Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 08.06.2016, 15:43h           7      Teilen:   |

YouGov-Umfrage

Mehrheit der Deutschen für Entschädigung der "175er"

Artikelbild
Nach dem Paragrafen 175 wurden in der Bundesrepublik zehntausende Schwule abgeurteilt (Bild: uranus / flickr / cc by-sa 2.0)

In der deutschen Bevölkerung gibt es eine deutliche Mehrheit dafür, die nach Paragraf 175 verhängten Gerichtsurteile aufzuheben und die Opfer zu entschädigen.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen YouGov-Umfrage sprechen sich 59 Prozent der Deutschen für eine Rehabilitierung und Entschädigung der Männer aus, die in der Bundesrepublik nach Paragraf 175 verurteilt worden sind. 25 Prozent waren dagegen. Jeder Sechste konnte oder wollte die Frage nicht beantworten.

Das Meinungsbild unterschiedet sich nur leicht in den einzelnen Altersgruppen: 61 Prozent der 18- bis 29-Jährigen wären für die Entschädigung, aber auch 54 Prozent der Personen über 60 Jahre.

Auf den ersten Blick scheint es auch zwischen den Geschlechtern kaum Unterschiede zu geben: So erklärten 57 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen, sie unterstützten die Forderung, die nach Paragraf 175 verurteilten Männer individuell zu entschädigen. Allerdings ist die Gruppe derer, die dies ablehnt, unter den Männern mit 30 Prozent erheblich größer als unter Frauen mit 20 Prozent.



Laut YouGov sind Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien mehrheitlich für die Rehabilitierung. Bereits im Januar hatte eine Umfrage des Instituts ergeben, dass ebenfalls Anhänger dieser Parteien mit deutlicher Mehrheit die Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare unterstützen, darunter auch 61 Prozent der Unionsanhänger (queer.de berichtete).

Für die neue Umfrage befragte YouGov im Zeitraum vom 3. bis 7. Juni insgesamt 1048 repräsentativ ausgewählte Personen.

Fortsetzung nach Anzeige


Aktivisten fordern Millionenentschädigung

Erst am Dienstag hatte die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) von der Bundesregierung eine individuelle wie auch eine kollektive Entschädigung gefordert. Dafür verlangte sie einen hohen zweistelligen Millionenbetrag (queer.de berichtete).

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte im vergangenen Monat einen Gesetzentwurf zur Rehabilitierung noch in dieser Legislaturperiode angekündigt (queer.de berichtete). Zuvor hatte die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein Rechtsgutachtens veröffentlicht, wonach die Rehabilitierung nicht nur möglich, sondern rechtlich geboten sei (queer.de berichtete).

In der Bundesrepublik hatte zunächst bis 1969 die von Nazis verschärfte Version des Paragrafen 175 Gültigkeit. Auf dieser Grundlage kam es in zwei Jahrzehnten zu mehr als 100.000 Ermittlungsverfahren und etwa 50.000 rechtskräftigen Verurteilungen. Schließlich entschärfte die Große Koalition in den Sechzigerjahren den Paragrafen: Fortan galt für männliche Homosexuelle lediglich ein höheres Schutzalter als für heterosexuelle Paare oder Lesben. Nach der Wiedervereinigung wurde der Paragraf 1994 ersatzlos gestrichen. (pm/dk)

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 7 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 382             4     
Service: | pdf | mailen
Tags: paragraf 175, umfrage, yougov
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Mehrheit der Deutschen für Entschädigung der "175er""


 7 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
08.06.2016
17:30:56
Via Handy


(+8, 10 Votes)

Von Marc


In der deutschen Bevölkerung gibt es auch eine klare Mehrheit für die "Ehe für alle". Schert das die Kanzlerinnendarstellerin? Nein.
Merkel muss weg.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
08.06.2016
22:09:36


(+7, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Die Zahl 25 macht mich extrem nachdenklich!!!!
Normalerweise muß die Zahl 0 lauten!!!!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
09.06.2016
12:01:20


(+6, 6 Votes)

Von panzernashorn
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Mit halbwegs gesundem Menschenverstand fragt man sich doch, was es dabei überhaupt noch zu diskutieren gibt:
Es ist von Seiten des Staates massives Unrecht getan worden - und das gilt es zuzugeben und bestmöglichst "wiedergutzumachen" - Fakt!

