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Drama um Freundschaft, Liebe und Trauer vor karibischer Strandkulisse: "Liz in September" beruht auf dem lesbischen Bühnenklassiker "Last Summer at Bluefish Cove" (Bild: Edition Salzgeber)

  • 28. April 2016, 05:39h, noch kein Kommentar

Neu auf DVD: In Fina Torres' Drama "Liz in September" strandet eine verzweifelte Ehefrau und Mutter in einer lesbischen Urlaubspension und findet neuen Lebensmut.

Von Carsten Moll

Seit dem Tod ihres Sohnes Tommy muss Eva hilflos mitansehen, wie ihre vormals geordnete Existenz nach und nach zerfällt. Dass ihr Ehemann sie mit einer anderen Frau hintergeht, nimmt sie gleichgültig hin – doch wie gelähmt scheint Eva durch den tragischen Verlust des eigenen Kindes. Als sie auf einer Fahrt entlang der venezolanischen Küste aufgrund einer Autopanne mitten im Nirgendwo steckenbleibt, macht die trauernde Mutter eine Begegnung, die ihr Leben nachhaltig verändern soll.

Eva strandet in einer kleinen Pension direkt am Karibischen Meer und trifft auf eine Gruppe von lesbischen Frauen. Die Pensionsbesitzerin Margot, die berühmte Ärztin Dolores, ihre junge Freundin Coqui sowie die verliebten Künstlerinnen Any und Eulalia wollen hier gemeinsam in aller Abgeschiedenheit den Geburtstag ihrer Freundin Liz feiern. Während die heterosexuelle Eva anfangs eher misstrauisch beäugt wird, wirft die ehrgeizige Liz bald ein Auge auf den Neuankömmling.

Liz wettet mir ihren Freundinnen, dass sie Eva innerhalb von drei Tagen verführen kann. Tatsächlich kommen sich die beiden Frauen schnell näher – und Eva muss erkennen, dass in diesem Urlaubsidyll nicht alles so paradiesisch ist wie es vordergründig erscheint.

Von der Bühne auf die Leinwand


Die Edition Salzgeber hat "Liz in September" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Im Dezember 1980 feierte in New York City ein Stück der Dramatikerin Jane Chambers seine Premiere, das in die Theatergeschichte eingehen sollte: "Last Summer at Bluefish Cove" versammelte nämlich als eines der ersten Mainstream-Stücke ein ganzes Personal an lesbischen Figuren und erzählte auf vielschichtige, lebensnahe Weise von deren individuellen Konflikten.

Mehr als 30 Jahre später hat sich die Regisseurin und Drehbuchautorin Fina Torres ("Woman on Top") dem Stoff angenommen und die Geschichte ins Venezuela der Gegenwart verlegt. Trotz einiger Änderungen von Namen sowie Hintergrundgeschichten der Protagonistinnen bleibt Torres mit ihrer Tragikomödie sehr nahe an Chambers' Vorlage. Dadurch wird einerseits deutlich, dass "Last Summer at Bluefish Cove" vielleicht nicht zeitlos sein mag, aber viele der hier angesprochenen Themen, wie Angst vor dem Coming-out, doch nach wie vor aktuell sind.

Zum anderen bleibt das Theaterstück nicht nur inhaltlich sehr präsent, sondern ist leider auch formal spürbar: Torres inszeniert oft wie für eine imaginäre Bühne, ihre Figuren stehen aufgereiht bereit, um ihre Dialogzeilen zu sprechen, und die spektakulären Schauplätze wirken mitunter wie bloße Kulissen.

Behutsam und niemals melodramatisch

Dass das Kino ganz anderen Rhythmen folgt und Raum auf seine eigene Art erfahrbar machen kann, zeigen hingegen die wenigen, aber eindrucksvollen Szenen, in denen die Regisseurin sich mehr zutraut als den Theatertext lediglich brav zu illustrieren. In poetischen Unterwasserbildern und mit Hilfe einer traumgleichen Montage werden da ganze Seelenwelten auf wunderbare Weise zum Leben erweckt.

"Liz in September" ist sicherlich kein perfekter Film. Allzu plakativ stellt er bisweilen seine Schönheit aus, während einige Nebenfiguren geradezu untergehen im konfliktgeladenen, aber niemals melodramatischen Geschehen. Und dennoch weiß das emotionale Drama zu begeistern durch seine unaufgeregte Behutsamkeit, mit der sich Torres ernsten Themen widmet, aber vor allem dank der großartigen Hauptdarstellerin Patricia Velásquez ("The L World"). Ihre Performance ist das Herzstück des Film und erdet den Film da in der Wirklichkeit, wo das Drehbuch manches Mal zu sehr an der Oberfläche verharrt.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zur DVD

Liz in September. Drama. Venezuela 2014. Regie: Fina Torres. Darsteller: Patricia Velasquez, Eloisa Maturen, Mimí Lazo, Danay Garcia, Arlette Torres, Elba Escobar: Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 6. Edition Salzgeber
Galerie:
Liz in September
9 Bilder