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  • 27.06.2016, 10:47h           87      Teilen:   |

Debatte zur Zukunft der LGBT-Bewegung (2)

Warum der CSD im Wahljahr 2017 ausfallen muss!

Artikelbild
Keine Regenbogenbemalung in 2017: Erst wenn wir fehlen, sieht die Gesellschaft wieder, was sie an uns hat (Bild: Cologne Pride)

Der Christopher Street Day ist sinnlos, wenn er nur noch zum Selbstzweck stattfindet. Nur wenn wir ihn absagen, werden wir wieder sichtbar – und vielleicht endlich gehört.

Sichtbarkeit ist das Wichtigste auf jeder CSD-Demonstration. Um diese Sichtbarkeit zu erhalten, muss die Parade im Wahljahr 2017 stehen bleiben. Warum?

Die letzen zehn Jahren laufe ich über die Parade für die Gleichstellung der Ehe – und wir haben sie nicht bekommen. Ich laufe für die Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175 – und sie fehlt noch immer. Ich laufe gegen die Gewalt an LGBT – und wir werden immer noch geschlagen.

Keine Homoehe! Keine Rehabilitation! Kein Ende der Homophobie! Wir haben alles gesagt und alles gefordert. Alle Schilder wurden gemalt, alle Spruchbanner hochgehalten. Es gibt nichts Neues. Wir wiederholen uns immer wieder – und nichts passiert.

Fortsetzung nach Anzeige


Ein Medien-Spektakel ohne Wirkung

Und ich laufe auch 2016 wieder für das Recht, "anders zu leben" – aber 40 Prozent der Deutschen findet es auch heute noch eklig, wenn zwei Männer sich küssen. Wir machen keine politischen und gesellschaftlichen Fortschritte mehr. Mir ist es peinlich, wieder mitzulaufen. Denn wir ändern die nächsten zehn Jahre offensichtlich nichts mehr.

Wenn wir wirklich sichtbar sein wollen, rufe ich dazu auf, die Parade im Wahljahr 2017 nicht losfahren zu lassen. Nur so werden wir wieder sichtbar:

- für das Büdchen am Paradeweg, das auf seinen 2,50-Euro-Kölsch sitzenbleibt
- für die am Straßenrand, die bunte Tunten sehen wollen und die Samba-Lesben
- für die Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants, die mit uns Geld verdienen
- für die Stadt Köln, der Steuereinnahmen verloren gehen
- für die Bundespolitiker im Wahljahr, die mitfahren wollen – also bis zur Deutzer Brücke und dann abspringen – und die uns Dinge versprechen und seit zehn Jahren nicht einhalten
- für die Medien, die sich am Paradeweg aufbauen, um die "buntesten" Bilder zu senden
- für alle, die sagen, "eine so große, wirtschaftlich wichtige Veranstaltung kann man doch nicht absagen"

Der CSD ist sinnlos, wenn er nur noch zu seinem Selbstzweck stattfindet und nur deshalb, weil es ihn doch schon 25 Jahre gibt. Damit tun wir uns unrecht und den Ländern, in denen der CSD noch bedeutet, unter großer Gefahr vor Gesellschaft und Staat auf die Straße zu gehen und Veränderung zu fordern.

Und: Vergessen wir nicht die Coming-out'ler aus der Provinz. Für Sie ist der CSD ein Ausbrechen und ein Fest der Befreiung. Aber haben nicht gerade sie nicht etwas Besseres verdient als Kommerzialisierung, sinnlose Rituale und Spektakel ohne Wirkung?

Wenn wir wirklich nochmal in die Presse wollen ohne "Show-Dragqueen" auf dem Cover, müssen wir die Parade anhalten. Erst wenn wir fehlen, sieht die Gesellschaft wieder, was sie an uns hat – und dann hört sie vielleicht auch wieder unsere Forderungen.

Und wir können wieder loslaufen.

Dieser Text eines anonymen Verfassers wurde am Samstag auf der "Pride 2.0 Denkwerkstatt" in Köln verlesen. Wir setzen mit ihm unsere neue Reihe zur Zukunft der LGBT-Bewegung fort. Zum Auftakt forderte Martin Sommer in der vergangenen Woche "Mehr Liebe, Sex und Widerstand!".

