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  • 11.06.2016, 09:36h           104      Teilen:   |

Ärztliche Tötung auf Verlangen

Mann beantragt Sterbehilfe: Lieber tot als schwul

Artikelbild
"Sébastien" im Interview mit der BBC

Ein 39 Jahre alter Belgier hat einen Antrag auf Sterbehilfe gestellt, weil er mit seiner Homosexualität nicht zurechtkommt – ein Arzt stimmte bereits zu.

In Belgien ist aktive Sterbehilfe seit dem Jahr 2002 legal. Nun hat nach einem Bericht der britischen BBC vermutlich zum ersten Mal ein schwuler Mann den Antrag gestellt, sein Leben mit ärztlicher Hilfe zu beenden, weil er unter seiner sexuellen Orientierung psychisch leide und deshalb schwere Depressionen habe.

Er habe diesen Schritt lange überlegt und sei zum Schluss gekommen, dass dies der einzige Weg sei, sagte der 39-Jährige in dem anonymisierten Interview. Gegenüber der BBC berichtete der unter dem Pseudonym Sébastien vorgestellte Mann, dass er sich bereits 17 Jahre lang Therapien, Beratungen und einer Medikamentenbehandlung unterzogen habe – ohne Ergebnis. Laut BBC fühlt sich der Belgier von jungen Männern und geschlechtsreifen Jungen angezogen. Seine sexuelle Orientierung sei für ihn "unerträglich": "Ich werde damit nie zurechtkommen."

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"Es ist ein ständiges Leiden"

"In meiner frühen Jugend traf ich einen Jungen und habe mich sehr in ihn verliebt. Wir waren beide 15. Und es war unerträglich für mich, verstehen Sie? Ich wollte nicht schwul sein", sagte der Belgier, dessen Elternhaus stark katholisch geprägt gewesen sei, in dem Interview mit der BBC-Sendung "Victoria Derbyshire".

Über den Tod als Ausweg habe er schon damals nachgedacht: "Wenn ich an meine frühen Erinnerungen zurückdenke, es war schon immer in meinem Kopf. Es ist ein ständiges Leiden, ich fühle mich wie ein Gefangener in meinem eigenen Körper." Er fühle konstante Scham, sich Menschen hingezogen zu fühlen, bei denen er das nicht sollte.

Nach dem belgischen Gesetz über die Sterbehilfe müssen mehrere Voraussetzungen für eine ärztliche Tötung auf Verlangen erfüllt sein. So muss der Patient seine Bitte überlegt, wiederholt und ohne Druck von außen vortragen. Darüber hinaus muss er sich in einer "medizinisch aussichtslosen Lage" befinden und sich auf eine "anhaltende, unerträgliche körperliche oder psychische Qual" berufen können, die nicht gelindert werden kann. Zwei unabhängige Ärzte, bei psychischen Leiden sogar drei, müssen der Sterbehilfe zustimmen.

Der Wunsch von Sébastien sei in einem ersten Schritt anerkannt worden, sagte er der BBC. Nun seien weitere Prüfungen angesetzt. Experten sagten dem Sender allerdings, dass sie den Fall nicht für geeignet halten und auf weitere Behandlungsmöglichkeiten setzen würden, damit er mit seiner sexuellen Orientierung zurecht komme. In der Diskussion um Sterbehilfe ist es besonders umstritten, ob auch psychische Leiden als Auslöser für einen Todeswunsch akzeptiert werden sollen. Sie machen derzeit rund 4 Prozent der Fälle aus.

In Belgien hatte bereits im Oktober 2013 die Sterbehilfe für einen Frau-zu-Mann-Transexuellen für Empörung gesorgt. Der 44-jährige hatte sich nach seiner Geschlechtsanpassung vor sich selbst geekelt und wollte nicht mehr weiterleben. (cw)

Links zum Thema:
» BBC-Bericht "Man seeks euthanasia to end his sexuality struggle"
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Tags: sterbehilfe, euthanasie, tötung auf verlangen, belgien
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Reaktionen zu "Mann beantragt Sterbehilfe: Lieber tot als schwul"


 104 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
11.06.2016
09:54:18


(+18, 18 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Ok, Sterbehilfe ist generell eine zweischneidige Geschichte, die individuell nicht leicht zu beantworten ist.

Wofür sie allerdings auf keinen Fall angewendet werden sollte, ist bei geringer Selbstachtung eines Selbsttötungskandidaten: hier gehört ein fähiger Psychoanalytiker her.


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#2
11.06.2016
09:59:02


(+14, 16 Votes)

Von UrsaMajor


"He [...] is scarred from a difficult childhood; [...] there was a strict Catholic ethos."
"A constant sense of shame [...]"

Ein Paradebeispiel dafür, wie Religion und gesellschaftliche Normen Menschen kaputtmachen können. Und das selbst in einem Land, das als zweites Land der Welt schon 2003 die Ehe öffnete.

Woraus wir schließen können und müssen, dass es mit dem Ziel "Ehe für Alle" noch lange nicht getan ist.

***

Zum Thema "constant sense of shame" empfehle ich die Lektüre des brillanten zaunfink-Blogartikels "Schwule Scham":

Link:
derzaunfink.wordpress.com/2016/01/17/schwulescham/


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#3
11.06.2016
10:05:14


(-19, 25 Votes)

Von rfghhvv


Wenn er lieber tot sein möchte, dann ist das seine freie Entscheidung, die wir respektieren sollten.