Das zerstörte bzw. verhinderte normale Leben der betroffenen Opfer lässt sich ohnehin nicht mehr endgültig korrigieren - das ist schon schlimm genug.

Die ganzen "Bauchgefühl-Großmäuler" wären gut beraten, im Büßergewand in Sack und Asche zu gehen sowie wegen ihrer Unmenschlichkeiten aufrichtig (!) um Verzeihung zu bitten und alles (!) daranzusetzen, dieses himmelschreiende Unrecht aus der Welt zu schaffen -- das wäre sogar "christlich"..............


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
09.06.2016
12:11:36


(+2, 4 Votes)

Von Robin


Ja, die Bürger sind längst viel weiter als die Politik.

Ich fürchte nur, dass das wenig Einfluss auf die Politik haben wird. Eigentlich ist das Volk der Souverän und die Politiker sind nur Stellvertreter, die den Willen des Volkes umzusetzen haben. Aber unsere schwarz-rote Bundesregierung versteht Politik ja als Selbstbedienungsladen, wo man nur auf die eigene Karriere und das eigene Einkommen guckt und wie Sonnenkönige herrschen kann.

Die Mehrheit der Deutschen will auch die Eheöffnung und die Volladoption. Auch das interessiert die schwarz-rote Bundesregierung nicht.

Insofern glaube ich, dass auch die Meinung des Volkes zur Entschädigung Union und SPD kalt lässt und ich prophezeie, dass wir in dieser Legislaturperiode nichts in diese Richtung sehen werden - auch wenn Heiko Maas das jetzt schon mehrfach versprochen hat.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
09.06.2016
19:41:41


(+4, 4 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Liebes queer.de-Team:
Es wäre schön, wenn ihr in euren Artikel noch einfügen würdet, dass für uns Schwule nach 1969 nicht nur "lediglich das höhere Jugendschutzalter" galt. Ihr habt leider vergessen zu erwähnen, dass wir Schwulen auch nach 1969 - sprich: bis zur Abschaffung des 175ers im Jahr 1994 - noch nach diesem Paragrafen verurteilt wurden, wenn wir beim schwulen Sex (z.B. in einer Klappe) erwischt wurden. - Mich hat's in dieser Hinsicht ja auch ein paar Mal erwischt (aufgrund dessen, dass sie mich nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt haben). - Wir Schwulen haben dafür (wenn sie uns beim Ficken erwischten) 3 Monate auf Bewährung bekommen, bzw. 2 Monate auf Bewährung, wenn sie uns beim Blowjob erwischten. -
Nicht nur die 175er, die bis 1969 verurteilt wurden, sondern auch wir "restlichen" 175er wollen rehabiliert werden, da die Bewährungsstrafen immer noch im Führungszeugnis stehen und wir deshalb nach wie vor als "vorbestraft" gelten. -
Wenn die Rehabilitierung von allen 175ern endlich per Gesetz beschlossen würde, dann würde uns das auch helfen, leichter einen Job zu finden, da die genannten Strafen nicht mehr im Führungszeugnis aufgeführt würden.
Auf eine Entschädigung kann ich gut und gerne verzichten.
Ich bin der Meinung, die steht eher den von uns 175ern zu, die wegen ihrer Verurteilungen im Knast saßen. Aber eine Rehabilitierung erwarten wir ALLE.
Ich hoffe, dass Maas & Co. nicht zu lange warten und labern - sondern endlich mal handeln.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
09.06.2016
20:33:39


(+3, 5 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #5 von Robby69


Hallo mein Lieber nach langer Zeit der Abwesenheit..

""Auf eine Entschädigung kann ich gut und gerne verzichten.
Ich bin der Meinung, die steht eher den von uns 175ern zu, die wegen ihrer Verurteilungen im Knast saßen. Aber eine Rehabilitierung erwarten wir ALLE.""..

Kurz zuvor schreibst Du noch :
""da die Bewährungsstrafen immer noch im Führungszeugnis stehen und wir deshalb nach wie vor als "vorbestraft" gelten. -""..

Daraus ergibt sich zwingend ein Anspruch auf Entschädigung, denn die Berufswahl wurde durch die Verurteilung erschwert..
So mancher konnte sein Pädagogik-Studium vielleicht einfach an den Nagel hängen und niemals als Lehrer arbeiten, nicht verbeamtet werden, und erhält eine deutlich geringere Rente, als errechenbar über eine Karriere im Schuldienst zu erreichen gewesen wäre..

