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Für badische Christen geht der Regenbogen auf (Bild: flickr / Cjames Fotografia / by 2.0)

Die Landessynode in Bad Herrenalb drückte zugleich ihr Bedauern darüber aus, "dass lesbischen und schwulen Menschen Leid zugefügt wurde".

Die badische Landessynode hat auf ihrer Frühjahrstagung in Bad Herrenalb am Samstag mit großer Mehrheit beschlossen, dass auch gleichgeschlechtliche Paare in einem Traugottesdienst öffentlich gesegnet werden können. "Eingetragene Partnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz können in einem evangelischen Traugottesdienst öffentlich unter Gottes Gebot und Gottes Verheißung gestellt werden", heißt es in dem Beschluss, der ab sofort gilt.

Der Gottesdienst soll entsprechend einer heterosexuellen Trauung gefeiert und als Amtshandlung in das Kirchenbuch eingetragen werden. Für die weitere Gestaltung erstellt der Evangelische Oberkirchenrat auf Antrag der Landessynode nun eine "gemeinsame Lebensordnung für Ehe und Lebenspartnerschaft und für den Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung bzw. der Begründung eines Lebenspartnerschaft".

Aufgrund einer intensiven theologischen Beschäftigung erkenne "die Landessynode die Gleichwertigkeit von verschiedengeschlechtlicher und gleichgeschlechtlicher Liebe, Sexualität und Partnerschaft an, die verantwortlich vor Gott gelebt werden", heißt es in dem Antrag. "Diese theologische Erkenntnis soll auch im Handeln der Kirche ihren Ausdruck finden."

Bereits vollzogene Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare können auf Antrag als Trauung anerkannt und ins Kirchenbuch aufgenommen werden.

Pfarrer können Homo-Trauungen verweigern

"Es wurde intensiv, leidenschaftlich, bis an die Grenzen gehend gerungen, den richtigen Weg in Verantwortung vor Kirche und Gott und seinen Menschen zu finden", berichtete der Synodale Jochen Kunath aus den Ausschüssen, in denen die Beschlussvorlage erarbeitet worden war. Der gefundene Kompromiss sieht vor, dass eine Pfarrerin bzw. ein Pfarrer den öffentlichen Gottesdienst ablehnen kann; der zuständige Dekan bzw. die zuständige Dekanin beauftragt dann eine andere Person mit dem Gottesdienst.

Die Landessynode hat zugleich ihr Bedauern darüber ausgedrückt, "dass lesbischen und schwulen Menschen Leid zugefügt wurde", wie es in dem Beschluss heißt. "Sie sieht die Notwendigkeit, dies unter Einbeziehung der Landessynode aufzuarbeiten." Der Oberkirchenrat solle einen Vorschlag für diesen Prozess der Aufarbeitung entwickeln. Hier geht die Kirche, wie auch bei der Formulierung zur Gleichwertigkeit homo- und heterosexueller Liebe, teilweise deutlich über die Beschlüsse anderer Landeskirchen hinaus.

Segnungen von schwulen und lesbischen Paaren waren in Baden bislang nur heimlich im privaten Rahmen erlaubt, nicht aber in einem Gottesdienst. Nur die evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Sachsen haben noch ähnlich restriktive Regelungen. Die württembergische Landeskirche hatte erst vergangenes Jahr die Segnung von Homo-Paaren abgelehnt (queer.de berichtete). Auch in Sachsen wird es wohl so schnell keine Reform geben, da der dortige Landesbischof Carsten Rentzing Homosexuellen vorwirft, gegen "den Willen Gottes" zu leben (queer.de berichtete).

Demgegenüber erlauben neben Baden drei weitere der 20 Landeskirchen nicht nur Segnungen, sondern bereits die kirchliche Trauung von Schwulen und Lesben. Nach Hessen-Nassau und Rheinland stellte Anfang des Monats die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz eingetragene Lebenspartner mit heterosexuellen Eheleuten gleich (queer.de berichtete).

Die badische Landeskirche ist mit 1,2 Millionen Mitgliedern die achtgrößte evangelische Gliedkirche in Deutschland. (cw)

17.35 Uhr: ergänzt um Details aus dem Antrag



#1 BullshitAnonym
  • 23.04.2016, 14:38h

  • Lasst das Christenbashing beginnen, wir wissen dass die schlinmer als der IS sind!
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#2 Johannes45Anonym
  • 23.04.2016, 14:44h
  • Herzlichen Glückwunsch nach Baden !

