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Junior ist neun Jahre alt und hat krauses Haar, oder, wie er findet, doofe Haare. Für das Jahrbuch-Foto in der Schule möchte er sein Haar glätten, um auszusehen wie sein Lieblings-Popstar (Bild: imFilm)

Jetzt im Kino: Das gleichermaßen harte und herzerwärmende Drama "Pelo Malo" zeigt den homophoben und rassistischen Alltag in Venezuela.

Der neunjährige Junior lebt mit seiner Mutter Marta und seinem Baby-Bruder in Caracas, Venezuela, in einem riesigen Hochhaus – einem Ort, an dem man ums Überleben kämpfen muss. Die Mutter hält die Familie nach dem Tod des Vaters notdürftig mit Putz-Jobs über Wasser, der tägliche Überlebenskampf lässt ihr keinen Raum für Hoffnungen oder Träume.

Junior hingegen ist ganz anders – er ist ein Träumer, der es liebt zu singen und zu tanzen. Und der mit aller Macht für seinen größten Wunsch kämpft: Sein widerspenstiges, krauses Haar glätten zu lassen, um für das Jahrbuch-Foto in der Schule so auszusehen wie sein Lieblings-Popstar. Marta verliert schnell die Geduld mit Juniors Fixierung auf seine Haare. Zumal sie meint, darin ein Zeichen für Homosexualität zu erkennen, die sie auf keinen Fall akzeptieren will. Sie will, dass er ein Kämpfer und ein "echter" Mann wird. Von der Intoleranz seiner Mutter in die Enge getrieben, trifft Junior eine schmerzhafte Entscheidung…

Der tägliche Überlebenskampf in Venezuela


Poster zum Film: "Pelo Malo" läuft seit 31. März 2016 in Programmkinos in ganz Deutschland

Das gleichermaßen harte und herzerwärmende Drama "Pelo Malo" der Regisseurin Mariana Rondón zeichnet ein sehr realistisches Bild des harten Alltags in Caracas, weshalb der Film in Venezuela von Seiten der Regierungsanhänger stark angefeindet wurde. Er zeigt ganz wertfrei, aber mit beeindruckend emotionaler Ausdruckskraft, was der tägliche Überlebenskampf aus einem Menschen macht und wie schwer es diejenigen haben, die anders sind, die wie Junior trotz allem an ihren Träumen festhalten wollen.

"Pelo Malo" ist damit sowohl ein dokumentarisch anmutendes Porträt von Mutter und Sohn im chaotischen Caracas als auch ein universelles Plädoyer für Toleranz – entgegen dem oft rassistischen und homophoben Alltag im Land. Mit dem Film können sich viele Venezolaner identifizieren, wie Regisseurin Mariana Rondón bei einer Diskussion erzählte: "Ein gendersensibles Publikum sagt immer, es ist ein Film über Homophobie, während ein farbiges Publikum immer sagen wird, das ist ein Film über Rassismus."

Wie gefährlich der Alltag in Caracas ist, zeigt das traurige Beispiel von Julio Mendez, der den Kioskjungen Mario in "Pelo Malo" spielte. Der erst 17 Jahre alte Sportler und Schauspieler wurde im Mai vergangenen Jahres von einer Spezialeinheit der Polizei in einer Gruppe von weiteren Jugendlichen auf einem Parkplatz unter ungeklärten Umständen erschossen. Die Polizei ließ verlauten, die Gruppe habe einen Raubüberfall verüben wollen und das Feuer auf die Polizei eröffnet. Die genauen Umstände dieses tragischen Todes und ob Mendez überhaupt in das Geschehen involviert war, haben sich bis heute nicht eindeutig aufklären lassen. (cw/pm)

Vimeo | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Pelo Malo. Drama. Venezuela u.a. Länder 2013. Buch und Regie: Mariana Rondón. Darsteller: Samuel Lange Zambrano, Samantha Castillo, Nelly Ramos, Beto Benites, María Emilia Sulbarán. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. FSK 12. Verleih: imFilm. Kinostart: 31. März 2016
Galerie:
Pelo Malo
10 Bilder


#1 InteressenlageAnonym
  • 01.04.2016, 11:17h
  • Wo waren diese "herzerwärmenden" Filme über den "brutalen rassistischen, homophoben" usw. "Alltag und Überlebenskampf" eigentlich zu Zeiten, als in ganz Lateinamerika von USA und (West-) Europa installierte und gestützte Terrordiktaturen und neoliberale Zerstörungsregime an der Macht waren? Aber halt, die sollen ja aktuell mit tatkräftiger internationaler Unterstützung "von außen" wieder mit allen Mitteln reinstalliert werden, da selbst die begrenzten, aber für Hunderte Millionen Menschen überlebenswichtigen sozialen Errungenschaften der letzten 15 Jahre für internationale Konzerne, Banken, Spekulanten (und die Milliardärsklasse in den jeweiligen Ländern selbst) in der sich vertiefenden kapitalistischen Krise schon viel zu viel sind. Es soll nun also bitte niemand so tun, als seien solche Filme völlig unabhängig von diesen objektiven Interessenlagen und der gerade von den imperialistischen Ländern angestrebten und betriebenen, aggressiven Rechtsverschiebung in Lateinamerika zu betrachten.
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#2 VerbitterungAnonym
  • 01.04.2016, 11:29h
  • Antwort auf #1 von Interessenlage
  • Solange in Deutschland die Linke nur bei 8% herumdümpelt, wird der globale neoliberale Siegeszug und die Installierung von neoliberalen Zerstörungsregimen leider weiter voranschreiten.
    Verbitterung wird dies nicht aufhalten.
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#4 HOPEAnonym
#5 hugo1970Profil
#6 Vater
#7 schwarzerkater
  • 01.04.2016, 17:50h
  • freue mich schon sehr auf den film, leider läuft er diese woche (bei uns) noch in keinem kino ...
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#8 la_passanteAnonym
  • 01.04.2016, 21:11h

  • Ich habe diesen Film letztes Jahr gesehen (nicht in Deutschland), und diskutiert. Homosexualität ist m.E., und auch nach Ansicht meines Mitpublikums, nicht sein Thema, sondern Geschlechtsrollen in einer neoliberalen Gesellschaft, und das ist etwas fundamental anderes.
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