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  • 20.05.2016, 19:16h           18      Teilen:   |

Verfahrenseinstellung bestätigt

Pink Cross muss Bischof Huonder Entschädigung zahlen

Artikelbild
Huonder im letzten Herbst bei seiner Hetzrede in Fulda

Nach seinen Aussagen über eine Todesstrafe für Homosexuelle scheiterte die Schweizer LGBT-Organisation mit einer Strafanzeige gegen den Bischof.

Von Norbert Blech

Die Äußerungen des Churer Bischofs Vitus Huonder über Homosexuelle bei einem Vortrag in Fulda im letzten Herbst bleiben für ihn ohne weitere Folgen. Wie die Schweizer LGBT-Organisation Pink Cross am Freitag mitteilte, hat das Kantonsgericht Graubünden eine Beschwerde gegen die Einstellung eines Strafverfahrens durch die örtliche Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

Pink Cross und zwei Privatkläger müssen nun Verfahrungskosten von 1.500 Franken (rd. 1.350 Euro) tragen – und wurden zudem verurteilt, dem Bischof eine Entschädigung über 1.200 Franken zu bezahlen. Aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten verzichtet man auf eine Weiterleitung des Falls an das Bundesgericht.

Huonder hatte am 31. Juli 2015 bei einem Kongress des Forums Deutscher Katholiken ausgiebig aus dem Alten Testament zitiert, darunter Levitikus 20,13: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen." Die zitierten Bibelstellen zeigten die "göttliche Ordnung", die für den "Umgang mit der Sexualität gilt", so Huonder damals. Der Text "würde genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben."

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Justzi: Äußerungen kein Mordaufruf

Nachdem queer.de als erstes Medium über die Äußerungen Huonders berichtet hatte, hatte es einen Aufschrei vor allem in Schweizer Medien gegeben. Huonder reagierte zunächst mit einer Stellungnahme, in der er Missverständnisse bedauerte, die Worte aber nicht zurücknahm (queer.de berichtete). Nach anhaltender öffentlicher Kritik veröffentlichte er eine weitere Stellungnahme, wonach er "selbstverständlich (…) nicht für die alttestamentarische Forderung nach der Todesstrafe für homosexuell empfindende Menschen" eintrete (queer.de berichtete).

Pink Cross hatte die Strafanzeige gegen den Bischof ausführlich begründet. Huonder habe öffentlich Bibelstellen zitiert, deren "Authentizität und Wahrheit" er immer wieder während der Rede bestätigt und in keiner Weise hinterfragt habe. Auch habe er sich nicht von der Todesstrafendrohung distanziert. Damit könne er "Stimmungen und Triebe der Massen dahin gehend beeinflussen, dass es zu gewalttätigen Übergriffen auf Homosexuelle kommt."

Die Staatsanwaltschaft kam im letzten Oktober allerdings zu dem Schluss, dass die Aussagen des Bischofs "nicht die für die Tatbestandserfüllung geforderte Eindringlichkeit und Eindeutigkeit aufwiesen" (queer.de berichtete). Das Kantonsgericht urteilte nun, dass Huonder die Aussagen unmöglich ernst gemeint haben könnte und "weder eine explizite noch eine implizite Aufforderung zur Tötung von Homosexuellen" zu erkennen sei

Das Problem: Bei dem Verfahren ging es um den Strafttatbestand der öffentlichen Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalt, da es an einem Paragrafen zu Volksverhetzung mangelt. "Die aktuelle Rechtslage verunmöglicht es Schwulen und Lesben, eine Sachlage wie die Aussagen von Bischof Huonder in einem ordentlichen Gerichtsverfahren bewerten und überprüfen zu lassen", kritisierte Bastian Baumann von Pink Cross am Freitag. "Die Situation ist unbefriedigend und zeigt die absolute Notwendigkeit auf, dass öffentliche Aufrufe zu Hass gegen Schwule, Lesben und Transmenschen in der Schweiz endlich unter Strafe gestellt werden müssen."

Baumann kritisierte auch das Gericht, das quasi argumentiert habe, "dass die Aussagen zu abstrus seien, als das sie für wahr gehalten werden könnten". Der Pink-Cross-Sprecher dazu: "Wir gehen weiterhin davon aus, dass ein Mann, dessen Lebensaufgabe darin besteht, Worte zu wählen und zu gewichten, sich sehr wohl der Macht seiner Worte bewusst war."

Distanz aus der Kirche

Immerhin hatten die Äußerungen Huonders auch für Ärger innerhalb der Kirche gesorgt: Die Schweizer Bischofskonferenz hatte sich von Huonders Aussagen distanziert, zugleich aber festgestellt, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, die Todesstrafe einzufordern (queer.de berichtete). Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hatte die "fundamentalistische Bibelexegese" seines Glaubensbruders kritisiert (queer.de berichtete).

Bei dem dreitägigen Kongress "Freude am Glauben" war es im letzten Jahr vor allem um den Kampf gegen LGBT-Rechte gegangen, gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ebenso wie gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt. Zu den Rednern gehörte auch Hedwig von Beverfoerde, die Organisatorin der "Demo für alle". (nb)

Links zum Thema:
» Der Vortrag Huonders als Video bei kathtube
» Webseite von Pink Cross
Mehr zum Thema:
» Kommentar: Warum die "Entschuldigung" von Huonder nicht ausreicht (04.08.2015)
» Bischof Huonder zur Homo-Ehe: Bibel sieht Todesstrafe vor (01.08.2015)
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Tags: schweiz, vitus huonder, katholische kirche, volksverhetzung, pink cross
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Reaktionen zu "Pink Cross muss Bischof Huonder Entschädigung zahlen"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
20.05.2016
19:22:09


(+12, 12 Votes)

Von goddamn liberal


Verkehrte Welt.

Menschen, die einfach nur anprangern, dass da jemand in Fulda, also im Land des rosa Winkels unweit von Buchenwald, einer alten Vernichtungsideologie fröhnt, werden ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung beraubt.


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#2
20.05.2016
20:25:32


(+13, 13 Votes)

Von Roman Bolliger


"Das Kantonsgericht urteilte nun, dass Huonder die Aussagen unmöglich ernst gemeint haben könnte".

Immerhin kann man diese gerichtliche Feststellung auch so interpretieren:

Wenn Bischof Huonder etwas sagt, kann man ihn unmöglich ernst nehmen. Da wabert immer der Nimbus der Unzurechnungsfähigkeit um seinen Kopf herum.


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#3
20.05.2016
21:11:41
Via Handy


(+5, 7 Votes)

Von Chico
Antwort zu Kommentar #1 von goddamn liberal


Da stimme ich dir voll und ganz zu!

Was heißt eigentlich "die rechte Wende geben"? Ich glaube nicht, dass ich diese Formulierung schon mal irgendwo gehört habe.


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#4
20.05.2016
21:24:36


(+12, 14 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #3 von Chico


Der Sprechakt in der Bibel ist eine klare Tötungsaufforderung.

Mit der doppeldeutigen Formulierung 'rechte Wende' zeigt Huonder, dass er sich diese menschenverachtende Phrase zueigen macht.

Da gibt es eigentlich nicht zu deuteln.


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#5
20.05.2016
21:46:20
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von Chico
Antwort zu Kommentar #4 von goddamn liberal


Sehe ich auch so. Trotzdem ne komische Art sich auszudrücken. Für mich steht dieser Hetzer dennoch auf einer Stufe mit dem hier:
Bild-Link:
Fred%20Phelps%20.jpg


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#6
20.05.2016
22:06:03


(+11, 11 Votes)

Von kuesschen11
Aus Darmstadt (Hessen)
Mitglied seit 26.08.2012


Die Verfahrenseinstellung ist ein Hohn und dem reichen Bischof noch eine Entschädigung zu zahlen das ist wie "Perlen vor die Säue."

