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  • 19.06.2016, 15:11h           192      Teilen:   |

Klappensex

"Nürnberger Zeitung" eröffnet Jagd auf "abartige" Klappengänger

Artikelbild
Seit ihrem Bestehen werden öffentliche Herrentoiletten nicht nur zum Verrichten der Notdurft genutzt (Bild: flickr / g c / cc by 2.0)

Die Regionalzeitung empört sich über "lüsterne ältere Männer" auf öffentlichen Toiletten, rät zur Anzeige bei der Polizei und nennt sämtliche Cruisingorte.

Von Micha Schulze

Der Polizei sind zu jener Klappe keine Anzeigen bekannt, auch Hausverbote wurden bislang nicht erteilt – dennoch bauscht die "Nürnberger Zeitung" eine fragwürdige Leserzuschrift zu einem vermeintlichen Skandal auf.

Unter der absurden Überschrift "Die öffentliche Toilette am Rathenauplatz ist ein Puff" und in einem Tonfall, der einen erschaudern lässt, zitiert das Blatt am 16. Juni einen anonymen Denunzianten, der sich darüber beschwerte, dass dort "lüsterne ältere Männer ihre Lust auf gleichgeschlechtlichen Sex" auslebten.

"Ich bin schwul und finde es einfach abartig, was dort abgeht", so der angebliche Leser gegenüber der "Nürnberger Zeitung". "Kein Wunder, dass wir Homos so ein schlechtes Bild abgeben, was kann ich tun?"

Fortsetzung nach Anzeige


Diskriminierung trieb schwule Männer in die Toiletten

Onlineleser der "Nürnberger Zeitung" übten scharfe Kritik: "Es ist ja schon eine bodenlose Unverschämtheit so einen hetzerischen Artikel kurz nach Orlando zu posten!", kommentierte ein User. Ein anderer meinte: "Ich weiß nicht, ob ich über diesen provinziell-naiven Artikel lachen oder weinen soll"
Onlineleser der "Nürnberger Zeitung" übten scharfe Kritik: "Es ist ja schon eine bodenlose Unverschämtheit so einen hetzerischen Artikel kurz nach Orlando zu posten!", kommentierte ein User. Ein anderer meinte: "Ich weiß nicht, ob ich über diesen provinziell-naiven Artikel lachen oder weinen soll"

Nun kann man darüber streiten, ob stinkende Toilettenkabinen der ideale Ort zum Vögeln sind – aber schwuler Klappensex ist so alt wie die öffentlichen Bedürfnisanstalten selbst. Vor allem in Zeiten der strafrechtlichen Verfolgung von Homosexualität, aber auch noch in den Jahren ohne Gayromeo, Grindr & Co., waren sie ein wichtiger Treffpunkt für homo- und bisexuelle Männer.

Doch kein Wort zur Geschichte der Klappen in der "Nürnberger Zeitung", beim lokalen Homoverein Fliederlich wurde nicht nachgefragt. Und statt verunsicherten Heteros einfach zu raten, die mit ihrem Gemächt wedelnden Herren an der Pinkelrinne zu ignorieren, verweist das Blatt auf die Toilettensatzung, nach der "Handlungen, die gegen Sitte und Anstand verstoßen", untersagt sind. "Wenn sich jemand belästigt fühlt, kann er sich bei der Polizei melden", wird ein Sprecher des Servicebetriebs Öffentlicher Raum zitiert. Diese sei befugt, die Personalien aufzunehmen.

Worte, bei denen sich jene "lüsternen" älteren Schwulen an längst überwunden geglaubte Zeiten erinnert fühlen können. Einige der nicht selten verheirateten Familienväter dürften noch den Paragraf 175 in der Nazifassung erlebt haben. Und selbst nach der Reform des "Homosexuellenstrafrechts" wurden bis Anfang der 1980er Jahre noch Männer auf deutschen Klappen bespitzelt, festgenommen und in Rosa Listen geführt.

