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  • 16.03.2016, 11:29h           28      Teilen:   |

Viraler Unfall

"Gay Prank": Youtuber antwortet auf Kritik



Mert Matan betont, er habe nichts gegen Homosexuelle, und redet doch nur einfühllosen Unsinn.

Wieviel Verantwortung tragen "Profi"-Youtuber? Gibt es keine Schulungen für sie? Seit zwei Tagen sorgt ein inzwischen über eine Million mal angesehenes Video auf Youtube für Empörung, in dem Mert Matan heimlich filmt, wie er seinem Vater als Scherz erzählt, dass er schwul ist, und dieser darauf seinen Sohn schlägt (queer.de berichtete).



Witzig ist das Video nicht, es hat gar mehrere Probleme: Es amüsiert sich priviligiert über eine fiktive Situation, die für andere mehr als real ist, ohne das zu reflektieren und in der Umsetzung zu berücksichtigen. Folglich ist der Familienfrieden nach dem "Coming-out" sofort wieder hergestellt, weil der Sohn ja doch nicht schwul ist. Diese "Lösung" gibt es in der Realität nicht, aber Kritik an der extremen Reaktion seines Vaters übt Mert nicht. Das Video eignet sich, davon zeugen auch etlich homophobe Kommentare bei Youtube, in keinster Weise dazu, zum Thema Coming-out sinnvoll beizutragen, ermutigend ist es keinesfalls.

In einem neuen Video hat der Youtube-Star nun auf die Kritik an dem Video reagiert und betont, nicht homophob zu sein. Homosexuelle seien Teil der Gesellschaft und man müsse das akzeptieren, so wie es ist. Da ist er weiter als mancher AfD-Politiker oder Demo-für-alle-Befürworter, die in Medien und sozialen Netzwerken weniger kritisiert werden als Mert jetzt. Zurecht beklagt er wohl auch manche rassistische Reaktion auf sein Video.

Reflektiert und einfühlsam sind die neuen Aussagen aber auch nicht:

Mein Vater hat nichts gegen Homosexuelle, außer dass sein Sohn vielleicht schwul sein könnte. Das gibt es bei uns in der Familie nicht, in der Kultur genauso wie in der Religion nicht. Bei uns in der Familie existiert so etwas einfach nicht. (…) Das ist seine Meinung, zu mir und nicht zu der allgemeinen homosexuellen Szene.



Wir haben Null gegen Homosexuelle. Wir kennen ziemlich viele andere Homosexuelle. Das gibt es auch im Freundeskreis meiner Familie – nicht Bekanntschaft, aber Freundeskreis.



Jeder soll das machen, was er will. Wenn jemand nen Baum lieben will, soll er von mir aus nen Baum lieben.



Vielleicht war seine Reaktion einfach ein bisschen zu hart, aber so ist halt mein Vater. Meine Familie ist halt ein bisschen temperamentvoll.





Da redet sich jemand um Kopf und Kragen, der es vermutlich wirklich nicht böse meint; vielleicht bräuchte er einen schwulen Kumpel, der ihm etwas mehr Einblicke verleiht, vielleicht fehlt eine sensibilisierende Aufklärung über "sexuelle Vielfalt" in seiner Schule; vor allem fehlt wohl auch jemand, der ein Video abnimmt, bevor es veröffentlicht wird, der einen einfach beiseite nimmt, wenn man Mist baut oder seine eigene Familie unglücklich vorführt.

Dem im Video auch kurz vorkommenden Vater scheint die Sache, trotz mancher Windungsversuche, durchaus unangenehmer zu sein:

Ich hab für den Moment so reagiert. Vielleicht hätten andere Väter genauso reagiert oder würden genauso reagieren.



Leider fällt ihm Mert immer wieder ins Wort oder schneidet seinem Vater technisch das Wort ab, so dass es schwer fällt, seine Aussagen näher einzuschätzen. Die Körpersprache spricht aber für sich – das Video könnte für andere Väter ein Signal sein, sich vorab über Situationen wie diese Gedanken zu machen, und damit doch noch einen Sinn bekommen.

Mert hingegen redet die Handlung seines Vaters weiterhin schön. Er meint als Fazit, dass die Medien überreagiert hätten. Und: "Ich hab' nichts falsch gemacht." (nb)

 Update  17.3., 19.50h: Youtuber verliert Vermarkter

Am Donnerstag hat TubeOne Networks seinen Vertrag mit Mert Matan mit sofortiger Wirkung beendet. Mehr dazu in diesem Bericht.

