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Montag, 10. November 2003, 20 Uhr 15, ein Meilenstein der Deutschen Fernsehgeschichte soll es werden. Vier Schwule sollen in einer Kopie des amerikanischen TV-Formats "Queer Eye for the Straight Guy" einen Hetero komplett umgestalten. Und es wird gar nicht so schlimm, wie es RTL2 und unselige Pressemitteilungen haben vermuten lassen. Nur langweilig. Eine TV-Kritik als Homo-Gurke.

Zuerst müssen jedoch die Anfänge der Sendung überstanden werden, in denen sich die vier Homo-Experten derart übertrieben als schlechte Tunten aufführen, dass man als Kämpfer für Homo-Emanzipation und jahrelanger schwuler Journalist plötzlich wieder Spuren eigener Homophobie entdeckt. Vielleicht war es auch nur der Geschmacksnerv, der schmerzte. Nach einigen Minuten hat man sich jedoch an die Vier gewöhnt, vielleicht wird es gar noch Liebe, und auch die "Experten" entdecken, dass man im Fernsehen mehr machen kann als nur Klischees erfüllen.

Der erste Besuch in einer Hetenwohnung läuft jedenfalls nach Plan ab: Der Hetero kommt sich überfallen vor wie ein Staatsbürger Polens 1939, und die Lifestyle-Homos fühlen sich, als seien sie in einem Dritte-Welt-Slum gelandet. In der Tat wirkt die Wohnung von Lastwagenfahrer und Hobbydichter Ed ein wenig gruselig. Es herrschen Unordnung, Dreck und vor allem zwei dicke Kaninchen, die frei herumlaufen und alles zukoten. Da kommt die Putztruppe, von RTL2 auch "die fabulösen Vier" genannt, gerade Recht.

Nun wird aufgeräumt, ausgemistet, Tipps zu Pflege und Auftreten werden gegeben. Das kann lustig sein, und die Sendung würde wohl auch funktionieren, wenn statt der vier Homo-Experten vier rüstige Rentnerinnen den jungen Mann beiseite nehmen würden. Vielleicht wäre das "Grey Eye for the Straight Guy" gar lustiger, aber es geht ja um "Trendsetting" (RTL2), also müssen vier Schwule ran, die dem armen Mann auch ein neues Outfit und eine neue Wohnungseinrichtung verpassen. Am Schluss sieht die Super-Hete derart peinlich schwul aus, dass Daniel Küblböck vor Neid erblassen muss. Nur ist der stolz auf sein Auftreten, Ed fühlt sich eher unwohl, und man darf wetten, dass er viele Änderungen zurücknimmt, wenn die fabulösen Huschen wieder weg sind.

Ein Problem und ein TV-Konzept, das wie so oft die Macher der Simpsons vorausgesehen haben. In einer in Deutschland noch nicht gezeigten, in den USA aber vor "Queer Eye for the Straight Guy" ausgestrahlten Folge zieht Homer zu zwei Schwulen, die folgerichtig seinen Lebensstil umkrempeln. Homer trägt nun Korsett, tratscht mit Herz und Pointe über Gerüchte, trägt einen Daisy nicht unähnlichen Köter mit sich rum. Doch beim schwulen Frisör endet schlagartig die Begeisterung über den Gay Way of Life: Homer soll für die mit kunstvollen Armschwingungen verrichtete Entfernung des einzigen Kopfhaares Hundert Dollar zahlen, was ihn zur Flucht veranlasst.

Der schwule Lifestyle, wie er in "Schwul macht cool" vorgeführt wird, verhält sich ähnlich: er ist nett anzuschauen, mag vor allem heterosexuelle Frauen begeistern, ist aber in der Dekadenz und Fülle weder erschwinglich noch zumutbar. Die vier Experten mögen ihrem Hetero die Wohnung schön und teuer ausgestattet haben, sie ist jedoch alles andere als wohnlich geworden. So wurde das kaputte, aber bequeme TV-Sofa ersetzt durch eine französische Palastcouch, die zum Anschauen, sicherlich aber nicht Sitzen oder gar Liegen einlädt. Schwerer wiegt, dass die ganze aufwändige Umgestalterei Ed nicht einen Hauch interessanter gemacht hat - die Experten sind letztlich gescheitert. Lifestyle und schöner Schein sind halt doch nicht alles.

Im amerikanischen Original (Bild links) ist die Umgestaltung etwas dezenter, dafür wird mehr auf den Wortwitz Acht gelegt. Am Ende dürfen die (dort fünf) Experten über Kameras noch den Umgestalteten beobachten und sehen, was er aus ihren Ratschlägen macht. In dieser Schlussrunde fallen die bösesten Sprüche; während in Deutschland Homos und Heteros gleichermaßen schräg sind, gewinnt in den USA die schwule Sicht.

Warum RTL2 auf diesen Schluss verzichtet, ist die Frage des Abends. Und natürlich: was ist aus den Kaninchen geworden? Das lässt der Sender unbeantwortet, und die Fantasie darüber ist weit unterhaltsamer als die eigentliche Sendung. (nb)



#1 ludgerAnonym
  • 14.11.2003, 13:23h
  • Nichts gegen diesen Veriss einer albernen Show, aber eine Formulierung ist mir mehr als sauer aufgestoßen:
    "Der Hetero kommt sich überfallen vor wie ein Staatsbürger Polens 1939,... "
    Ein solcher Vergleich, zwischen albernen Tunten, die einen Hetero überrumpeln, und dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen, womit der Zweite Weltkrieg begann, ist deplaziert und verhöhnt die Opfer des Krieges. Sorry, aber achtet doch bitte auf Eure Formulierungen.

    Herzliche Grüße
    Ludger
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#2 ClaireAnonym
  • 27.11.2003, 18:47h
  • Nein, auch hetero-Frauen fanden die Sendung schlecht! Die war voll mit 100-Jahre alte Clichees. Und verbreitet die Meinung, daß schwullen nur manche Berufe machen können : Frisör, Designer...
    Aber solche Clichees gibt es nicht nur über Schwullen sondern über Frauen. Und sie werden von RTL2 unterstützt...
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