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Pride-Debatte in Israel

Tel Aviv: Szene droht mit CSD-Absage


Die CSD-Parade in Tel Aviv besteht aus wenigen Wagen, dafür aber aus Massen aus LGBT und solidarischer Heten. Mit ihnen ließe sich ein machtvolles Zeichen an die Regierung setzen. (Bild: Guy Yechiely / Visit Tel Aviv)

Aktivisten kritisieren, dass die Regierung mehr Geld für internationale Touristen ausgebe als für Projekte der Community.

Von Norbert Blech

Ein Flugzeug in Regenbogenfarben war zuviel: Die Ankündigung des israelischen Tourismusministeriums, die Rekordsumme von umgerechnet rund 2,6 Millionen Euro in die internationale Bewerbung des diesjährigen CSD in Tel Aviv zu stecken, hat für Empörung bei den LGBT-Organisationen des Landes geführt. Sie drohen inzwischen offen mit der Absage der CSD-Parade.

Aktivisten der Organisation Aguda rechneten vor, dass Projekte und Verbände der Community jährlich vom Staat nur 350.000 Euro erhalten – nur knapp über ein Achtel des vorgesehen Werbebudgets zum Pride. Damit ist unter anderem ein internationaler Wettbewerb für LGBT-Touristen geplant – die Gewinner sollen mit einem in Regenbogenfarben bemalten Flugzeug zu der Parade am 3. Juni eingeflogen werden.

Aguda-Sprecher betonen, dass LGBT-Tourismus gut für die Sache sei und dem Land und der Szene durch die zusätzlichen Einnahmen durch Touristen nütze. Dennoch zeigten die unterschiedlichen Budgets ein nicht hinnehmbares Ungleichgewicht.

Community wütend

"Aus der Community gibt es wütende Stimmen von allen Seiten", meinte Aguda am Sonntag in einer Stellungnahme. Die letzten zwölf Monate seien für die Minderheit nicht gut gewesen: "Die Lebensrealität von LGBT in Israel gibt uns viele Gründe, um zu demonstrieren, aber wenige, um zu feiern."

Im letzten Jahr habe es den tödlichen Angriff auf den CSD in Jerusalem gegeben und einige Hasskommentare von Politikern, fasst der Aguda-Co-Vorsitzende Imri Kalman zusammen. Vor allem aber habe die Regierung etliche Entwürfe für LGBT-freundliche Gesetze abgelehnt.

In der Community erinnert man sich gut daran, wie Aktivisten vor wenigen Wochen zum ersten "LGBT Rights Day" in die Knesset geladen waren, bei dem es konstruktive Gespräche mit Abgeordneten aller Parteien gegeben habe. Einen Tag später wurde bekannt, dass das Kabinett an jenem "LGBT Rights Day" ganze sechs für die Community relevante Gesetzesinitiativen fallen ließ, darunter erneut eine zur Einführung einer Zivilehe (queer.de berichtete). Vor drei Wochen habe man den Premierminister und das Finanzministerium mit der Bitte um eine großzügigere Forderung angeschrieben, so Aguda, aber bislang keinen Laut vernommen. Stattdessen bekomme man nun ohne Absprache ein Regenbogenflugzeug vorgesetzt.



Die CSD-Parade gehöre der Community, "nicht der Regierung und nicht den Touristen", so Aguda. "Keine Regierung hat LGBT-Rechte aus sich selbst heraus promotet, sondern sie kamen durch öffentlichen Druck und Arbeit hinter den Kulissen zustande". In sozialen Netzwerken finden sich etliche ähnlich empörte Kommentare; viele unterstützten die Idee, den CSD notfalls abzusagen.

Druck auf Regierung

Auf einer Pressekonferenz im Tel Aviver LGBT-Zentrum stellte sich am Montag auch die Stadt, die den CSD größtenteils organisiert, auf die Seite der LGBT-Gruppen: Man werde umsetzen, was diese beschließen. Sprecher der Szene hatten sich bereits am Samstag mit Vertretern der Verwaltung getroffen.

