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  • 24. März 2005, noch kein Kommentar

Regisseur Andrew Horn gedenkt der Kultfigur der frühen Achtziger Jahre, die Oper mit Pop vermengte, in seiner preisgekrönten Doku.

Von Carsten Weidemann

Ist es seine unverwechselbare Stimme oder seine bizarre Erscheinung, das grellweiß geschminkte Kabuki-Gesicht und die schrillen Dada-Punk Outfits, die ihn zu ewigen Ikone werden ließen? Klaus Nomi war die Kultfigur der späten 70er Jahre New Wave Performance-Szene. In der Underground-Szene bereits ein Star, war ein Auftritt mit David Bowie im amerikanischen Fernsehen der Beginn seines kometenhaften Aufstiegs. In Europa löste er
1981 auf dem Sygma-Festival in Bordeaux fast einen Aufstand aus und wurde zur Sensation in Fabrice Emaers Pariser Jet-Set Nachtclub "Le Palace”.

Zu Nomis Fans zählen so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Catherine Deneuve, der Sänger Morrissey und der Star-Countertenor Joachim Kowalski. Für eine Jägermeister Prominenten-Anzeigenserie posierte er als Model, Eberhard Schoener setzte ihm mit seiner Kammeroper "Cold Genius” ein musikalisches Denkmal. Sean Ono Lennon quälte als Kind seine Spielkameraden, indem er ihnen Nomis Platten vorspielte und heute benutzt der berüchtigte rechte US-Radiomoderator Rush Limbaugh Nomis Musik als Erkennungsmelodie seines monatlichen "Anti-Gay-Report”.

Nomi, ein Countertenor, sang Popmusik wie Opern und seine zutiefst bewegende Interpretation von Saint-Saëns’ Arie "Samson and Delilah” ließ selbst die grölende Punkszene der New Yorker Clubs verstummen. Nomis Performance-Konzept – er inszenierte sich als eine Art Alien, das zur Rettung der Welt aus fremden, wunderbaren Galaxien auf die Erde gebeamt wurde – brachte das Publikum bereits zum Rasen, noch bevor er mit hartem deutschen Akzent seine Lieder von der bevorstehenden Apokalypse und der alles errettenden Liebe zu singen begann. Klaus Nomi war der perfekte Videostar, doch sein Stern erlosch, bevor Videoclips auf MTV zur Massenkultur wurden. Der internationale Durchbruch war zum Greifen nah, als er im August 1983 das erste prominente Aids-Opfer wurde. Die "Schwulenseuche" erschreckte all seine Kollegen und Freunde, so dass er allein im Krankenhaus starb.

Nomis musikalisches Output beschränkt sich auf zwei Alben und eine Live-LP. Bei allen, die ihn kannten, hat er so starke Emotionen ausgelöst, dass er selbst 20 Jahre nach seinem Tod unvergessen bleibt. Im Internet stößt man heute auf unzählige Nomi-Websites. Und die Plattenindustrie gedenkt dem Nomi-Phänomen auf ihre Weise: Sie bringt in regelmäßigen Abständen immer wieder neue CDKompilationen mit seiner Musik auf den Markt.

Andrew Horn, dessen Abschlussfilm Chroma an der N.Y. University School of Arts 1975 für einen Studenten-OSCAR nominiert wurde, lebte in New York als Filmemacher und Grafikkünstler bevor er 1989 nach Berlin übersiedelte, um als Filmemacher, Autor, Journalist und Film Researcher zu arbeiten. Horns Arbeit umfasst ein weites Spektrum von Filmen über postmodernen Tanz, hin zu Arbeiten für das deutsche TV, von Filmmusiken hin zu Musikdokumentationen. Für die Klaus Nomi-Doku erhielt er 2004 den Teddy Award.

24.03.2005