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  • 22.06.2016, 12:29h, Autor: Dennis Klein           26      Teilen:   |

Propaganda

"Bild" besorgt über "Gender-Wahnsinn" und LGBT-Lobby


Diese drei Tampons könnten laut "Bild" dazu beitragen, dass wir alle unnatürlich werden. Foto: Screenshot bild.de


Eine kleine Tampon-Aktion an der Uni Wuppertal brachte die "Bild"-Zeitung so in Rage, dass sie das Ende des natürlichen Menschseins ausruft und ihre "Expertin" vor der "Schwulen-, Lesben- und Translobby" warnen lässt.

Das Resümee des am Dienstagabend auf bild.de veröffentlichten Artikels liest sich bedrohlich:

Man kann das Ganze mit einem Scherz abtun. Das ist das Gefährliche an der Gender-Ideologie. Sie kommt harmlos daher – zerstört aber unseren Blick dafür, was von Natur aus wahr ist. Irgendwann gilt dann nix mehr. Es gibt keine Väter mehr, keine Mütter, ist ja alles 'sozial konstruiert'.



Der Anlass für die Aufregung der "Bild"-Redakteure ist eigentlich eine Lappalie: An der Universität Wuppertal hat die Studentenvertretung AStA vor kurzem beschlossen, für 100 Euro Tampons zu kaufen und diese in der Damentoilette auszulegen. Für "trans*, inter und nonbinary Personen" haben sie auch ein paar Wattebausche in die Herrentoilette gelegt. Als Beweisbild führte "Bild" im Artikel ein Foto an, auf dem drei(!) Tampons in einem Plastikbecher zu sehen sind.

Wegen dieser drei Tampons lässt "Bild" die große Gender-Gefahr ausrufen: Akribisch zählen die Autoren alles auf, was das Land angeblich in den Untergang führt. Ob Unisex-Toiletten oder die Geschlechtsauswahl bei Facebook – alles "Gender-Wahnsinn". Auch Vorschläge für eine geschlechterneutrale Sprache werden als Teil dieser Gefahr gesehen – dabei konnte sich bislang noch nicht einmal das vor mehr als drei Jahrzehnten erdachte Binnen-I durchsetzen.

"Bild" führte in dem Artikel Homo-Hasserin Birgit Kelle, die gerne in Talkshows oder als Rednerin bei der "Demo für alle" gegen LGBT-Rechte polemisiert, als eigene "Expertin" ein. Sie wird ohne redaktionelle Einordnung mit den Worten zitiert:

Die Gender-Industrie und ihre Auswüchse mit Beauftragten, Lehrstühlen und Schwachsinnsstudien ist nichts anderes, als die Institutionalisierung der Schwulen-, Lesben- und Translobby in der deutschen Politik und Verwaltung. Dafür gibt es aber keinen staatlichen Auftrag.



Kelle hat übrigens einen ganz besonderen Draht zur "Bild": Sie veröffentlichte erst letzte Woche stolz Bilder auf Twitter, die sie in einer Redaktionskonferenz der Boulevardzeitung bei der "Blattkritik" zeigen.

Bedenklich an dem aktuellen Artikel ist auch, wie der AstA-Vorsitzende verhöhnt wird: Die "Bild" veröffentlichte ein Foto des langhaarigen Studenten, das offenbar von der AstA-Website heruntergeladen wurde, und setzte die Headline darüber: "Dieses Student*In brachte die Tampons auf das Herren-Klo".

Wenn der Artikel ein einmaliger Ausrutscher wäre, wäre es ja nicht so schlimm, allerdings häufen sich diese Geschichten, die sich offensiv gegen Aufklärung oder Gleichberechtigung richten: Erst letzte Woche veröffentlichte das Boulevardblatt einen Geschichte über die neue Aidskampagne der BzgA. Hier kommen nur Gegner zu Wort, darunter alte Bekannte wie Hedwig von Beverfoerde von der "Demo für alle". Auch in anderen Zeitungen aus dem Hause Axel Springer wird gegen die Aufklärung polemisiert, etwa in der B.Z.

Die Nonsens-Artikel ignorieren natürlich, wie erfolgreich die deutsche Aids-Prävention ist, die ja bereits seit den Achtzigerjahren auf Widerstand der Ewiggestrigen stößt. Außerdem sollte sich jeder klarmachen, dass fast alles, was unter dem verschleiernden Stichwort "Gender-Ideologie" derzeit durch die Zeitungen wimmelt, nur der Versuch ist, die Uhren bei LGBT-Rechten zurückzudrehen. In den USA führte diese Hysterie bereits dazu, dass Transsexuellen in manchen Regionen der Besuch öffentlicher Toiletten praktisch untersagt wird und Trans-Personen generell als Kinderschänder diffamiert werden.

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Tags: bild, gender, birgit kelle
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Reaktionen zu ""Bild" besorgt über "Gender-Wahnsinn" und LGBT-Lobby"


 26 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
22.06.2016
13:07:36


(+7, 7 Votes)

Von AmurPride
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 22.06.2016


Wer die BILD-Zeitung kauft und/oder liest, hat meiner Meinung nach entweder zu viel Geld, einen IQ unter der Nachweisgrenze oder betrachtet es bestenfalls als Realsatire.

Da ich aber weder vorhabe den "Bild-Wahnsinn" noch die "Ewiggestrigen-Lobby" finanziell zu unterstützen, biete sich mir durch den Nichtkauf dieser "Zeitung" eine hervorragende Gelegenheit Geld für deutlich angenehmere Dinge zu sparen.

In diesem Sinne: Euch allen einen schönen (also "Bild"-freien) Tag. :-)


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#2
22.06.2016
14:38:53


(+8, 8 Votes)

Von ursus


>"In den USA führte diese Hysterie bereits dazu, dass Transsexuellen in manchen Regionen der Besuch öffentlicher Toiletten praktisch untersagt wird und Trans-Personen generell als Kinderschänder diffamiert werden."

und ich möchte ergänzen: sogar dazu, dass mehrere menschen (trans- und cissexuell) in oder vor toiletten zusammengeschlagen wurden. worte führen zu taten.


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#3
22.06.2016
14:53:57


(+8, 8 Votes)

Von RWTH


Es passt zur BILD und ihrer Leserschaft, dass eine Frau, die nur ein abgebrochenes Studium vorzuweisen hat, als "Expertin" verkauft wird.

Eine Zeitung, die selbst nur mit Halbwissen, Faktenverdrehungen und Vermutungen hantiert, steht so einer Person natürlich viel näher als einem echten Experten.


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#4
22.06.2016
15:02:01


(+6, 6 Votes)

Von Raffael


Ich könnte mir denken, dass die ein oder andere Frau, bei der plötzlich die Periode einsetzt, für diesen Service sehr dankbar ist. Was soll daran "Genderwahn" sein?

Aber so kennen wir die Bild. Wenn es gerade nichts skandalöses zu berichten gibt, wird eben einfach etwas erfunden und etwas völlig harmloses skandalisiert.

Ist eigentlich die Tatsache, ungefragt ein Foto von einer Homepage zu veröffentlichen legal? Ist das nicht ein Verstoß gegen Urheber- und Persönlichkeitsrechte? Aber die Bild riskiert sowas einfach, denn selbst wenn sie Schadenersatz zahlen muss, ist das unterm Strich immer noch weniger als die Profite. Ich wäre dafür, dass solche Strafen richtig weh tun und auch mal die Einnahmen eines Monats sein können. Dann würde auch die Bild in Zukunft zweimal überlegen, ob sie gegen einzelne Personen hetzt.

Übrigens finde ich diese Hetze gegen den Asta-Vorsitzenden dieser Uni viel besorgniserregender als ein angebliches "Gender-Gaga", was eh nur in deren Köpfen existiert.