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Tags: csd, christopher street day, sichtbarkeit, lgbt-bewegung
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Reaktionen zu "Warum der CSD im Wahljahr 2017 ausfallen muss!"


 87 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
27.06.2016
11:50:39


(+11, 11 Votes)

Von Sebi


Ich verstehe, wie man zu dieser Einschätzung kommen kann.

Aber ich teile sie dennoch nicht (und glaube auch, dass diese Position eher aufrütteln soll):
in Staaten wie den USA, Irland, etc. ist die Gleichstellung nicht gekommen, weil wir aus Protest CSDs abgesagt hätten.

Sondern sie ist gekommen, weil wir dort immer und immer wieder auf die Straße gegangen sind.

Ich erinnere nur an den Marsch auf Washington. Und da sprechen wir nicht von ein paar Hundert oder ein paar Tausend Menschen, sondern von Hunderttausenden.

Statt weniger, muss es mehr werden!

Wieso z.B. mal nicht eine Menschenkette rund um den Reichstag? Dass jeder Abgeordnete zum Betreten oder Verlassen des Gebäudes durch die Menschenkette durch muss?!


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#2
27.06.2016
11:54:12


(+8, 10 Votes)

Von Carsten AC


Auch wenn heute oft der Party-Gedanke im Vordergrund steht, so ist der CSD ja eigentlich keine Feier was bereits erreicht wurde, sondern eine Demo für das, was noch erreicht werden muss.

Insofern ist politischer Stillstand oder gar Rückschritt kein Grund, den CSD abzusagen, sondern eher noch zahlreicher teilzunehmen und unsere Forderungen noch deutlicher zu kommunizieren.

Das hätten manche Parteien wohl gerne, dass wir gerade im Wahljahr das Thema GLBT-Rechte komplett aus der Öffentlichkeit und den Medien raushalten. (Dann wäre auch die SPD ein unbequemes Thema los, wenn deren Wahlbertrug nicht thematisiert würde...)


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#3
27.06.2016
11:55:03


(+8, 12 Votes)

Von Orthogonalfront
Antwort zu Kommentar #1 von Sebi


"Statt weniger, muss es mehr werden!"

Sehe ich genauso!


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#4
27.06.2016
12:00:00


(-1, 9 Votes)

Von m123


Ohne rein politische Massendemos keine Ehe für alle.

Der CSD wird von der Öffentlichkeit mehrheitlich nicht als politische Demo für gleiche Rechte, sondern als LGBT-Karnevalsumzug wahrgenommen.

Mehr als 50 % der Deutschen wissen noch nichtmals, dass gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland immer noch nicht heiraten dürfen. Das liegt nicht nur an fehlender, reiner politischer Massendemos für die Eheöffnung, sondern auch daran, dass in den Medien ständig der Begriff "Homo-Ehe" für eingetragene Lebenspartnerschaften benutzt wird, der suggeriert, dass gleichgeschlechtliche Paare bereits eine Ehe schließen könnten, was ja bekanntlich nicht der Fall ist.

Ich schreib ja schon seit Jahren, dass wir nichts bekommen, wenn wir nicht massenweise und rein politisch auf die Straße gehen und unsere Rechte einfordern.


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#5
27.06.2016
12:12:10


(0, 6 Votes)

Von Lars
Antwort zu Kommentar #2 von Carsten AC


"Auch wenn heute oft der Party-Gedanke im Vordergrund steht, so ist der CSD ja eigentlich keine Feier was bereits erreicht wurde, sondern eine Demo für das, was noch erreicht werden muss."

Wichtig wäre dazu, dass Form und Inhalt übereinstimmen. In den vergangenen Jahren ging es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Homosexualität und queere Formen der Identität übrhaupt existieren und bejaht werden können und sollten. Lust und Liebe kann man durch Fereirn und durch Freizügigkeit und Unverklemmtheit sicher gut ausdrücken.

