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  • 30.05.2016, 11:36h           8      Teilen:   |

"Holding the Man" ab Donnerstag im Kino

Erinnerungen eines schwulen Liebenden

Artikelbild
Trotz seines Mainstream-Appeals besticht "Holding the Man" auch durch eine ungezwungene Darstellung schwuler Sexualität (Bild: Pro-Fun Media)

Die Memoiren des Schriftstellers Timothy Conigrave dienten als Vorlage für das herzzerreißende und zugleich bemerkenswert humorvolle Liebesdrama "Holding the Man".

Von Carsten Moll

In Timothy Conigraves australischer Heimat gilt seine Autobiografie "Holding the Man", die die Beziehung mit seinem langjährigen Lebenspartner sowie die spätere Aids-Erkrankung der beiden Männer behandelt, längst als ein Klassiker der queeren Literatur. Im Februar 1995, nur wenige Monate nach Conigraves Tod, wurden seine Memoiren erstmals veröffentlicht und seitdem immer wieder neu aufgelegt, mit Preisen ausgezeichnet sowie mit großem Erfolg für die Theaterbühne adaptiert.

Mit "Remembering the Man" blickte 2015 zudem ein gelungener Dokumentarfilm auf das Leben von Conigrave und seinem Freund John Caleo, kurz nachdem Neil Armfields Spielfilmversion "Holding the Man" in den australischen Kinos seine Premiere feierte. Nun kommt Armfields Liebesdrama auch auf deutsche Leinwände.

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Coming of Age als Komödie

Poster zum Film: "Holding the Man" startet am 2. Juni in deutschen Kinos
Poster zum Film: "Holding the Man" startet am 2. Juni in deutschen Kinos

Armfield ("Candy") und sein Drehbuchautor Tommy Murphy halten sich mit ihrer Fassung recht eng an die literarische Vorlage und können deren Stärken so auch für ein Kinopublikum, das die Autobiografie nicht gelesen hat, erfahrbar machen. Der gutmütige Humor sowie der uneitle Blick auf eigene Schwächen und Fehltritte, der Conigraves Buch auszeichnet, findet sich auch bei Armfield wieder und bereichert damit eine Geschichte, die mit all ihren Konventionen und Klischees leicht allzu vorhersehbar hätte werden können.

So beginnt "Holding the Man" Ende der 1970er Jahre zwar als eine stereotype Coming-of-Age-Story, die von dem jungen Tim, seinem Schulalltag an einer katholischen Jungenschule sowie seiner Sehnsucht nach John, dem Kapitän der Footballmannschaft, erzählt, doch trotz zahlreicher bekannter Plot-Elemente unterläuft der Film zugleich gekonnt so manche Erwartungshaltung.

Passend zum jugendlichen Übermut der Protagonisten, die sich von niemandem erklären lassen wollen, dass ihre Liebe falsch sei, schert sich auch Armfield mitunter wenig um übliche dramaturgische Mechanismen und ignoriert vor allem in der ersten Hälfte das melodramatische Potenzial seines Stoffs zugunsten einer beschwingten Komödie.

Großartiges Zusammenspiel der Hauptdarsteller

In lose verbundenen Episoden entwickelt sich die Beziehung zwischen den Hauptfiguren, die von Ryan Corr ("Wolf Creek 2") und Craig Stott großartig gespielt werden. Der extrovertierte Tim und der bedächtige Joe werden von den Schauspielern nicht nur facettenreich verkörpert, vor allem ihr von Intimität und Zuneigung geprägtes Zusammenspiel wirkt absolut glaubwürdig und ist in seiner lebensnahen Dynamik mitreißend. Dass man den beiden Schauspielern in ihren Zwanzigern nicht unbedingt abnimmt, dass sie 17 Jahre alt sein sollen (Ryan Corr erinnert in seiner Aufmachung als Teenager leider ein wenig zu sehr an David Walliams und seine ulkigen Kostümierungen aus "Little Britain"), lässt sich aber verschmerzen und ist spätestens vergessen, wenn der Film die Schulzeit der Helden hinter sich lässt.

