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  • 16.03.2016, 13:47h           120      Teilen:   |

Keine Abgrenzung von Fundamentalisten

Guido Wolf zur Homo-Ehe: Toleranz ja, "Gleichmacherei" nein

Artikelbild
Der Fraktionsvorsitzende der CDU in Baden-Württemberg antwortete erzkatholischen Aktivisten, die die Lebenspartnerschaft sogar wieder abschaffen wollen

In einer Antwort auf die "Aktion Kinder in Gefahr" sprach sich der CDU-Spitzenkandidat im Ländle gegen eine Ehe für alle und den Bildungsplan aus.

Von Norbert Blech

Mitten in der Diskussion um ein mögliches grün-schwarzes Bündnis in Baden-Württemberg sorgt ein jetzt bekannt gewordenes Schreiben von CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf für Empörung.

Darin bedankt sich der Fraktionsvorsitzende bei einem Bürger dafür, sich mit einer Postkartenaktion der "Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur" an ihn gewandt zu haben. Auf der Karte wird der angebliche Plan im Ländle beklagt, "Schulkinder in der Gender-Ideologie zu indoktrinieren" und ihnen die "die linksrevolutionäre Lehre der 'sexuellen Vielfalt'" zu vermitteln, wonach es "hunderte sogenannter 'sexueller Orientierungen'" gebe. Das sei ein "Angriff auf die Kinder" und "die christliche Auffassung von Ehe und Familie".

In dem auf den 9. März datierten Schreiben antwortet Wolf, er könne diese Sorgen "angesichts der Dimension der bekannt gewordenen Maßnahmen zum Bildungsplan sehr gut nachvollziehen". Eine Anhörung der CDU habe ergeben, dass diese "verfassungsrechtlich und pädagogisch bedenklich" seien. Die grün-rote Regierung von Winfried Kretschmann nehme die "Bedenken und Argumente" der Unterzeichner der Petition gegen die im Bildungsplan vorgesehene Schulaufklärung über "sexuelle Vielfalt" nicht ernst: "So kann man mit den Bürgerinnen und Bürgern nicht umgehen."

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Toleranz, aber keine Akzeptanz

Das vor der Wahl verfasste Schreiben wurde jetzt von der "Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur" veröffentlicht
Das vor der Wahl verfasste Schreiben wurde jetzt von der "Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur" veröffentlicht

Wolf, der sich im letzten Sommer mit der Organisatorin der "Demo für alle", Hedwig von Beverfoerde, getroffen hatte (queer.de berichtete), geht in dem Schreiben ausführlich auf die "Bedenken" ein. Zwar sei man für eine "sachliche Aufklärung" und gegen die "Diskriminierung von Minderheiten", das Thema dürfe aber keine "übermäßige Bedeutung" im Bildungsplan bekommen.

"Eine tolerante Haltung bedeutet noch lange nicht die bedingungslose Akzeptanz und Unterstützung jeglicher Lebensformen und sexueller Ausrichtungen", so Wolf weiter. Kinder dürften keine "Versuchskaninchen" sein, "grün-rote Ideologie" nicht "über dem Wohl unserer Kinder stehen".

Der Spitzenkandidat, der für die CDU bei der Landtagswahl am Sonntag in der einstigen Hochburg nur 27 Prozent holte und damit 12 Prozent weniger als bei der vorherigen, sprach sich auch deutlich gegen eine Ehe für alle aus: "Toleranz bedeutet für uns nicht Gleichmacherei! Gerade die CDU-Baden-Württemberg steht zu ihren christlichen Grundwerten, so auch zur Familie als Keimzelle der Gesellschaft. Wir setzen uns daher für den besonderen Schutz von Ehe und Familie nach dem Grundgesetz ein."

