Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 04.05.2016, 08:21h           6      Teilen:   |

Ab Donnerstag im Kino

Geliebtes, verdammtes Berlin: "Desire Will Set You Free"

Artikelbild
Im Partymekka Berlin verliebt sich der US-Schriftsteller Ezra, Sohn einer Palästinenserin und eines Juden, in den russischen Stricher Sasha (Bild: missingFILM)

Yony Leysers Spielfilmdebüt ist Hommage an die queere Subkultur der deutschen Hauptstadt und zugleich Abrechnung mit einer selbstverliebten Partyszene.

Von Carsten Moll

Wer den Ausdruck "Hipster" hauptsächlich wutschnaubend als Schimpfwort gebraucht und weder den Anblick von bunten Plastiksonnenbrillen noch von T-Shirts mit Hirschmotiven erträgt, der wird an Yony Leysers Spielfilmdebüt wohl wenig Freude haben. Denn in "Desire Will Set You Free" wimmelt es von der ersten Einstellung an nur so vor jungen Menschen, die sich aus allen Teilen der Welt nach Berlin aufgemacht haben, um hier ihr Leben zu einer einzigen Party voller Sex und Drogen zu machen – bunte Plastiksonnenbrillen und T-Shirts mit Hirschmotiven inklusive.

Mittendrin in diesem ausgelassenen Kosmos aus durchtanzten Nächten, Nacktbaden im See und gepflegter Langeweile befindet sich unter anderem der schwule Schriftsteller Ezra. Den Sohn einer Palästinenserin und eines Juden hat es aus den USA in die deutsche Hauptstadt verschlagen. Doch anstatt hier an seinem neuen Roman zu arbeiten, versackt der Mittzwanziger gemeinsam mit seiner besten Freundin Catherine im Großstadttreiben. Zudem verliebt sich Ezra unglücklich in den russischen Stricher Sasha, der wiederum gerade dabei ist, seine weibliche Seite zu entdecken.

Fortsetzung nach Anzeige


Lust macht frei im Partycamp

Poster zum Film: Deutscher Kinostart von "Desire Will Set You Free" ist am 5. Mai 2016
Poster zum Film: Deutscher Kinostart von "Desire Will Set You Free" ist am 5. Mai 2016

Bereits der Titel "Desire Will Set You Free" lässt anklingen, dass der Regisseur und Drehbuchautor Yony Leyser ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zur Berliner Feierkultur pflegt: Denn was sich einerseits nach einem Glücksversprechen anhört, erinnert in seiner deutschen Übersetzung, "Lust macht frei", nicht zufällig an die berüchtigte Parole "Arbeit macht frei", die den Nazis als zynische Toraufschrift einiger Konzentrationslager diente.

Und so wandelt Leysers Film munter zwischen Hommage und ernüchternder Kritik: Lichtdurchflutete, märchenhafte Bilder von einem Glitzer-Happening im Görlitzer Park beschwören da etwa die Freiheiten und Vorzüge des Lebens in der Spree-Metropole, während besonders anhand der Figur Catherines immer wieder die Oberflächlichkeit sowie die Selbstbezogenheit der Partyszene auf humorvolle Weise bloßgestellt werden.

Zahm und ein bisschen träge

Diese satirischen Seitenhiebe hätten allerdings durchaus pointierter und bissiger ausfallen können, passen aber zu einem Film, der sich trotz seiner betonten Jugendlichkeit als erstaunlich zahm erweist. Ein bisschen mutet das Ganze an, als hätte man den expliziten Sex aus John Cameron Mitchells "Shortbus" (2006) geschnitten oder einem Xavier-Dolan-Film die Erzählwut ausgetrieben.

Vor allem die erste Hälfte zieht sich allzu träge und ziellos dahin, lediglich die zahlreichen Gastauftritte von Subkultur-Veteranen sowie einige Konzertausschnitte sorgen zwar nicht unbedingt für Höhepunkte, aber immerhin für etwas Abwechslung: Rosa von Praunheim drängt den untätigen Ezra da beispielsweise zu deutscher Disziplin, während Nina Hagen als Bauwagen-Orakel tätig ist – und in diesem Film voller buntgefärbter Haare, Plastikschmuck und wirrer Dialoge fast schon untergeht.

Kleine Entdeckungen und großartige Momente

Ein Meisterwerk ist "Desire Will Set You Free" also nicht, und ganz sicherlich auch nicht der ultimative Berlin-Film. Und dennoch gibt es hier eine Menge zu entdecken, das Spaß macht: Da gibt es zum Beispiel ein Wiedersehen mit Amber Benson, die als Liebhaberin einer lesbischen Hexe in "Buffy – Im Bann der Dämonen" Fernsehgeschichte geschrieben hat, oder dokumentarisch anmutende Abstecher in Stricherkneipen und Drag-Bars.

