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Kurz vor der Wahl haben die britischen Top-Politiker dem Homo-Magazin "Attitude" ein Interview gegeben.

Von Norbert Blech

Irgendwann in den nächsten Wochen ist in Großbritannien Parlamentswahl. Da begeben sich sogar die wichtigsten Politiker in die Niederungen der Homo-Presse, um ein Interview zu geben. So sagte der britische Premier Tony Blair, er könne sich gut einen gewählten, schwulen Premier vorstellen.

"Ich glaube nicht, dass die Leute einen Premier ablehnen würden, nur weil er schwul wäre", sagte Blair dem "Independent"-Kolumnisten Johann Hari in einem Interview für das Magazin "Attitude". Auf Staatsministerebene gebe es bereits zahlreiche Schwule. Als die "Sun" vor einigen Jahren verbreitete, Großbritannien werde von einer "schwulen Mafia" geleitet, habe es tatsächlich einige homosexuelle Kabinettsmitglieder gegeben.

Während die Wahl-Ausgabe des Monatsmagazins noch nicht erhältlich ist, verbreitet Ari die Interviews auf seiner Webseite. So wurde auch vorab bekannt, dass Blair die Anglikanische Kirche auffordert, ihre Differenzen über schwule Bischöfe zu überwinden. Das fundamentale Prinzip des Christentums sei das der Gleichheit, soll Blair gesagt haben.

Noch vor seiner Universitätszeit habe er bereits schwule Freunde gehabt, sagte Blair - die Zeitung "Independent" schließt daraus, die Kontakte seien vor 1971 bei Blairs Aufenthalt am Fettes College in Edinburgh entstanden, einem konservativen Internat. Als er sich später in London als Promoter von Rockmusik versuchte, habe er weitere Schwule kennengelernt: "Zu dieser Zeit, in diesem Milieu, war Homosexualität kein Thema", so Blair gegenüber "Attitude".

Nach anfänglichem Zögern hat seine Regierung einiges für Lesben und Schwule getan: neben einem umfassenden Antidiskriminierungsgesetz ist auch eine Eingetragene Lebenspartnerschaft für Homo-Paare verabschiedet, die sogar im Steuerrecht Eheleuten gleichgestellt werden. Der Age of Consent, das Schutzalter ist nun bei Heteros und Homos gleich, und auch Section 28 ist abgeschafft. Mit dem ehemaligen Kulturminister Chris Smith hatte das Kabinett sogar für einige Zeit den ersten offen schwulen Minister - der sich später auch noch als HIV-positiv outete.

Howard: Ich lag falsch

Der Führer der Konservativen, Michael Howard, hat es da in der gleichen "Attitude"-Ausgabe im Interview schwerer. Als Minister für Regionalverwaltung unter Premierministerin Maggie Thatcher hatte er den Clause 28 eingebracht, eine Vorschrift, die es Behörden inklusive Schulen verbat, für Homosexualität "zu werben".

"Ich habe meine Meinung geändert. Ich hatte damals unrecht", sagte Howard dazu gegenüber "Attitude". Der Clause 28 wird für Howard im Wahlkampf ein Problem: die Labour-Regierung soll Homo-Verbände geradezu bekniet haben, mithilfe des neues Gesetzes zur Informationsfreiheit die früheren Standpunkte Howards zu Homo-Themen freizulegen.

Kennedy: Konservative Homos zu uns

Der Vorsitzende der Liberalen, Charles Kennedy, drückte in "Attitude" Skepsis am Richtungswechsel von Howard aus. "Vielleicht hatte er früher diese harte Rolle angenommen, da es so aussah, als sei dies der beste Weg für eine Karriere", so Kennedy. "Jetzt sieht er wohl, dass eine andere Rolle nötig ist". Das Rumeiern der Tories bei Homo-Rechten führe viele schwule Wähler zu den Liberalen.

Eine Studie des OutRight Gay Consumer Research ergab kürzlich, dass Kennedy damit nicht falsch liegt. Wählten vor vier Jahren noch 40 Prozent der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgenders Labour, wollen nun nur 24 Prozent für die Regierung stimmen, 22 Prozent für die Liberalen und 11 Prozent für die Konservativen.

21. März 2005



#1 OlafAnonym
  • 21.03.2005, 15:53h
  • England hat ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz ohne dieses Gezicke hierzulande. Die kriegen eine Eingetragene Partnerschaft, die weiter geht als die in Deutschland. Und es gibt dort Arbeitsplätze noch und nöcher.

    Kann mir jemand einen Umzugswagen leihen?
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#2 DavidAnonym
  • 21.03.2005, 16:36h
  • Die haben anscheinend gelernt, das gegen Homosexuelle begangene Unrecht in der Vergangenheit wiedergutzumachen.
    Was man von unserem Land nicht unbedingt behaupten kann.
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#3 tenniscrackAnonym
  • 21.03.2005, 19:10h
  • Bei aller (nur allzu berechtigter) Kritik an Rot-Grün kann man nun wirklich nicht behaupten, dass diese Regierung nichts getan hätte, um Unrecht an Schwulen wiedergutzumachen.

