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Während des russischen Beitrags zum ESC 2014 aus Kopenhagen blendete das dänische Fernsehen eine Regenbogenflagge aus dem Publikum ein

Kurz vor Beginn der Proben zum diesjährigen Wettbewerb sorgen neue Richtlinien für Verwirrung und Sprengstoff.

Von Norbert Blech

Beim Eurovision Song Contest deutet sich ein Streit um die Nutzung von Regenbogenflaggen durch Fans während der Show an. In einer gerade veröffentlichten Richtlinie, welche Flaggen erlaubt und welche nicht erwünscht sind, verheddert sich die Europäische Rundfunkunion (EBU) in der Frage, ob das Symbol der LGBT-Community ein politisches Zeichen ist.

Politische Statements sind den Regularien des Wettbewerbs zufolge Künstlern wie Fans verboten. Mit der aktuellen Flaggenordnung (PDF), die vom schwedischen Fernsehen für die diesjährigen Shows festgelegt und von der Reference Group der EBU abgenickt wurde, werden etwa Flaggen der teilnehmenden Nationen erlaubt, diskriminierende, religiöse oder politische Banner aber verboten. Auch Flaggen von umstrittenen Territorien sind nicht erlaubt, darunter Bergkarabach, die Krim und die "Volksrepublik Donezk", Nordzypern oder Palästina. Bizarrerweise wird auch die Flagge des "Islamischen Staates" aufgeführt – nach Protesten inzwischen als eigenständiger Punkt und nicht mehr eingereiht unter die anderen Flaggen.

Weiter heißt es: "Regenbogenflaggen und die Flagge der Europäischen Union werden toleriert, wenn sie, nach Bewertung der Organisatoren, nicht gezielt genutzt werden, um während der Show ein politisches Statement abzugeben."

Kaum Konsequenzen in Stockholm zu erwarten


Ausschnitt aus der ersten Fassung der Flaggenverordnung

Durch Fans mitgebrachte Regenbogenflaggen waren in den letzten Jahren beim ESC in Mode gekommen, gerade auch durch die Teilnahme und den Sieg von Conchita Wurst. Das dänische Fernsehen hatte 2014 beim ESC aus Kopenhagen offenbar gezielt Fans mit Regenbogenflaggen während des russischen Beitrags eingeblendet – mitten in die Debatte über das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" hinein, das auch bei schwulen ESC-Fans für Empörung sorgte. Auch im ORF waren aus Wien im letzten Jahr ähnliche Szenen zu beobachten.

Das britische Portal "Pink News" wollte nun von der EBU wissen, ob das Wehen der Regenbogenflagge zum russischen Beitrag ein "politisches Statement" im Sinne der neuen Flaggenordnung sei – die Frage ist auch deswegen akut, weil das Land den Wettbüros zufolge beste Chancen hat, das Finale am 14. Mai zu gewinnen. Ein EBU-Sprecher sagte dem Portal: "Das wird von Fall zu Fall entschieden. Das Beispiel könnte anwendbar sein, wenn ein spezifisches Teilnehmerland herausgegriffen wird."

Die dazu gewählte Schlagzeile von "Pink News", die EBU habe das Wehen der Regenbogenflagge zum Beitrag Russlands verboten und Fans gar davor "gewarnt", ist also zunächst überzogen und falsch. Sie ignoriert auch, dass die EBU den Entscheidungsspielraum dem jeweiligen Gastgeber überlässt, in diesem Fall also dem schwedischen Fernsehen. Das dürfte kaum Regenbogenflaggen von Fans konfiszieren oder diese der Halle verweisen, wie es das Regularium allgemein als Sanktionsmöglichkeit vorsieht, zumal zumindest ein konstantes Schwenken der Flagge ja ausdrücklich in Ordnung geht.



