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  • 18.06.2016, 21:22h           20      Teilen:   |

Erstes CSD-Wochenende nach dem Anschlag

Bundeskanzler Kern: Trotz Orlando Hoffnung bewahren

Artikelbild
Der Bundeskanzler freute sich über die LGBT vor ihm: "Ihr seid laut und bunt, niemand kann euch übersehen." (Bild: SPÖ / Twitter)

Bei der Wiener Regenbogenparade sprach mit dem SPÖ-Politiker Christian Kern erstmals ein Bundeskanzler – und fand Mut machende Worte. Der Anschlag beherrschte alle Prides des Tages.

Premiere in Wien: Bei der 21. Regenbogenparade am Samstag hat mit Christian Kern erstmals ein Bundeskanzler gesprochen. Bei der Abschlusskundgebung lobte er den Einsatz der Teilnehmer für ihre Rechte: "Ihr seid viele. Gemeinsam seid ihr mehr." Der 50-Jährige lobte die "Vielfalt, Offenheit und Toleranz" der Veranstaltung.

"Wir haben gerade erlebt, wie schnell es geht, dass aus einem friedlichen Zusammenleben eine furchtbare Tragödie werden kann", so der Politiker weiter. "Und in diesen Tagen schweben die furchtbaren Ereignisse, die Tragödie von Orlando, über unserer Feier. Ein feiger Mord, der uns daran erinnern soll, was unser gemeinsamer Gegner ist: Der Hass, die Intoleranz, die Gewalt. Aber er zeigt uns auch – und den Millionen, die sich solidarisiert haben, ganz egal ob, Schwule, Lesben oder Heteros – wieviel Hoffnung wir in unsere Gesellschaft haben dürfen. Und mit dieser Parade habt ihr ein unglaublich starkes Zeichen für unsere gemeinsame Idee der Offenheit und Vielfalt in Österreich gesetzt. Dafür möchte ich mich bei euch bedanken."

Es sei wichtig, ein "Wir" zu definieren, "das nicht gegen die anderen gehen kann", das niemanden ausschließt, das nicht die Mehrheit gegen die Minderheit hetzt, sagte Kern. Alle Menschen verdienten gleiche Rechte, die Menschenwürde sei unteilbar – und es sei beschämend, dass es in Österreich noch keine vollständige Gleichstellung von Homo-Paaren gebe. Derzeit gebe es im Parlament keine Mehrheit, aber: "In mir habt ihr einen Bündnispartner." Zum Abschluss meinte Kern unter großem Applaus: "Ihr seid laut, ihr seid engagiert, wir brauchen euch."



Direkt vor Kern hatten mehrere Politiker gesprochen, darunter der SPÖ-Politiker Mario Lindner, Gesandter der Steiermark im Bundesrat. "Österreich ist ein buntes Land. Ich bin Steirer, ich bin Sozialdemokrat, ich bin Gewerkschafter. Und ich bin schwul", sagte der 34-Jährige. "Dass man diese Tatsache im Jahr 2016 noch betonen muss, beweist, dass wir alle noch viel zu tun haben." Lindner wird ab Juli der neue Präsident des Bundesrats sein; er hatte zuletzt in Interviews einfließen lassen, dass er noch einen Mann an seiner Seite suche.


Wagen bei der Regenbogenparade; Bild: dieSpielfrau / Twitter


Zuvor waren bei der 21. Regenbogenparade Medienschätzungen zufolge rund 130.000 Menschen über den Ring gezogen. Wie im Vorjahr gab es eine kleine Gegendemonstration fundamentalistischer Christen und rechter Politiker, den "Marsch für die Familie" mit Plakaten wie "Familie = Vater, Mutter, Kind". Zugleich gab es in der Innenstadt einen überkonfessionellen "Marsch für Jesus" mit rund 10.000 Teilnehmern, der wie die Regenbogenparade über die Ringstraße führte, aber sich ausdrücklich nicht als Gegenveranstaltung verstand.

Youtube | Bericht des Standard zur Regenbogenparade
Fortsetzung nach Anzeige


Ein imaginärer Wagen

Das Thema Orlando war bei der gesamten Regenbogenparade präsent: Im Votivpark, Ort der Abschlusskundgebung, war eine Gedenkecke für die Opfer des Anschlags errichtet worden, viele legten Kerzen, Blumen oder Botschaften nieder. Bereits während der Parade hatten mehrere Menschen und Wagen den Anschlag aufgegriffen, dem auch der traditionelle Moment des Gedenkens um 17 Uhr gewidmet war.