Die Aktivisten stellten einen umfangreichen Forderungskatalog vor: So sollte die Regierung LGBT-Organisationen mindestens den gleichen Betrag zur Verfügung stellen wie für die Tourismus-Kampagne. Der Premierminister und Vertreter des Regierung sollten sich mit Aktivisten treffen und einen Zeitplan für einen umfangreichen Maßnahmen- und Gesetzeskatalog erstellen, der etwa die Einbürgerung ausländischer Partner, ein Verbot von Homo-"Heilungs"-Angeboten und Unterstützung für LGBT-Jugendliche umfasst.

Notfalls werde man die CSD-Parade absagen, so die Aktivisten. Aber das sei nur der letzte Schritt: "Niemand möchte in der internationalen Presse lesen müssen, dass die Parade abgesagt wurde", so Kalman. Auch habe die die Gay Community kein Interesse, am 3. Juni einfach zu Hause zu sitzen. "Wir können uns auch vorstellen, die Parade in eine Großdemonstration gegen die Regierung umzuwandeln."

Laut einem "Ynet"-Bericht vom Montagabend scheint die Regierung zunächst mit Eskalation zu reagieren: Die Gelder zur Bewerbung des Pride wurden demnach eingefroren. Der Pride-Flieger bleibt am Boden.



#1 DaDefoeAnonym
  • 19.04.2016, 12:39h
  • Und dennoch ist Israel eine regenbogenfarbene Insel in einem islamofaschistischen Meer!
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#2 GeorgFalkenhagenProfil
  • 19.04.2016, 13:01hBremen
  • Also, Benjamin Netanjahu, nimm dich in acht. Viele Vorfahren deines Volkes schmachteten einst mit den unseren - also allen Schwulen dieser Welt - in den KZ's der Nazis, und zwar auch dort ganz unten.

    Ich bin weiß Gott kein Antisemit, aber Homophobie ist im Namen der Menschenrechte zu bekämpfen, wo immer sie auch sei.

    Also, mal ein paar Schekel locker machen, Alter!
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#3 wiking77
  • 19.04.2016, 13:34h
  • also allein, dass solche Diskussionen in Israel geführt werden, zeigt, dass Israel tatsächlich eine Insel der Seeligen im Meer der islamischen Homophobie ist. Auch daran ersieht man, wie sehr ein starkes und freiheitliches Israel im Nahen Osten notwendig ist, dass die Werte der Humanität und Zivilisation in einer theokratisch geprägten Nachbarschaft hochhält. In Riad, Doha und Teheran oder in Rakaa wären solche Erörterungen über einen CSD nicht möglich.
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#4 NiedergemeiertAnonym
  • 19.04.2016, 14:11h
  • Antwort auf #3 von wiking77
  • >Dieser von den Flüchtlingskritikern der Berliner Jungen Union über die PI.News-Hassblogger bis zu den rechtsradikalen Islamhassern der Partei Die Freiheit getragene scheinheilige Paternalismus ist gleichwohl übelster Chauvinismus: Wer Kritik an das Gebaren von ultra-orthodoxen, gewaltbereiten, homophoben Juden als antisemitisch verunglimpft, hilft dem demokratischen Staat Israel nicht, sondern macht sich mit den Feinden des modernen, demokratischen Staates Israel gemein, wo sich bereits Muslime und Juden die israelische Staatsbürgerschaft teilen und zusammen leben. Einer besonders perfiden Methode bedienen sich indes jene, die rechtsreaktionäre bis faschistoide Hardliner unter Welpenschutz stellen, weil sie schließlich jüdisch seien. Sogar NPD-nahe Protagonisten stilisieren sich selbst strategisch nicht unklug als Antisemitismus-Gegner, indem sie bedingungslose Israel-Solidarität vorgaukeln. Eine Alibifunktion, um hemmungslos der Hetze gegen andere religiöse oder sexuelle Minderheiten im eigenen Land zu frönen. Desert Nigger werden derweil Palästinenser und Araber von selbsternannten, sogenannten Israelfreunden geschimpft. Solidarität im humanistischen Sinne, eine dem Menschenrecht gezollte Solidarität geht nun wirklich völlig anders.< - See more at:
    reiserobby.de/csd-in-jerusalem-verkappter-antisemitismus-und
    -rassismus/#sthash.yCofiEvd.dpuf
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#5 wiking77
  • 19.04.2016, 14:25h
  • ja und? Was wollen SIE konkret mit diesem Zitat aussagen? Haben Sie evtl. auch eine eigene Meinung?

    Über die Existenz Israels kann jeder nur froh sein, als Stabilitätsanker in der Nahost-Region. Sympathien und Liebe für Israel haben schließlich nicht nur Mitmenschen von der politisch linken Fraktion gepachtet. Das mag für Mitmenschen mit politischem Linksdrall verstörend sein, ist aber nicht weltfremd.
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#6 Shinkaishi
  • 19.04.2016, 15:24h
  • Ich wüsste doch gerne was denn die anderen Gesetzesinitiativen sind, die abgelehnt worden sind, bevor ich zu dem Punkt mir irgendein Urteil bilde...

    Mir scheint das ganze etwas sehr konfrontationslastig, wäre ein diplomatischeres Vorgehen angesichts einer doch immerhin recht wohlmeinend Regierung nicht zielführender?
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#7 Abu Alu Bin HutAnonym
#8 wiking77
  • 19.04.2016, 17:05h
  • Antwort auf #7 von Abu Alu Bin Hut
  • ich denke, dass die israelischen Streitkräfte zu Recht an der Besetzung der Golan-Höhe festhalten. Galt früher schon Syrien als Gefährder von Israels Souveranität, so ist nicht auszudenken, wenn der Islamische Staat die strategisch wichtigen Golan-Höhen hält. Nein, nein, da ist es mir schon lieber, wenn Israel die Hand drauf hat. Im übrigen ist eine Kooperation mit Israel nichts Ehrenrühriges; ganz im Gegenteil. Selbst die USA und die Bundesrepublik Deutschland sind enge Partner Israels, also was soll's?

    Ich finde es wunderbar, dass es in Israel eine schwule Community gibt; und das Mitglieder dieser Community ihre Rechte, auch das Demonstrationsrecht und das Recht auf Meinungsäußerung, ausschöpfen. Könnten sie das auch in Riad, Doha, Teheran, Rakaa und Islamabad oder in Ramallah oder Gaza-City tun? Nein! Na also...
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#9 gggaaaasssstAnonym
  • 19.04.2016, 17:11h
  • Das, was man in Israel betreibt, nennt man anderenorts "pinkwashing".

    Durch übertriebene Homo-Freundlichkeit auf der einen Seite will man von "Defiziten" auf der anderen Seite ablenken.

    Gut, dass die Sache langsam durchschaut wird.
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#10 wiking77
  • 19.04.2016, 17:31h
  • Antwort auf #9 von gggaaaasssst
  • das stimmt schlicht und einfach nicht! Zugegeben ein paar ultraorthodoxe Gruppierung in Israel zeigen kein freundlichen Gesicht: aber die israelische Mehrheitsgesellschaft, die Behörden, die Polizei überhaupt das öffentliche Leben in Israel ist sehr tolerant eingestellt. Klar in Jerusalem ist es etwas "strenger" aber in Tel Aviv, Jaffa, Haifa usw. da können sich so manche europäische Städte eine ganz dicke Scheibe in punkto "gayfriendly" abschneiden. In Ramallah und Gaza-Stadt, bei den Ayatollahs, ist man dann wieder in der religiösen Steinzeit.

    Übrigens bei jüdisch/arabischen Paaren ist es ja, angeblich toleranter Islam hin oder her, meistens so, dass der palästinensische Part zum jüdischen Teil zieht. Mir ist jedenfalls nichts bekannt, dass ein jüdischer Israeli zu seinem arabisch-islamischen Partner nach Palästina zieht. Warum wohl?
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