Themen wie Partnerschaft bis ins hohe Alter, Verantwortungsübernahme für Kinder, Regenbogenfamilien, Abbau von Homophobie bei Heteros, etc. sind weniger sexy und brauchen andere, starke Formen der Repräsentation, die das Bewusstsein der Menschen erreichen.

Das soll keine Absage an traditionelle Formen des Protests und der Demonstration bedeuten. Aber nur dabei zu bleiben, bedeutet Stillstand und erzeugt zumindest den Augenschein einer zu engen Perspektive auf ein drängendes komplexes gesellschaftliche Themen.


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#6
27.06.2016
12:16:46


(+8, 12 Votes)

Von Julian S


Wir machen einen großen Fehler bei CSDs, der Fortschritte verzögert oder gar verhindert:

Wir lassen Parteien mitmachen, die uns diskriminieren und uns schaden!

Egal, ob die das aus Überzeugung machen (wie die Union) oder aus Machtgeilheit (wie die SPD) - solche Parteien haben auf einem CSD nichts zu suchen!!

Durch deren Teilnahme haben wir zwei Nachteile:

1.

Die entsprechende Partei denkt, dass wir deren Verhalten akzeptieren würden.

Solange wir z.B. die SPD mitmachen lassen, denken die natürlich "Schaut, so unzufrieden können die ja nicht mit uns sein. Das ist nur eine lautstarke Minderheit, die was gegen uns hat. Wir können also so weitermachen wie bisher."

2.

Auch die Masse der (Hetero-)Zuschauer (und natürlich auch der berichtenden Medien), die sich halt nicht auf queer.de & Co informieren und die teilweise sogar denken, die Eingetragene Partnerschaft sei die gleichgeschlechtliche Ehe, denken, dass man die teilnehmenden Parteien ruhigen Gewissens wählen kann ohne dass die LGBTI diskriminieren.

Weil natürlich jeder denkt "Würde diese Partei diskriminieren, würde die ja hier nicht mitmachen dürfen."

Bei anderen Gruppen wäre es ja auch so: niemals würden z.B. Schwarze auf einer Demo Parteien zulassen, die sie in irgendeiner Weise schlechterstellen. Nur wir meinen ja immer, einen auf Verständnisvoll machen zu müssen und schneller ans Ziel zu kommen, wenn wir offen für alle sind - sogar für Homophobe. Wohin uns das gebracht hat, sehen wir ja...

Fazit:

Wir müssen Parteien, die uns diskriminieren (auch wenn sie vielleicht behaupten, eigentlich das Gegenteil zu wollen, aber dennoch aus irgendwelchen Gründen weiter diskriminieren zu müssen) konsequent von CSDs ausschließen. Punkt.

Und wenn dann die Medien berichten, dass z.B. die SPD nicht erwünscht ist, dann ist das umso besser. Denn dann merken Heteros, die halt nur das Gerede der SPD kennen, aber nicht die Fakten, die man nur auf queer.de & Co erfährt, dass die SPD eben nicht so ist, wie sie sich gerne gibt.

Und die Parteien selbst merken auch, dass wir uns das nicht mehr bieten lassen und dass wir uns nicht mehr für dumm verkaufen lassen.

Wenn wir aber Dinge fordern und weiterhin Parteien mitmachen lassen, die das torpedieren, werden wir noch in 20 Jahren neidisch auf andere Staaten schauen...


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#7
27.06.2016
12:23:19


(+5, 7 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


""Der Christopher Street Day ist sinnlos, wenn er nur noch zum Selbstzweck stattfindet.""..

Der CSD ist alles andere als nur eine Veranstaltung zum Selbstzweck..

Auf CSD's werden Kontakte geknüpft, neue Netzwerke entwickelt, und neue Ideen vorgestellt..
Die Treffen die sich dort abspielen sind nicht an anderen Orten, zu anderen Zeiten, und vor allem nicht in "anderen Öffentlichkeiten" zu organisieren..

Auch die oftmals vor Ort als "Betroffenheits-Redner" bezeichneten Politiker aus lokaler oder Landes-Präsenz sind nicht immer und überall verfügbar..
Im Rahmen großer Veranstaltungen lassen sich auch schon mal Ministerpräsidenten in Podiums-Diskussionen einbinden, was sonst eher schwer erreichbar ist..

