, das noch bedeutend umfangreicher war als es der erste Umschlag vermuten ließ, und begann damit zu arbeiten. Das Ergebnis war eine Installation mit Dokumenten, Schriftstücken und Fotografien, zum Teil neu hergestellt, zum Teil mit unterschiedlichen Techniken und Materialien überarbeitet, die Davidmann 2014 erstmals während der Konferenz "The Un-Straight Museum" im Museum of Liverpool präsentierte.

Eine sinnliche wie berührende Ausstellung

Die Künstlerin und Fotografin Sara Davidmann zeichnet seit 15 Jahre die Oral History von Trans*- und Queer-Communitys in Großbritannien auf
Die Künstlerin und Fotografin Sara Davidmann zeichnet seit 15 Jahre die Oral History von Trans*- und Queer-Communitys in Großbritannien auf
Bild: privat

Sara Davidmann hatte aus den geheimen Fundstücken, den übriggebliebenen Fragmenten eines Lebens etwas Neues geschaffen, durch das Kens Trans-Identität und die damit ausgelösten familiären Probleme greifbar wurden. Auf diese Weise machte sie erfahrbar, was in ihrer Familie verborgen geblieben war und gab Ken etwas von dem zurück, was sie Zeit ihres Lebens nicht sein konnte.

Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit kommt die sinnliche wie berührende Ausstellung, die eng mit der Biografie der Künstlerin verwoben ist, nun ins Schwule Museum* Berlin. Seit der ersten Präsentation in Liverpool hat sich die Arbeit noch einmal verändert, ist um weitere Stücke gewachsen und wurde speziell an die räumlichen Bedingungen in der deutschen Hauptstadt angepasst. Um die Ausstellungsorganisation hat sich Hannes Hacke, wissenschaftlicher Volontär am Schwulen Museum*, mit großem Engagement gekümmert.

Wie das Nichts in "Die unendliche Geschichte" Phantasien bedroht, so bedrohen normierende Vorstellungen von Geschlecht und Identität die vielen denkbaren und möglichen Variationen jenseits der heterosexuellen, zweigeschlechtlichen Ordnung. Und während Bastian Balthasar Bux zum Retter der untergehenden Welt der Fantasie wird, so gibt Sara Davidmann mit der ihr eigenen künstlerischen Imagination Ken posthum den Teil ihres Lebens zurück, der ihr genommen worden war.

  Infos zur Ausstellung
Ken. To be destroyed. Ausstellung vom 18. März bis 30. Juni 2016 im Schwulen Museum*, Lützowstraße 73, 10785 Berlin. Eröffnung: 17. März, 19 Uhr, die Künstlerin Sara Davidmann und die Kuratorin Val Williams sind anwesend. Am 21. April um 19 Uhr findet ein Künstlerinnengespräch mit Davidmann statt.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zur Ausstellung im Schwulen Museum*
» Das Buch zur Ausstellung bei Amazon
» Homepage von Sara Davidmann
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Tags: ken. to be destroyed, schwules museum, transgender, transsexualität, sara davidmann
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Reaktionen zu "Transgender in den 1950er-Jahren"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
16.03.2016
08:58:01


(+4, 4 Votes)

Von Kevin


Ich durfte Sara Davidmann in den letzten Tagen in Berlin ein paar Mal sprechen und fand ich charmante britische Art wunderbar. Auch sind die Exponate, jetzt wo ich sie gerahmt und gehängt gesehen habe, wirklich eindrucksvoll.... als sehr nachvollziehbare Familiengeschichte.


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#2
16.03.2016
22:26:15


(-3, 3 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Bisexuell im 21. Jahrhundert:

Link zu www.bild.de

Tendenz hoffentlich weiter steigend!


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#3
16.03.2016
22:57:56


(0, 2 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


In einer Familie gab es den Grossvater und die Tante. Der Grossvater hatte 14 Kinder gezeugt, von denen nach dem Krieg 11, danach noch neun lebten. Die Tante hatte zwei Toechter und einen Sohn. Die Toechter lebten immer zusammen, bis sie nacheinander starben. Der Sohn wurde ein grosser, bekannter Puppenspieler in einer deutschen Grossstadt. Er heiratete seine Spielpartnerin und blieb kinderlos.

Und dann gab es einen Onkel Karl, von dem niemand sprach. Ausser einer der Toechter des Grossvaters. Es wirkte herablassend. Vielleicht mitleidig. Jedoch immer ablehnend und war von einer entsprechenden Handbewegung begleitet.

Das sehe und hoere ich noch heute: "Ach der Onkel Karl..." Typisch meine Tante Betty.

Beruehrend, wie Sara Davidmann ihrem Onkel eine Geschichte und ein Gesicht gibt. Waehrend in meiner Familie der Onkel mit vier Worten und einer Geste ins Vergessen gewiesen wurde. In meiner Familie gibt es auch Fotos. Nur kein einziges von diesem Onkel.


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