Mit der Reifung seiner Figuren wird auch der Tonfall des Films ernster und neigt immer wieder zum Melodram. Pathos und Humor halten sich aber zumeist in einer stimmigen Balance, und Armfield verzichtet bei der Inszenierung dieser Liebesgeschichte, die immer mehr im Schatten von Aids steht, zum Glück auf anbiedernde Rührseligkeiten. Auffällig ist zudem, dass "Holding the Man" selbst in seinen düstersten Momenten dennoch zugänglich und versöhnlich bleibt – ein breites Publikum wird so nicht vor den Kopf gestoßen.

Mainstream-Appeal und Grenzüberschreitungen

Dieser Mainstream-Appeal hat zum Teil berechtigte Kritik an Armfields Adaption hervorgerufen. Natürlich kann man bemängeln, dass "Holding the Man" bisweilen zu gefällig geraten ist und es sich mit seiner Mischung aus Feel-Good-Stimmung und tragischem Herzschmerz zu einfach macht.

Allerdings verkennt ein solcher Vorwurf zweierlei: Einerseits unterschlägt er all die lustvollen Grenzüberschreitungen und Freiheiten, die der Film wagt – sei es etwa die ungezwungene Darstellung von Sexualität. Und zum anderen fällt so unter den Tisch, wie gut Armfield es gelingt, den Ton und den Geist von Conigraves Vorlage einzufangen. Diese zeichnet sich nämlich im Vergleich zu beispielsweise David Woijnarowiczs Memoiren "Close to the Knives: A Memoir of Disintegration" (nicht durch ihre Radikalität und eine umfassende Gesellschaftskritik aus, sondern ist in erster Linie die bittersüße Erinnerung eines Mannes an seine große Liebe.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zzum Film
  Infos zum Film
Holding the Man. Nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Timothy Conigrave. Spielfilm. Australien 2015. Regie: Neil Armfield. Darsteller: Ryan Corr, Craig Stott, Kerry Fox, Camilla Ah Kin, Sarah Snook, Guy Pearce, Anthony LaPaglia, Geoffrey Rush. Laufzeit: 127 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Pro-Fun. Deutscher Kinostart: 2. Juni 2016.
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Holding the Man

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Tags: holding the man, timothy conigrave, neil armfield, ryan corr, australien
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Reaktionen zu "Erinnerungen eines schwulen Liebenden"


 8 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
30.05.2016
11:58:56


(+4, 4 Votes)

Von Felix


Wow, seit langem hat mich kein Film-Trailer mehr so berührt und so neugierig gemacht.

Diesen Film muss ich sehen...


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#2
30.05.2016
12:06:30


(+4, 4 Votes)

Von Linus


Schade, dass die beiden die aktuellen Gleichstellungs-Entwicklungen in immer mehr Staaten (auch in Australien, wo das lebhaft debattiert wird) nicht mehr mitbekommen haben...


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#3
30.05.2016
13:29:23


(+4, 4 Votes)
 
#4
30.05.2016
18:07:27


(+1, 3 Votes)

Von Yannick


Habe ich doch richtig gesehen, dass bei einem der Szenenfotos Guy Pearce drauf ist.


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#5
30.05.2016
18:10:05


(+2, 4 Votes)

Von Tobi Cologne


Sehe ich das richtig, dass der Film selbst in Köln nur an einem einzigen Abend läuft?

Echt schade. Wenn der Film hält, was der Trailer (und die Rezensionen im Netz) versprechen, sollte der bundesweit im regulären Programm laufen.

Okay, dafür muss man ihn wahrscheinlich auch synchronisieren (obwohl ich das OmU bevorzuge), aber das sollte doch bei so einem Juwel möglich sein.


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#6
30.05.2016
20:27:02


(+2, 2 Votes)

Von Julian S


Alleine schon das Filmplakat sieht super aus. Und auch der Trailer ist toll.


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#7
31.05.2016
13:53:51


(+1, 3 Votes)

Von Heiner


Wieso läuft so ein toller Film nicht bundesweit in viel mehr Kinos im regulären Programm?

Ich stimme zu, dass er dafür synchronisiert werden müsste, da die Mehrheit ihn sonst nicht sehen will. Aber das ist bei solchen Filmjuwelen wirklich auch der Mühe wert.


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#8
12.08.2016
00:22:07


(+1, 1 Vote)

Von antos
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Gibt's jetzt übrigens auch bei Netflix - unbedingt anschauen!


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