Vor allem aber sind CSD's so ziemlich die einzige Veranstaltung massiver Sichtbarkeit der Community, der Vorstellung von Vereinen und Hilfsprojekten der Community, und damit die Gelegenheit für den Einzelnen mit diesen dann auch außerhalb derer Einrichtungen ins Gespräch zu kommen..
Denn noch immer bestehen gerade auch bei Jugendlichen und jungen Menschen die sich mitten im Coming-Out-Prozess befinden durchaus Schwellen-Ängste diese Orte erstmals aufzusuchen..

Selbst bei älteren Menschen bestehen manchmal Schwellen-Ängste an Orte zu gehen, die vermeintlich als "Szene" verortet werden..
Der Gang in die AIDS-Hilfe, zur Lazarus-Legion, selbst zu Kaffee-Nachmittagen und anderen Veranstaltungen unterliegen dem Gefühl, man könne gesehen werden..
Die Anonymität der Öffentlichkeit dient dann auch immer noch als eine Art "Ausrede" man sei nur zufällig als Zuschauer in die Parade oder auf das Straßenfest geraten, und schaue sich nur mal um..

Insgesamt halte ich die "Idee" den CSD gerade im Wahljahr 2017 "ausfallen" zu lassen für kontraproduktiv..

Allerdings sollte man versuchen gerade bei den Paraden in den größeren Städten wie Hamburg, Berlin, Köln, München, Nürnberg, usw., auf die Beteiligung von Wagen der politischen Parteien zu verzichten..


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#8
27.06.2016
12:24:29


(+3, 7 Votes)

Von Gutmensch
Aus St. Gallen (Schweiz)
Mitglied seit 25.05.2016


Merkwürdige Idee. Man hat die politischen Ziele nicht erreicht und ruft nun dazu auf, dass alle aufhören sollen, dafür zu demonstrieren.

Wenn der anonyme Autor/die Autorin nicht am CSD teilnehmen will, dann ist es sein/ihr gutes Recht. Aber warum sollen andere das nicht tun?

Über 70% der Deutschen unterstützen die gleichgeschlechtliche Ehe. Vor 10 Jahren waren es noch kaum die Hälfte. Wenn es mit einer Volksabstimmung nicht möglich ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Parlamentarier dem Druck nachgeben. Der Knackpunkt ist im Moment noch das Adoptionsrecht. Hier ist die öffentliche Zustimmung geringer, aber auch steigend.

Das System mit Koalitionen und Fraktionszwang wirkt hier natürlich dem Fortschritt entgegen. Wenn man über das politische System gefrustet ist, könnte man das ja auch am CSD zum Ausdruck bringen. Aber das System lässt sich nicht so leicht ändern. Vorher wird die gleichgeschlechtliche Ehe vom jetzigen System eingeführt.


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#9
27.06.2016
12:28:38


(0, 10 Votes)

Von UrsaMajor
Antwort zu Kommentar #6 von Julian S


Absolute Zustimmung!

Nach dieser Argumentation bleibt aus meiner Sicht nur Die Linke übrig. Die Grünen, die sich immer mehr der CDU/CSU an den Hals werfen, sind mir da ein zu heikler Wackelkandidat. Ich möchte mit den Grünen nicht die gleiche Erfahrung machen müssen wie mit der SPD.


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#10
27.06.2016
12:29:37


(+8, 8 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Den CSD ausfallen zu lassen würde genau den rechten FasChristen und anderen schwulenfeindlichen Typen sehr zupaß kommen: damit hätten sie ihr Ziel erreicht. Kurz: das wäre der absolut falsche Weg.

Eines sollte die Community aber dringend mal lernen, nämlich zwischen "Sichtbarkeit" und "sinnentleerter Selbstdarstellung" zu unterscheiden: der CSD ist schließlich immer noch eine Demo und kein Catwalk. Oder, um es anders auszudrücken: "Stonewall was a riot, not a party!"


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