Die Demonstration wurde angeführt von Security-Leuten im Kreis um einen imaginären Wagen. "Victims of Hate Crime", nannte sich das Gedenken, sowie, mit einem neuen, traurigeren Sinn versehen: "Marching for those who can't".



Bereits beim einzigen CSD in Deutschland an diesem Wochenende in Oldenburg mit rund 10.000 Teilnehmern hatten einige Demonstranten Plakate wie "Orlando wir sind bei euch" getragen, auch gab es eine Schweigeminute. Mehr zu dem CSD in diesem NDR-Bericht. Am Abend kamen in Berlin tausende Menschen zu einer Gedenkveranstaltung an der US-Botschaft am Brandenburger Tor zusammen, das Wahrzeichen der Stadt wurde dazu in Regenbogenflaggen erleuchtet (queer.de berichtete).

Friedliche CSDs in Sofia und Vilnius

Derweil waren am Samstag zwei vorab mit Sorge betrachtete osteuropäische Pride-Veranstaltungen größtenteils friedlich verlaufen. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia fand der neunte CSD unter dem Motto "Verwandte, Freunde und Verbündete" statt. Vorab hatte es Sicherheitsbedenken gegeben, nachdem die Stadtverwaltung auch eine Gegendemonstration von Rechtsextremen unter dem Motto "Schützt Kinder vor Ausschweifungen" teilweise auf der gleichen Strecke erlaubt hatte. Die zunächst halbherzig agierende Polizei schützte aber letztlich die tausenden CSD-Teilnehmer, zusammen mit einem privaten Sicherheitsdienst und Ehrenamtlern.


Sofia; Foto: Mariya Petkova / Tiwtter


Auf der Auftaktkundgebung am Denkmal der Roten Armee hatten etliche EU-Botschafter gesprochen, auch die brasilianische Botschafterin war mit ihrer Partnerin dabei. In der Innenstadt fand eine weitere Demonstration "für die Familie" statt mit Menschen in blauen und rosa T-Shirts mit gezeichneten Hetero-Familien, ähnlich wie bei der "Demo für alle". Laut Medienberichten hatten protestantische Kirchen dazu aufgerufen. Patriarch Neofit von der bulgarusch-orthodoxen hatte zuvor den CSD verurteilt als Versuch, den "sündenhaften Trend als Norm darzustellen und unserer Gesellschaft aufzuzwingen".

Beim länderübergreifenden "Baltic Pride" in Vilnius hatten wenige Stunden zuvor rund 2.000 Menschen teilgenommen, soviel wie noch nie in Litauen. Bürgermeister Remigijus Shimashyus hatte ein Grußwort als Video aufgenommen, an der Demonstration und den Veranstaltungen vorab hatten viele Botschafter und einige EU-Politiker teilgenommen.


Vilnius; Foto: Pride London / Twitter


Am Rande hatten sich einige Gegendemonstranten versammelt, darunter der notorisch homophobe Abgeordnete Petras Gražulis, der schon persönlich auf CSD-Teilnehmer eingeschlagen hatte. Die Polizei nahm insgesamt sechs Menschen fest; ein Mann war mit einer Box Eiern erschienen, ein Mann wedelte mit einem Messer herum. Fotos und Videos vom CSD und seinen Gegnern bietet das Portal delfi.lt; einer der Kurzfilme zeigt, wie sich Pride-Teilnehmer während der Demonstration in Gedenken an Orlando wie tot auf die Straße legen. (nb)

Youtube | Eindrücke aus Vilnius
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Tags: österreich, wien, regenbogenparade, christian kern, mario lindner, orlande, litauen, vilnius, baltic pride, bulgarien, sofia
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Reaktionen zu "Bundeskanzler Kern: Trotz Orlando Hoffnung bewahren"


 20 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
18.06.2016
22:06:17


(+8, 8 Votes)

Von Felix


Die Idee mit dem imaginären Wagen finde ich gut.

Auch die Schilde davor und danach mit Texten wie "Marching for those who can't" oder "Victims of Hate Crime" fand ich gut.

Sowas sollte es auf jedem CSD geben.


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#2
18.06.2016
22:18:24


(+9, 11 Votes)

Von Fennek


Schön, dass es auch noch Bundeskanzler gibt, die sich nicht davor scheuen, homophobe Gewalt auch als solches zu bezeichnen.

