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Xulhaz Mannan (l.) und Mahbub Rabbi Tonoy wurden Ende April brutal ermordet

Einem Mitglied einer verbotenen Islamistengruppe wird vorgeworfen, den schwulen Journalisten Xulhaz Mannan und dessen Freund zu Tode gehackt zu haben.

Drei Wochen nach dem brutalen Mord an zwei LGBT-Aktivisten in Bangladesch hat die Polizei einen ersten Tatverdächtigen festgenommen. Bei dem 37-jährigen Shariful Islam Sihab handele es sich um ein Mitglied der verbotenen Islamistengruppe Ansarullah Bangla Team, erklärten die Ermittlungsbehörden am Sonntag gegenüber Journalisten.

Die Festnahme ereignete sich bereits am Samstag in der Region Kushtia außerhalb der Hauptstadt Dhaka, so Polizeisprecher Maruf Hossain Sorder. Der Verdächtige bestreite die Tat. Nach Informationen der Behörden soll er jedoch Besitzer einer der Tatwaffen sein.

Mindest sechs Männer am Doppelmord beteiligt

Die beiden schwulen Aktivisten Xulhaz Mannan und Mahbub Tonoy waren Ende April in der Hauptstadt Dhaka in ihrer Wohnung von mindestens sechs Angreifern überfallen und mit Macheten regelrecht zu Tode gehackt worden (queer.de berichtete). Auf der Flucht verletzten die Täter, die sich als Mitarbeiter eines Kurierdienstes ausgaben, noch einen 18-jährigen Wachmann des Gebäudes. Der 35-jährige Mannan war Herausgeber des 2014 gegründeten Magazins "Rupbaan", der ersten LGBT-Zeitschrift in Bangladesch.

Zu dem Mord hatte sich zunächst der regionale Al-Qaida-Ableger Ansar-al Islam bekannt (queer.de berichtete). Die Polizei wies jedoch darauf hin, dass sich die Islamistengruppe in der Vergangenheit für Taten gebrüstet habe, die die Organisation erwiesenermaßen nicht ausgeführt habe.

Auch buddhistischer Mönch zu Tode gehackt

In den letzten Jahren sind in Bangladesch etliche Vertreter einer liberalen Zivilgesellschaft ermordet worden, darunter Blogger oder erst am letzten Samstag ein 75-jähriger buddhistischer Mönch, der ebenfalls zu Tode gehackt wurde. Auch hinter dieser Tat werden islamistische Gewalttäter vermutet.

Im mehrheitlich muslimischen Bangladesch, ein Land mit 160 Millionen Einwohnern und säkularer Verfassung, können homosexuelle Handlungen mit einer Geldstrafe oder Haft von zehn Jahren bis lebenslänglich bestraft werden. Erst vor drei Jahren hat es das Parlament abgelehnt, den entsprechenden Paragrafen aus britischer Kolonialzeit abzuschaffen; er soll Medienberichten zufolge allerdings selten angewandt werden. (cw)



#1 matsAnonym
  • 15.05.2016, 15:40h
  • Dass der Unrechtsparagraph in Bangladesch (und ähnliche Gesetze in anderen muslimisch geprägten Ländern) aus der Kolonialzeit stammen, verdient in der ganzen Diskussion "Homosexualität im Islam" und überhaupt "Islam und die liberale Gesellschaft" deutlich mehr Beachtung:
    hpd.de/node/12315

    Es gibt eben gerade nicht (wie von rechtspopulistisch geschichtsklitternder und verschwöhrungstheoretisierender Seite immer wieder behauptet) diese stringente Entwicklung des Islam hin zum Totalitären und Intoleranten, die sich notwendigerweise aus dem Koran ergibt. Der islamische Extremismus ist, gemessen an historischer Zeitrechnung, extrem jung - und er speist seinen Zulauf aus dem unbedingten Willen zur Abgrenzung gegen alles, was "westlich" ist... oder (wie es z.B. Slavoj Zizek oder Tahar Ben Jelloun deuten) gegen alles, was "den Mann verführt". Dazu gehört, neben der gesamten Sphäre der weiblichen Sexualität, eben auch die Schönheit und Anziehung eines anderen Mannes.

    Es wäre dringend notwendig, jungen Muslimen, die sich auf dem Weg hin zu diesem selbstverstümmelnden Männlichkeitswahn von IS & Co. befinden, vor Augen zu führen, dass sie sich in einer blinden Gegenabhängigkeit zum Westen befinden und gleichzeit die längst abgelegten ideologischen Gewänder ihrer einstigen Kolonialherren auftragen.
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#2 hugo1970Profil
#3 schwarzerkater
  • 16.05.2016, 08:03h
  • @ "hugo1979": und auch dieses mal waren es wieder islamistische verbrecher, keine christen, die brutal gemordet haben.
    aktuell habe ich von keiner deutschen christlichen gemeinde gehört, die in ihren wänden zu mord und zu verbrechen aufruft.
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#4 GeorgGProfil
  • 16.05.2016, 11:53hBerlin
  • Antwort auf #3 von schwarzerkater
  • Hugo aus Pyrbaum (nicht Pyrbbaum - die Rechtschreibung ist nicht Hugos stärkste Seite...) kann von seinem Dorf in Bayern aus die Situation der Schwulen in den Weltreligionen Islam und Christentum sicher klarer erkennen als viele andere von uns.
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#5 GayofCultureAnonym
  • 16.05.2016, 21:40h
  • Bangladesch wird durch Frauen regiert. Sheik Hasina Wajed müsste als Frau und Herrscherin des Landes Einspruch erheben, ist sie doch als Vertreterin einer ebenfalls stark unterdrückten Gruppe indirekt selbst betroffen. Als Premierministerin der Republik hat sich sicherlich Möglichkeiten, die das unterbinden könnten. Und von der Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Taslima Nasrin, die im sicheren, europäischen Exil lebt, hört man dazu auch nix. Der Fisch stinkt vom Kopf her, wie man so schön sagt. Wenn diejenigen, die prominent sind und ebenfalls unterdrückten Gruppen angehören, nix sagen, kann sich dort auch nix wirklich verbessern.
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#6 schwarzerkater
  • 19.05.2016, 07:16h
  • warum setzen wir in europa immer unsere maßstäbe an, wenn wir andere länder beurteilen???
    es steht uns nicht zu, innenpolitische neuerungen zu fordern. so hart es auch klingen mag, die schwulen und lesben müssen in jedem land ihren eigenen kampf führen. denn sie kennen vor ort die menschen und die gesellschaftsstrukturen am besten. egal wie lange der kampf dauert und egal wie brutal der von aussen betrachtet auch sein mag.
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