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  • 13.04.2016, 11:36h           42      Teilen:   |

Warum ist Homosexualität über Jahrhunderte stabil?

Studie: Hälfte der Heteros tragen "Schwulen-Gen" in sich

Artikelbild
Welchen Einfluss haben die Gene auf die sexuelle Orientierung von Menschen und deren Nachfahren?

Heterosexuelle vererben männliche Homosexualität weiter, so die These eines georgischen Wissenschaftlers.

Gene, die zu einer homosexuellen Orientierung bei Männern führen, sind in ungefähr der Hälfte aller heterosexuellen Frauen und Männer vorhanden und werden von einer zur nächsten Generation weitervererbt. Deshalb sei das Vorkommen von homosexuellen Menschen über Jahrhunderte und Jahrtausende in allen Kulturen stabil, obwohl diese in der Regel weniger Nachkommen hätten als Heterosexuelle. Das ist die These des Biologen Giorgi Chaladze von der staatliche Ilia-Universität in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Seine auf Rechenmodellen basierende Studie über die Weitergabe männlicher Homosexualität ist in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins "Archives of Sexual Behavior" veröffentlicht worden.

In den letzten Jahrzehnten zeigten Forschungsarbeiten in aller Welt, dass Homosexualität entscheidend von genetischen Faktoren abhängt. So kamen amerikanische Wissenschaftler 2014 zu dem Ergebnis, dass es bei Schwulen Veränderungen im 8. Chromosom und auf einer Region des Geschlechtschromosoms (Xq 28) gibt (queer.de berichtete). Noch ist allerdings völlig unklar, warum sich Veränderungen auf diese Art auswirken.

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Schwule Männer geben weniger Gene weiter

Chaladze nutzte für seine Studie ein Rechenmodell, um das stabile Vorkommen von Schwulen in großen Populationen zu erklären. Er rechnete dafür bereits Faktoren aus anderen Untersuchungen ein – etwa, dass Hetero-Männer im Vergleich zu Schwulen fünf Mal eher Kinder hätten. Das stellte für den Wissenschaftler aus evolutionärer Sicht ein Problem dar, weil männliche Homosexuelle ihre Gene damit durchschnittlich weniger an die nächste Generation weitergeben als heterosexuelle Männer.

Zusätzlich berücksichtigte er Forschungen, nach denen Homosexualität in größeren Familien eher vorkommt. Hier gibt es viele Studien insbesondere über Brüder. Daraus hatten Forscher bereits geschlossen, dass die Gene für Homosexualität in Männern zunehmen würden, je mehr Nachwuchs die weiblichen Familienmitglieder hervorbringen würden.

Den Berechnungen des Forschers zufolge besitzen damit die Hälfte der heterosexuellen Männer und etwas mehr als die Hälfte der heterosexuellen Frauen Gene, die bei Männern zu einer homosexuellen Orientierung führen können. Wie genau die Gene interagieren, ist allerdings noch völlig unbekannt.

Chaladze erklärte auch, dass seine Theorie erklären könne, warum sehr viele Männer über gleichgeschlechtliche Erfahrungen berichteten, aber sich dennoch nicht als homo- und bisexuell identifizierten. Sie seien Träger dieser Gene, die sich aber nur manchmal manifestierten.

Es seien mehr Erbgut-Studien notwendig, um die Zusammenhänge zu erkennen, meinte Chaladze. Er empfahl, im nächsten Schritt Menschen zu untersuchen, die keine homosexuellen Verwandten hätten.

Das Mysterium Homosexualität wird allerdings wohl nicht so bald entschlüsselt werden. Bisherige Untersuchungen waren oft auch zu dem Ergebnis gekommen, dass Umwelteinflüsse bei der sexuellen Orientierung ebenfalls eine Rolle spielen können. Auch gibt es keine individuellen Gene, die Homosexualität beeinflussen, sondern Veränderungen finden nur in bestimmten Bereichen des Chromosoms statt. Es gilt daher nach wie vor als unmöglich, in einem pränatalen Test die sexuelle Orientierung eines Fötus nachzuweisen. (dk)

  Neue Studie
Chaladze, G. (2016). Heterosexual Male Carriers Could Explain Persistence of Homosexuality in Men: Individual-Based Simulations of an X-Linked Inheritance Model, Archives of Sexual Behavior. DOI 10.1007/s10508-016-0742-2
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Tags: gene, studie
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 Studien und wissenschaftliche Untersuchungen
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Reaktionen zu "Studie: Hälfte der Heteros tragen "Schwulen-Gen" in sich"


 42 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.04.2016
12:40:10
Via Handy


(+10, 16 Votes)

Von Ehla


Homosexualtät ist schon älter als die Menschheit und wurde schon bei über 1500 Tierarten nachgewiesen. Da die "Natur" durch Mutationen und Selektion alles "aussortiert", was sie nicht "benötigt" muss Homosexualtät extrem wichtig für die Gruppe zum Überleben sein.

Weil anscheinend sind alle Gruppen die keine Homosexuelle hatten ausgestorben. Und die "Natur" ist eben viel raffinierter, komplizierter und "ausgeklügelter", als es viele denken.

Bei den Tierarten wurden noch nie "homophobe Tiere" beobachtet. Also ist Homobhobie unnatürlich und anerzogen!


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#2
13.04.2016
12:41:25
Via Handy


(+8, 18 Votes)

Von Greenbasic


Viel wichtiger wäre, wann hält sich Deutschland endlich an die Menschenrechte?!