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Tags: youtube, homophobie, mert matan
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Reaktionen zu ""Gay Prank": Youtuber antwortet auf Kritik"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
16.03.2016
12:08:52


(+4, 6 Votes)

Von media-watch


gewalt gegen schwule und deren dreiste verharmlosung wird also völlig unbehelligt von und bei youtube verbreitet.

(auch) solche verheerenden, aber anscheinend gewollten (siehe u. a. homo-hasser, die überall in den medien hofiert werden) "role models" für junge menschen sind teil der rechtsverschiebung der gesellschaft.


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#2
16.03.2016
12:20:41


(+7, 7 Votes)

Von Finn


"Mein Vater hat nichts gegen Homosexuelle"

Weswegen er seinen Sohn verprügelt, wenn dieser schwul ist.

-------------------

"Jeder soll das machen, was er will. Wenn jemand nen Baum lieben will, soll er von mir aus nen Baum lieben."

Die Liebe zu einem Menschen mit irgendwelchen lächerlichen Dingen zu vergleichen, zeigt nur, dass eben doch latente Homophobie vorhanden ist.

-----------------

"Vielleicht war seine Reaktion einfach ein bisschen zu hart, aber so ist halt mein Vater. Meine Familie ist halt ein bisschen temperamentvoll."

Sehr einfach.

Wenn in Zukunft wieder mal Schwule verprügelt werden, können die Täter ja auch sagen "Ich bin halt ein bisschen temperamentvoll."


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#3
16.03.2016
12:21:18


(+5, 5 Votes)

Von myystery


"Das gibt es bei uns in der Familie nicht, in der Kultur genauso wie in der Religion nicht."

Das wäre mir neu.


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#4
16.03.2016
12:24:51
Via Handy


(+6, 6 Votes)

Von Enlil


Ich habe mich schon gewundert, warum bei queer.de nicht über das Video berichtet wird.
Schlimm zu sehen was manche Leute so lustig finden und die dazugehörigen Kommentare erst...

Man kann nur ahnen wie so eine Situation in Familien mit ähnlichen Ansichten abgeht und es sich dabei nicht um einen Prank handelt!


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#5
16.03.2016
12:28:11


(+5, 5 Votes)

Von Peer


"Mert hingegen redet die Handlung seines Vaters weiterhin schön. Er meint als Fazit, dass die Medien überreagiert hätten."

Sein Vater fängt an seinen Sohn zu verprügeln, weil er glaubt, sein Sohn sei schwul.

Die Medien berichten darüber.

Meine Frage:
wer hat da wohl überreagiert?

Dass Mert die Sache runterspielen will ist klar. Er hat seinen Vater schließlich vor der Öffentlichkeit als gewaltbereiten Homohasser bloßgestellt.

Ich gestehe jedem - sowohl Mert als auch seinem Vater - zu, auch mal einen Fehler zu machen und dazu zu lernen. Aber dann ist es manchmal einfach besser zu sagen: "Sorry, ich habe Mist gebaut. Tut mir leid." statt die Sache mit abstrusen Ausreden runterspielen zu wollen und so zu tun, als hätte man keinen Fehler gemacht und als sei der Vater nur ein wenig impulsiv.


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#6
16.03.2016
12:36:29


(+6, 6 Votes)

Von An den Vater


"Ich hab für den Moment so reagiert. Vielleicht hätten andere Väter genauso reagiert oder würden genauso reagieren."

Sehr geehrter Vater von Mert,

ja, es gibt sicher auch andere Väter, die ähnlich reagiert hätten.

Aber macht das Ihr Verhalten besser? Nur weil manche andere Menschen auch so reagieren, muss man das doch nicht nachmachen.

Mal angenommen, Mert sei schwul. Er wäre dann weiterhin derselbe Mensch, der er die letzten Jahre auch schon war. Und er wäre weiterhin Ihr Sohn.

Es sollte Ihr vornehmlicher Wunsch sein, dass Ihr Sohn glücklich wird im Leben. Wenn er das mit einer Frau wird, prima. Aber wenn er das mit einem Mann wird, genauso prima. Sie können sich das vielleicht nicht vorstellen, wie das ist. Aber es ist halt auch nicht Ihr Leben, sondern sein Leben.

Im Video heißt es, ihre Familie hätte schwule Freunde. Mal angenommen, das ist nicht nur eine Ausrede, sondern stimmt: wie fühlen sich Ihre Freunde jetzt, wenn sie sehen, wie sie darauf reagieren würden, wenn ihr eigener Sohn schwul ist?