Die Bibelstelle Levitikus 20,13 ist eindeutig ein Aufruf zum Morden an Menschen, die nicht nach der angeblichen "göttlichen Ordnung" von Mann und Frau leben und zielt auf Morden von gleichgeschlechtlichen Beziehungen von Männern ab. Was soll denn da dran missverständlich sein? Hier wird Hass gegen Menschen abgelassen.

Die Bibel ist an sehr vielen Stellen, gerade im Alten Testament NICHT diskriminierungsfrei und nicht homogen in der allumfassenden Liebe.

Heute werden noch aufgrund dieser Bibelstelle in 74 Ländern der Erde gleichgeschlechtlich Liebende in Haftstrafen versetzt oder umgebracht. Wie äußert sich Herr Huonder denn dazu bitteschön?

Es ist eine große Schande, wenn ein Schweizer Kantonsgericht so unachtsam mit den menschenverachtenden Aussagen eines Huonders umgeht. Einfach nur UNGLAUBLICH!!


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#7
20.05.2016
22:16:12


(+6, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von Chico


Tja, inhaltlich stimmt's.

Der Unterschied ist: Huonder gehört zu einer märchenhaft reichen Weltkirche, der amerikanische Knilch zu einer Familiensekte mit einer handvoll Mitgliedern.


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#8
20.05.2016
22:56:29


(+8, 10 Votes)

Von Heiner


Wie bitte?

Dass man mit fundamentalistischen Äußerungen, die leicht als Mordaufruf zu verstehen sind, durchkommt und Menschen mit Zivilcourage die Verfahrenskosten zahlen müssen, ist ja schon schlimm genug.

Aber wieso müssen die diesem Hassprediger auch noch eine Entschädigung zahlen? Sollen wir so eingeschüchtert werden, damit wir in Zukunft vor laute Angst gar nicht mehr gegen Hetze vorgehen und das stumm ertragen?

Während weite Teile der zivilisierten Welt massive Fortschritte machen, wird es für LGBT in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer schlimmer...


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#9
20.05.2016
23:17:29


(+10, 10 Votes)

Von Sebi


>>>>>>>>>>>>>
Das Kantonsgericht urteilte nun, dass Huonder die Aussagen unmöglich ernst gemeint haben könnte und "weder eine explizite noch eine implizite Aufforderung zur Tötung von Homosexuellen" zu erkennen sei
<<<<<<<<<<<<<<

1.

Woher wollen die denn wissen, wie er seine Aussagen gemeint hat?

Gerichte sollten nicht spekulieren, was sich jemand anderes in seinem Kopf denken könnte (das wird man eh nie vollkommen sicher wissen), sondern lieber die konkret vorliegenden Worte beurteilen. Zumal die ja bis heute zu nicht von Bischof Huonder zurückgenommen wurden.

2.

Bischof Huonder hat gesagt, dass (a) die Bibel für Homosexuelle die Todesstrafe verlangt und dass (b) sich jeder Christ an die Bibel zu halten habe (und beides direkt hintereinander im selben Zusammenhang).

Ob das ein expliziter Mordaufruf ist, mag vielleicht noch diskutiert werden (obwohl es das für viele definitiv ist). Aber wenn das nicht mal ein impliziter Mordaufruf ist, wüsste ich gerne, was man denn noch sagen müsste, damit das ein impliziter Mordaufruf wäre.

Fazit:

Die Kirche steht über dem Gesetz. Mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie hat das nichts zu tun.


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#10
21.05.2016
05:18:34


(-8, 10 Votes)

Von musicus


ich finde, man soll nicht alles so dramatisieren ... die texte des AT finden laut damaliger weltsicht die homosexualität als bedrohlich für die gesellschaft und verdammt sie daher. heute sieht die kirche das weit differenzierter. der bischof hat sicherlich nie zur tötung von schwulen aufgerufen, also was soll der zirkus?
wenn es nicht nur um rechthaberei geht, sollen sich die kläger mal den realen verfolgungen von schwulen durch fanatikern aus dem bereich des islam kümmern, da besteht wirklich gefahr und handlungsbedarf.
im übrigen ist in den anerkannten kirchen längst standart, dass die bibel nicht wörtlich sondern im kontext verstanden werden soll.


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