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  • 24.03.2016, 14:06h           11      Teilen:   |

Südstaaten

Homophobe Gesetze: Disney und Marvel drohen Georgia-Boykott an

Artikelbild
Captain America könnte bald aus Georgia wegziehen, sollte der Gouverneur ein homophobes Gesetz unterzeichnen
Bild: Marvel Studios

Der Kulturkampf um LGBT-Rechte in den USA geht in die nächste Runde: Im Zentrum stehen zwei von den Republikanern kontrollierte Südstaaten.

Amerikanische LGBT-Aktivisten schauen derzeit gebannt auf die benachbarten Bundesstaaten Georgia und North Carolina: In Georgia, laut mehreren Statistiken der unternehmerfreundlichste Bundesstaat der USA, häufen sich die Boykottandrohungen von Großkonzernen, sollte der Gouverneur ein LGBT-feindliches Gesetz unterschreiben. Unterdessen ist in North Carolina innerhalb weniger Stunden ein homophobes Gesetz durchs Parlament gepeitscht und vom Gouverneur unterzeichnet worden.

Am Mittwochnachmittag stimmte das Repräsentantenhaus von North Carolina mit 83 zu 25 Stimmen für Gesetz HB 2, das jeglichen Antidiskriminierungsschutz aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität verbietet.

Ursache für die Initiative war, dass die Stadt Charlotte vor wenigen Wochen eine Antidiskriminierungsrichtlinie beschlossen hatte, die beispielsweise Homo- und Transsexuelle im Mietrecht vor Ungleichbehandlung schützt. Die republikanische Fraktionsführung lief Sturm gegen diese städtische Richtlinie, weil Transsexuellen ausdrücklich erlaubt wurde, öffentliche Toiletten zu nutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen.

In HB 2 ist nun festgelegt, dass Diskriminierung ausschließlich aufgrund der Rasse, der Hautfarbe, dem Herkunftsland, der Religion, des Alters und des "biologischen Geschlechts" verboten sei – alle anderen Diskriminierungen sind dagegen ausdrücklich erlaubt.

Kurz nach dem Beschluss des Repräsentantenhauses nahm sich der republikanisch kontrollierte Senat des Gesetzes an. In einer bislang in North Carolina einmaligen Protestaktion verließen alle demokratischen Senatoren, die derzeit weniger als ein Drittel der Sitze inne haben, das Plenum – die übrig gebliebenen Republikaner verabschiedeten nach kurzer Debatte das Gesetz mit 32 zu null Stimmen. Kurze Zeit später setzte es der republikanische Gouverneur Pat McCrory mit seiner Unterschrift in Kraft.

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Georgia könnte ein Blockbuster-Boykott drohen

Unterschreibt er oder unterschreibt er nicht: Gouverneur Nathan Deal könnte mit Homophobie Filmproduktionen und den Super Bowl aus seinem Staat vertreiben
Unterschreibt er oder unterschreibt er nicht: Gouverneur Nathan Deal könnte mit Homophobie Filmproduktionen und den Super Bowl aus seinem Staat vertreiben

Unterdessen häufen sich in Nachbarstaat Georgia die Proteste gegen ein in beiden Kammern des Parlaments beschlossenes Gesetz, das staatlich geförderten religiösen Einrichtungen die Diskriminierung von LGBT ausdrücklich erlaubt (queer.de berichtete). Der republikanische Gouverneur Nathan Deal hat noch mehrere Wochen Zeit zu entscheiden, ob er dieses Gesetz unterzeichnen möchte oder sein Veto einlegt.

Bislang haben hunderte Unternehmen im Staat an den Gouverneur appelliert, das Gesetz zu stoppen, darunter Unilever, Dell, Microsoft und Delta. Am Mittwoch drohten auch Disney und Marvel mit einem Boykott. Beide Firmen sind im Staat sehr aktiv; sie drehten letztes Jahr gemeinsam den Blockbuster "The First Avenger: Civil War" in der Nähe von Atlanta; derzeit wird dort der Actionfilm "Guardians of the Galaxy 2" gefilmt.

Auch andere Unternehmen aus der florierenden Film- und TV-Industrie protestieren gegen das Gesetz: So erklärte der Fernsehsender AMC am Mittwoch, dass "jede Art von Diskriminierung verwerflich" sei und man daher das Gesetz ablehne. AMC produziert in Georgia seit 2010 die Zombie-Erfolgsserie "The Walking Dead". Der amerikanische Verband der Filmproduktionsgesellschaften (MPAA) lehnt das Gesetz ebenfalls ab: "Wir sind zuversichtlich, dass Gouverneur Deal kein diskriminierendes Gesetz in Georgia zulassen wird", erklärte Sprecher Vans Stevenson.

Bereits letzten Freitag drohte NFL-Chef John Goodell damit, dass eine Verabschiedung des Gesetzes ernste Konsequenzen für Georgia habe. Würde das Gesetz in Kraft treten, hätte Atlanta kaum Chancen, in den Jahren 2019 und 2020 den Super Bowl, das größte Sport-Event der USA, auszutragen. Bereits 2014 hatte die US-Footballliga Arizona damit gedroht, den Super Bowl im folgenden Jahr abzuziehen, sollte die Gouverneurin ein homophobes Gesetz unterzeichnen – kurze Zeit später legte sie ihr Veto ein (queer.de berichtete).

