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Recep Tayyip Erdogan ist seit 2014 Präsident der Türkei, zuvor war der Politiker der muslimisch-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) elf Jahre Ministerpräsident (Bild: Wiki Commons / Randam / CC-BY-SA-2.0)

Der türkische Präsident lässt den Streit mit dem Westen weiter eskalieren – und setzt dabei auf eine homophobe Provokation.

Der Streit zwischem dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und der Europäischen Union spitzt sich weiter zu. Gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu kritisierte der autoritäre Staatschef die angebliche Gleichgültigkeit westlicher Staaten gegenüber leidenden Syrern. Die EU würde sich mehr für Lesben und Schwule oder seltene Schildkrötenarten interessieren.

"Es sollte sich schämen, wer sich mehr um sogenannte Freiheiten, Rechte und Gesetze im Streit um Homosexuelle sorgt, während in Syrien Frauen und Kinder leiden", sagte Erdogan wörtlich. "Es sollte sich schämen, wen das Schicksal von Walen und seltenen Schildkröten beunruhigt, wer sich dabei aber von 23 Millionen Syriern abwendet."

Flüchtlingsdeal zwischen EU und Türkei droht zu platzen

Der türkische Präsident hatte in den letzten Tagen mehrfach damit gedroht, den Flüchtlingsdeal mit der EU platzen zu lassen. Nach dem Abkommen nimmt die Türkei nach Griechenland übergesetzte Migranten zurück. Für jeden zurückgeschickten Syrer darf ein anderer Syrer aus der Türkei legal in die Europäische Union einreisen. Teil der Vereinbarung ist auch die Visumfreiheit für türkische Staatsbürger – die ist allerdings an die von Ankara abgelehnte Reform der Anti-Terror-Gesetze geknüpft.

Recep Tayyip Erdogan, der derzeit die deutschen Behörden gegen Jan Böhmermann ermitteln lässt, hat wiederholt seine tiefe Abneigung gegen LGBT kundgetan. So sagte der autoritäre Politiker 2013, Homosexualität widerspreche der "Kultur des Islam" (queer.de berichtete). 2015 ließ er einen Karikaturisten zu einer Geldstrafe verurteilen, weil dieser den Präsidenten als "schwul" beleidigt habe (queer.de berichtete).

LGBT-Aktivisten in der Türkei sind zunehmend Repressionen ausgesetzt: So wurde ebenfalls im vergangenen Jahr der Istanbul Pride von den Behörden verboten, die Polizei ging mit Tränengas gegen Lesben, Schwule und Transgender vor (queer.de berichtete).

Erst im April hatte sich das Europäische Parlament in seinem "Fortschrittsbericht" für EU-Beitrittskandidaten "äußerst besorgt" über die Lage von LGBT in der Türkei geäußert (queer.de berichtete). Wörtlich werden in dem Bericht "ernsthafte Anstrengungen zum Schutz der Rechte der LGBTI-Gemeinschaft" gefordert. Es sei enttäuschend, "dass der Schutz vor Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität nicht in die Gesetzgebung gegen Hassverbrechen einbezogen wurde". Außerdem bedauerten die europäischen Volksvertreter, dass "Hassverbrechen gegen LGBTI-Personen häufig ungestraft bleiben oder die Täter aufgrund angeblicher 'ungerechtfertigter Provokation' seitens des Opfers Strafmilderung erhalten." (cw)



#1 ChicoAnonym
  • 15.05.2016, 10:54h

  • Erdogan ist so wie alle Diktatoren ein zutiefst verwirrter Mann, der in seiner eigenen Welt lebt. In dieser Welt ist er selbst perfekt und alle anderen sind immer im Unrecht. Der Kerl redet vom Islam, hält sich aber selbst schon lange für Gott. Und genau wie Gott will er die Strafen, die seine in Wirklichkeit zutiefst unsichere, konstruierte Persönlichkeit in Frage stellen und sei es noch so milde. Sein Ausspielen von Asylanten gegen LGBT und Naturschutz ist nur ein weitere Beweis dafür, dass man es hier mit einem geistigen Zwerg zu tun hat, der keinen Bezug mehr zur Realität hat.
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#2 Johannes45Anonym
  • 15.05.2016, 10:57h
  • Erdogan ist so wie Putin ein "lupenreiner" Despot.

    Im Unterschied zu Putin ist Erdogan aber noch schlimmer, weil Erdogan:

    1. maßgeblich im Anfangsstadium des Syrienkonfliktes die Organisation IS mit Waffen unterstützt hat, damit diese Ihn die Kurden "im Schach hält" und damit diese Ihn Assad stürzt, den Erdogan haßt. Erst Jahre später steuert Assad langsam um, weil der Druck der NATO und der USA auf Assad so groß wurde, dass er die IS fallen lassen mußte und weil die Flüchtlingswelle zu groß wurde. Das nunmehr Putin militärisch Assad unterstützt, das passt Erdogan nunmehr nicht ins Konzept.

