Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?26247

Das auch bei Touristen beliebte "Kiwi-Café" steht für ein weltoffenes, vielfältiges und LGBT-freundliches Tiflis und wurde wohl deswegen angegriffen

Rund 15 Rechtsextreme stürmten wohl auch mit homophober Intention das "Kiwi-Café" in Tiflis und attackierten die Gäste. Danach ließen die Anwohner ihrer Wut auf die moderne Gesellschaft freien Lauf.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen Georgiens, darunter LGBT Georgia und "Identoba", haben am Dienstag einen Angriff auf ein veganes und homofreundliches Café in der Innenstadt von Tiflis verurteilt und von Politik und Justiz ein schärferes Vorgehen gegen zunehmende Gewalttaten und Einschüchterungsversuche durch Rechtsextreme gegen die Zivilgesellschaft gefordert.

Am Sonntag hatten um die 15 von Augenzeugen als Neonazis beschriebene Personen das "Kiwi-Café" betreten und eine englischsprachige Filmvorführung zuerst durch Beleidigungen und Zwischenrufe gestört. Dann begannen sie den Berichten der Cafébesuchern zufolge, sich Zigaretten anzuzünden und mitgebrachte Würste und Fleischbällchen zu verzehren, mit denen sie schließlich auch die Gäste bewarfen. Eine Angestellte wurde an den Haaren gezogen und auf den Boden geworfen.

Als sich der Kampf auf die Straße verlagerte, konnten Angestellte die Polizei rufen. Als die Beamten eintrafen und die Neonazis flüchteten, wurde die Situation allerdings nicht besser: Nun gingen aufgebrachte Anwohner auf die Cafébetreiber und -gäste los und beschimpften sie wegen der Ruhestörung. Im Streit zückte einer der Anwohner gar ein Messer, ein Rentner verletzte einen jungen Cafébesucher mit seinem Gehstock im Gesicht.

Anwohner-Mob übernahm von Neonazi-Mob


Am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie 2013 hatte eine aufgebrachte Menge in Tiflis einen Bus mit LGBT-Aktivisten angegriffen

"Einige Nachbarn haben uns ihre negative Haltung uns gegenüber schon oft gezeigt", berichtet das Café auf Facebook, "weil wir mit der Art, wie wir aussehen, mit der Musik, die wir anhören, mit den Ideen, die uns beschäftigen, und mit dem Fakt, das wir kein Fleisch essen, nicht in die Welt gehören, die sie gewöhnt sind (…) In diesem schmerzhaften Moment, in dem wir am verwundbarsten waren, entschieden sie sich, uns anzugreifen."

"Die Anwohner stellten sich auf die Seite der Faschisten", beklagt das im letzten Juli eröffnete Cafe. "Sie forderten uns auf, 'ihre' Straße, ihr Land zu verlassen. Denn in Georgien ist es nicht akzeptabel, so zu sein, wie wir sind". Das Café werde aber weitermachen und jeden Kunden willkommen heißen, "unabhängig von seiner Nationalität, Rasse, seinem Aussehen, Alter, Geschlecht, seiner sexueller Orientierung oder religiöser Ausrichtung".

Das Café berichtet, die Neonazis seien bereits vor rund einem Monat vor dem geschlossenen Café aufgetaucht und hätten einen benachbarten Shopbetreiber nach dem Publikum befragt und dabei betont, dass sie sich für "LGBT, Ausländer, Punks usw." interessierten.

Drohungen, Ausschreitungen, Körperverletzungen


So marschierten Rechtsextreme in der letzten Woche durch Tiflis

In der gemeinsamen Stellungnahme kritisierten die Organisationen am Dienstag, dass die Polizei zunächst gar keine Ermittlungen aufgenommen habe und dazu erst nach empörten Medienberichten bereit war, zugleich aber weiter nicht wegen eines Hassverbrechens ermittle. Sie verwiesen auch auf einen rechtsradikalen Fackelmarsch mit Sprüchen wie "Georgien den Georgiern", der in der letzten Woche stattfand und zu keinen Ermittlungen geführt habe. Die Regierung müsse Hass und Intoleranz bekämpfen, bevor sie unkontrollierbar werde.

