Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?25844

Gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht: Ausschnitt aus dem Comic "Ankommen in Deutschland – Informationen für Flüchtlinge"

Der Schwarzwald-Baar-Kreis hat einen Infocomic für Flüchtlinge herausgegeben – und dabei übersehen, dass die Daumen-hoch-Geste in arabischen Ländern eine abwertende Bedeutung hat.

Gegenüber der Lokalpresse pries der CDU-Politiker Sven Hinterseh, Landrat im Schwarzwald-Baar-Kreis, den neuen Infocomic seiner Behörde "Ankommen in Deutschland – Informationen für Flüchtlinge" bereits als Modell für andere Landkreise, wenn nicht gar für ganze Bundesländer. Doch aus dem Export wird vermutlich nichts. Außerhalb des Schwarzwalds erntet die viersprachige Din-A5-Broschüre, die mit einfachen Bildern und Symbolen Werte und Regeln der deutschen Kultur vermitteln will, vor allem Spott.

Bei der Erstellung des gutgemeinten Comics, der Zuwanderern unter anderem erklären soll, dass Deutschland für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt steht, hat nämlich niemand daran gedacht, dass Handzeichen und Gesten nicht universal sind. So bedeutet der nach oben gezeigte Daumen, der sich als roter Faden durch das Heft zieht, in Mitteleuropa und Nordamerika zwar "prima" oder "alles klar" – in Syrien oder Irak jedoch das genaue Gegenteil.

"Sexualität tolerieren"? Fuck you!

Auf Wikipedia heißt es zum gereckten Daumen: "In einigen arabischen Ländern sowie im Iran hat diese Geste die Bedeutung des weiter unten erläuterten erhobenen Mittelfingers, dies kann zu unangenehmen Missverständnissen führen." Entsprechend kann man die Geste auf der Schwarzwälder Comic-Seite "Sexualität tolerieren", die unter anderem ein lesbisches Paar und eine "männlich" aussehende Person in Frauenkleidern zeigt, als ein "Fuck you!" deuten. Besonders in der Türkei gilt ein Daumen-hoch außerdem als Einladung zu homosexuellen Praktiken.

Nach Angaben von Landrat Hinterseh sollen an der Erstellung der Broschüre, die zwischen 5.000 und 6.000 Euro gekostet hat, neben Heimleitungen, dem Jugendamt und der Ausländerbehörde auch Flüchtlinge beteiligt gewesen sein. Die Illustrationen stammen von dem Berliner Grafikerpaar Heike Reinsch und Titus Ackermann. Die missverständlichen Comics sind in einer Erstauflage von 5.000 Stück gedruckt worden und in den Flüchtlingsunterkünften des Landkreises erhältlich.

Für die "taz" ist die doppeldeutige Broschüre keine Katastrophe: "Geflüchtete werden eins und eins zusammenzählen und darauf kommen, dass hier ein Missverständnis vorliegen muss", kommentiert Autor Peter Weissenburger. "Peinlich ist der Ausrutscher freilich für diejenigen, die hier interkulturelle Kompetenz vermitteln wollten – und stattdessen einfach mal den interkulturellen Stinkedaumen in die Runde gezeigt haben." (mize)



#1 tobiasProfil
#2 schabrakke_Anonym
  • 28.03.2016, 10:52h

  • Genau, und die Araber benutzen bei Facebook auch den Like-Button, um "fick dich" zu sagen. So ein völlig mißlungener Artikel! Erst einmal ist daran zu bemängeln, daß er von einem Bedeutungsunterschied des Daumenhoch-Zeichens im arabischen Raum spricht und dann als Beispiel die Türkei und den Iran nennt, wo sich jeweils weniger als 3% der eingeborenen Bevölkerung als Araber identifizieren. Ganz davon abgesehen ist es aber auch sehr naiv (und sogar irgendwo auch etwas rassistisch) zu denken, die Globalisierung hätte den Nahen Osten flächendeckend mit Coca Cola und iPhones versorgt, während "die arabischen Flüchtlinge" gleichzeitig mit einer längst internationalen Geste wie dem Daumenhoch-Zeichen völlig überfordert sein müssen. Die Tatsache ist: Die Nebenbedeutung existiert zwar vielerorts im Nahen Osten ist aber hoffnungslos veraltet und hat in diesem Fall garantiert zu keinen Mißverständnissen geführt. Da hat jemand einfach Zebras gesehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Homonklin44Profil
  • 28.03.2016, 11:30hTauroa Point
  • Okay, dass das Daumen-hoch Zeichen in anderen Kulturen abwertend verstanden wird, habe ich früher schon mal gehört oder gelesen.