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#7
16.03.2016
12:43:04


(+7, 7 Votes)

Von Carsten AC


-----------
Wir haben Null gegen Homosexuelle. Wir kennen ziemlich viele andere Homosexuelle. Das gibt es auch im Freundeskreis meiner Familie nicht Bekanntschaft, aber Freundeskreis.
------------

Das ist immer die Standardausrede aller Homophoben, wenn sie sich ertappt fühlen. Auch Erika Steinbach erzählt immer wieder, sie sei mit vielen Schwulen befreundet, wolle diese aber dennoch diskriminieren. (Da fragt man sich, ob diese "Freunde" wirklich existieren oder ob die masochistisch veranlagt sind.)

Und auch hier wird gleich eilig hinterhergeschoben, dass das nicht im engeren Bekanntenkreis ist, sondern nur irgendein ganz weit gefasster Freundeskreis. Damit nur ja niemand denkt, man hätte zu viel mit denen zu tun.

Sorry, aber die ganze Entschuldigung mit ihren hanebüchenen Argumenten und das mangelnde Bewusstsein für eigene Fehler zeigt letztlich nur, dass es eben doch ein Beispiel für Homophobie ist.

Und sowohl Mert als auch sein Vater sollen sich mal eines überlegen: angenommen ein deutscher Hetero würde seinem Vater sagen, er sei mit einer Muslimin zusammen und der Vater würde so reagieren. Und nachher würde man sagen "Wir kennen aber viele Muslime. Wir haben nur ein bisschen überreagiert." Was würden die dann dazu sagen? Und das hier ist dasselbe in Grün...


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#8
16.03.2016
13:05:04


(+6, 8 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #7 von Carsten AC


"Wir haben Null gegen Homosexuelle. Wir kennen ziemlich viele andere Homosexuelle. Das gibt es auch im Freundeskreis meiner Familie nicht Bekanntschaft, aber Freundeskreis."

Die Ausrede wird umso bekloppter, wenn er doch kurz vorher sagt "das gibt es bei uns nicht". Woher kennt man die denn dann?

Die Kommentare bei Du-Tube sind mal wieder ein sehr gutes (besser gesagt: schlimmes) Beispiel dafür, warum Aufklärung von früh an notwendig ist.

Und dann fällt Jugendlichen auf einmal die Natur ein, dass die Menschheit sonst aussterben würde und die Natur nur Muschi und Dödel erschaffen habe.

Klaro. Deshalb teilen die ihre Kommentare auch per Rauchzeichen mit, haben die Aktion persönlich gesehen, haben auch schon 10-20 Kinder in ihrem Leben eingeplant. Und erreichen alles zu Fuß. Und kontrollieren, ob der Nachbar auch seiner Verpflichtung zur Zeugung nachkommt.
Und benutzen nicht etwa Internet, Bus und Bahn, schauen kein Du-Tube und haben auch nicht die Fantasie durch das Hintertürchen ihrer Freundin zu kommen. Auch nicht im Gedanken irgendwie zu verhüten. Und Angst davor, dass die Menschheit aussterben würde, gäbe es nur Männer, haben sie auch nicht.
Das hat die Natur alles nicht vorgesehen und daran halten sich diese Idioten selbstverständlich.


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#9
16.03.2016
13:22:54


(+3, 7 Votes)

Von TheMum
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Was uns der liebe Mert damit eigentlich sagen will:
"So ist eben die islamisch-homophob-sexistische Kultur! Akzeptiert das gefälligst! Aber bitte, bitte, bitte guckt euch weiter meine beschissenen YouTube Videos an, liken und subscriben, folgt mir auf Twitter und Facebook, denn ich bin eine kleine, miese Attention Whore, die im Leben nichts auf die Reihe bringen wird, als sich auf Kosten anderer zu amüsieren und gleichzeitig zu bereichern."


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#10
16.03.2016
14:45:36


(+6, 6 Votes)

Von Fakten


Fakt ist:
auf den Verdacht, sein Sohn könne schwul sein, hat der Vater gleich angefangen, seinen Sohn zu verprügeln.

Dass die das jetzt runterspielen wollen, wundert niemanden. Aber sowas ist definitiv kein "temperamentvoll" von jemandem, der eigentlich gar nicht homophob sein soll. Sondern das ist nur eines: brutal, dumm und asozial.

Und nichts anderes.

Egal, was die uns jetzt nachträglich weismachen wollen. Zumal aus der Relativierung auch wieder Homophobie durchklingt.


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