Die Partei werde sich auch dafür stark machen, "die Zielsetzungen des Aktionsplans entsprechend zu beeinflussen", so Wolf. Damit spielt er auf einen längst beschlossenen umfangreichen Maßnahmenkatalog zur Förderung der Akzeptanz von LGBT an, der bei Homo-Gegnern neben dem Bildungsplan für Empörung sorgt. Der Bildungsplan selbst tritt am 1. August in Kraft, die endgültige Fassung nach Rückmeldungen aus einem umfangreichen Beteiligungsverfahren ist vom Bildungsministerium noch nicht fertig gestellt worden.

Besonders homophober Landesverband vor Koalition mit Grünen?

Das gibt eine Menge Sprengstoff für die Bildung einer unerwünschten "Kiwi"-Koaliton, zu der es am heutigen Mittwoch das erste Treffen geben soll. Es wäre die einzige mögliche Koalition mit eigener Mehrheit für den bisherigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, solange die FDP eine grün-rot-gelbe Koalition ablehnt. Die SPD weigert sich zugleich, eine Dreierkoalition unter Führung des Wahlverlierers Wolf mit der FDP zu ermöglichen.

Mit der CDU hätten die Grünen einen äußerst homophoben Landesverband der Konservativen an der Seite: Im Landtag setzten sich einige Abgeordnete mehrfach für die "Demo für alle" ein (queer.de berichtete), zuletzt erst der Fraktionsvizevorsitzende vor zwei Wochen mit einem Grünen-Bashing (queer.de berichtete). Wolf selbst polterte bei einer Wahlkampfveranstaltung mit der homophoben Autorin Birgit Kelle gegen LGBT-Rechte, während mehrere Kreisverbände Anträge gegen "Gender Mainstreaming" im AfD-Stil beschlossen haben.

Als die "Demo für alle" ihre Wahlprüfsteine vorstellte, nickte die Ländle-CDU alle Forderungen ab – wie sonst nur AfD und Bündnis C: Korrekturen beim Aktionsplan mit seinem "Eingriff in die Meinungs-, Glaubens- und Gewissensfreiheit" wurden ebenso versprochen wie ein Nein zu Ehe-Öffnung und Adoptionsrecht für Homo-Paare oder zu einer "Verwirrung der Geschlechtsidentität" an Schulen (PDF der Antworten).

Wolf antwortete auf Fundi-Postkarte

Mathias von Gersdorff bei einem Protest gegen den Bildungsplan in Stuttgart
Mathias von Gersdorff bei einem Protest gegen den Bildungsplan in Stuttgart
Bild: Youtube-Screenshot

Die "Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur" (DVCK) mit Untergruppen wie "Aktion Kinder in Gefahr" und Aktionen wie "Stoppt Bravo", auf deren Postkarte Wolf antwortete, ist Teil der weltweiten ultrakatholischen "Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum". Sie kämpft in Deutschland seit Jahren gegen Homosexuellenrechte oder liberale Abtreibungsregelungen an und ist Bündnispartner der "Demo für alle", ihr brasilianischer Gründer kritisierte in den 80ern die Straflosigkeit von Homosexualität.

Zur letzten Bundestagswahl wurde von der DVCK in einer Unterschriftenaktion an den SPD-Bundeskanzlerkandidaten Peer Steinbrück nicht nur ein Nein zur Ehe für alle gefordert ("ein frontaler Angriff auf die christlichen Wurzeln unseres Landes und eine Missachtung der christlichen Werte und Prinzipien"), sondern sogar die "Abschaffung der homosexuellen Lebenspartnerschaft, die nichts anderes ist als eine groteske Karikatur der Ehe". Vor Jahren hatte die DVCK bereits Zeitungsanzeigen gegen die Einführung der Lebenspartnerschaft geschaltet.

Prominentestes Gesicht der "Aktion Kinder in Gefahr", auch durch peinliche Youtube-Videos, ist der in Chile geborene Volkswirt Mathias von Gersdorff, der jahrelang belächelt wurde. Durch die Teilnahme an Demos gegen den Bildungsplan, teilweise als Redner, und Veröffentlichungen in "Freie Welt", "Junge Freiheit" und anderen rechten Netzwerken hat er zuletzt aber an Gewicht gewonnen.

Letztlich hilft die Familie: Die Europa-Aktivitäten der "Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum" werden in Brüssel von Paul von Oldenburg vertreten. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, aus deren Büros die "Demo für alle" zunächst organisiert wurden, ist seine Cousine.

Youtube | Aufgrund von Videos wie diesem nahm man Mathias von Gersdorff lange nicht ernst. Inzwischen hat er an Einfluss gewonnen.
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Tags: guido wolf, cdu, bildungsplan, baden-württemberg, mathias von gersdorff, aktion kinder in gefahr
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Reaktionen zu "Guido Wolf zur Homo-Ehe: Toleranz ja, "Gleichmacherei" nein"


 120 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
16.03.2016
14:01:45


(+4, 10 Votes)

Von TheMum
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Spiel dich lieber nicht so auf Guido, sondern komm von deinem hohen Ross herunter. DU hast die Wahl verloren. Tritt zurück und gib deinem Nachfolger den Tipp, dass es sich leider nicht mehr lohnt, radikale katholische Positionen zu vertreten. Niemand außen den allerletzten Vollidioten will Verhältnisse wie in den 50er Jahren zurück. Hau einfach ab, Guido! Niemand will dich, alle hassen dich und ein Versager bist du obendrein!


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#2
16.03.2016
14:01:52


(+12, 12 Votes)

Von goddamn liberal


Tja, das Flirten mit Faschisten hilft letztlich nur den Faschisten, die gerade allüberall aus allen Löchern bzw. (Wahl-)Urnen kriechen.

Ob Wolf nach der krachenden Niederlage der Filbinger-CDU noch allzu viel zu sagen hat, bleibt offen.

Auch die ELP steht unter dem Schutz des Grundgesetzes und ist Familie.

Der verfasssungsmäßige Rahmen ist nach den letzten Urteilen des Verfassungsgerichts abgesteckt.

Der gehört auch in die Schulen (wogegegen die gewählten Elternvertreter des Elternbeirats NIE etwas hatten).

Das ist die Mindestanforderung an die BW-Grünen, die sich dubiose Figuren wie Boris Palmer leisten.


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#3
16.03.2016
14:13:45
Via Handy


(+6, 8 Votes)

Von Nico


Eine Koalition zwischen Grünen und CDU wäre nur dann möglich, wenn die CDU bei Homorechten einlenkt und endlich die Realität anerkennt statt dumpf die Interessen einer schrillen Minderheit fanatisierter Ewiggestriger zu bedienen.

Mit ihrer Hetze aus rein taktischen Gründen hat die CDU die AfD erst stark gemacht.

Will die CDU weiterhin auf dieser Schiene fahren ist eine Koalition mit den Grünen ausgeschlossen.


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#4
16.03.2016
14:17:48


(+7, 9 Votes)

Von myystery


Was fällt dem Herrn Woflf nur ein?

"So kann man mit den Bürgerinnen und Bürgern nicht umgehen."

Diese Gleichmacherei zwischen Männern und Frauen ist doch wirklich nichts anderes als ein Umkehrung der gottgewollten, natürlichen Ordnung und links-grüne Indoktrinierung!!!!!!

In der Bibel steht eindeutig, dass erst der Mensch kam - und dann die Frau. Dieser links-grün versiffte Wolf will nun in dunkler Verschwörung und mit guten Absuichten getarnt unsere altehrwürdige "Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur" umpohlen und uns weismachen, dass die Bürgerinnen nicht nur gleich behandelt werden sollen, sondern eine Sonderbehandlung wollen!!!!!

Diese Überhöhung der Frau ist nun wirklich ein schrecklicher Angriff auf unser Christentum!!!!!!!!

Herr Wolf, Sie sind enttarnt.



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#5
16.03.2016
14:18:54


(+7, 9 Votes)

Von userer
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Toleranz ja, "Gleichmacherei" nein?