Dass es der "Nürnberger Zeitung" weniger um eine ernsthafte Berichterstattung über das "Phänomen" des Klappensex als vielmehr um eine "Schwulenhatz" geht, wie ein Leser der Onlineausgabe kommentierte, zeigt auch die Erwähnung sämtlicher Standorte der Nürnberger Klappen. Allein aus Angst vor Polizei und homophoben Schlägern dürften diese künftig seltener frequentiert werden – "Säuberungsaktion" gelungen.

Links zum Thema:
» Bericht der "Nürnberger Zeitung"
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Tags: klappensex, nürnberger zeitung, cruising, schwulenhatz, öffentliche toilette
Schwerpunkte:
 Cruising- und Klappensex
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Reaktionen zu ""Nürnberger Zeitung" eröffnet Jagd auf "abartige" Klappengänger"


 192 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
19.06.2016
15:36:04


(+12, 16 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"willkommen" in franken! nürnbergs presse sollte aufgrund der jüngeren deutschen geschichte viel kleinere brötchen backen.


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#2
19.06.2016
15:41:25


(-13, 21 Votes)

Von GeorgG
Aus Berlin
Mitglied seit 13.05.2016


Im Jahre 2016 muss kein schwuler Mann mehr seine Sexualität auf stinkenden Toiletten ausleben.


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#3
19.06.2016
15:45:08


(+12, 18 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von GeorgG


@GeorgG: "Im Jahre 2016 muss kein schwuler Mann mehr seine Sexualität auf stinkenden Toiletten ausleben." - nicht jeder lebt in berlin, nicht jeder ist geoutet


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#4
19.06.2016
15:57:01


(-10, 20 Votes)

Von GeorgG
Aus Berlin
Mitglied seit 13.05.2016
Antwort zu Kommentar #3 von schwarzerkater


Heute hat jeder, auch der Schwule in Kleinkleckersdorf, die Möglichkeit, andere Männer über das Internet kennen zu lernen.
Für die Schwulen im ländlichen Raum ein großer Fortschritt.


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#5
19.06.2016
16:04:26
Via Handy


(+9, 15 Votes)

Von Pfote


Man fragt sich gerade, welcher Redakteur da welches persönliche Problem hat, oder selbst auf einer der Klappen abgewiesen wurde.


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#6
19.06.2016
16:12:27


(+12, 18 Votes)

Von Finn


Jetzt blasen auch in Deutschland schon Zeitungen zur Schwulenjagd.

Das kannte man bisher nur von Russland, Ägypten, etc.

Zweifelt noch jemand am konservativen Rollback?

Das wird noch ein schlimmes Ende nehmen, wenn wir nicht ganz schnell etwas unternehmen...


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#7
19.06.2016
16:17:40


(+8, 16 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


Liebe, queer.de redaktion, Danke, das Sie mich aufmerksam machen, welche Zeitungen aus der region ich meiden werde, wie der Teufel das Weihwasser!!!!


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#8
19.06.2016
16:21:54
Via Handy


(+12, 18 Votes)

Von Individualist
Antwort zu Kommentar #2 von GeorgG


Wäre es für Dich so schrecklich wenn es Menschen gibt, die Sex auf Toiletten anregend finden?
Lass doch jedem seine Leidenschaft.


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#9
19.06.2016
16:33:15


(-1, 5 Votes)
 
#10
19.06.2016
17:01:24


(+12, 12 Votes)

Von yslmd
Profil nur für angemeldete User sichtbar


stimmt, das muß er nicht. Und es ist wie im richtigen Leben, wer belästigt wird sanktioniert. Aber das ist nicht das Grundanliegen der "NZ". es geht um....
"Dass es der "Nürnberger Zeitung" weniger um eine ernsthafte Berichterstattung über das "Phänomen" des Klappensex als vielmehr um eine "Schwulenhatz" geht, wie ein Leser der Onlineausgabe kommentierte, zeigt auch die Erwähnung sämtlicher Standorte der Nürnberger Klappen. Allein aus Angst vor Polizei und homophoben Schlägern dürften diese künftig seltener frequentiert werden "Säuberungsaktion" gelungen."...
und genau das ist das Perfide an den "Saubermännern" der "NZ"


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