Frage nicht endgültig geklärt

Dennoch wirft die Bewertung der Regenbogenflagge als unter Umständen politisch weitere Fragen auf: Wenn der schwedische Sender in diesem Jahr welche zum russischen Beitrag einblenden sollte, setzt er dann ein politisches Zeichen? Oder zeigt er einfach nur schwule Fans, wie der schwule Produzent der Sendung, Christer Björkman, sich rechtfertigen könnte? Könnte Russland sich beschweren und wie würde die EBU darauf reagieren, reagieren müssen?

Es ist nicht bekannt, dass sich die russischen EBU-Mitgliedssender bisher über die Regenbogenflaggen beschwert hätten. Und immerhin: Als es aus Moskau Beschwerden über den diesjährigen ukrainischen Song gab, der die Vertreibung von Krimtartaren unter Stalin thematisiert, wies die EBU diese ab.

Auch das schwedische Fernsehen ist bekannt dafür, Haltung zu bewahren: Beim Grand Prix 2013 aus Malmö zeigte es in der Pausenunterhaltung die Hochzeit zweier Männer als eines der Dinge, die die Vielfalt des Landes ausmachen (ein Kuss unter Frauen in einem Wettbewerbsbeitrag aus der gleichen Sendung wurde von der EBU ebenfalls nicht als politisch bewertet). Und der schwedische Sender SVT hat bekanntgegeben, dass er die vom ORF eingeführte Regelung, Buh-Rufe von Fans aus dem Ton zu mischen, wieder aufgehoben hat. Mit ihnen waren in den letzten Jahren vor allem die Beiträge Russlands quittiert worden.

Was wenn Russland gewinnt?


Russland setzt in diesem Jahr mit dem Sänger Sergei Lasarew auch auf Homo-Erotik

Der Sprecher der Rundfunkunion sagte gegenüber "Pink News" noch, die Regenbogenflagge stehe für "Vielfalt", die ein "Kernwert der EBU" sei. Sollte Russland den diesjährigen Grand Prix gewinnen, trotz Buhrufen und Regenbogenflaggen, müsste sich freilich noch zeigen, wie sehr sie diese Freiheit verteidigt: Den neuen Regularien nach dürfte zunächst das russische Fernsehen bestimmen, wie es mit den Flaggen umgeht – und das hat unter anderem ein Gesetz gegen Homo-"Propaganda" zu berücksichtigen.

Ohnehin dürfte ein möglicher Sieg Russlands noch Fragen aufwerfen: Als der Song Contest 2009 das erste und bislang letzte Mal in Moskau stattfand, endete am gleich Tag eine CSD-Demonstration in Gewalt und Festnahmen (queer.de berichtete). Die EBU lässt sich von ESC-Veranstaltern Zusicherungen über die Sicherheit und Freiheiten von Künstlern, Mitarbeitern und Fans geben, die allerdings ihre Grenzen im Recht des Gastgeberlandes finden und sich nicht allgemein auf dessen Bevölkerung beziehen.

Entsprechende Zusicherungen hatte sich etwa auch das IOC für die Winterspiele in Sotschi vor zwei Jahren geben lassen. Für Proteste, bei denen außerhalb der Stadien Personen verhaftet wurden, erklärte man sich ebensowenig zuständig wie für die zweimalige Festnahme der italienischen LGBT-Aktivistin Vladimir Luxuria innerhalb der Spielstätten, weil sie Kleidung in Regenbogenfarben trug (queer.de berichtete). Diese habe damit ein verbotenes politisches Zeichen setzen wollen, argumentierte das IOC danach.

Youtube | "Welcome all", auch "welcome gay": Das neueste Promo-Video zum ESC in Stockholm gibt sich inklusiv. Der Wettbewerb steht in diesem Jahr unter dem Motto "Come together".


#1 Ulli_2mecsProfil
  • 29.04.2016, 16:58hHamburg
  • Ich wusste gar nicht dass Fahnenschwenken politisch und unpolitisch geht ...
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#2 Ulli_2mecsProfil
#3 FelixAnonym
  • 29.04.2016, 21:04h
  • Wie will man denn bitteschön unterscheiden, ob eine Regenbogenflagge ein Statement ist oder nicht?