    Es gab eine Entschuldigung des Bundestages für die NS-Zeit und Beibehaltung des § 175, das LPartG wurde als Teil eines noch umfassenderen Gesetzes trotz schwerer verfassungsrechtlicher Bedenken eingeführt und zumindest ein ADG ist angedacht. Dass noch ein gutes Stück fehlt, liegt daran, dass die Union den Bundesrat beherrscht und dass jene Regelungen, die das Beamten- und Steuerrecht betreffen, der Zustimmung des Bundesrates betreffen. Den buchstäblich schwarzen Peter kann man hier nicht Rot-Grün zuschieben.

    Zudem ist die Art und Weise, wie das LPartG ins deutsche Familienrecht mit der Möglichkeit einer völligen Deckungsgleichheit zur Ehe verankert wurde, angesichts des Art. 6 GG wirklich überzeugend. Ich mache nur immer wieder die Feststellung, dass sich diese Leistung nur Juristen zu erschließen scheint.

    De facto wird es nämlich, sofern das LPartG irgendwann den Bundesrat passiert, ein der Ehe funktional nahezu gleichwertiges Rechtsinstitut geben, nur wird es in Deutschland nie Ehe heißen, sondern eben Eingetragene Lebenspartnerschaft. Das war die Richtung, die durch das BVerfG vorgegeben wurde: Ehe für heterosexuelle Gemeinschaften, die Eingetragene Lebenspartnerschaft mit der Möglichkeit der genau gleichen Ausgestaltung für homosexuelle Paare. Und das durchzusetzen, war angesichts der deutschen Verfassungstradition keine geringe Leistung. In GB geht das viel einfacher. Das muss man sich mal vor Augen führen.
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#4 DavidAnonym
  • 21.03.2005, 19:38h
  • @ Tenniscrack:
    ich zweifle ja nicht an den Fortschritten durch rot-grün, sondern vergleiche die Situation in GB mit unserer hier, in der die Union nicht einsichtig ist, sie weigert sich ja das Unrecht des §175 anzuerkennen, ebenso die Möglichkeit das man durch die Besserstellung eben dieses Unrecht bemüht wiedergutzumachen.
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#5 wolfAnonym
  • 21.03.2005, 19:48h
  • einige länder in der union machen uns ständig vor wie es funktioniert, die rechtliche gleichstellung in jeder beziehung!
    und dieses rumgeeier von wegen verfassungstradition oder einer entschuldigung wegen des paragraphen 175, ist doch tüddelei, wenn auch mit schwerwiegenden hintergründen, die gar nicht fein sind.
    wenn die gattin unseres wirtschaftssuperministers gerade heute wieder den schönen satz :" wer arbeiten will , findet auch arbeit !", von sich gibt, dann weiss man doch wie es um die "ehen", unserer regierenden bestellt ist, kommunikationsmangel !!! lach !
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#6 NorbertAnonym
  • 21.03.2005, 22:05h
  • also wenn ich das so lese...überall freiheiten für schwule...nur in österreich siehts da immer noch trist aus,..warum macht die EU da nix? :-)..die sollten unsere (die österreichische bundesregierung) einfach mal an den pranger stellen....euch deutschen und briten,..euch gehts doch gut.......
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#7 ddrAnonym
  • 22.03.2005, 16:45h
  • also, erstmal vorneweg, schade das es immer wieder in vergessenheit gerät, das die ddr es war, die als erster deutscher staat den §175 bereits 1988 ersatzlos gestrichen hat. diese regelung wurde dann, allerdings in etwas abgeänderter form, mit dem einigungsvertrag 1994 auch in der brd umgesetzt. d.h., aufgrund des einigungsvertrages der ddr & der brd von 1990 musste dies umgesetzt werden.
    allerdings bestand die änderung dahingehend, das nicht die gleiche rechtsprechung übernommen wurde, die da lautete: "alle personen, männlich oder weiblich, hetero- oder homosexuell, gelten im sinne des strafgesetzbuches der deutschen demokratischen republik ab dem alter von 16 jahren im sexuellen sinne nicht mehr als minderjährig" .

    dummerweise hat das die weltfremde cdu damals schon nicht eingesehen und für schwule kontakte ein jugendschutzalter von 16 jahren eingeführt, wohin für lesbischen und heterosexuellen sex das jugendschutzalter von 14 jahren gilt.

    also, wenn schon rechtsgleichheit, dann auch richtige rechtsgleichheit.

    denn ich wusste bereits mit 13, das ich schwul bin.
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#8 ibuensnetAnonym
  • 23.03.2005, 08:03h
  • @ ddr: Der adäquate DDR-Paragraph hieß 151. Gestrichen zum Juni 1989, nicht mehr anzuwenden ab Dez.1988. Seitdem waren nach § 149 mit 14- und 15jährigen Jugendlichen lediglich penetrative Akte strafbar, weil man diesen J. eine moralische Unreife unterstellte.
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#9 GerdAnonym
  • 05.04.2005, 12:21h
  • Also die Fortschritte in Grossbrittanien sind sehr vorzeigbar...man muss die Labour-Regierung hierzu beglückwünschen.

    Daher dürfte es wohl ganz klar sein, dass man als homosexuelle(r) WählerIn diese Regierung wiederwählt: ab Herbst können in Grossbritannien homosexuelle Paare dort eine Eingetragene Lebens-partnerschaft erhalten.

    Uns fehlt in Deutschland bekanntlich jede Form der steuerlichen Anerkennung; bisher wurde dies von CDU/CSU blockiert. Solange dies der Fall ist, dürfte wohl klar sein, wen wir auf jeden Fall nicht wählen....
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