    Damit hat sich die Badische Landeskirche in die "erste" Reihe der Landeskirchen eingereiht, die reguläre kirchliche Trauungen kirchenrechtlich ermöglichen. Nach der Landeskirche Hessen-Nassau, der Landeskirche Rheinland und der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat nunmehr die VIERTE von zwanzig Landeskirchen der EKD kirchliche Trauungen ermöglicht.

    In weiteren 14 Landeskirchen der EKD ist zumindest ein öffentlicher Segnungsgottesdienst erlaubt ("ohne Eintragung in die Kirchenbücher", abweichende Liturgie").

    NUR die Landeskirchen Württemberg und Sachsen haben bisher sich gegen diese Reform gewehrt und lehnen dies "noch" ab.

    Bin gespannt wie sich dieses Votum in Baden auf die Nachbarkirche Württemberg auswirken wird.

    Hier zum weiteren Nachlesen:

    *
    www.huk.org/cms/front_content.php?idart=352
    (Homosexuelle und Kirche)
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#3 Homonklin44Profil
  • 23.04.2016, 15:36hTauroa Point
  • Hm ja, die den Sabbelpalaver mögen sollen sich doch dran erfreuen, komisch ist nur, dass die ganze Idee zwiespältig bleibt:

    "Derr gefundene Kompromiss sieht vor, dass eine Pfarrerin bzw. ein Pfarrer den öffentlichen Gottesdienst ablehnen kann; der zuständige Dekan bzw. die zuständige Dekanin beauftragt dann eine andere Person mit dem Gottesdienst. Die Landessynode hat zugleich ihr Bedauern darüber ausgedrückt, "dass lesbischen und schwulen Menschen Leid zugefügt wurde", heißt es in dem Beschluss."

    Wenn man wirklich bedauert, dass Lesben und Schwulen Leid zugefügt wurde, warum tut man es dann gleich wieder, indem man diese Ablehnung ermöglicht?
    Oder darf ein schwuler, eine lesbische Pastor/in auch ein heterosexuelles Paar jederzeit ablehnen?

    Das liest sich immer so wie "Ja, ihr seid jetzt willkommen, aber bitte setzt euch abseits und redet bloß nicht dazwischen."
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#4 BullshitAnonym
  • 23.04.2016, 16:26h
  • Antwort auf #3 von Homonklin44

  • Ja, darf sie/ er! Es gibt viele Gründe für die Ablehnung einer Trauung! Kein fauler Kompromiss, willst du von einem homophoben getraut werden, ändert oder verbessert das Zwingen die Haltung des Pastors? Beamte werden in diesem Staat täglich gezwungen gegen ihr persönliche Überzeugung zu handeln, mehr noch sie müssen mit einem Lächeln alles schlucken und ständig gute Mine zum bösen Spiel machen!
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#5 goddamn liberalAnonym
#6 Laurent
  • 23.04.2016, 19:28h
  • Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

    Bei der für einzelne Pfarrer eingeräumten Möglichkeit, den Gottesdienst abzulehnen, handelt es sich um ein typisches Zugeständnis im Rahmen eines Kompromisses.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 24.04.2016, 09:34h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Danke für die roten Punkte für meine Kritik an Frau Buchholz.

    Rot steht mir gut.

    Ich bin vielleicht nicht tiefrot aber sicher röter als diese pseudo-linke antiamerikanische Betroffenheitsakrobatin, die absurde Kirchenprivilegien verteidigt, anstatt einfach mal IN den Marx zu gucken, den sie mit deutsch-gläubigen Augen als Ikone vor sich her trägt.

    Zitat Marx:

    "Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist."

    "Sir,

    wir wünschen dem amerikanischen Volk Glück zu Ihrer mit großer Majorität erfolgten Wiederwahl!

    Wenn Widerstand gegen die Macht der Sklavenhalter die maßvolle Losung Ihrer ersten Wahl war, so ist Tod der Sklaverei! der triumphierende Schlachtruf Ihrer Wiederwahl.