Es gibt aber auch Unterstützung für das Gesetz. So forderte Star-Prediger Franklin Graham auf seiner Facebook-Seite christliche Footballfans dazu auf, sich gegen "LGBT-Kräfte und Konzern-Supermächte" zu wehren: "Lassen Sie uns dafür beten, dass Gouverneur Deal die Religionsfreiheit der Bevölkerung von Georgia beschützt. Schreiben Sie ihm und lassen Sie ihn wissen, wie Sie darüber denken. Wehren Sie sich gegen diesen NFL-Blitzkrieg!" (dk)

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Tags: georgia, north carolina, marvel, disney, nfl, religionsfreiheit
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Reaktionen zu "Homophobe Gesetze: Disney und Marvel drohen Georgia-Boykott an"


 11 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
24.03.2016
14:26:30


(+9, 9 Votes)

Von Nerd


soweit ich weiß hat sich AMC (The Walking Dead) mittlerweile auch angeschlossen.


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#2
24.03.2016
15:21:36
Via Handy


(+7, 9 Votes)

Von Luca


Schön, dass auch immer mehr Unternehmen auf unserer Seite stehen und sogar mit Boykotten drohen.


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#3
24.03.2016
17:36:25


(+5, 9 Votes)

Von Shinkaishi
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Viele dieser Unternehmen haben sogar schon sehr früh zumindest intern sich gegen Dsikri9minierung positioniert. Ich finde es gut, dass sie dieses Engagement zeigen und dass sie dafür auch positive Resonanz bekommen.

Viele dieser Leute haben sich auch dann schon für faire Behandlung eingesetzt als es dafür noch keine Zustimmung im Mainstream gab.


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#4
24.03.2016
18:26:11


(+6, 6 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Wäre schön, wenn Delta-Airlines auch mitmacht.

"Blitzkrieg" ist schon heftig, und das ausgerechnet von einem dieser unsäglichen Knilche ...auch wie schnell dieses Antidiskriminierungas-Aspekte verbietende Gesetz in dem anderen Staat durchgepaukt wurde, wundert im Zusammenhang mit der Akzeptanzgeste Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare schon sehr.

Aber wir wissen,auch in den USA gibt es die explizit bornierten Rollback-Planer, und über ausgeprägte Trans-Phobie wurde hier ja schon häufiger berichtet. Das scheint bei denen noch nicht ansatzweise verstanden worden zu sein, was Transidente sind und worunter sie zu leiden haben,dank solcher Subjekte wie diesem Graham-Knilch.


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#5
24.03.2016
18:55:56


(+6, 8 Votes)

Von Georgiaonmymind
Antwort zu Kommentar #4 von Homonklin44


Nicht nur Delta Air Lines, es gibt da noch weitere in Georgia ansässige Unternehmen:

- Coca Cola
- Cox Enterprises
- CNN
- Hooters
- United Parcel Service
- KIA Motors
- NCR Corporation (u. a. Geldautomatenhersteller)
- Wendy's Company
- American Megatrends (Hard- und Software)

Die Liste ließe sich beliebig fortführen!


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#6
24.03.2016
22:41:32


(+3, 7 Votes)

Von Felix


Unternehmen können es sich einfach nicht mehr leisten, ihren Sitz in Homohasser-Staaten zu haben.

Sie brauchen die besten Leute - unabhängig von der sexuellen Orientierung.


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#7
24.03.2016
23:54:44


(+4, 6 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von Georgiaonmymind


Tja, alles sehr gut.

Aber:

Im Land des rosa Winkels leider undenkbar.


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#8
26.03.2016
04:03:46
Via Handy


(+5, 5 Votes)

Von omamamo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Was hat man wirklich gewonnen, wenn solche Gesetze nur durch marktbeherrschende Konzerne in letzter Sekunde verhindert werden, indem mit Erpressung gedroht wird? Arme Demokratie! Ja, ich finde es gut, da diesen religiösen Eiferen durch global agierenden Firmen die rote Karte gezeigt wird, aber es schmeckt doch bitter, da man wei, im Kopf bleibt die Ablehnung und sogar der Ha. Davor habe ich Angst! Siehe Russland - der Markt ist zu gro, als da sich hier Brausehersteller oder Sportartikler für LGBTI einsetzen würden. So sieht das aus, wenn Markt-Macht Politik macht. Jetzt habe ich doppelt Angst: LGBTI-Ha + erpressbare Demokratie! :(

Ich glaub, ich geh shoppen - Politik ist nichts für mich. (schnief!)


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#9
26.03.2016
22:17:37


(+2, 2 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014
Antwort zu Kommentar #7 von goddamn liberal


Ob man Coca Cola Niederlassungen nicht hier auch mobilisieren könnte? Oder muss man da über die Basis der Firmen gehen?
UPS und A.M., evtl. Wendy's in den Metropolen müsste es hier auch geben (?)
Wahrscheinlich dauert das bei uns auch nicht mehr allzu lange, bis homo- oder transphobe Gesetze eingefädelt werden... rosa Winkel-Revival. Ganz ungutes Gefühl, tritt das los. Aber man will keinen Teufel an die Wand malen...

In Zeiten wie diesen finde ich den Support dieser Firmen echt großartig. Auch AMC, als TWD-Fan.

An Delta dachte ich wegen meinem Cousin, der da arbeitet.


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#10
27.03.2016
11:35:19


(+2, 2 Votes)

Von LongLiveLove
Antwort zu Kommentar #9 von Homonklin44


Hier könnte das weiterhelfen:

Link zu www.ups.com

Wendy's gabs auch in Deutschland, aber nach dem Abzug der GIs wurden alle Niederlassungen leider geschlossen (wahrscheinlich auch deshalb, weil die Fastfoodketten McDonalds, Burger King und KFC [Ketucky Fried Chicken] ihr Filialnetz sehr stark ausgebaut haben).

Link zu www.ami.de

Viel Erfolg!


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