Und die uns Mut machen, weiter für unsere Rechte zu kämpfen.

Und die auch klar sagen, dass es bei der Gleichstellung von GLBTI nicht um Minderheitenrechte geht, sondern dass das auch jeden Heterosexuellen angeht, weil es eben grundlegende Menschenrechte sind.

Jetzt müssen in Österreich den Worten noch Taten folgen und die volle Gleichstellung kommen. Aber immerhin sind diese deutlichen Worte schon mal mehr als man in Deutschland von der Bundeskanzlerin oder irgendeinem anderen Mitglied der schwarz-roten Bundesregierung zu hören bekommt...


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#3
18.06.2016
22:49:29


(+8, 8 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


""Bei der Wiener Regenbogenparade sprach mit dem SPÖ-Politiker Christian Kern erstmals ein Bundeskanzler und fand Mut machende Worte. Der Anschlag beherrschte alle Prides des Tages.""..

Bis das bei uns passiert vergehen sicher noch Jahre..

Obwohl es von Berlin aus gar nicht so weit bis nach Oldenburg ist..

Auch eine Ansprache vor dem in Regenbogenfarben gehülltem Brandenburger Tor wäre durchaus leicht zu organisieren..


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#4
18.06.2016
23:15:12


(+9, 9 Votes)

Von TeAmo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Endlich mal ein Bundeskanzler der uns wirklich unterstützt!!

Seine Rede auf der Parade schien ehrlich und entschlossen:
"Wir haben 2016! Das war schon mehr als überreif. Ich stehe voll und ganz hinter euch!"

Damit ist er der erste Bundeskanzler der jemals auf der Regenbogenparade gesprochen hat!

Das ist der richtige Weg!


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#5
18.06.2016
23:30:56
Via Handy


(+9, 9 Votes)

Von Lawrence
Aus Bamberg (Bayern)
Mitglied seit 14.06.2016


"Es sei wichtig, ein "Wir" zu definieren, "das nicht gegen die anderen gehen kann", das niemanden ausschließt, das nicht die Mehrheit gegen die Minderheit hetzt, sagte Kern. Alle Menschen verdienten gleiche Rechte"

Das hat der österreichische Bundeskanzler wirklich gut gesagt. Darauf kommt es an.


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#6
19.06.2016
07:14:17


(+2, 4 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"das nicht die Mehrheit gegen die Minderheit hetzt,"

Nein, es ist eine minderheit, die hetzt und dann eine mehrheit die angesteckt wird!!!!


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#7
19.06.2016
07:15:02


(+1, 5 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"In mir habt ihr einen Bündnispartner."

Ob er dann dasselbe sagt in einem konservativen Kreis?


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#8
19.06.2016
08:49:34
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von Meleg29
Aus Celle (Niedersachsen)
Mitglied seit 30.08.2011


Es war eine gelungende Veranstaltung! War selbst dabei! Stärkend! Die Schlusskundgebung im Regenbogenpark = Sigmund-Freud-Park hatte auch das Zusammengehörigkeitsgefühl ( das "Wir") mit bedingt ( es muss nicht immer Rathausplatz sein). Es war gedrängt voll. Und dann das Outing von dem Politiker, der demnächst den Bundespräsidenten 'angeloben' (vereidigen) wird. Gänsehautgefühl total!!!!!!!! Langanhaltender Applaus... Und dann dieser smarte Kanzler in Jeans.. und die Worte... bravo!!! Mehrmals langer Applaus !!! Bussi baba aus Wien


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#9
19.06.2016
08:59:34


(+6, 8 Votes)

Von trans alliance


"Ein feiger Mord, der uns daran erinnern soll, was unser gemeinsamer Gegner ist: Der Hass, die Intoleranz, die Gewalt. Aber er zeigt uns auch und den Millionen, die sich solidarisiert haben, ganz egal ob, Schwule, Lesben oder Heteros wieviel Hoffnung wir in unsere Gesellschaft haben dürfen."

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Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, haben Sie den Mut und kommen Sie am 06.08.2016 zum CSD nach Hamburg.

Geben Sie allen Seiten, Chancen sich an zu nähern und setzen ein klares Zeichen gegen Hass, Intoleranz und Gewalt gegen LGBTTIQ*.

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Jedes Geschlecht verdient Respekt.
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#10
19.06.2016
10:22:00
Via Handy


(+3, 5 Votes)
 
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