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Ausstellung "Homosexualität_en" in Münster

Das eigentliche Thema ist Transphobie


Bei dem in Berlin und Münster genutzten Postermotiv zur Ausstellung "Homosexualität_en" handelt es sich um ein Kunstwerk von Cassils mit dem Titel "Advertisement: Hommage to Benglis"

Im Poster-Streit zur Ausstellung "Homosexualität_en" meldet sich nun Trans*-Künstler_in Cassils zu Wort, der/die auf den Motiven zu sehen ist.

Von Cassils

Das rechts gezeigte (variierte) Poster mit meinem Bild darauf wurde ursprünglich von der Deutschen Bahn AG aus allen Bahnhöfen in Münster verbannt. Auch wenn die Bahn inzwischen diese Entscheidung revidiert hat (queer.de berichtete), nach massiven Protesten wegen Homophobie, so ist für mich das eigentliche Thema Transphobie.

Bevor die Blockbuster-Ausstellung "Homosexualität_en" im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster eröffnet wurde, hatte die Bahn das Poster für Werbezwecke im Bahnbereich abgelehnt; es war zuvor allerdings sehr prominent in Berlin zu sehen, als die Ausstellung am Deutschen Historischen Museum und am Schwulen Museum* lief und entsprechend beworben wurde.

"Hommage to Benglis" zeigt meinen durchtrainierten Körper, fotografiert von Robin Black. Das Bild entstand auf dem Höhepunkt einer 160-tägigen Performance, bei der Fleisch als Skulpturmaterial eingesetzt wurde. Es ging darum, binäre Geschlechtergrenzen zu durchbrechen und einen Trans*-Körper zu präsentieren, der sich typischen Gender-Klassifikationen widersetzt.

Kritik an der Ausgrenzung von nicht-normativen Körpern

"Advertisement: Hommage to Benglis" bezieht sich direkt auf einen berühmten Moment in der feministischen Kunstgeschichte, als die Künstlerin Lynda Benglis eine ganzseitige Anzeige schaltete im Kunstmagazin "Artforum". Darauf präsentierte sie sich nur mit Sonnenbrille und einem doppelseitigen Dildo, posierend als Pin-up. Während die Originalanzeige von Benglis als Kommentar auf die sexistische und gender-gebundenen Einschränkungen in der Kunstwelt gelesen werden sollte, benutzt meine Hommage die gleiche Strategie, um die Gender-Ausgrenzung ("gendered policing") von Trans*- und nicht-normativen Körpern in der Welt zu kritisieren.

Die Motivprüfstelle der Deutsche Bahn AG hatte das "Homosexualität_en"-Poster ursprünglich als "sexualisiert", "sexistisch" und "pornografisch" eingestuft und abgelehnt, weil es gegen die Richtlinien des Deutschen Werberats verstoße. Diese pseudo-feministische Ablehnung des Motivs ist ein himmelschreiendes Beispiel von Transphobie, nicht von Homophobie. Es erinnert an die vielen anderen Beispiele von Transphobie, wo versucht wird, die Präsenz von Trans*- und nicht-genderkonformen Körpern in der Öffentlichkeit zu unterbinden.

In den USA wird dies momentan deutlich in der jüngsten Gesetzgebung im Bundesstaat North Carolina, wo Menschen gezwungen werden, öffentliche Toiletten zu benutzen, die zum Geschlecht gehören, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, anstelle ihrer aktuellen Gender-Identität. Anders als die populäre Hysterie suggeriert, stellt nicht die Anwesenheit von Trans*-Personen eine Gefahr dar, sondern sind nicht-genderkonforme Menschen – besonders People of Color – besonders gefährdet und häufig Opfer von Übergriffen.

Das Einlenken der Deutschen Bahn ist eine leere Geste

Kunstwerke wie meins sind ein notwendiger Teil des Kampfes gegen Transphobie. Die jüngsten Versuche, mein Bild im öffentlichen Raum zu verbieten, unterstreichen lediglich die Notwendigkeit solcher Bilder.

Nachdem die Deutsche Bahn AG viel Kritik einstrecken musste wegen ihrer ablehnenden Entscheidung, hat sie diese inzwischen revidiert und das Poster freigegeben für Anzeigenflächen in ihrem Einflussbereich. Allerdings sind die entsprechenden Werbeflächen jetzt weitgehend anderweitig gebucht und nicht mehr verfügbar. Somit ist das Einlenken der Deutschen Bahn AG – eine leere Geste!

Deshalb lade ich alle Menschen ein, das ursprünglich verbotene Bild herunterzuladen und auszudrucken, um es über all diejenigen Anzeigen zu kleben, die sie als "sexistisch" empfinden und die im Bereich der Deutschen Bahn zu finden sind. Oder es zu posten mit dem Vermerk: "Sexistisch? Beschämend? Pornografisch? #tagsexism #stopthebodypolice".



#1 Kevin1967Anonym
  • 24.05.2016, 22:58h
  • Da bin ich ja wirklich sehr gespannt, ob sich speziell in Münster Aktivist_innengruppen finden, um diese Sticker bei der Bahn zu kleben. Und genauso gespannt bin ich dann auf die Reaktion der Bahn.... ob sie das als Kunst durchgehen lässt, oder als Sachbeschädigung einstuft. Und gegen Cassils in Kanada vorgeht.
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#2 ursus
  • 25.05.2016, 01:04h
  • >"die kanadische Trans*-Künstler_in Cassils zu Wort, die auf den Motiven zu sehen ist."

    ähm... wenn "künstler_in", dann bitte auch "der_die".
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#3 Ulli_2mecsProfil
#4 Ulli_2mecsProfil
  • 25.05.2016, 10:08hHamburg
  • in Sachen Reaktion der Bahn: ich finde es falsch, die Rücknahme der Ablehnung der Bahn, das Plakat zu hängen, und die Hängung nun doch zuzulassen, einzig als 'leere Geste' zu bezeichnen.

    Die Reaktion der Bahn erfolgte auf umfangreiche Proteste hin - also gilt es anzuerkennen, dass die Bahn sich bewegt hat, ihre Entscheidung korrigiert hat - und unsere Proetste letztlich erfolgreich waren (wenn auch im praktischen Ergebnuis eingeschränkt).

    Zudem gibt es nun nach der Freigabe durch die Bahn einen 'Referenzpunkt' für die Zukunft.

    Erfolge, auch wenn sie nicht 100% sind, sollten wir nicht klein reen ... ;-)
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#5 ursus
  • 25.05.2016, 12:47h
  • da meine kritik wohl versandet ist, schreibe ich's noch mal: heather cassils möchte offenbar nicht in das binäre geschlechtsmodell eingeordnet werden. mit dem pronomen "die" tut ihr das hier im artikel aber, liebe redaktion. bitte ändert das doch. es ist kein schönes bild, wenn ein queeres magazin ausgerechnet bei einem artikel über trans* sich einen solchen patzer erlaubt.
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#6 BBorisAnonym
  • 25.05.2016, 16:00h

  • Ich war total erfreut als ich das Plakat gleich mehrmals RIESENGROß in Köln in der Ubahn gesehen habe.
    Besonders toll war auch eine Szene, in der eine Kindergruppe sich das Bild anschaut und dann... Ja... Nix. Sie haben es einfach angesehen, sich ihren Teil dabei gedacht und es einfach akzeptiert. Das Problem liegt oft bei inflexiblen, intoleranten und engstirnigen Erwachsenen die sich und ihre Umwelt um jeden Preis nicht verändern wollen.
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#7 einmischenProfil
  • 25.05.2016, 16:55hBerlin
  • Komisch, die Austellung heißt doch "Homosexualität_en" und nicht Transsexualität_en". Irgendwie das Thema verfehlt ...
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#8 TheDad
#9 einmischenProfil
  • 28.05.2016, 21:02hBerlin
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • Doch, können sie. Aber wenn ich eine Ausstellung Homosexualität_en nenne, dann mache ich doch kein Plakat, das suggeriert, es ging hier um Trans* Menschen. Homosexualität geht es um sexuelle Orientierung. Bei Trans* um Geschlecht. Zwei unterschiedliche Themen, die aber gerne queer vermischt werden.
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#10 TheDad
  • 29.05.2016, 00:23h
  • Antwort auf #9 von einmischen
  • ""Doch, können sie. Aber wenn ich eine Ausstellung Homosexualität_en nenne, dann mache ich doch kein Plakat, das suggeriert, es ging hier um Trans* Menschen.""..

    Warum nicht ?
    Und wie kommt man eigentlich auf die absurde Idee, das Plakat enthielte eine Transidente/Transgender/Transsexuellen-Thematik, bloß weil die Künstlerin einen solchen "Hintergrund" hat ?

    Sind dann etwa meine Bilder mit der Kamera sämtlich Schwule Bilder, bloß weil ich ein Schwuler Mann bin ?

    Es geht Um "Homosexualitäten", also um die Mehrzahl eines Begriffes, was verdeutlichen soll, das es verschiedene Formen gibt..

    Schwule, Lesbische, Transgender/Transidente/Transsexuelle, Intersex, und sogar Bisexuelle Homosexualitäten..
    Faßt man diese in einer einzelnen Collage zusammen entsteht wohl durchaus so etwas wie eine Tran*Person, weil sie vieles in sich vereinigt darstellen soll..

    ""Homosexualität geht es um sexuelle Orientierung.""..

    Ich bin nicht "orientiert"..
    Ich besitze eine Sexuelle Identität, die untrennbar mit meiner Person und mit meiner Psyche verbunden ist..
    Wäre ich einfach nur "orientiert", könnte ich mich nämlich aufgrund gemachter Erfahrungen auch "Um-orientieren"..
    Das halte ich für unmöglich..

    ""Zwei unterschiedliche Themen, die aber gerne queer vermischt werden.""..

    Das mag so empfunden werden..
    Tatsächlich sind die Thematiken Sexualität und Sexuelle Identität aber gar nicht zu trennen..
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