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Austé und Sangailé, zwei ungleiche Teenager, erleben eine zärtliche Sommerromanze (Bild: Edition Salzgeber)

  • 31. März 2016, 04:19h, noch kein Kommentar

Neu auf DVD: Alanté Kavaïté erzählt in ihrem Coming-of-Age-Film auf kunstvolle Weise von der Liebe zweier Mädchen und dem Traum vom Fliegen.

Von Carsten Moll

Bei einer Kunstflugschau, irgendwo im Umland der litauischen Hauptstadt Vilnius, lernen sich zwei ungleiche Teenager kennen: Die forsche Austé verkauft hier für eine Tombola Lose, um etwas Geld zu verdienen, während die schüchterne Sangailé in den Himmel schaut und vom sicheren Boden aus die waghalsigen Manöver der Piloten bewundert. Doch als das von den Loopings und Pirouetten faszinierte Mädchen den großen Hautgewinn ergattert und die Chance erhält, mit einem Profi in eines der kleinen Motorflugzeuge zu steigen, flüchtet es einfach.

Sangailé wünscht sich zwar, selber einmal Pilotin zu werden, doch ihre Höhenangst hindert sie daran, ihren Traum zu verwirklichen und auch nur ein Cockpit zu betreten. Austé hingegen schreckt die Unsicherheit ihrer neuen Bekanntschaft nicht ab – sie sucht die Nähe der introvertierten Sangailé und erobert schließlich ihr Herz. Zwischen den Jugendlichen bahnt sich eine zärtliche Sommerromanze an, die nicht nur Sangailés Leben verändern soll.

Ein traumhafter Sommer in Litauen


"Der Sommer von Sangailé" lief im Februar in der "L-Filmnacht", jetzt gibt es das Drama mit deutschen Untertiteln auf DVD

Über Alanté Kavaïtés "Der Sommer von Sangailé" zu schreiben, ist wie über einen Traum zu sprechen, der einen in der Nacht heimgesucht hat. Viel zu grob und plump wirken die Worte, um all die flüchtigen Nuancen dieser Erfahrung zu erfassen. Denn Kavaïtés Film lebt weniger von einer durchdachten Geschichte oder komplexen Figuren als von seiner großartigen, federleichten Atmosphäre. In stimmungsvollen Bildern bannt Kameramann Dominique Colin dabei den Sommer auf die Leinwand, fängt das grelle Sonnenlicht der langen Tage ebenso ein wie bedrohliche Gewitterwolken am Horizont und den sanft leuchtenden Abendhimmel.

Beinahe meint man gemeinsam mit den verliebten Heldinnen durch diese Coming-of-Age-Story zu schweben, die sich immer wieder in zeit- und ortlose Tableaus von berauschender Schönheit auflöst: Teenager in blauen Jeans, Baden im See und Sex unterm Sternenhimmel – es sind die archetypischen Bilderwelten des Jugendfilms, die "Der Sommer von Sangailé" hier auf kunstvolle Weise heraufbeschwört und mit bittersüßem Pop zu neuem Leben erweckt.

Die Melancholie des Teenagerdaseins

Als sonderlich originell erweist sich diese stilvolle Girl-meets-Girl-Variante inhaltlich zwar nicht, und die seelischen Konflikte der Protagonistin wirkten auf so manchen Rezensenten nicht zu Unrecht ein wenig lustlos und oberflächlich inszeniert. Vielleicht kennt die Regisseurin und Drehbuchautorin Kavaïté die Ängste und Schmerzen, die Sangailé plagen, aber auch nur zu gut, um diese ausformulieren zu müssen, und weiß, dass es vielen Zuschauern wohl genauso geht.

Denn wem die Melancholie des Teenagerdaseins noch ein wenig in den Knochen steckt und wer Sangailés Erfahrungen teilt, der wird die wunderbare Schweigsamkeit dieses Films ebenso zu schätzen wissen wie seine tiefe Sehnsucht nach romantischen Träumereien.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zur DVD

Der Sommer von Sangail. Drama. Litauen u.a. 2014. Regie: Alanté Kavaïté. Darsteller: Julija Steponaitytė, Aistė Diržiūtė, Jūratė Sodytė, Martynas Budraitis, Laurynas Jurgelis. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: litauische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Edition Salzgeber
Galerie:
Der Sommer von Sangailé
10 Bilder