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  • 18.03.2016, 14:34h           119      Teilen:   |

Ex-Außenminister

Guido Westerwelle ist tot

Artikelbild
Guido Westerwelle war von 2009 bis 2013 deutscher Außenminister (Bild: Westerwelle Foundation)

Der ehemalige deutsche Außenminister starb am Freitag im Alter von 54 Jahren in Köln. Der FDP-Politiker war der erste offen schwule Bundesminister.

Guido Westerwelle ist tot. Das teilte die Westerwelle Foundation am Freitagnachmittag mit. Auf der Facebook-Seite der Organisation heißt es: "Wir trauern um unseren Chef Guido Westerwelle. […] Er wird uns unendlich fehlen." Demnach ist der FDP-Politiker am Freitag in der Uni-Klinik Köln an den Folgen seiner Leukämieerkrankung gestorben.

Der frühere deutsche Außenminister starb im Alter von 54 Jahren. Er hinterlässt seinen Lebenspartner, den Sportmanager Michael Mronz, mit dem er 2010 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen war (queer.de berichtete). Auf der Homepage der Foundation ist ein Bild der Männer abgebildet mit folgendem Text: "Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt. Guido Westerwelle und Michael Mronz, Köln, den 18. März 2016".

Im Jahr 2014 erklärte Westerwelle, dass er an Blutkrebs erkrankt sei, einer schnell auftretenden, bösartigen Erkrankung der weißen Blutkörperchen (queer.de berichtete). In den Folgetagen stieg die Zahl registrierter Knochenmarkspender stark an. Dass schwule Männer seit kurzem ebenfalls Knochenmark – weiterhin anders als Blut – spenden dürfen (queer.de berichtete), könnte ebenfalls auf den prominenten Fall zurückgehen.

Westerwelle selbst verschwand damals zunächst weitgehend aus der Öffentlichkeit und unterzog sich einer Chemotherapie, außerdem erhielt er eine Knochenmarktransplantation. Im letzten Herbst gab er einige Interviews und veröffentlichte ein Buch über den Umgang mit seiner Krankheit, was ihm eine Menge Respekt von allen Seiten einbrachte.

Seit Ende November lag Westerwelle allerdings wieder in der Kölner Universitätsklinik. Berichten zufolge gab es Abstoßungsprobleme des Körpers nach der Transplantation.

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Langsames Coming-out seit 2004

Im letzten November war Westerwelle Einzelgast bei Günther Jauch und sprach über seine Erkrankung. Die Sendung in der ARD-Mediathek.
Im letzten November war Westerwelle Einzelgast bei Günther Jauch und sprach über seine Erkrankung. Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Der in Bonn geborene Westerwelle begann eine Karriere als Rechtsanwalt und trat 1980 der FDP bei, er gilt als Mitbegründer der Jungen Liberalen. Von 1994 bis 2001 war er Generalsekretär seiner Partei, bevor er zum Bundesvorsitzenden aufstieg. Diesen Posten hatte er bis 2011 inne. Bekannt wurde er in dieser Zeit vor allem durch Forderungen nach Steuersenkungen und den Bundestagswahlkampf 2002, den er mit Guido-Mobil und der Parole "18 Prozent" bestritt. Das Ziel wurde deutlich verfehlt und Westerwelle in den Folgejahren ernsthafter.

Während Medien bereits früh zwischen den Zeilen über Westerwelles Homosexualität spekulierten oder Witze machten, hatte er sein öffentliches Coming-out erst 2004 – nach Klaus Wowereit und Ole von Beust. Zunächst berichtete der "Spiegel" als erstes Mainstream-Medium, wie der Politiker auf einer Veranstaltung bewusst "in männlicher Begleitung" erschien (queer.de berichtete). Wenige Wochen später titelte dann die "Bild"-Zeitung "Westerwelle liebt diesen Mann" und stellte Michael Mronz der Öffentlichkeit vor.

2009 erzielte die FDP mit 14,6 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis. In der von ihm angestrebten neuen schwarz-gelben Koalition wurde Westerwelle Vizekanzler und Bundesaußenminister – und war der erste offen schwule Politiker in diesem Amt. Über die Jahre musste er dabei so einige Hänseleien wegen seiner sexuellen Orientierung über sich ergehen lassen. So gab es Medienberichten zufolge 2010 diplomatische Verstimmungen mit Weißrussland, nachdem Diktator Alexander Lukaschenko seinen Unmut über Homosexualität geäußert haben soll: "Er sagte, dass er nicht versteht, wie ein Mann mit einem Mann leben kann" (queer.de berichtete).

Die russische Politik gegenüber Homosexuellen kritisierte er vor allem im Streit um das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" mehrfach öffentlich. Auch zu LGBT-Fragen in anderen Ländern nahm er zuletzt häufiger Stellung – assistiert vom damaligen in seinem Haus angesiedelten Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP). 2013 verlor Westerwelle das Außenamt, nachdem seine Partei bei der Bundestagswahl unter die Fünfprozenthürde abgestürzt war.