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#4
11.06.2016
10:12:21


(+7, 15 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Da hat die scheiß verfluchte scheiß verdammte monströse katholische religion ganze arbeit geleistet.
Die katholischen peiniger die müßen um ihren tod bitten, weil sie unzählige Menschen, vor allem jugendliche in den Selbtmord getrieben haben und immer noch treiben.


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#5
11.06.2016
10:15:03


(+7, 11 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Alle hetzer sämtlicher koleur müßen abgeurteilt werden und für lange Jahre ins Gefängnis, auch mobbing, vor allem in Schulen muß hart bestraft werden, auch wegschauen, vor allem von Lehrern.


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#6
11.06.2016
10:18:03


(+16, 16 Votes)

Von Felix


Da sieht man, wie krank die Menschheit ist, dass jemandem so sehr von seinem religiösen Elternaus und der Gesellschaft vermittelt wird, Homosexualität sei etwas schlimmes, dass er sich deswegen das Leben nehmen will.

Der hat seit frühester Kindheit eine Indoktrination erfahren, die dann heute diese psychischen Probleme verursacht.

Und auch wenn dieser Fall ungewöhnlich ist, weil er um offizielle Sterbehilfe bittet, so dürfen wir nicht vergessen, dass es tausende Fälle gibt, wo sich Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle (oft auch schon in der Jugend) das Leben nehmen, weil sie dieselbe gesellschaftliche, religiöse Indoktrination durchgemacht haben, die ihnen vermittelt, sie seien nichts wert.

Sollte man nicht Liebe schätzen und feiern, statt sie zu verdammen?

Wann wird dieser Wahnsinn endlich aufhören? Und wann wird die Frage der sexuellen Orientierung und sexuellen Identität endlich so unwichtig wie die Augenfarbe?

Wieviele Menschen müssen noch sterben (oder sterben wollen) ehe die Menschheit aufwacht?


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#7
11.06.2016
10:28:26


(+17, 17 Votes)

Von JarJar
Aus Kiel (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 30.10.2015
Antwort zu Kommentar #4 von hugo1970


Depression ist ne verdammte Dreckskrankheit, aber das nur weil man schwul ist man diese Krankheit hat. Da kann man dann noch mal schönen Dank an das Elternhaus sagen. Das ist ja so als wenn man eine Depression bekommt weil man dunkle Haare oder blaue Augen hat.


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#8
11.06.2016
10:41:49


(+13, 15 Votes)

Von Heiner


>>> der Belgier, dessen Elternhaus stark katholisch geprägt gewesen sei <<<

Wann wird die Menschheit endlich kapieren, dass Religion nur Leid und Elend über die Welt bringt.

Die erfinden irgendwelche Märchengeschichten, um den Leuten Angst zu machen und sie so gefügig zu machen. Da geht es in Wahrheit nur um Macht und Geld.

Und für ihre Interessen gehen die buchstäblich über Leichen. Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz real. Und da sie selbst nie zu Tätern werden, sondern sowas immer nur mit ihrer Hetze erreichen, können sie dann auch noch ihre Hände in anegblicher Unschuld waschen.

Pfui.


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#9
11.06.2016
10:47:38
Via Handy


(+13, 15 Votes)

Von stephan
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Statt der Selbsttötung zuzustimmen, sollte der Staat besser das stark katholische Elternhaus und die ganze Institution für die Lage des Mannes zur Rechenschaft ziehen! Die katholische Erziehung hat ihn dazu gebracht, Homosexualität abzulehnen und dann später mit der Entdeckung an sich selbst nicht zurechtzukommen! Ohne die menschenfeindlichen Einflüsterungen der Religioten käme niemand auf die bescheuerte Idee, Anlagen eines Menschen, die andere Menschen überhaupt nicht zu tangieren haben, abzulehnen!


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#10
11.06.2016
10:48:27


(0, 12 Votes)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von UrsaMajor


So beachtensswert ich zaunfinks Betrachtungen finde, hier scheinen sie mir nicht zu passen, ebenso wenig wie der Hinweis auf den übel prägenden "strict Catholic ethos" - was immer man sich darunter hier konkret vorstellen soll. Das ur-katholische 'Mach halt alles was Du willst, Erbsünder, aber beichte nachher, sonst krachts beim Endgericht' wirds wohl eher nicht sein.

Dieser, nach eigener Aussage, soziophobische Mann [BBC: "scared to go out, scared of being seen, all the time scared, hugely shy"], der allerdings gleichzeitig und offensichtlich keine Scheu davor hat, BBC-Journalistin Victoria Derbyshire einen heißen Stoff zu liefern und sich damit zum Präzedenzfall und Objekt öffentlicher Meinung machen zu lassen, scheint doch ganze andere Probleme zu haben als seine homosexuellen Gedanken.

Wenn ich bei meiner wie automatisisert einsetzenden Betroffenheit mal kurz den Pausen-Knopf drücke, stellt sich mir zuerst die Frage: Wenn er seinem Leben so dringend ein Ende setzen möchte, wieso fordert er dafür öffentliche Hilfe?


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