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In Winsen (Aller) fühlen sich Angler von Cruisern belästigt (das Bild stammt aus dem französischen Film "Der Fremde am See")

An einem niedersächsischen See gibt es Aufregung um den Einfluss der "Homosexuellenszene".

Erneut gibt es in einer ländlichen Region Streit um schwule Cruiser, die sich im Gebüsch vergnügen: Mit scharfen Worten hat der Chef des Angelvereins ASV Winsen die Anwesenheit von Schwulen und Exhibitionisten am Kalker See in der Nähe von Celle beklagt. "Die Homosexuellenszene existiert dort mittlerweile schon mindestens 20 Jahre und Perverse tauchen auch immer häufiger auf. Mein Vorgänger hat mehrfach über die Problematik mit der Polizei gesprochen", erklärte Ryszard Szewenko im Lokalblatt "Cellesche Zeitung".

"Wir haben das Gelände seit 25 Jahren gepachtet. Sie nehmen sich dieses Recht einfach raus und lassen sich auch nicht vertreiben", so Szewenko. Er beklagte, dass die Polizei wenig Unterstützung biete – und fürchtet eigenen Angaben zufolge um die Angel-Jugend: "Das Baden ist dort verboten und unser Jugendteich ist direkt daneben. Unsere jungen Angler sollten so etwas nicht sehen müssen."

Grund für die Aufregung seien zwei Fälle von Exhibitionismus, in denen junge Frauen belästigt worden sind. Der letzte Fall ereignete sich erst am Mittwochnachmittag, als sich ein Mann vor zwei 17-Jährigen entblößte. Es ist allerdings unklar, warum Szewenko die schwulen Cruiser dafür verantwortlich macht, die ja seinen eigenen Aussagen zufolge bereits seit rund einem Vierteljahrhundert vor Ort gewesen seien.

Kritik an Berichterstattung der Lokalzeitung

Gegenüber queer.de beschwerten sich einige Leser auch über die Wortwahl in der "Celleschen Zeitung", in der wiederholt – auch außerhalb von Zitaten – von "Perversen" die Rede ist. Zudem werden im Artikel Exhibitionisten und die "Homosexuellenszene" von "normalen Badegästen" abgegrenzt, die am See von den Anglern ebenfalls nicht gern gesehen werden; sie befürchteten, dass Fische durch Sonnencremes oder Shampoos Schaden nehmen könnten.

In den letzten Monaten hatte es immer wieder Auseinandersetzungen um Cruiser an Seen gegeben – zuletzt im württembergischen Kirchentellinsfurt und im unterfränkischen Niedernberg.

Cruising – wie auch Klappensex auf öffentlichen Toiletten – spielte für Schwule in Deutschland insbesondere in der Zeit des Paragrafen 175 eine große Rolle. In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik war dies für viele oft die einzige Möglichkeit, die eigene Sexualität auszuleben. Seit der Legalisierung und Enttabuisierung homosexueller Handlungen und besonders seit dem Aufkommen von Online-Dating hat die Bedeutung dieser Formen schwuler Sexualität allerdings stark abgenommen.

Nach wie vor kann Cruising- oder Klappensex strafbar sein: Cruiser können beispielsweise wegen des Gesetzes gegen Erregung öffentlichen Ärgernisses oder wegen exhibitionistischer Handlungen angeklagt werden. Meist kommen sie aber glimpflich davon. (cw)



#1 SorryAnonym
  • 23.05.2016, 11:59h

  • aber..."Schwule, Perverse" und all die neidzerfressenen Ängste der Normalos...wenn man das alles liest,
    frage ich mich ob Bonobos nicht die besseren Menschen sind
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#2 MarekAnonym
  • 23.05.2016, 12:10h
  • Jahrzehntelang war es kein Problem. Da galt "Leben und leben lassen" und "Jeder nach seiner Facon".

    Aber jetzt ist das plötzlich ein Drama, wenn Leute ein bisschen Spaß in den Büschen haben.

