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  • 03.05.2016, 12:14h               Teilen:   |

Kinostart "La Belle Saison"

Landpomeranze verführt Politaktivistin

Artikelbild
Heimlich lesbisch auf dem Land: Delphine bewirtschaftet mit ihrer Pariser Freundin Carole den Hof ihres kranken Vaters (Bild: Alamode Film)

Ab Donnerstag im Kino: Im wunderbaren Drama "La Belle Saison" geht es um das Anderssein in konträren Welten – und die Magie der Liebe.

Von Tania Witte

Frankreich, Anfang der Neunzehnsiebziger. Gemeinsam mit ihren Eltern bewirtschaftet Delphine (Izïa Higelin) einen Bauernhof irgendwo bei Limoges. Die Arbeit ist so hart wie das Leben und ebenso vertraut.

Nachts schleicht sich Delphine vom Hof und trifft ihre Geliebte, von der keiner weiß, wissen darf im prüden und homophoben Hinterland Frankreichs, in dem von Hippiekultur und Aufbruch nichts zu spüren ist. Im Gegenteil. Als ihre Freundin die Beziehung beendet, um zu heiraten, bricht Delphine aus.

Die Flucht vor ihrem langjährigen Verehrer Antoine (Kévin Azaïs), der Verantwortung und der Enge des Landlebens führt sie nach Paris. Dort wird sie unvermittelt Teil der Frauenbewegung – der rauchenden, lautstark diskutierenden und hochpolitisierten Frauenbewegung. Dort trifft sie auf die charismatische Spanischlehrerin Carole (Cécile De France) und verliebt sich, natürlich, in die ältere Frau.

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Eine lesbische Reise in eine patriarchale Welt

Poster zum Film: "La Belle Saison – Eine Sommerliebe" startet am 5. Mai 2016 bundesweit in deutschen Kinos
Poster zum Film: "La Belle Saison – Eine Sommerliebe" startet am 5. Mai 2016 bundesweit in deutschen Kinos

Bis hierher ist die Geschichte nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist, dass es Delphine ist, die Carole Avancen macht, obschon die von sich sagt, sie sei hetero. Und ungewöhnlich ist, dass sie dennoch nur wenig später einem Verliebtheitsimpuls folgt und ihren Lebensgefährten Manuel (Benjamin Bellecour) verlässt. Sie folgt Delphine, deren Vater nach einem Schlaganfall nicht mehr in der Lage ist, den Hof zu versorgen, aufs Land. Und dann wird der Film in dem Maße still, in dem Carole hilflos wird.

Konfrontiert mit einer Welt, an dem ihre Kämpfe für die Antibabypille und Gleichberechtigung wie eine Utopie erscheinen, weil sie durch und durch patriarchal strukturiert ist. Die Frauen verrichten den Großteil der Arbeit, das Geld aber bekommen die Männer. "Ich brauche kein eigenes Geld, mein Mann hat doch welches", sagt eine der Landwirtinnen in einer Schlüsselszene. Bei allem feministischen Missionarsgeist begreift Carole schnell, dass sie an diesem Ort anders ist, so wie in Paris Delphine anders war -und erneut verkehren sich die Rollen. Plötzlich ist es Carole, die offen lesbisch leben will, während Delphine, nach aller Offenheit in Paris, keinerlei Intention hat, sich in ihrem Heimatort zu outen.

Die filmischen Brüche von politischem, lautem Aktivismus zu schwärmerisch-hartem Landleben sind nicht glatt, und doch schmerzt es nicht. Dazu ist die historische Einbettung zu gelungen, atmet "La Belle Saison" zu viel Authentizität und ist die Chemie zwischen der dunklen, erdigen Delphine und der energievollen Carol zu gut. Die belgische Schauspielerin De France und die französische Sängerin und Jungschauspielerin Higelin harmonieren perfekt.

Diese Harmonie und das Talent der Hauptdarstellerinnen machen "La Belle Saison" zu einem absoluten Must-See. Dazu die berührenden, immer leicht verwaschenen Siebziger-Jahre-Bilder, die gerne Gesten statt Worten fangen.

Fesselde Bilder und eine verzaubernde Musik

Nicht zuletzt durch diese Bilder kreiert Regisseurin Catherine Corsini, die auch am Drehbuch mitschrieb, eine Atmosphäre, der zu entziehen beinahe unmöglich ist: Der ganze Schmerz Manuels in der Art, auf die er ein Weinglas über die Tischkante kippen lässt, langsam und stückweise. In der Nacktheit, die niemals entblößend wirkt. In der Art, auf die Carole mit Delphines Mutter (Noémie Lvovsky) tanzt, auf dem Hof im Nirgendwo.

Überhaupt: die Musik, die hin und wieder von Caroles tragbarem Schallplattenspieler kommt! Vollkommen zu Recht hat Grégoire Hetzel dafür einen Lumières Award gewonnen. Und vollkommen zu Recht kann sich "La Belle Saison" mit Nominierungen für César und Auszeichnungen wie dem Trophées du Film français und dem Variety Piazza Grande Award des Locarno International Film Festival schmücken.

Doch mehr als alle Preise sei diesem Film gegönnt, dass möglichst viele Menschen ihn ansehen. Jede der 105 Minuten ist es wert.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
La Belle Saison – Eine Sommerliebe. Drama: Frankreich/Belgien 2015. Regie: Catherine Corsini. Darsteller: Cécile de France, Izïa Higelin, Noémie Lvovsky, Kevin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour, Sarah Suco, Nathalie Beder, Bruno Podalydes. Laufzeit: 105 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Alamode. Deutscher Kinostart: 5. Mai 2016
Links zum Thema:
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La Belle Saison – Eine Sommerliebe

11 Bilder
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Tags: la belle saison, kino
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