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  • 12.06.2016, 12:52h           9      Teilen:   |

Aufbruch in Osteuropa

Kiew: Tausende setzen ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie

Artikelbild
Tausende LGBT und ihre Freunde und Unterstützer setzten am Sonntag in Kiew einen Rekord und ein Zeichen

Rechtsradikale Drohungen über ein "Blutbad" haben gewirkt: Zur dritten CSD-Demonstration kamen erheblich mehr Teilnehmer als erwartet.

Beim dritten "Marsch für Gleichberechtigung" haben am Sonntag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew tausende Menschen friedlich für LGBT-Rechte demonstriert. Im Jahr zuvor, als Rechtsradikale Teilnehmer und vor allem Polizisten angriffen (queer.de berichtete), waren es noch maximal 200 Teilnehmer gewesen, bei der ersten CSD-Demonstration 2013 rund 50 (queer.de berichtete).

Nach massiven Drohungen Rechtsradikaler vor einem Angriff auf den diesjährigen CSD (queer.de berichtete) hatten viele heterosexuelle Ukrainer in sozialen Netzwerken angekündigt, die Demonstration zu unterstützen. Auch die Stadt, die in den letzten Jahren immer eine Demoabsage empfohlen hatte und nur unzureichenden Polizeischutz stellte, hatte in diesem Jahr mit den Organisatoren zusammengearbeitet und ein umfangreiches Sicherheitskonzept erstellt.

Mehr als 6.000 Polizisten schützten so die CSD-Demo, die eine Woche voller LGBT-Veranstaltungen beendete. Wer zu dem Marsch wollte, musste durch einen Metalldetektor gehen. Zwischenzeitlich stellten sich einzelne Menschen vor den Demonstrationszug und beleidigten Teilnehmer, wurden aber von der Polizei schnell weggeführt.

Nach der rund halbstündigen Demonstration wurden die Teilnehmer in Bussen aus der teilweise stark abgeriegelten Innenstadt gebracht. Dort wurden später dutzende junge Nationalisten gesichtet, die Ausschau nach Teilnehmern des Marsches hielten.

An dem CSD hatten etliche Politiker, Botschafter und EU-Abgeordnete teilgenommen. Auch aus München war wieder eine Delegation angereist, Stadträtin Lydia Dietrich (Grüne) vertritt dabei offiziell Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Die Gruppe "Munich Kiev Queer" berichtet auf ihrer Webseite über den Verlauf der CSD-Woche.



Die Münchner Gruppe sprach am Mittag in einer Pressemitteilung von einem großen und historischen Erfolg: "Nie zuvor hatte die LSBTI-Community im Land eine so große Unterstützung aus der Mitte der ukrainischen Gesellschaft. Neben LGBT trafen sich am Sonntagmorgen vor der Shevchenko-Universität im Zentrum der Stadt Menschen, die nicht zur Community gehören, sich aber solidarisch zeigten, Politiker, Künstler, Journalisten, Freunde der Aktivisten aus der ganzen Stadt. 6000 Polizisten haben die Veranstaltung geschützt (…) Die Ukraine, die sich für den Weg nach Europa entschieden hat, wollte beweisen, dass sie die Rechte von Minderheiten verteidigen und schützen kann." Einzelne Störer hatten sich in den Zug gemischt und auch die Münchner Gruppe angegriffen. Die Polizei habe aber schnell eingegriffen.

Youtube | Der CSD in Kiew während der Aufstellung von oben
Fortsetzung nach Anzeige


Friedlicher Massen-CSD in Warschau

Bereits am Samstag hatte der CSD im polnischen Warschau mit zehntausenden Menschen eine Rekordteilnehmerzahl erzielt. Was vor knapp über zehn Jahren mit wenigen hundert Demonstranten und hunderten Gegendemonstranten begann, zeigte sich in diesem Jahr in einer fröhlichen "Gleichheitsparade" mit Start am Kulturpalast. Am Rande wurden nur vereinzelte Gegendemonstranten gesichtet.



Mehr als 100 bekannte polnische LGBT hatten kurz zuvor öffentlich dazu aufgerufen, sich zu outen. "Indem ihr euch versteckt, gebt ihr zu, dass homosexuell zu sein auch heißt, ein Mensch zweiter Klasse zu sein", hieß es in dem öffentlichen Appell. "Man kann niemandem Rechte zugestehen, der sich versteckt, der sein Gesicht verbirgt. Darum bitten wir euch sehr: Kommt heraus!"