    Und jetzt sind Schwule plötzlich "Perverse".

    Zweifelt eigentlich noch irgendwer am konservativen Rollback?
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#3 Peter SingerAnonym
  • 23.05.2016, 12:59h
  • Das schöne ist, dass diese Art von Sex laut Artikel offenbar an Bedeutung verliert. Das bedeutet, dass mehr Schwule sorglos bei sich zuhause Sex haben können, ohne dass sie das heimlich in der Öffentlichkeit tun müssen. Es gibt wohl heutzutage weniger Schwule, die in einer Ehe leben und ihre Neigungen nur heimlich ausleben.

    Diejenigen, die es trotzdem nötig haben, müssen eben vorsichtig sein. Solange niemand gestört wird, spricht ja nichts dagegen. Wenn sich Leute davon belästigt fühlen, dann geht deren Meinung eben vor. Besonders wenn es wie hier minderjährige sind. Wenn man es nicht schafft, einen Ort in der Natur zu finden wo man ungestärt ist, dann soll man eben auf ein Hotel ausweichen, um seine heimlichen Affären auszuleben.

    Natürlich gibt es noch diejenigen, die bewusst Sex in der Öffentlichkeit haben, um den "Kick" zu suchen. Das ist dann eben sexuelle Belästigung.

    Ich kenne den Teich und die Umgebung nicht, aber ich frage mich schon, warum man keinen Ort ohne Publikum findet. Müsste doch möglich sein.
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#4 Sukram71Profil
  • 23.05.2016, 13:32h Bonn

  • Am Bleibtreusee bei Brühl bzw Köln kommen sich Angler und schwule Cruiser auch in die Quere.
    Klagen habe ich aber noch nicht gehört. Wer dort angelt und zeltet, muss halt mit nackten Männern und Jungs, die Sex machen rechnen. :)

    Ich bin da im Sommer auch sehr gerne. Nackt Baden, im Gras liegen und die Baumwipfel beobachten ist toll.

    Ich kann aber auch verstehen, wenn nicht jeder davon begeistert ist und sich gestört fühlt.
    Wo das allerdings schon seit 25 Jahren der Fall ist, waren wir zuerst da! :D
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#5 DieterBremenProfil
  • 23.05.2016, 14:04hBremen
  • Die Wortwahl des Redakteurs der Celleschen Zeitung ist ja mehr als grenzwertig. Was mich erstaunt: "Perverse Schwule" entblößen sich vor zwei 17jährigen Mädchen? Erstaunlich. Warum nur???
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#6 panzernashorn
#7 ursus
  • 23.05.2016, 14:28h
  • Antwort auf #3 von Peter Singer
  • >"aber ich frage mich schon, warum man keinen Ort ohne Publikum findet. Müsste doch möglich sein."

    genau. und dazu gibt es schwule cruising-strände. hier der hetero-strand, da der schwule, es spricht sich rum, was wo hingehört, und so vermeidet man ungewollte konfrontationen. die perfekte lösung für dein problem.
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#8 FinnAnonym
  • 23.05.2016, 14:31h
  • Antwort auf #2 von Marek
  • "Zweifelt eigentlich noch irgendwer am konservativen Rollback?"

    Wohl kaum.

    Das ist schon seit ein paar Jahren zu beobachten und nimmt leider immer mehr Fahrt auf.

    Anfangs wurde man noch von manchen, die ihre rosarote Brille trugen, belächelt, wenn man darauf hinwies, weil manche die Zeichen nicht sahen oder nicht sehen wollten. Aber mittlerweile wird das wohl niemand mehr leugnen können.

    Und wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen, wird das noch ein schlimmes Ende nehmen.

    Bisher erreichtes ist keineswegs sicher.
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#9 Carsten ACAnonym
  • 23.05.2016, 14:39h
  • Antwort auf #4 von Sukram71
  • "Ich bin da im Sommer auch sehr gerne. Nackt Baden, im Gras liegen und die Baumwipfel beobachten ist toll.