2013 hatte es in Tiflis heftige Ausschreitungen gegen eine LGBT-Demo zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai gegeben (queer.de berichtete), angestachelt auch von der orthodoxen Kirche. Im letzten Jahr hatten nationalistische und orthodoxe Aktivisten Vertretern von LGBT-Organisationen mit dem Tod gedroht (queer.de berichtete).

Am 17. Mai in diesem Jahr wurden mehrere LGBT-Aktivisten in Tiflis bei einem von mehreren Protesten kurzzeitig festgenommen, als sie den Sitz des Patriarchen in Regenbogenfarben schmücken wollten (queer.de berichtete). Wenige Tage später hatte allerdings ein Rechtsradikaler, der einen der LGBT-Aktivisten von Fernsehbildern wiedererkannte, diesen und zwei Freunde auf offener Straße angetrunken angepöbelt, Passanten zu Gewalt aufgerufen und den Aktivisten eine Erschießung angedroht. Die Polizei nahm alle Personen fest, der Mann wurde später zu einem geringen Bußgeld verurteilt.

Am gleichen Tag wurden zwei Männer in der Innenstadt von Tiflis von Unbekannten attackiert und schwer verletzt, weil sie für ein schwules Pärchen gehalten wurden. (nb)

Youtube | Mit diesem Kurzfilm hatte die LGBT-Organisation "Identoba" im letzten Jahr die homophoben Ausschreitungen vom 17. Mai 2013 verarbeitet


#1 userer
#2 AlbrechtAnonym
  • 31.05.2016, 21:31h
  • Was für Wahnsinnige...

    Gerade dort, wo mehr Weltoffenheit den Menschen am meisten brächte (gerade auch wirtschaftlich) sind die Menschen am faschistischsten.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 hugo1970Profil
  • 31.05.2016, 21:44hPyrbaum
  • Frau Bundeskanzlerin, Herr Bundesaußenminister, Herr Innenminister, haben Sie sich beim Botschafter Georgiens informiert, wie und warum es zu diesen menschenunwürdigen Taten kommen konnte?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 VeganerAnonym
#5 hugo1970Profil
  • 31.05.2016, 22:00hPyrbaum
  • Mir fehlen die Worte, nur ein Satz:
    Eine Schande für die gesamte Menschheit und denkt nicht, das es, hier bei uns, nicht auch passieren kann!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 herve64Profil
#7 VeganerAnonym
  • 01.06.2016, 08:06h
  • Antwort auf #6 von herve64
  • Man muss keine allzu große Leuchte sein, um hier Parallelen zu erkennen.

    Man kann sie aber natürlich auch ignorieren - weil es so viel bequemer ist, Andere auf den Dreck vor deren Tür hinzuweisen, statt sich mal um den vor der eigenen Tür zu kümmern.

    Was ist daran übrigens "schön und gut"?
  • Antworten » | Direktlink »
#8 SebiAnonym
  • 01.06.2016, 10:35h
  • Das schlimme ist, dass da nicht nur ein kleiner Nazi-Mob wütete, sondern dass die Anwohner mitmachten.

    Georgien gehört eben doch zu Russland...
  • Antworten » | Direktlink »
#9 herve64Profil
  • 01.06.2016, 11:07hMünchen
  • Antwort auf #7 von Veganer
  • Checkst du es noch? Deine Parallelen interessieren hier nicht. Das sind ganz andere räumliche Orte mit anderen Voraussetzungen. Alles Andere führt ins Uferlose, auch wenn das nicht dein echthaberisches Gehabe befriedigt.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 VeganerAnonym
  • 01.06.2016, 11:15h
  • Antwort auf #9 von herve64
  • Oh, sorry. Nächstes Mal frage ich Dich vorher um Genehmigung.

    Na: Hauptsache, Du hast es einem Veganer mal ordentlich gezeigt, gell.

    Auf die Idee, dass Du ähnliches ausgrenzendes Verhalten an den Tag legst, kommst Du sicher nicht.
  • Antworten » | Direktlink »