Zu den Unterzeichnern des Appells gehören Robert Biedron, LGBT-Aktivist und Bürgermeister der Stadt Slupsk, der ehemalige Vatikan-Theologe Krzysztof Charamsa, die transsexuelle Ex-Abgeordnete Anna Grodzka sowie Regisseure, Schauspieler, Autoren und Wissenschaftler. (nb)

Youtube | Ein Video der Auftaktkundgebung am Warschauer Kulturpalast
Youtube | Euronews-Bericht über die Wochenend-CSDs auch in Rom und Zagreb
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Tags: ukraine, kiew, polen, warschau
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Reaktionen zu "Kiew: Tausende setzen ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie"


 9 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
12.06.2016
13:00:12


(+11, 11 Votes)

Von Carsten AC


Ich danke allen, die sich nicht von Faschisten haben einschüchtern lassen, für ihre Teilnahme.

Ein Anstieg von 200 Teilnehmern auf mehrere tausend Teilnehmer - das ist wohl für die homophoben Fanatiker ein klassisches Eigentor gewesen mit ihren Drohungen...

Insbesondere danke ich auch den Heteros, die sich solidarisiert haben und mitgegangen sind, um für Vielfalt und Freiheit zu demonstrieren.

Ich hoffe, dass es auch in Zukunft bei so vielen Teilnehmern bleibt...


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#2
12.06.2016
13:11:17


(+8, 8 Votes)

Von Peer


Schön, dass sowohl in Kiew als auch in Warschau die Teilnehmerzahlen so deutlich gesteigert werden konnten und es überall einen wunderbaren CSD gab.

Ich hoffe, dass das jetzt von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer werden und es auch mehr CSDs in anderen Städten gibt.

Irgendwann wird die Politik nicht mehr wegsehen können...


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#3
12.06.2016
13:41:28


(+7, 7 Votes)

Von Yannick


We are unstoppable...


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#4
12.06.2016
13:45:25


(+6, 6 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Großen Dank an alle freiheitlich Denkenden nicht queeren Ukrainer!!!!!!!!!


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#5
12.06.2016
13:47:59


(+7, 7 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Der Bericht gibt Hoffnung für ein friedliches Zusammenleben in Europa!!!!!!


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#6
12.06.2016
14:07:51
Via Handy


(+10, 10 Votes)

Von Berliner
Aus Berlin
Mitglied seit 16.11.2015


Großartig!
Vielen Dank an alle Teilnehmenden. Sowohl die "Locals", die sich jetzt ggf. nicht einfach wieder verstecken können als auch die extra angereisten "Internationals", die den Weg auf sich genommen haben um zu zeigen, dass die Menschen dort nicht alleine sind. Vielen Dank für das Setzen dieses wichtigen Zeichnens!


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#7
12.06.2016
14:33:57


(+7, 7 Votes)

Von Sebi


"Indem ihr euch versteckt, gebt ihr zu, dass homosexuell zu sein auch heißt, ein Mensch zweiter Klasse zu sein"

"Man kann niemandem Rechte zugestehen, der sich versteckt, der sein Gesicht verbirgt. Darum bitten wir euch sehr: Kommt heraus!"

Da kann ich mich nur anschließen.

Wer ein unwürdiges Versteckspiel spielt und sich selbst und seine Beziehung verleugnet, nützt letztlich nur den Homohassern.

JEDER von uns kann zu mehr und schnellerer Gleichstellung beitragen. Indem wir alle ganz offen, selbstverständlich und stolz schwul, lesbisch, bi, trans und was auch immer sind...


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#8
12.06.2016
18:55:31
Via Handy


(+4, 4 Votes)
 
#9
12.06.2016
23:11:54


(+4, 4 Votes)

Von GayProtection


Sehr gut, daß die CSDs in der Ukraine und Polen so friedlich über die Bühne gegangen sind und ja auch die Teilnehmerzahlen deutlich gestiegen sind. Vor allem auch ein Dankeschön an die Polizeikräfte, die in Kiew die Teilnehmer schützten!


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