    Ich kann aber auch verstehen, wenn nicht jeder davon begeistert ist und sich gestört fühlt. "

    .
    Nein, kann ich nicht.

    Diese bigotte Prüderie wenn es um Nacktheit geht...

    Die eine Hälfte der Menschheit hat einen Penis und die andere hat eine Vagina. Und? Wieso wird darum so ein Aufhebens gemacht? Bei dem einen ist es halt etwas größer und bei dem anderen etwas kleiner. Und?

    Wenn jemand sich an Nacktheit stört, kann das wohl nur daran liegen, dass man vielleicht eifersüchtig auf den (schöneren) Körper des anderen ist.

    Ich selbst bin zwar nicht gerne vor anderen nackt (außer Schwimmbaddusche und so) und stehe nicht so auf FKK und sowas. Aber das liegt einfach daran, dass ich mich im Moment in meinem Körper nicht so wohl fühle (habe ein paar Kilos zu viel). Aber ich käme nie auf die Idee, anderen Nacktheit verbieten zu wollen.

    Die Welt wäre so viel einfacher und schöner, wenn jeder sich um seinen Kram kümmern würde und nicht immer anderen Vorschriften machen würde, wie sie zu leben haben.

    So lange man anderen mit seinem Verhalten nicht schadet, soll doch jeder machen was er will. Und Nacktheit schadet eben niemandem.

    Schluss mit Prüderie und Spießigkeit!
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#10 UrsaMajorEhemaliges Profil
  • 23.05.2016, 15:27h
  • Ich denke, was wir hier erleben, ist eine kontinuierliche Reise zurück in die Zeit der Züchtigkeit.

    In unserer Gesellschaft muss alles irgendwie reguliert sein - und besonders die Sexualität. Schlecht ist alles, was "Unzucht" ist - also nicht zur Zucht (legaler Nachkommenschaft) vorgesehen ist. Der Fokus liegt wieder weit stärker auf Ehe und Familie (selbst hier mussten wir schon von "Family Values" lesen); alles andere, was sich da noch so tummelt, ist bäh.

    Auch die Debatte um die Ehe für Alle, die ich rein juristisch zunächst als notwendigen Schritt der Gleichstellung befürworte, zeigt uns, dass Viele in erster Linie bestrebt sind, ihre Sexualität irgendwie legalisiert, gesellschaftlich sanktioniert, zu bekommen. Wenn wir auch heiraten dürfen, sind wir auch endlich wer. Und nicht nur wilde Wüstlinge, die in der Prärie herumvögeln.

    Züchtigkeit ist angesagt - oder eine mimikry-hafte Nachbildung derselben. Wehret der Unzucht. Freiheit? Wo kämen wir denn da hin, wenn jede_r Sex haben dürfte, mit wem / wie er_sie wollte? Und am End' auch noch wo er_sie wollte?

    Und so hat alles schön abgegrenzt zu werden - und zwar möglichst wieder mehr als in den letzten "lotterhaften" Jahren. Weg mit den Schwulen und Perversen, und mit den perversen Schwulen. Aus den Augen, aus dem Sinn, aus der Gesellschaft. Übrigens wieder mal Herrschaftstechnik Nr. 1 - das Unsichtbarmachen.

    de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Herrschaftstechniken

    Was uns bleibt, ist gegen die Wiederverbannung in die Perversität, in die Zeit vor 1968, anzukämpfen und klarzumachen, dass wir in das Regulierungsmuster von Zucht, Unzucht und Züchtigkeit nicht passen - niemals passen werden, und das auch nicht wollen (eben weil wir es gar nicht können).

    Auch in den eigenen Reihen.

    Übrigens, die größte Gefahr für die Fische sind weder Sonnencremes noch Shampoos - sondern die Angler. Genau wie für uns im vorliegenden Fall.
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