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Maxime Peak (l.) und Eleanor Matsuura in der hochbesetzten BBC-Neuverfilmung (Bild: Screenshot BBC)

  • 2. Juni 2016, 21:10h, Noch kein Kommentar

Lesbische Feen, schwule Nazis: Russell T. Davies ("Queer as Folk") hat einem Klassiker einen neuen zeitgemäßen Dreh gegeben.

Von Norbert Blech

Es war ein großes Fest für die Augen wie für die Ohren, das die BBC am Montagabend zur besten Sendezeit des Feiertags im Hauptprogramm gesendet hat: Ausgerechnet der alte Shakespeare-Klassiker "A Midsummer Night's Dream" zog die Massen in den Bann und begeisterte in seiner Neuinterpretation viele, verstörte oder verärgerte einige.

Verantwortlich für die Neuinterpretation im Rahmen einer ganzen Shakespeare-Season der BBC zum 400. Todestag war Russell T. Davies, der für die BBC bereits "Doctor Who" reanimierte (an dessen schnell inszenierten Wahnsinn die Shakespeare-Neuverfilmung teilweise erinnte, zumal gar ein Set aus einer Episode wiederverwendet wurde). Er kürzte den Stoff zusammen, setzte auf einige Special Effects und griff auch noch ein wenig in die Handlung und speziell das Ende ein, das sich in ein spektakuläres multikulturelles, multisexuelles Fest mit Gesang verwandelt.


Hinter Nick Bottom versteckt sich Matt Lucas

So ist Theseus nun ein Nazi-artiger Diktator – und stirbt noch während des Finales. Die vorgesehene Ehefrau Hippolyta knutscht stattdessen mit Elfenkönigin Titania rum, Francis Flute tanzt mit einem die frische Freiheit entdeckenden Nazi. Und Matt Lucas aus "Little Britain" ist in dem hochbesetzten 90-Minuten-Film auch noch hochvergnügt dabei.

Youtube | Ein Trailer zum Fernsehfilm, leider nur in schlechter Qualität

Ein Autor, der in Deutschland fehlt

Der aus Wales stammende, schwule Autor und Produzent Davies hatte sich mit der Originalversion von "Queer as Folk" einen Namen gemacht, auch bei "Doctor Who" und speziell dem Ableger "Torchwood" auf das Queere geachtet und im letzten Jahr mit "Cucumber" und Begleitserien eine Alternative zu "Looking" geboten (queer.de berichtete) – samt der vielleicht verstörendsten Szene, die vielleicht je im Fernsehen lief.

Sehenswert auch Davies' Miniserien-Version von "Casanova" mit David Tennant und Peter O'Toole oder das Doppelfolgen-Meisterwerk "The Second Coming" über die Rückkehr des Sohn Gottes mit einem sensationell anmaßenden, humanistischen Ende.


Fisayo Akinade (r.) aus "Cucumber" ist auch mit dabei

Die letzten Minuten des "Sommernachtstraums" seien jedoch das, worüber er in seinem Schaffenswerk am glücklichsten sei, sagte Davies in einem Interview. Shakespeares Stücke seien darauf angelegt, von jeder Generation neu interpretiert zu werden, und das habe er angemessen getan: "Alles ist so Mann-Frau, Mann-Frau, Mann-Frau. Ich wollte einen Mann mit einem Mann, eine Frau mit einer Frau – denn wir haben 2016. So ist die Welt heute und Du möchtest, dass Kinder das sehen und die echte Welt sehen, mitten in der Fantasie."

Ob auch deutsche Kinder, die kleinen und großen, diesen Traum sehen werden können, ist noch offen – wer sucht, der findet freilich. Während die BBC mit dem "Sommernachtstraum" wieder zeigt, warum sie die Gebührengelder wert ist, die ihr die konservative Regierung in immer mehr Sparrunden dramatisch zusammenstreicht, arbeitet Davies an seinem nächsten Projekt für den anderen britischen Staatssender Channel 4: "The Boys" soll von Schwulen zu Beginn der Aids-Krise handeln.

Youtube | Russell T. Davies über Shakespeare und seine Interpretation