Zögerliche Haltung zu LGBT-Rechten

LGBT-Aktivisten kritisierten über Jahre, dass sich Westerwelle nur sehr zurückhaltend für LGBT-Rechte eingesetzt hat. Die Einführung der Lebenspartnerschaft hatte er zunächst abgelehnt und ein vor Notaren geschlossenes Institut mit weniger Rechten vorgeschlagen. Während seiner Amtszeit als Außenminister blockierte die schwarz-gelbe Koalition die weitere Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern. Während dieser Zeit zwang das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung insgesamt sechs Mal, Homo-Paare in Einzelbereichen wie dem Steuerrecht gleichzustellen. Später lastete Westerwelle das fehlende Engagement Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an (queer.de berichtete).

Im Dezember 2013 gründete der Ex-Außenminister die Westerwelle Foundation. Die nach ihm benannte Stiftung setzt sich dafür ein, die Demokratie in Schwellenländern zu stärken, indem die Mittelschichten in diesen Ländern gefördert werden.

Youtube | Bericht der Deutschen Welle zum Tod Westerwelles

"Ein leidenschaftlicher politischer Mensch"

Westerwelle 2009 mit seinem Partner Michael Mronz bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Für Kinder habe man sich vielleicht einige Jahre zu spät kennengelernt, meinte Westerwelle einmal
Westerwelle 2009 mit seinem Partner Michael Mronz bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Für Kinder habe man sich vielleicht einige Jahre zu spät kennengelernt, meinte Westerwelle einmal
Bild: tafkas / wikipedia / cc by sa 3.0

Bei einer Pressekonferenz zum EU-Gipfel in Brüssel sagte die sichtlich gerührte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag: "Es ist mir ein Bedürfnis über die traurige Nachricht zu sprechen, die Nachricht, dass Guido Westerwelle in Köln an den Folgen seiner Krankheit gestorben ist. Sein Tod erschüttert mich tief. Meine Gedanken gehen zu Guido Westerwelles Familie und insbesondere zu seinem Mann Michael Mronz." Sie habe erst vor wenigen Tagen mit Mronz gesprochen und sei über die Mischung aus Hoffnung und Rückschlägen informiert. Westerwelle habe mit Leidenschaft gekämpft, so Merkel, aber auch eine empfindsame und nachdenkliche Seite gehabt. Sei sei ihm für viele tiefe Gespräche dankbar.

"Guido Westerwelle, unser Freund, ist tot", schrieb der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner am Freitag auf der Homepage der Partei. "Diese Nachricht hat uns heute Nachmittag tief getroffen und berührt." Westerwelle sei voller Zuversicht gewesen – "deshalb waren auch wir voller Hoffnung. Wir sind unendlich traurig, dass er diesen Kampf nicht gewonnen hat." "Unser Land verliert einen großen Liberalen", twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Seine Amtsvorgängerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach von "tiefer Bestürzung": "Guido Westerwelle hat wie kaum ein anderer die deutsche Politik geprägt. Liberalismus verdankt ihm sehr, sehr viel."

"Wir haben heute einen Menschen verloren, der unser Land eine ganze Generation lang geprägt hat", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). "Guido Westerwelle war Vollblutpolitiker. Jemand, der sich nie wegduckt und auch in schwierigen Zeiten seine Überzeugungen aufrecht vertreten hat." Man habe sich auf sein Wort verlassen können, auch wenn heftig gestritten wurde.

Der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) meinte, Westerwelle sei ein "herzensguter Mensch" mit einer "tiefen Begabung" gewesen. "Wir sind sehr bestürzt über den Tod von Guido Westerwelle", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir. "Wir trauern mit seinem Mann und seiner Familie!" Ohnehin gingen viele Beileidsbekundungen auf Mronz ein, der dabei teilweise als "Ehemann" bezeichnet wurde.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den Verstorbenen: "Mit Guido Westerwelle verliert unser Land einen leidenschaftlichen politischen Menschen, der seine verschiedenen Aufgaben, ob in seiner Partei, im Ministeramt oder zuletzt in der von ihm gegründeten Stiftung, immer mit großem persönlichem Einsatz angegangen ist."

"Auch wenn sich viele an seinem Auftreten, seiner Politik und seiner Persönlichkeit gerieben haben, war er auch vielen ein Vorbild", schreibt der Völklinger Kreis in einem Nachruf. "Ein offen schwuler Mann, dem nichts erspart wurde, dem innerhalb und außerhalb seiner Partei viel Häme und Homophobie entgegenschlug und der seinen Weg unbeirrbar ging – das hat gerade junge Schwule daran erinnert, sich nicht klein machen zu lassen, Rückgrat zu zeigen und sich nicht zu verstecken", so René Behr, der Vorsitzende des Netzwerks schwuler Führungskräfte. "Dr. Guido Westerwelle hat sich inhaltlich niemals auf seine sexuelle Orientierung beschränken lassen und dennoch eine Außenpolitik verantwortet, die Menschenrechte deutlich vertrat."