    2. massiv die Islamisierung in der Türkei vorantreibt. Die Türkei war bisher ein westlich orientierter weitgehend säkularisierter Staat, was den Reformen von Attatürk vor dem Zweiten Weltkrieg zu verdanken ist. Erdogan schraub auf allen Ebenen der Gesellschaft und im Staat daran, diese säkularen Grundzüge der Türkei zu verändern und die Türkei religiöser zu machen und die Trennung von Staat und Religion aufzubrechen.

    3. Meinungs-, Presse und Demonstrationsfreiheit in der Türkei geraten unter Erdogan massiv unter Druck. Bei der Auswertung von "Reporter ohne Grenzen" stürzt die Türkei gegenwärtig regelrecht ab.

    Wenn Erdogan sich auf Dauer an der Macht hält, dann wird aus der Türkei ein Staat, der ähnlich ausgerichtet ist und funktioniert, wie es die Golfstaaten sind ("nur ohne Erdöl"). Das Parlament ist dann nur noch eine beratende Kammer des Präsidenten.
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#3 Komischer VogelAnonym
  • 15.05.2016, 11:11h

  • Schade das ich nach der Frühschicht net mehr den Nerv dazu habe Erdogan n hübsches Gedicht zu schreiben....

    Da bleibt nur es kurz zu fassen:

    Was für ein Schweinehund!
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#4 ErsoyAnonym
  • 15.05.2016, 11:41h
  • Damit zeigt sich wieder mal, wie homophob die Türkei ist.

    Leider wird ja hier immer noch vieles ignoriert, relativiert oder runtergespielt, was in der Türkei alles abgeht.

    Wenn jemand mal 14 Tage in einer Hotelanlage war, wo man natürlich den Touris in den Hintern kriecht, meint man, man würde die Türkei kennen. Aber die Realität jenseits des Tourismus sieht leider ganz anders aus.
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#5 johannbAnonym
  • 15.05.2016, 11:43h
  • Kann je jeder Europäer selbst entscheiden, wohin er in Urlaub fährt.
    Ob Türkei oder Griechenland, ob Bayerischer Wald oder Kappadokien...
    Ob Nizip oder !?!
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#6 HeinerAnonym
#7 hugo1970Profil
  • 15.05.2016, 12:07hPyrbaum
  • Das ist halt Stimmungsmache der religiös konservativen hetzern und diktatoren, wenn sie keine Gründe mehr haben, dann findet sich immer wieder ein Grund um nach unten zu treten.
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#8 FinnAnonym
#9 goddamn liberalAnonym
  • 15.05.2016, 12:13h
  • Tja, es waren Türken, die als erste frühzeitig vor Erdogan gewarnt haben. Das ist schon 20 Jahre her.

    Aber das wurde in Europa mit Besserwisserei und Arroganz gerne überhört.

    Dass er jetzt die homophobe Karte zückt, kann nun wirklich niemand überraschen.

    Man muss ihm zugute halten, dass er sich nie wirklich verstellt hat.

    Sein Konzept war immer klar:

    "Demokratie ist wie eine Straßenbahn. Wenn man am Ziel angekommen ist, steigt man aus."

    Nebenbei: Wer schießt auf Syrer?

    Wer liefert Syrern Waffen, die auf Syrer schießen?
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#10 hugo1970Profil
  • 15.05.2016, 12:14hPyrbaum
  • "LGBT-Aktivisten in der Türkei sind zunehmend Repressionen ausgesetzt: So wurde ebenfalls im vergangenen Jahr der Istanbul Pride von den Behörden verboten, die Polizei ging mit Tränengas gegen Lesben, Schwule und Transgender vor"

    Wir sind so brandgefährlich, das man, wenn man uns nicht vernichten kann zummindest so dermaßen das Leben schwer macht, das wir gar keinen Bock mehr haben zum leben.
    Das ist die Sprache all derer, denen die Menschenrechte keinen Pfifferling wert sind und die Gesellschaft schaut zu, ohne sich den Gedanken zu machen was morgen und über morgen ist, es ist wirklich zum kotzen.
    Lasst es euch gesagt sein, ihr rechten religiösen hetzer, ihr könnt uns das Leben schwer machen, wir geben aber nicht auf, da könnt ihr machen was ihr wollt. Ich bin nicht religiös, obwohl ich immer noch kirchensteuer zahle, an eine gerechte Strafe glaub ich und die wird euch früher oder später einholen.
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