Was Wolf eigentlich sagen möchte, sich aber noch nicht traut:

Noch ein wenig länger stillhalten, bis Christen die Rechtsprechung komplett unter Kontrolle haben, Gewähren gleicher Rechte niemals.


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#6
16.03.2016
14:21:50


(+7, 7 Votes)

Von TheMum
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Antwort zu Kommentar #3 von Nico


Ich bin fest davon überzeugt, dass Kretschmann eine Koalition mit der CDU eingehen würde, aber ich lasse mich auch gerne überraschen. Vergiss nicht, dass die Grünen in BaWü der wahrscheinlich mit Abstand konservativste grüne Landesverband sind. Kretschmann ist da wohl auch eher auf einer Linie mit den "Bewahrern der Schöpfung". LGBTTIQ-Rechte sind da nachrangig, wie das Zurückstellen der Bildungsplanreform nach Einwurf durch die schrillen Homohasser nur allzu deutlich gezeigt hat.


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#7
16.03.2016
14:24:22


(0, 4 Votes)

Von gps*


bonn ist nicht weimar, berlin ist nicht bonn.
liegt aber näher an weimar.

Link zu www.wahlrecht.de

Link zu www.wahlrecht.de


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#8
16.03.2016
14:28:24


(+5, 9 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #3 von Nico


Nico: "Eine Koalition zwischen Grünen und CDU wäre nur dann möglich, wenn die CDU bei Homorechten einlenkt"

Dass die CDU in puncto Gleichstellung für Grünschwarz einlenken müsste, finde ich nicht so sicher bei dem bekennenden Katholen Kretschmann und dem reaktionär-machtgeilen Özdemir unter der evangelischen Führerin Göring-E. Zumal dies als bundespolitisches Thema abgetan werden wird, das im Ländle angeblich keine Rolle spielt (außer für den Bundesrat, wo sich BaWü dann enthalten wird).

Ich glaube nicht, dass diese Politikerriege ihre Machtergreifung am Thema Menschenrechte für Schwule scheitern lassen werden.


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#9
16.03.2016
14:36:33


(+7, 7 Votes)

Von Gerrit
Antwort zu Kommentar #3 von Nico


Sehe ich ähnlich:
die Grünen wissen sehr genau, dass LGBTI ein großer und wichtiger Teil ihrer Wählerschaft sind. Anteilmäßig viel stärker als in jeder anderen Partei.

Und auch die anderen Wähler der Grünen haben die Schnauze voll davon, dass ihre Freunde, Kollegen, Nachbarn, Söhne & Töchter, Brüder & Schwestern, etc. diskriminiert werden. Auch in Baden-Württemberg will eine Mehrheit der Bürger (wie auch deutschlandweit) die volle rechtliche Gleichstellung, altersgerechte Aufklärung, Diskriminierungsschutz, etc.

Da werden die Grünen alleine schon aus Selbsterhaltungstrieb (von inhaltlichen Überzeugungen ganz zu schweigen) nicht auf eine homophobe Linie umschwenken. Das wäre für die Partei verheerend.

Die sehen ja auch, was momentan mit der SPD passiert, die nach Wahlen für die Macht ihre angeblichen Überzeugungen verkauft und jedes Versprechen bricht.

Würden die Grünen das auch machen, droht ihnen dasselbe Schicksal und dank des größeren LGBTI-Anteils bei den Grünen-Wählern und der eh schon geringeren Ausgangsposition als die SPD zu Bestzeiten, wären die Folgen für die Grünen nochmal viel dramatischer als für die SPD.

Zumal sich auch viele Wähler der Grünen einen Wechsel zur Linkspartei vorstellen könnten, wenn die Grünen das machen würden.

Falls es zu Schwarz-Grün kommt, würde das nur toleriert, wenn die CDU in diesen Fragen komplett auf grüne Positionen umschwenkt. Alles andere wäre das Ende der Grünen.


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#10
16.03.2016
14:41:06


(-6, 10 Votes)
 
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