Neben diesen kleinen Milieustudien ist es besonders Tim Fabian Hoffman als Sasha zu verdanken, dass "Desire Will Set You Free" trotz einiger Längen sehenswert ist: Denn seine Figur wird zunehmend präsenter und lenkt die Handlung in Richtung einer feinfühligen Coming-out-Story, bei der Sasha ihre Transidentität mit zunehmendem Selbstbewusstsein öffentlich macht. Einer der Höhepunkte ist dabei sicherlich die "Trans Mitzwa", ein Initiationsritus, bei dem reale Transmenschen der Filmfigur Sasha von ihren persönlichen Erfahrungen erzählen.

Hoffmans einfühlsames Spiel und Leysers neugieriger dokumentarischer Blick verbinden sich hier zu einer stimmigen Mischung, von der man in "Desire Will Set You Free" gerne mehr gesehen hätte.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Desire Will Set You Free. Spielfilm. Deutschland 2015. Regie: Yony Leyser. Darsteller: Yony Leyser, Tim Fabian Hoffmann, Chloé Griffin, Amber Benson, Anton Andreew und Peaches, Blixa Bargeld, Rosa von Praunheim, Nina Hagen, Rummlesnuff. Laufzeit: 92 Minuten. Sprache: Original mit Untertiteln. FSK 16. Verleih: missingFILM. Kinostart: 5. Mai 2016
Links zum Thema:
» Homepage zum Film
» Fanpage auf Facebook
Galerie
Desire Will Set You Free

15 Bilder
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 6 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 35             2     
Service: | pdf | mailen
Tags: desire will set you free, yony leyser, berlin, partyszene, kino
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Geliebtes, verdammtes Berlin: "Desire Will Set You Free""


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
04.05.2016
10:07:26


(+2, 2 Votes)

Von trans alliance


... der Film hat viel und hat als Abschluss Film des Trans* Film Festival, die Diskussionsfreude der Anwesenden voll erblühen lassen.
Es war der Film mit der umfangreichsten Diskussion.

Die Szenen die auch im Trailer zu sehen waren, hatten einige abgeschreckt, aber dass was im gesamten Film gezeigt wird, sieht anders, komplexer... vielfältiger aus. Wirft geschichtliche sowie viele weitere Fragen auf, die sich bei Diskussionen und aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen aufgetan haben.

Einen Preis hat er nicht erhalten, dafür war man sich einig, dass man gerne mal in Berlin Vorort sich vieles erklären und zeigen lassen würde.
Mal sehen ob es diese Einladung zum Herbst geben wird.

Link:
transallianceproject.files.wordpress.com/2016/01/4
_transgender_film_festival_2016__germany_kiel__v1-
041.pdf


Wir wünschen dem Film einen guten Start und zahlreiche Besucher.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
04.05.2016
10:10:25


(+2, 2 Votes)

Von srberlin


Schönes Resümee. So ging es mir auch bei MonGay am Montag.

Einige sehr schöne Szenen und eine etwas wirre Erzählweise bei der man sich gewünscht hätte der ein oder andere Strang wäre etwas ausführlicher beleuchtet worden.

Viele Bilder waren sehr schön aber einige auch irritierend - manchmal auch nur irritierend lang.

Yony Leyer hat sehr viele kluge Ideen gehabt, aber die Hinweise und Gesten waren sehr versteckt oder gingen leicht unter. Dazu zählt auch das Ende des Films bei dem alles anders kommt...

Und ja - Tim Fabian Hoffmann hat eine tolle Leistung abgegeben.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
04.05.2016
12:23:30


(0, 4 Votes)

Von GeorgG


In der heutigen Uraufführung in Berlin sind alle Schauspieler anwesend.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
04.05.2016
13:28:30


(-5, 7 Votes)
 
#5
04.05.2016
22:45:30


(0, 2 Votes)

Von Bero


ach, es ist schön, kein mittzwanziger zu sein. man ist noch so orientierungslos. man muss nur überleben.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
05.05.2016
10:24:22


(+3, 3 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Ich habe zwar ein Ästhetik-Faible für junge Männer und auch ein Interesse an deren Lebenswelten oder der Subkultur...

Aber der andere Film über die Rock-Band reizt mich definitiv eher.

Für "Desire will set you free" wird es aber wohl allgemein mehr Aufmerksamkeit geben, besonders wenn Leute, die selbst in derart Szene unterwegs sind, neugierig werden. Die können natürlich auch am besten feststellen, wie realitätsnah oder niicht die Story sein mag.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 KULTUR - NEU IM KINO

Top-Links (Werbung)

 KULTUR



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Will & Grace vor Reunion? Hirschfeld-Briefmarke: Schäuble hat das letzte Wort Hessen: AfD sorgt sich um "Relativierung" der Heterosexualität im Unterricht Uganda: Polizei verhindert CSD
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt