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Gavin Grimm hat darauf geklagt, an seiner Highschool endlich auf die Jungentoilette gehen zu dürfen

Ein 16-jähriger Transsexueller durfte an seiner Schule in Virginia nicht das Jungen-Klo benutzen – das ist nach Ansicht eines Berufungsgerichts Diskriminierung.

Eine Gerichtsentscheidung bringt Bewegung in die amerikanische Debatte um die Nutzung von öffentlichen Toiletten von Transsexuellen: Ein Bundesberufungsgericht in Richmond (Virginia) hat am Dienstag entschieden, dass eine Schule im Bezirk Gloucester Transsexuellen erlauben muss, die Toilette zu benutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entspricht.

Die Entscheidung – in dieser Instanz die erste ihrer Art in den USA – fiel mit zwei zu eins Richterstimmen. Die Richtmehrheit war der Ansicht, dass das Toiletten-Verbot gegen ein Bundesgesetz namens "Title IX" verstoße, das Geschlechterdiskriminierung an Schulen verbietet, die Bundesmittel erhalten.

Geklagt hatte der 16-jährige Gavin Grimm. Er hatte 2014 sein Coming-out als Transsexueller und durfte damals wenige Wochen lang die Jungentoilette benutzen. Nach Beschwerden verbot ihm die Schule, auf dieses Klo zu gehen, und erklärte, er dürfe nur auf die Mädchentoilette oder eine Einzeltoilette. Grimm nannte diese Entscheidung stigmatisierend und klagte mit Unterstützung der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU).

Einfluss auf transphobes Gesetz in North Carolina


Gouverneur Pat McCrory macht Stimmung gegen Transsexuelle (Bild: flickr / Hal Goodtree / by 2.0)

Die Entscheidung beeinflusst indirekt das umstrittene, insbesondere gegen Transsexuelle gerichtete Gesetz in North Carolina, das zu heftiger Kritik von LGBT-Aktivisten und Bürgerrechtsorganisationen geführt hat (queer.de berichtete). Es verbietet im ganzen Bundesstaat Transsexuellen an Schulen, die Toiletten zu benutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen.

North Carolinas Gouverneur Pat McCrory erklärte in einer ersten Reaktion, dass er das Urteil für falsch halte. Es basiere auf Barack Obamas angebliches "Ziel, Highschools zu zwingen, Jungen in Jungentoiletten und Mädchentoiletten zu erlauben".

In der Vergangenheit warnten LGBT-Gegner immer wieder öffentlich davor, dass sich männliche Sexualstraftäter als transsexuell ausgeben könnten und dadurch Zugang zu Frauentoiletten erhielten, um Mädchen missbrauchen zu können. Diesen Vorwurf sehen LGBT-Aktivisten als absurde Hasspropaganda an.

Konservative Kommentatoren wiesen nach dem Urteil auch darauf hin, dass es zwei von Obama ernannte Richter waren, die den Ausschlag beim Urteil gegeben hätten. Der Richter, der dagegen stimmte, war dagegen von George Bush Senior ins Amt gehievt worden. Er erklärte in seiner Minderheitenmeinung, dass die Entscheidung die "Privatsphäre und Sicherheit" gefährden würde.

Einspruch möglich

Noch ist unklar, ob die Entscheidung umgesetzt werden muss: Der Schulbezirk kann noch Einspruch einlegen und unter Umständen eine vorläufige Aussetzung des Urteils erzwingen. Wahrscheinlich wird der Fall – wie die Frage der Ehe für alle – am Ende beim obersten Gerichtshof, dem Supreme Court, landen.

Zuvor könnte allerdings das US-Bildungsministerium Druck auf Staaten wie North Carolina ausüben und im Ernstfall Bundeszuschüsse streichen. North Carolina müsste dann auf 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr verzichten. (dk)



#1 PeerAnonym
  • 20.04.2016, 13:59h
  • Sehr gut!

    So langsam müssen die religiösen Fanatiker doch mal einsehen, dass sie ihren Wahn nicht durchsetzen können...
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#2 täusche ich michAnonym
  • 20.04.2016, 14:32h
  • oder werden in toitschland solche debatten nicht einmal geführt?

    kein wunder, wenn weit über die hälfte der schüler_innen (siehe bzga, jugendsexualität 2015) noch nicht mal das stichwort "homosexualität" ein einziges mal im "aufklärungsunterricht" gehört hat.

    geschweige denn irgendwelche schwulen, lesbischen oder transidenten identifikationsfiguren im milliardärsfernsehen, ähm, mit milliarden euro gefütterten "öffentlichen" fernsehen zu sehen bekommt.
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#3 ursus
  • 20.04.2016, 17:22h
  • Antwort auf #2 von täusche ich mich
  • man könnte es auch positiv sehen: in deutschland gibt es wenigstens (noch) keine parteien, die extra gesetze aushecken, nur um transmänner zwangsweise in frauentoiletten zu schicken.

    aber das ist wohl nur eine frage der zeit. frau storchs speichelfluss setzt sicher schon ein...
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#4 GavinGrimmWinsAnonym
  • 20.04.2016, 21:17h
  • Danke für dieses Urteil! Ich freue mich, daß Gavin Grimm und ACLU damit einen großen Erfolg erzielt haben! Nun wird es Zeit, HB 2 in North Carolina zu kippen und Pat McCrory aus dem Amt zu jagen!
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#5 RobinAnonym
  • 20.04.2016, 22:11h
  • Vielleicht war das nur ein Pyrrhussieg. Ob das dem Jungen wirklich hilft, wenn er versucht, neben den Mitschülern am Urinal mitzuhalten ? Durch die Klage ist er/sie jedenfalls weltweit bekannt geworden, so dass seine/ihre Toilettenbesuche künftig die volle Aufmerksamkeit bekommen.
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#6 Katrina_ReichertProfil
  • 22.04.2016, 10:30hDüsseldorf
  • Antwort auf #5 von Robin
  • "er/sie" ist ein Mann.
    Dein Respekt kommt in seinem Umfang Deiner Kompetenz in Sachen Geschlechterforschung in etwa gleich.

