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Szene aus Maya Newells Dokumentation "Gayby Baby": Regenbogenfamilien-Block auf der Gay-Pride-Parade (Bild: Rise and Shine Cinema)

Kinder brauchen Erzählungen, die ihr Leben und die Vielfalt ihrer Familienstrukturen reflektieren, fordert die Regisseurin von "Gayby Baby".

Von Maya Newell

In den letzten fünf Jahren hat die Debatte über die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und Elternschaft an Fahrt aufgenommen. Öffentliche Personen und Politiker werden dabei leider nicht müde zu betonen, dass es in einer Ehe darum gehe Kinder zu haben und das Kinder eine Mutter und einen Vater brauchen.

Obwohl homosexuelle Paare in den meisten Ländern nicht heiraten dürfen, haben viele von ihnen Kinder. Tatsächlich befindet sich die Welt gerade in einem "Gayby"-Boom. Diese Kinder werden schnell groß und haben dann eine eigene Stimme.

Meine eigene Geschichte auf der Leinwand


Regisseurin Maya Newell wuchs selbst mit homosexuellen Eltern auf (Bild: Rise and Shine Cinema)

Ich bin selbst so ein "Gayby". Vor ein paar Jahren ging ich ins Kino und sah mir den Film "The Kids Are All Right" an, der erste Spielfilm, der die Geschichte eines lesbischen Pärchens erzählt, das Kinder großzieht. Als ich das Kino verließ, war ich fassungslos. Ich hatte meine Familie noch nie auf der großen Leinwand porträtiert gesehen.

Während ich den Film ansah, fielen mir kleine feine Gemeinsamkeiten auf, zu denen es kommt, wenn zwei Frauen gemeinsam ein Kind großziehen. Ich fühlte eine Verbindung zu diesen Teenagern und fragte mich, ob Kinder heterosexueller Eltern dieses Gefühl bei jedem Film haben, den sie ansehen. Ich freute mich, endliche eine Geschichte, wie die meine zu sehen, war auf der anderen Seite aber wütend, weil ich so lange hatte darauf warten müssen.

"Gayby Baby" ist der erste Lang-Dokumentarfilm aus der Perspektive von Kindern schwuler und lesbischer Eltern. Ich hoffe, er ist der Startpunkt für viele mehr. Kinder brauchen Erzählungen, die ihr Leben und die Vielfalt ihrer Familienstrukturen reflektieren. Wir brauchen Geschichten, die nicht nur proklamieren: "Wir sind gleich, unsere Familien sind perfekt, unsere Familien sind genauso wie eure!"

Wir müssen aus der Verteidigungsposition herauskommen


Poster zum Film: "Gayby Baby" startet am 23. Juni 2016 in deutschen Kinos

Aus diesem Grund ist "Gayby Baby" auch kein Werbespot für gleichgeschlechtliche Familien, sondern ein Film über liebende Familien, die mit ihren Bedürfnissen und Werten kämpfen, wo Eltern auch mal überreagieren und Kinder enttäuscht werden.

Gleichgeschlechtliche Familien sind nicht perfekt, aber auch nicht weniger perfekt als andere Familien. Ich hoffe, dass es heute möglich ist, aus der Verteidigungsposition herauszukommen und Fragen zu stellen, ohne schon alle Antworten zu kennen. Denn so wird es erst möglich zu zeigen, dass diese Kinder nicht durch die Sexualität ihrer Eltern definiert werden.

In den vier Jahren, die ich damit verbracht habe diesen Film zu machen, war es so eine Freude, Zeit mit den Kindern Gus, Ebony, Matt und Graham zu verbringen und Zeuge zu sein, wie sie groß werden. Ich hoffe, dass Zuschauer, die diesen Film sehen, dazu inspiriert werden, zu fragen "was ist eine Familie" und hinterfragen, wie und von wem das eigentlich definiert wird.

Als Ebony gefragt wurde, was Familie ist, sagte sie: "Die Menschen, die dich zu dem machen, der du heute bist, die sind deine Familie." Diese Kinder haben es verstanden. Jetzt muss es nur der Rest der Welt auch noch kapieren.

Vimeo | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Gayby Baby. Dokumentarfilm. Australien 2015. Regie & Kamera: Maya Newell. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Rise and Shine Cinema. Deutscher Kinostart: 23. Juni 2016
Galerie:
Gayby Baby
10 Bilder


#1 LarsAnonym
  • 12.08.2016, 09:18h
  • "Kinder brauchen Erzählungen, die ihr Leben und die Vielfalt ihrer Familienstrukturen reflektieren"

    Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, die ganze Gesellschaft. Es fehlt immer noch an positiven Lebensentwürfen, Erfahrungen über Lebensläufe außerhalb und nach dem Coming-out, die den ganzen Reichtum und die Vielfalt queeren Lebens spiegeln und die vielen Übereinstimmungen, die es mit nicht-queeren Lebensläufen gibt. Solange es diese Erzählungen (zu) wenig gibt, wird sich die Community allzuoft an engen heteronormativen Modellen abarbeiten und den Fehler der Konservativen spiegeln, Kinder und Familie Themen anzusehen, die queere Menschen nichts angehen.
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