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#3
13.04.2016
13:01:54


(+2, 8 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011


Es gibt viele Eigenschaften, die genetisch vererbt werden und bei den Trägern dieser Gene keine Auswirkungen zeigen, weil die Gene ausgeschaltet bleiben. Wenn man also eine bestimmte Eigenschaft hat, zum Beispiel Homosexualität, und dabei Geschwister hat, somit sind alle Geschwister und die Eltern Träger dieser Gene, die diese Gene an die Nachkommen weitergeben. Es gibt auch eine Reihe von Erbkrankheiten, wo der Betroffene, wo diese Erbkrankheit in Erscheinung tritt, verstirbt bevor er sich fortpflanzt. Da aber Geschwister oder die Verwandten der Eltern diese Gene es an die Nachkommen weitergeben, wo die Erbkrankheit nicht in Erscheinung tritt, kann diese Erbkrankheit immer überleben. Es macht also keinen Sinn, eine Art Hygiene a la Hitler zu betreiben, wo man Betroffene mit entsprechender genetischer Eigenschaft ermordet. Dann müßte man die gesamte gesunde Verwandschaft mit ausmerzen. Nichtkranke Eigenschaften werden ebenso weitergegeben.
Ich spreche absichtlich nur von Eigenschaften und nehme keine Bewertung dieser Eigenschaften vor.
Daß Gene ein- oder ausgeschaltet sind, hängt auch von epigenetischen Faktoren ab.
Wenn eine bestimmte Eigenschaft in konstanten Prozentzahlen unabhängig von gesellschaftlichen Einflüssen vorhanden ist, dann ist das sehr stark ein Indiz, daß diese Eigenschaft genetisch bedingt ist. Diese von mir hier geschilderten Erkenntnisse sind schon uralt.


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#4
13.04.2016
13:14:31
Via Handy


(+14, 18 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #3 von Jadughar


Ich sehe derartige Forschungsansätze sehr kritisch.

Warum und mit welchem Ziel? Was folgt, wenn man tatsächlich mal eine "Ursache" gefunden hat? Eleminationsansätze?


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#5
13.04.2016
13:47:24


(-2, 12 Votes)

Von michael008
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Pfote


Zunächst einmal glaube ich, ist es zutiefst menschlich, wissen zu wollen, woher man kommt,
wie man funktioniert, warum andere Menschen
anders aussehen, fühlen, handeln als man selbst.
Und ja, m.E. ist es auch menschlich, ein bischen darauf zu spekulieren, dass einem neue Erkenntnisse helfen könnten, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.
Dementsprechend kann ich den Wissensdrang nicht verurteilen.
Schlussendlich muss die Politik in Übereinkunft mit der Gesellschaft dafür Sorge tragen, dass per Gesetz sorgfältig entschieden wird, ob Erkenntnisse in praktische Anwendungen überführt werden dürfen.


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#6
13.04.2016
14:23:42


(+10, 12 Votes)

Von Grundrechten


"Es gilt daher nach wie vor als unmöglich, in einem pränatalen Test die sexuelle Orientierung eines Fötus nachzuweisen."

Es wäre auch ein zutiefst verbrecherischer Eingriff in grundlegende Persönlichkeitsrechte, solche "Tests" überhaupt durchführen zu wollen.

Vielleicht beschäftigt man sich lieber mal damit, wie heterosexistische und homophobe Gewalt (psychische, strukturelle...) wirkungsvoll aus der Gesellschaft verbannt wird, und zwar von Kindesbeinen an.


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#7
13.04.2016
14:32:02


(+3, 9 Votes)
 
#8
13.04.2016
14:34:08


(+5, 9 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Antwort zu Kommentar #4 von Pfote


Die Ansätze können nur von extrem Kleingeistigen ausgehen. Auch deren kleingeistigen Eigenschaften muß man respektieren und eine Eleminationsansatz ist nicht möglich, da man nicht die gesammte Sippschaft ausrotten kann, die nicht sichtbar diese Eigenschaft aufweist. Womöglich müßten dann die Kleingeistigen die gesamte Menscheit ausrotten, wenn jeder diese Eigenschaften in sich trägt. Ein maßgeschneidertes Kind, dient nur den Dummen, die mit irgendwelchen Eigenschaften Schwierigkeiten haben, damit umzugehen. Deswegen ist es notwendig, Kinder früh aufzuklären, damit sie später damit umgegehn können, mit Menschen mit Eigenschaften zu respektieren, die ihnen Schwierigkeiten bereiten.


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#9
13.04.2016
14:40:06


(+4, 12 Votes)

Von pagox
Aus Langen (Hessen)
Mitglied seit 24.10.2015
Antwort zu Kommentar #4 von Pfote


Da muss ich widersprechen:
Solange die Forschung nicht mit dubiosen Mittel vollzogen wird, ist Forschung zu begrüßen.
Die Akzeptanz der menschlichen Sexualität kann und darf sich nicht in ihrer Unkenntnis begründen... "because it's magic".
Dann wären wir nicht besser als Kirchen und Religionen die ihren Glauben auch mit der Dämonisierung der Naturwissenschaften zu halten versuchten.


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#10
13.04.2016
14:47:53
Via Handy


(+7, 9 Votes)

Von Pfote
Antwort zu Kommentar #5 von michael008


Und Du glaubst, das klappt?

Ich stelle mir gerade die spannende Frage, wie die streng-religiösen und extrem gegen Abtreibung eingestellten Eltern reagieren, wenn Ihnen gesagt wird, dass der lang ersehnte Stammhalter im Bauch der Mutter aller Voraussicht nach homosexuell sein wird...


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