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#5
22.06.2016
15:12:00


(+9, 9 Votes)

Von Halbwissen


Birgit Kelle veröffentlicht ihre kruden Theorien nicht nur in der Bild, sondern auch im Bayernkurier, der Freien Welt, der Jungen Freiheit, auf kath.net, etc.

Aber nur durch ständige Wiederholung wird es nicht richtiger. Das ist ausschließlich ihrer private Meinung, die sie weder theoretisch noch empirisch irgendwie belegen kann.


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#6
22.06.2016
16:32:07
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von miepmiep
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Noch so ein Fall für eine handfeste Klage wegen hetzerischer Verleumdung und eklatanter Falschdarstellung bzw. für eine Beschwerde beim Presserat:

Link:
m.welt.de/regionales/nrw/article156317177/Kinder-s
ollen-Analsex-in-der-Schule-spielen.html


"Auf Anfrage räumte eine Sprecherin von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ein, es gebe in der Tat ein Unterrichtsangebot mit diesem Titel. Aber: In der entsprechenden Handreichung fänden sich Begriffe wie Darkroom oder SM gar nicht. Offenbar kennt das Ministerium die von ihm unterstützten Unterrichtsmaterialien nicht zur Genüge. In Wirklichkeit findet man diese Begriffe sehr wohl auf der Website "Schule der Vielfalt". Dazu muss man nur die Kurzvorstellung des Projekts anklicken und den darüber befindlichen Button "Arbeitsmaterialien"."

Bitte selbst mal die Website "Schule der Vielfalt" besuchen und 'nur die Kurzvorstellung des Projekts anklicken und den darüber befindlichen Button "Arbeitsmaterialien"' ... und NICHTS des Behaupteten finden.


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#7
22.06.2016
16:53:51


(+8, 8 Votes)

Von Damy
Antwort zu Kommentar #4 von Raffael


Der angebliche Skandal daran ist, dass die Tampons ja eben nicht nur auf der Frauentoilette ausgelegt wurden, sondern *auch* auf der Männertoilette, wo sie ja "nicht hingehören". Irgendein Mann hat das in der Toilette gesehen und konnte wohl nicht verstehen, dass es auch Leute gibt die die Männertoilette benutzen und menstruieren, kurz: die nicht sind wie er. Deswegen musste er es fotografieren und sich drüber aufregen.
Das Schöne bei der Sache ist also, dass nicht nur Frauen, bei denen die Periode plötzlich einsetzt, einen Nutzen davon haben, sondern alle Menschen, denen das passiert - vorausgesetzt natürlich, es entfernt nicht irgendein ignoranter cis Typ die Tampons, weil er der Meinung ist, sie gehören dort nicht hin ;)


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#8
22.06.2016
17:31:11


(+8, 8 Votes)

Von Felix


Statt sich über Tampons aufzuregen und selbsternannten "Experten" ohne jede Qualifikation für das Thema ein Forum zu bieten, damit diese ihre Privatmeinung als Fakten verkaufen können, sollte die BILD lieber mal die wirklichen Probleme ansprechen und echte Experten zu Wort kommen lassen.


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#9
22.06.2016
18:00:46


(+6, 6 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013


Zu diesem Boulevardblättchen wurde schon vor mehreren Jahrzehnten alles gesagt und es hat sich nicht viel geändert (und wenn, dann in Folge von Gerichtsurteilen). Mich würde noch interessieren, wer für diesen Artikel verantwortlich ist (ich klicke dieses Blatt nicht an). Es ist immer gut zu wissen, wer auf welcher Seite agiert.


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#10
22.06.2016
20:32:30
Via Handy


(+4, 6 Votes)

Von Foxie
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #9 von Loren


Dieses Blatt mit seiner anmaßenden Großmäuligkeit wäre keiner Erwähnung wert, wenn es nicht noch viel zu viel Leute gäbe, die diesen Dreck glauben und dafür mit Geld und Gehirnzellen bezahlen.


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