    Zumal jede Flagge und deren Schwenken auch immer ein Statement ist.

    Aber eine Regenbogenflagge ist ja ein positives Statement: für Liebe, Respekt und Vielfalt...

    Das ist einfach totaler Unsinn. Man sollte einfach sagen: Regenbogenflaggen sind erlaubt. Punkt.

    Da LGBTI eine der Haupt-Fangruppen des ESC sind, wäre alles andere auch totale Humbug.
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#4 SebiAnonym
  • 29.04.2016, 22:53h
  • Dass es jetzt sogar in einem liberalen Land wie Schweden solche sonderbaren "Einschränkungen" für den Gebrauch von Regenbogenflaggen gibt, zeigt dass der konservative Rollback in vollem Ganze ist und dass der Einfluss der Homohasser auch in der EBU immer größer wird...

    Wenn wir da jetzt nicht gegensteuern, wird das noch schlimm enden...
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#5 AliceAnonym
  • 30.04.2016, 00:55h
  • Antwort auf #1 von Ulli_2mecs
  • Ja es gibt unpolitische Fahnen:
    So lasset uns fortan Wetterfahnen schwenken.
    Auch die Alkoholfahne, schwenkt sich im Geiste doch ganz nett.
    Also, wenn z.B. Die Deutsche Mannschaft im Fußball gewinnt, und anschließen in den Straßen Deutschlandfahnen schwanken - ähm - geschwenkt werden, dann ist das doch nicht politisch - oder doch?
    Jetzt bin ich aber verwirrt!
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#6 ztfghjkhfAnonym
#7 AlexAnonym
  • 30.04.2016, 07:39h
  • Diese Regel ist absurd und erlaubt jede beliebige Interpretation.

    Im übrigen ist jedes Zeigen einer Flagge (auch der Landesflaggen) ein Statement. Selbst ob man bei einem Beitrag applaudiert oder nicht und jubelt oder still steht, ist ein Statement. Und auch mit seinen Klamotten, seiner Frisur, etc. setzt man ein Statement.

    Ich habe eher eine andere Vermutung:
    mit Blick auf die zunehmende Homophobie in einigen ESC-Ländern, will die EBU eine Regel schaffen, die es diesen Ländern ermöglicht, falls dort ein ESC stattfindet, den Gebrauch von Regenbogenflaggen zu untersagen.

    Und die EBU kann dann sagen, dass es diese Regel ja schon länger gäbe.

    Aus diesem Grund müssen solche Versuche bereits im Keim erstickt werden.
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#8 Carsten ACAnonym
  • 30.04.2016, 08:10h
  • Jeglicher Versuch, die Verwendung von Regenbogenflaggen auch nur ansatzweise einzuschränken oder an Bedingungen zu knüpfen, erinnert eher an die repressive Gesetzgebung und Regenbogen-Verbote von Staaten wie Russland, Polen und Lettland als an ein fröhliches Musik-Fest der Vielfalt, der Offenheit und der Völkerverständigung. Und es ist auch ein eklatanter Eingriff in die Grundrechte.

    Wehret den Anfängen!!!
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#9 Julian 80Anonym
  • 30.04.2016, 08:43h
  • Ich fürchte auch, dass hier durch die Hintertüre eine Regelung eingeführt werden soll, die es Staaten wie Russland, Litauen, Polen, Ungarn & Co im Falle eines Sieges ermöglicht, bei der Austragung in ihrem Land Regenbogenflaggen zu verbieten.

    In den Statuten sollte ganz klipp und klar vermerkt sein, dass Regenbogenflaggen beim ESC generell erlaubt sind.
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#10 NicoAnonym
  • 30.04.2016, 10:24h

  • Ich hoffe, dass beim ESC möglichst viele Regenbogenflaggen wehen.

    Gerade auch als Statement - für einen ungehinderten Einsatz von Regenbogenflaggen ohne Bedingungen und ohne Wenn und Aber.
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