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Ein Wochenende in der (schwulen) Hauptstadt der Côte d’Azur: Vom Grab Magnus Hirschfelds zur House-Disco Le Klub.

Von Micha Schulze

Freitag, 09.30 Uhr: Nizza ist eine der Destinationen, wo man seine Mitpassagiere bereits beim Check-In erkennt. Während am Lufthansa-Schalter alleinreisende Opis und Backpacker meistens nach Bangkok wollen, zieht es gereifte Ehepaare mit Pelz und Pudel am Germanwings-Counter in die Hauptstadt der Côte d’Azur. Direktflug ab Köln und eine zivile Abflugzeit überzeugen offensichtlich auch diejenigen, die nicht auf 19-Euro-Schnäppchenflüge achten müssen.

12.30 Uhr: Erste positive Überraschung nach der Landung: Der Bus 23 in die Innenstadt kostet nur 1,30 Euro. Nizza, die "Königin der Riviera", gelegen zwischen Cannes und Monaco, hat gar nicht so königliche Preise wie erwartet. Trotz der vier Millionen Touristen pro Jahr! Auch das Bier in der Szenebar, das Chop Suey im Asia-Imbiss oder der Eintritt in die Sauna sind nicht teurer als in Köln.

14.00 Uhr: Wohin zuerst nach dem Einchecken im Hotel? Natürlich ans Meer. Das Wasser ist um diese Jahreszeit zwar eiskalt, aber tatsächlich azurblau. Palmen säumen die Promenade des Anglais mit ihren Belle-Epoque-Fassaden – und nur eine gute Flugstunde von Köln entfernt, fühlt sich man plötzlich ganz weit weg. Es tut gut: Ein Espresso in einem der Straßencafés, sich von der Nachmittags-Sonne wärmen lassen, Leute beobachten. Gecruist wird um die Ecke im Parc Ferber, die hübschesten Männer sind leider Stricher.

17.30 Uhr: Im "Le Couleur" (1, rue Alberti) tobt schon der Bär. Eigentlich geht man in Nizza recht spät aus, vor Mitternacht sollte man sich in keinem Club blicken lassen. Doch in der kleinsten Gay-Bar der 355.000-Einwohner-Stadt trifft sich die Afterwork-Crowd. Alle kommen eigentlich nur auf ein Bier – und bleiben bis Mitternacht. Schuld ist Inhaber Michel, der seine Gäste mit Chansons der sechziger Jahre verzaubert, alle miteinander verkuppelt, zwischendurch ein Tänzchen aufführt oder eine Runde spendiert. Das "Schampanja von Nizza"…

24.00 Uhr: Noch ein bisschen Ficken vor dem Schlafengehen… Im Keller des "Traxx" (11, av. du Maréchal Foch) geht es schnell zur Sache. Oben an der selbst gezimmerten Theke wirft man einem Wartenden nur einen kleinen Blick zu, und schon dackeln auch alle anderen in den geräumigen Keller. Dort gibt es kleine Kabinenverschläge, und mittels einer Schiebetür hält man sich unerwünschte Interessenten vom Leib.

Samstag, 10.00 Uhr: Ein Besuch auf dem städtischen Friedhof gehört zum Pflichtprogramm. Auf dem Cimetière de Caucade, im Areal neun, liegt das Grab von Magnus Hirschfeld. Der Sexualwissenschaftlicher und Gründer der ersten deutschen Homo-Organisation starb vor siebzig Jahren, am 14. Mai 1935, in Nizza im Exil. Dem Grabmal wurde eine Denkmalplatte beigefügt mit einem der Leitsprüche Hirschfelds: "per scientiam ad justiam": Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit.

12.00 Uhr: Treffen mit den "Hirschfelds" des Nizzas von heute. Im Verein "baraque rose" haben sich die bewegten Homos der Stadt organisiert. Sie beklagen ein "Nord-Süd-Gefälle" in Frankreich, in Nizza sei man weniger tolerant als in Paris. Staatsknete gebe es nicht, und erst 2003 habe es mit der "Pink Parade" einen ersten CSD gefeiert. Doch die kommerzielle Szene blüht.

15.00 Uhr: Es nieselt, also ab in die Sauna. Nur in welche? Vier schwule Badehäuser gibt es zur Auswahl. Das "Le 7" (7, rue Foncet) liegt am nächsten. Leider… Die etwa 40 Grad "heiße" Trockensauna riecht nach Pisse, die Dampfsauna verströmt den Geruch von Harzer Käse, Kabinen und Teppich schimmeln vor sich hin. Zehn Euro Eintritt hat der Gruselausflug gekostet. Viel netter wäre es in der "Sauna du Chateau" (17, rue des Ponchettes) gewesen.

00.30 Uhr: Nizza hat, was Köln nicht hat: Einen populären, in ganz Europa bekannten Gay-House-Club. Der "Le Klub" (6, rue Halevy) hat täglich außer montags und dienstags geöffnet, und bis fünf Uhr morgens amüsiert sich hier die schwule Schickeria der Côte d’Azur. Auch wer nicht auf House steht: Allein wegen Barmann Seb lohnt der Besuch…

Sonntag, 10.30 Uhr: Ausflug nach Cimiez. Von diesem etwas höher gelegenem Stadtviertel hat man den besten Blick auf die Stadt. Über den Dächern von Nizza - die kräftigen Farben und die Landschaft zwischen Alpen und Meer haben schon Maler wie Henri Matisse und Marc Chagall inspiriert. An beide erinnern Museen. Überhaupt rühmt sich Nizza - in ewiger Konkurrenz zur fernen Hauptstadt Paris - seiner vielen Museen und Galerien.

16.30: Um genug Zeit für Kultur zu haben, lässt man deshalb auch den Germanwings-Flieger um 12.30 Uhr sausen und fliegt vier Stunden später mit der dba nach Düsseldorf. Die gereiften Ehepaare mit Pelz und Pudel machen es genauso…

Anreise: Günstige Flüge gibt es mit Germanwings ab Köln und dba ab Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart.

Unterkunft: Gay-friendly Hotels in Nizza gibt es beim queer.de-Partner hotels.com. Nizzas einziges Gay-Hotel ist das Meyerbeer Beach. Schwule Privatzimmer in Nizza und weltweit gibt es bei Enjoy Bed & Breakfast.

Allgemeine Infos: Die besten und aktuellsten Informationen findet man auf der offiziellen, leider nur französischsprachigen Webseite der Stadt www.nice.fr. Touristen-Tipps auf Deutsch gibt www.nicetourism.com.

Szeneinfos: Die jeweils aktuelle Ausgabe des regionalen Gay-Magazins "Link Xtra" mit Guide und Terminen gibt es als PDF zum Download unter www.linkxtra.com.

25. März 2005



#1 ChristianAnonym
  • 01.07.2005, 02:12h
  • wenn's wärmer ist, fragt Euch zur Coco-Beach durch.Wer den Fick nach Mitternacht oder die miefige Sauna auch zuhause "erledigen" kann, sollte tatsächlich 'mal bei Herrn Chagall, Matisse oder Dufy vorbei sehen, denn das hat nun wirklich keine andere Stadt. Da viele von uns auf mehreren gay-lines herumturnen, sei der Club "Nizza-Freunde" bei gayromeo.com empfohlen. Unsere Reisetipps hatten wir aus dem sehr empfehlenswerten Reiseführer aus dem MichaelMüller-Verlag (HauteProvence). Nice ist sogar eher preiswert für die Region. Und wer dauernd Sex sucht, kann's 'mal im Mondlicht auf der Mole am Hafen probieren, wenn das Wetter wärmer ist... :-) Christian
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