"Du musstest viel zu früh gehen", kommentierte Michael Kauch, der Bundesvorsitzende der Liberalen Schwulen und Lesben, auf Facebook: "Es bleibt nur zu sagen: Danke, Guido!" (dk/nb)

Die ARD will am Abend um 22.15 Uhr einen 15-minütigen Nachruf ausstrahlen, das ZDF folgt um 22.25 Uhr.

Youtube | 2010 hielt Westerwelle als Außenminister eine Rede bei der Eröffnung der Gay Games in Köln
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Reaktionen zu "Guido Westerwelle ist tot"


 119 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.03.2016
14:44:07


(-14, 28 Votes)

Von Johannes45


Sehr traurig

Mit ihm stirbt einer der ganz großen Politiker der Gegenwart in Deutschland.

Er war der erste offen homosexuelle Parteivorsitzende einer der etablierten Parteien des Bundestages und der erste offen homosexuelle Aussenminister unseres Landes.

Der FDP und den Liberalen insgesamt haben gerade wird homosexuellen Menschen viel zu verdanken; unermüdlich hat sich die FDP seit Jahrzehnten immer wieder für LGBT-Rechte stark gemacht, auch wenn dies immer von Linken und Grünen zerredet und "mies" gemacht wurde, weil nunmal Linke und Grüne die Erfolge "für sich reklamieren" wollten.

Meine Gedanken sind nunmehr bei Westerwelles Angehörigen, seinem Mann und der Familie


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#2
18.03.2016
14:44:45
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von basti-maxi


Ich dachte er hätte die Krankheit besiegt.

Unvergessen damals: "Es ist Deutschland hier"

Ruh in Frieden.


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#3
18.03.2016
14:47:31


(+1, 7 Votes)

Von Patroklos
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Ruhe in Frieden!


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#4
18.03.2016
14:57:30


(+21, 21 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015


Schock! Egal was man von der FDP halten mag sein Schicksal ist schrecklich, scheiß Krebs! Ich hoffe er musste nicht zu sehr leiden, ruhe in Frieden!


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#5
18.03.2016
14:58:32


(+17, 19 Votes)

Von donlor
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Antwort zu Kommentar #1 von Johannes45


Nicht mal bei so einer Meldung kannst Du Dein Klassenkampfgeschwafel lassen. Was bist Du bloß für ein verkorkster Typ.

R.I.P., Guido Westerwelle


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#6
18.03.2016
14:59:02


(+18, 18 Votes)

Von David77


Da bin ich jetzt echt baff!!!
Ich habe neulich an ihn aufgrund eines Klininkaufenthaltes gedacht und mich gefragt, ob er nicht doch über dem Berg sein müsste.
R.I.P. und mein Beileid an M.Mronz und seiner Familie.


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#7
18.03.2016
14:59:12


(+3, 17 Votes)

Von burgerberg
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 12.11.2014


Ein Mensch ist viel zu früh gestorben - man hätte ihm noch viel Zeit für sein privates Glück gegönnt!

Er hat jahrelang für das Land gearbeitet und seine Zeit zur Verfügung gestellt. Dafür ist ihm zu Danken!


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#8
18.03.2016
15:05:35


(-20, 26 Votes)

Von Johannes45
Antwort zu Kommentar #5 von donlor


@donior
"Nicht mal bei so einer Meldung kannst Du Dein Klassenkampfgeschwafel lassen. Was bist Du bloß für ein verkorkster Typ.
"

DAS hätte Westerwelle sicherlich so gewollt, das man seine Erfolge und die Erfolge der FDP ganz klar und deutlich benennt und hier aufzeigt, wie massiv die FDP und die Liberalen IMMER sich für LGBT-Rechte eingesetzt haben. ABER das kannst Du halt in deinem Kommentar als Linker wiedereinmal nicht verkraften.

Was bist Du doch selbst im Angesicht des Todes von Westerwelle für ein verlogener Typ.

Danke an Westerwelle und an die FDP, das ihr viele Erfolge der LGBT-Rechte in unserem Lande erkämpft und ermöglicht habt.

*
Link zu www.liberale.de
(FDP:Erfolge der Gleichstellungspolitik)


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#9
18.03.2016
15:05:48
Via Handy


(+3, 11 Votes)

Von FOX News


Schade um einen großen Politiker - sein armer Mann :-(


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#10
18.03.2016
15:17:33


(+20, 20 Votes)

Von Yannick


Politisch war ich absolut nicht mit ihm einverstanden.

Aber menschlich ist es natürlich immer tragisch, wenn jemand so früh stirbt. Das tut mir leid.

Mein Beileid seinem Lebenspartner und allen Angehörigen und Freunden.


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