    Und es wird verdammt nochmal Zeit, dass Ihr Cismenschen uns Transmenschen den selben Respekt entgegen bringt, den Ihr für Euch haben wollt.

    Insofern: Thumbs up, Gavin! \o/
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#7 TheDad
  • 22.04.2016, 12:27h
  • Antwort auf #6 von Katrina_Reichert
  • Grundsätzlich schön geschrieben, und notwendige Kritik an der Bezeichnung des jungen Menschen durch "Robin"..

    Aber bitte nicht ein ""den Ihr für Euch haben wollt""..
    Sondern ein ""der euch zusteht, wie er uns zusteht""..
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#8 Katrina_ReichertProfil
  • 23.04.2016, 06:51hDüsseldorf
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Dass der Respekt, den ich für Transmenschen fordere, allen Menschen gleichermaßen zusteht, sollte offensichtlich sein.

    Meine Formulierung zielt darauf ab, Cismenschen zu verdeutlichen, dass ich keineswegs nach einer Extrawurst verlange.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TheDad
  • 23.04.2016, 12:29h
  • Antwort auf #8 von Katrina_Reichert
  • ""Dass der Respekt, den ich für Transmenschen fordere, allen Menschen gleichermaßen zusteht, sollte offensichtlich sein.""..

    Das nehme ich Dir ja auch ab..
    Aber dann schreib es doch auch so..
    Wir hatten hier schon einen Disput über den oft aggressiven Ton Deiner Formulierungen gegenüber "CIS-Menschen"..
    Ich halte den nach wie vor für unnötig, und vor allem für Kontraproduktiv..

    Wenn ich Deine Kommentare hier nicht völlig falsch deute, dann lehnst Du Kategorisierungen für Dich ab..
    Wieso kategorisierst Du dann Andere als "CIS-Menschen" ?

    ""Meine Formulierung zielt darauf ab, Cismenschen zu verdeutlichen, dass ich keineswegs nach einer Extrawurst verlange.""..

    Deine Antwort liest sich aber eben genau so, als ob die "CIS-Menschen" diese "Extra-Wurst" verlangten..
    Das tun sie ebensowenig wie Du..
    Und dann kann man das auch genauso schreiben..
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Katrina_ReichertProfil
  • 23.04.2016, 16:28hDüsseldorf
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • "Das nehme ich Dir ja auch ab..
    Aber dann schreib es doch auch so.."

    Mach ich die ganze Zeit.

    "Wir hatten hier schon einen Disput über den oft aggressiven Ton Deiner Formulierungen gegenüber "CIS-Menschen".."

    Find ich spannend, wenn man bedenkt, dass ich hier erst seit 2 Wochen kommentiere.
    Schon erstaunlich, was das für Kreise zeiht, wenn eine Transfrau es mal wagt, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne gleich zu kuschen, wen die ersten Trolle und Hater einschlagen.

    "Ich halte den nach wie vor für unnötig, und vor allem für Kontraproduktiv.."

    1.) Tone Argument.
    2.) Ich bin nicht aggressiv, ich bin rechtschaffen zornig.
    Der Unterschied mag oberflächlich klein erscheinen, äußert sich in der Wirkung aber erheblichst.

    "Wenn ich Deine Kommentare hier nicht völlig falsch deute, dann lehnst Du Kategorisierungen für Dich ab.."

    Falsch.

    "Wieso kategorisierst Du dann Andere als "CIS-Menschen" ?"

    Das haben cisgeschlechtliche Wissenschaftler ersonnen. Ich gebe das nur wieder.
    "cis" ist Latein und bedeutet "diesseitig", "trans" bedeutet "jenseitig".
    "Cismenschen" heißt folglich nichts anderes als "Menschen, bei denen der Hebammenausruf 'Es ist ein Junge/Mädchen!' gestimmt hat".

    "Deine Antwort liest sich aber eben genau so, als ob die "CIS-Menschen" diese "Extra-Wurst" verlangten.."

    Stimmt. Das nennt sich in der Diskriminierungsbekämpfung "Cisprivilege" bzw "Cissupremacy".
    Viele Cismenschen reagieren EMPÖRT wenn Transmenschen es WAGEN die gleichen Rechte zu fordern.
    Es wird nachgerade als AFFRONT gehandelt, wen wir dafür eintreten, dass wir nicht mehr auf offener Straße abgeschlachtet werden, weil soviele Cismenschen nicht darauf klar kommen, dass sie nicht der Maßstab aller Dinge sind.
    (Ahnst Du langsam, was meinen rechtschaffenen Zorn verursacht?)

    "Das tun sie ebensowenig wie Du..
    Und dann kann man das auch genauso schreiben.."

    Statistiken, Forschung und meine Erfahrung in Sachen Diskriminierungsbekämpfung sagen mir was erheblich anderes.
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