    Wäre man jetzt paranoid, könnte man zu denken kommen, jaja, die hinterm Schwarzwald, da war bestimmt der ein oder andere 'besorgte' Elternteil mit dabei, als die das zusammen stellten.

    Aber Fehler passieren, Shit happens, und vielleicht haben die mitarbeitenden Flüchtlinge auch aus ihrer vorgewohnten Sichtweise beurteilt, sich still wundernd, was die da alle sabbeln, aber sich gedacht, nö, das kann so nicht gemeint sein, bestimmt meinen sie, sexuelle Vielfalt geht gar nicht ... und darum diese Zeichen bestätigt.

    Weiß man nicht zu präzisieren. If you assume something, you're making an ass out of u and me. Nachfragen ist besser.

    Die jüngeren Flüchtlinge werden über Zugriffe auf westliche Kultur bestimmt die Unterscheidung kennen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 elite portalAnonym
#6 antos
  • 28.03.2016, 13:28h
  • Antwort auf #2 von schabrakke_
  • Ja, naiv, "etwas rassistisch" bzw. auf eine besonders klebrige Art paternalistisch. Du hast sicher recht: die hiesige Bedeutung dieser Geste ist garantiert nur dem letzten Hinterwäldler fremd - und der sollte sie wie so vieles andere auch lernen, wenn er sich hier zurecht finden will.

    Aus der Kritik an der angeblich mangelhaften semantischen Feinfühligkeit und dem Verweis auf Bedeutungsunterschiede in "den arabischen Ländern" spricht diese altbekannte verschwurbelte Kulturkreis-Denke, die Verstehen und Lernen verhindert statt zu fördern.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 WANNAnonym
  • 28.03.2016, 14:00h
  • gibt der "Schwarzwald-Baar-Kreis" eigentlich einen "Infocomic" mit Stinkedaumen für die 15% AfD-Wähler*innen, 29% CDU-Wähler*innen und 8% FDP-Wähler*innen vom 16.03.2016 heraus, die u. a. weiterhin homosexuell empfindende Kinder und Jugendliche psychisch vergewaltigen wollen (siehe "Bildungspläne" usw.), bis hin zu mehr oder weniger verdeckten Auslöschungsfantasien?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 seb1983
#9 hopeAnonym
#10 LeitkulturAnonym
  • 28.03.2016, 15:18h
  • Es ist an Zynismus und Dreistigkeit nicht zu überbieten, dass politische Eliten, die bis heute für eine systematische Entrechtung und Herabsetzung von Schwulen, Lesben, Trans- und Intersexuellen in diesem Lande und auch in der gesamten EU (siehe Verhinderung gleicher Rechte durch die Bundesregierung) verantwortlich sind, im Rahmen der laufenden rechten Kampagnen immer wieder dieses Thema instrumentalisieren.

    Wenn diese Leute angeblich aufklären und gleiche Rechte für Alle als "Leitkultur" etablieren wollen, dann sollen sie bei ihrem eigenen politischen Handeln anfangen - das betrifft sowohl gleiche Rechte und effektiven Schutz vor Diskriminierung für LGBTI-Menschen in allen Bereichen und von Kindesbeinen an, wie gerade auch für Menschen, die vor den Folgen von Ausbeutung und Krieg fliehen, an denen deutsche Kapitalisten wesentlich verdienen, und die von diesem Staat dann wie Untermenschen behandelt werden.
  • Antworten » | Direktlink »