Durch die Eintragung wird auch Heute noch der Zugang zum Ehrenamt in vielen Bereichen schlicht verhindert..

Das sind Nachteile die in jedem Einzelfall betrachtet, und ausgeglichen werden müssen..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
10.06.2016
20:08:56


(+3, 3 Votes)

Von Robby69
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von TheDad


Hallo 'The Dad'!

" Daraus ergibt sich zwingend ein Anspruch auf Entschädigung, denn die Berufswahl wurde durch die Verurteilung erschwert.. So mancher konnte sein Pädagogik-Studium vielleicht einfach an den Nagel hängen und niemals als Lehrer arbeiten, nicht verbeamtet werden, und erhält eine deutlich geringere Rente, als errechenbar über eine Karriere im Schuldienst zu erreichen gewesen wäre.. Durch die Eintragung wird auch Heute noch der Zugang zum Ehrenamt in vielen Bereichen schlicht verhindert.. Das sind Nachteile die in jedem Einzelfall betrachtet, und ausgeglichen werden müssen.."

An sich gebe ich Dir Recht. Nur denke ich - dass ich es - abgesehen natürlich von den eingetragenen Vorstrafen und den daraus resultierenden schlechteren Job-Chancen - im Vergleich zu den bis 1969 verurteilten 175ern noch Glück hatte. Denn erstens mussten diese ihre Strafe im Knast absitzen und zweiten haben viele von ihnen damals ja alles verloren, was sie hatten. Job, Wohnung, eine mögliche "Alibi-Ehefrau" etc.; von der gesellschaftlichen Ächtung, die sie erleiden mussten, ganz zu schweigen. -
Soweit ich die Studie von Burgi verstanden habe, ist er der Meinung, dass die bis 1969 verurteilten Schwulen auch materiell entschädigt werden müssen. Da stimme ich vollkommen mit ihm überein. -
Auf so eine Entschädigung lege ich persönlich keinen Wert. Das sollen wirklich diejenigen 175er erhalten, die im Knast sitzen musten. -
Mir reicht es schon, wenn sie uns alle rehabilitieren und die Urteile dadurch aufheben würden. -
Klar, ich wurde und werde teilweise auch schief angeschaut, wenn ich offen über meine 175er-Strafen rede, aber das lässt mich kalt. Ich bin der Meinung, dass wir uns für diese Strafen nicht zu schämen brauchen. Auch wenn es die Hetero-Gesellschaft vielleicht anders sieht. Und nur wenn wir darüber reden, dann kommt es auch ins Bewusstsein der Leute und nur dann können sie meiner Meinung nach verstehen, welche Auswirkungen schwuler Sex (in der Öffentlichkeit) hatte und warum uns unsere Rehabilitierung so viel bedeutet. Eben weil dieser Paragraf 175 von Anfang an verfassungswidrig war - ein Relikt der NS-Zeit. Die Verurteilungen nach diesen Paragrafen waren immer schon Unrecht. -
Ich denke, genau dies anzuerkennen, das ist es vor allem, was den CDU/CSU-Politikern so schwer fällt. Denn wenn sie diese Tatsache anerkennen würden, dann müssten sie auch gleichzeitig akzeptieren, dass Schwulsein und schwuler Sex etwas ganz Normales ist - und dass ihre "geliebte Heterosexualität" nicht das "allein Seligmachende" ist. -
Klar, auch ich habe etliche Nachteile bzgl. möglicher Jobs erfahren. Aber das ist nicht mehr zu ändern. Da hoffe ich einfach drauf, dass es in Zukunft mal anders - sprich: besser - wird.
Bis dahin bleibt uns noch viel zu tun, aufzuklären und den Politikern so lange auf die Nerven zu gehen, bis unsere Rehabilitierung endlich durch ist.

Viele Grüße
Robby


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck: "Ich bin noch lange nicht weg" Leander Haußmann will Merkel wählen – wenn sie die Ehe öffnet Bis zum Jahr 2000 durften Schwule keine Berufssoldaten werden Volker Beck: Der Beste wurde kaltherzig abserviert
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt