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  • 19.05.2016, 10:53h               Teilen:   |

"Für immer eins"

Ein Pionier in Sachen lesbischer Film

Artikelbild
In "Für immer eins" versuchen zwei gegensätzliche Frauen, sich mit ihrem Beziehungsalltag zu arrangieren (Bild: Pro-Fun Media)

Maria Sole Tognazzis romantische Komödie "Für immer eins" wurde in Italien von Konservativen boykottiert – jetzt läuft sie in Deutschland.

Von Carsten Moll

Lange hat es gedauert, bis sich der italienische Senat endlich dazu durchringen konnte, ein Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare auf den Weg zu bringen. Erst unter großem öffentlichen Druck und nach einer Rüge des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kam es vor einer Woche zu der entscheidenden Abstimmung, die Premierminister Matteo Renzi mit der Vertrauensfrage verband (queer.de berichtete).

Als durchschlagender Erfolg wird die staatliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften in LGBT-Kreisen allerdings nicht unbedingt gewertet: Um eine Mehrheit im Senat zu erlangen, musste Renzi den Gesetzentwurf seinen konservativen Koalitionspartnern anpassen und die geplante Stiefkindadoption opfern.

Dass Italien als letztes Land Westeuropas schwule und lesbische Paare nun mit vergleichbaren Rechten und Pflichten ausstatten will wie deren heterosexuellen Zeitgenossen, stößt zudem nach wie vor auf großen Widerstand. Konservative und einflussreiche Kirchenvertreter wettern mit homophoben Parolen und stoßen damit leider allzu oft auf offene Ohren – das gesellschaftliche Klima bleibt weiterhin angespannt.

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Eine Komödie gegen die politische Aufregung

Poster zum Film: "Für immer eins" startet am 19. Mai in deutschen Kinos
Poster zum Film: "Für immer eins" startet am 19. Mai in deutschen Kinos

Wozu die ganze Aufregung, scheint die Filmemacherin Mario Sole Tognazzi nun mit ihrer federleichten Komödie "Für immer eins" zu fragen. Statt politischen Skandalen und polarisierenden Gesetzesentwürfen widmet sich die Regisseurin in ihrem Film einer sehr privaten Liebesgeschichte, in deren Zentrum zwei gewöhnliche Frauen in ihren Fünfzigern stehen.

Marina, eine Restaurantbesitzerin und ehemalige Schauspielerin, macht schon lange kein Geheimnis mehr aus ihrer Homosexualität und redet nicht bloß im Familienkreis offen über ihr Lesbischsein. An ihrer Seite lebt seit mittlerweile fünf Jahren die Architektin Federica, die zuvor mit einem Mann verheiratet war und einen erwachsenen Sohn hat. Sie liebt Marina zwar, aber als homosexuell würde sie sich trotzdem nicht bezeichnen – selbst vor ihrem Kollegen verschweigt sie ihre lesbische Beziehung und wehrt dessen Flirtversuche nur halbherzig ab.

Während Vertrautheit und Routine den Beziehungsalltag der beiden Frauen fest im Griff haben, kommen sowohl bei Marina als auch bei Federica doch immer wieder Zweifel auf, was ihre gemeinsame Zukunft betrifft: Marina möchte sich durch die Befangenheit ihrer Freundin nicht weiter einschränken lassen, Federica hingegen fühlt sich zu ihrem charmanten Augenarzt hingezogen. Es stellt sich die Frage: für immer eins bleiben oder doch besser getrennte Wege gehen?

Ein Pionier, der leider wenig wagt

Als Hommage an "Ein Käfig voller Narren" (1978), in dem ihr Vater Ugo Tognazzi einst den schwulen Nachtclubbesitzer Rentato spielte, versteht Maria Sole Tognazzi ihren Spielfilm. Dabei ist "Für immer eins" bei weitem kein boulevardesker Schwank, der ausgelassen mit Klischees spielt. Die Verbindung zu Édouard Molinaros Komödienklassiker besteht vielmehr in einer gewissen Vorreiterrolle, die beide Produktionen einnehmen: Wo "Ein Käfig voller Narren" Dragqueens und Tunten für das Mainstreamkino salonfähig machte, da gilt "Für immer eins" zumindest in Italien als ein Pionier ins Sachen lesbischer Film.

Diese Rolle kann und sollte man Tognazzis Film durchaus anrechnen, vor allem wenn man bedenkt, dass queere Geschichten im italienischen Kino (abgesehen von Ferzan Özpeteks Werk) kaum Beachtung finden. Andererseits bleibt festzustellen, dass "Für immer eins" bei allem Bemühen, Homosexualität als "normal" darzustellen, zu wenig wagt. Weder die Story noch deren Umsetzung ist sonderlich originell und so zieht sich die Handlung ohne Höhepunkte und bemerkenswerte Szenen dahin.

Selbst der wie immer großartigen Margherita Buy ("Mia madre", 2015) als Federica mag es diesmal nicht gelingen, einen mittelmäßigen Film wirklich sehenswert zu machen. Die Figurenzeichnung bleibt zu vage und oberflächlich, um richtig zu packen. Besonders die lesbische Beziehung im Zentrum wirkt dabei unglaubwürdig: Man hätte Buy ein etwas tiefsinnigeres Drehbuch gewünscht und eine andere Spielpartnerin als Sabrina Ferilli, die hier vergeblich gegen das Botox in ihrem Gesicht anspielt und sich in dramatischen Momenten als Fehlbesetzung erweist.

So spiegelt "Für immer eins" vielleicht ganz passend den Zwiespalt Italiens wieder: Denn obwohl Tognazzis filmischer Vorstoß so zahm ist, provozierte er konservative sowie vatikannahe Medienvertreter doch dazu, die unaufgeregte Komödie zu boykottieren.

Vimeo | Offizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
Für immer eins (Originaltitel: Io e Lei / Me, myself and her). Dramödie. Italien 2015. Regie: Maria Sole Tognazzi. Darsteller: Margherita Buy, Sabrina Ferilli, Fausto Maria Sciarappa, Domenico Diele, Antonio Zavatteri, Anna Bellato, Massimiliano Gallo, Ennio Fantastichini. Laufzeit: 102 Minuten. Sprache: italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 0. Verleih: Pro-Fun. Deutscher Kinostart: 19. Mai 2016
Links zum Thema:
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Für immer eins

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Tags: für immer eins, maria sole tognazzi, italien, kino, pro-fun, margherita buy
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