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  • 23. März 2005, noch kein Kommentar

Mit 36 ist man nicht mehr jung: Peter Rehbergs erster Roman "Fag Love" hält schwulen Thirtysomethings einen Spiegel vor.

Von Micha Schulze

So leben "wie in einem schwulen James-Bond-Film", das ist Felix' größter Wunsch: immer scheint die Sonne, um einen herum nur attraktive, geile Menschen, geschüttelte Martinis satt - und niemals Geldsorgen. Und auch wenn so mancher Freund und Feind den Löffel abgeben muss, am Ende gibt's auf jeden Fall ein Happy-end...

Felix ist ein typischer Vertreter der deutschen Thirtysomethings. Aufgewachsen unter Helmut Kohl, ohne große Ideale und Utopien, verliebt in die Pet Shop Boys, allergisch gegen politische Ideologien und ausgestattet mit einer ordentlichen Portion Egoismus. Hauptsache ihm geht es gut. Jetzt, heute und sofort.

Wenn da nicht das Alter wäre. Mit 36 stellt Felix fest, "nicht mehr jung" zu sein, und stürzt sich auf die Liebe als neuen Sinn des Lebens: "Das richtige Alter, um den richtigen Mann zu treffen." Doch das ist leichter gesagt als getan. Als ihn ein Job nach New York bringt, verknallt sich Felix in die "schwulste Stadt der Welt" - und vernachlässigt seinen Berliner Lover Anton. Man lebt halt nur zweimal. Doch nach der unausweichlichen Trennung von Anton taucht der Amerikaner Jack in Felix' Leben auf.

"Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken. Homos hinterher."

"Fag Love" ist Peter Rehbergs erster Roman, der jedoch in poppigem Sprachstil und genialer Beobachtungsgabe an seinen Erzählband "Play" aus dem Jahr 2002 anschließt. Der in Berlin lebende Autor beschreibt nicht, beim Lesen hat man eher das Gefühl, Felix stände mit einem Becks an der Bar und erzählte seine Story. Kurzatmig, packend, emotional und angereichert mit zweifellos banalen, aber ungemein treffenden Beobachtungen und Vergleichen: "Wichtigster Unterschied zwischen Heten und Homos: Heten fragen vorm Sex: wollen wir was trinken. Homos hinterher."

"Fag Love" ist schwule Popliteratur vom Feinsten. Die Einheit von Sprache und Geschichte erzeugt eine Intensität, die jeden mitreißt, egal, ob man sich mit Felix identifiziert oder einem die oberflächliche Generation der Lifestyle-Gays auf den Keks geht. Man bangt mit ihm, dass er endlich die große Liebe findet, und ruft ihm am Ende zu: Stirb an einem anderen Tag!

Peter Rehberg: Fag Love, 220 S., MännerschwarmSkript Verlag, Hamburg 2005, 17 €, ISBN 3-935596-71-5