    Vom Anfang des amerikanischen Titanenkampfs an fühlten die Arbeiter Europas instinktmäßig, daß an dem Sternenbanner das Geschick ihrer Klasse hing." (An Abraham Lincon)

    Ausgerechnet in Sachsen scheint es dagegen echte Linke zu geben.

    www.heise.de/tp/artikel/48/48001/1.html

    Zitat:

    "dass der Staat und seine Strukturen eine eindeutige bewusste Distanz zu Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften wahren und somit nicht nur eine weitgehende Religionsfreiheit, sondern auch eine umfassende "Freiheit der Religionslosigkeit" garantieren. Dies ist in einer Gesellschaft, in der die Konfessionslosen inzwischen die "größte Konfession" bilden und die Glaubenslandschaft auch durch Zuwanderung immer pluraler wird, unabdingbar. Die konsequente Laizisierung ist dabei für uns auch ein wichtiges Mittel für den Abbau von Diskriminierung und für eine notwendige Offenheit gegenüber Migrantinnen und Migranten.

    Die laizistische Verfasstheit unseres Staates würde den weltanschaulichen (religiösen und nichtreligiösen) Pluralismus am ehesten garantieren. Die von uns angestrebten Reformen sind eine klare Absage an jeden Versuch, eigene religiöse (und andere weltanschauliche) Ansprüche der gesamten Gesellschaft auf Kosten von Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit der Einzelnen aufzuoktruieren. Die Laizität ist somit auch ein klares Stoppsignal an religiösen Fanatismus und Fundamentalismus."

    Ist im deutsch-romantischen Kirchenstaat aber leider VIEL zuviel Zivilisation.
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#8 JogoleinProfil
  • 24.04.2016, 11:49hAalen
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • So einfach ist das auch wieder nicht. Man mag dazu stehen wie man will, aber ein Laizismus war für Deutschland nie geplant. Dennoch ist Deutschland ein säkularer Staat, denn es gibt keine Staatskirche.

    Das bedeutet aber nicht, dass der Staat den Kirchen, kirchenähnlichen Gemeinschaften und Religionen keine (teils weitgehenden) Rechte einräumen kann. Das tut die BRD und zwar haben diese Rechte Verfassungsrang und sind somit nicht einfach so aus dem GG zu streichen, auch wenn dies vermutlich gut und sinnvoll wäre. Eine "konsequente Laizierung" wird es mittel- bis langfristig nicht geben, auch wenn man sich dies wünscht.
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 24.04.2016, 12:43h
  • Antwort auf #8 von Jogolein
  • "Das bedeutet aber nicht, dass der Staat den Kirchen, kirchenähnlichen Gemeinschaften und Religionen keine (teils weitgehenden) Rechte einräumen kann. "

    Wenn der Staat die Kirchen nicht mehr jährlich mit einer halben MILLIARDE ALLGEMEINER Steuergelder regelrecht zuschüttet, dann bedeutet das keine Entrechtung.

    Apropos Entrechtung.

    Mein 'Wort zum Sonntag':

    Die frömmelnde 'Demo für alle' wird des auch in BW nach dem Beschluss der badischen Kirche schwerer haben als zuvor. Das ist gut.
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#10 TheDad
  • 24.04.2016, 12:44h
  • Antwort auf #8 von Jogolein
  • ""So einfach ist das auch wieder nicht. Man mag dazu stehen wie man will, aber ein Laizismus war für Deutschland nie geplant.""..

    Du erklärst hier die Forderung des Grundgesetzes für ungültig..

    In Artikel 140 heißt es dazu, daß die eingefügten Artikel aus der Weimarer Verfassung unverändert gültig sind, die insbesondere hier die "Forderung" der AFD einen "Kulturkampf" gegen den Islam zu führen, verbietet, denn :
    ""Art. 137
    (2) Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluß von Religionsgesellschaften innerhalb des Reichsgebiets unterliegt keinen Beschränkungen.""..

    Das gilt auch für den Islam..

    Grundsätzlich heißt es aber :
    ""Art. 137
    (1) Es besteht keine Staatskirche.""..

    Mithin die Bestätigung dessen, was man gemeinhin Laizismus nennt :

    de.wikipedia.org/wiki/Laizismus
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