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  • 03.07.2016, 09:22h           4      Teilen:   |

Computerspiele

Lutschen lernen im schwulen Videogame

Artikelbild
Homoerotik als Lockmittel: Im Computerspiel "Succulent" kann man einem coolen Bartmann in Unterhose dabei zu helfen, ein Eis am Stiel zu lutschen

Mit einem Mausklick drei kostenlose HD-Spiele downloaden: In "Radiator 2" wird Eis geschleckt, ein Männerhintern versohlt und ein homosexuelles Auto stimuliert.

Von Carsten Moll

Das Videospiel an sich hat einen weiten Weg zurückgelegt: vom übersichtlichen 2D-Level zu offenen 3D-Welten, aus akademischen Gefilden in die Arcade-Halle und zurück, vom kulturellen Randphänomen mitten hinein in den Mainstream. Und immer mit auf der Reise ist der Spieler, der durch ständig leistungsstärkere Technik auf ein immer größeres Spektrum an virtuellen Erlebnissen zurückgreifen kann.

Der Fantasie scheinen dabei kaum Grenzen gesetzt. Ganze Galaxien können entdeckt, Zombie-Apokalypsen sowie Weltkriege durchlebt und bunte Welten voller magischer Pilze durchhüpft werden. Aber während guter Geschmack oder moralische Tabus selten Hindernisse in der Produktion der Games darzustellen scheinen, gibt es dennoch Bereiche, in welche sich das Videospiel nur zaghaft vorwagt.

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Kopfschuss statt Cumshot

Der menschliche Körper mitsamt seiner vielfältigen Sexualität und Nacktheit bildet eine dieser unerkundeten Bastionen, in die bisher nur wenige Entwickler vorzudringen wagen. Überspitzt könnte man formulieren, dass der Kopfschuss in der Spieleindustrie zum Tagesgeschäft gehört, Cumshots aber Mangelware sind.

Natürlich gibt es auch hier zahlreiche Ausnahmen. Die Pornografisierung des Mediums nimmt mit verbesserter Virtual-Reality-Technologie Fahrt auf und in erfolgreichen Spieleserien wie "The Witcher" und "Dragon Age" gehören erotische Liebesszenen mittlerweile genau so selbstverständlich dazu wie haushohe Bestien und Zaubertränke.

Impulse aus der Indie-Szene



Es ist aber vor allem die Indie-Szene, die in Sachen digitalisierter Sexualität immer wieder Impulse setzt und sich dieser auch abseits eines oft klischeehaften Fantasy-Kontexts widmet. Der queere Akademiker und Autor Robert Yang ist dabei sicherlich einer der Designer, die am meisten Aufsehen erregen.

In Yangs Spielen, von denen drei nun als kostenloses HD-Remaster in der Kollektion "Radiator 2" erhältlich sind, ist der Sex nämlich nicht bloß ein austauschbares Spielelement unter vielen, sondern steht ganz im Mittelpunkt. Während "Hurt Me Plenty" eine Spanking-Session simuliert, gilt es in "Succulent" einem Bartträger in Unterhose dabei zu helfen, ein Eis am Stiel zu lutschen. "Stick Shift" hingegen gibt sich abstrakter und fordert vom Spieler, sich ausgiebig um den Schaltknüppel eines schwulen Autos zu kümmern.

Homoerotik als Lockmittel



Wirklich explizit sind die Bilder in Yangs Schöpfungen nicht, alleine schon weil sich wichtige US-amerikanische Vertriebsplattformen wie Steam traditionsgemäß mit Nacktheit schwertun. Und dennoch provozieren die Games bei aller visuellen Verspieltheit einen neugierigen Blick mit ihrer Mischung aus realistischen Animationen und plakativen homoerotischen Stereotypen.

Hinter der bunten Oberfläche verbirgt sich allerdings mehr, als es die poppige Inszenierung der Minigames beim ersten Hinschauen vermuten lassen würde. Yang geht es mit seiner Arbeit nämlich keineswegs bloß darum, Eye Candy für ein schwules Nischenpublikum oder einen kuriosen Gag für den heterosexuellen Mainstream zu bieten.

Die augenzwinkernde Gefälligkeit von "Succulent" und Co. dient vielmehr als Köder, der die Spieler auf politisches Terrain lockt. Neben seinem Hauptanliegen, queeren Sex in Videospielen sichtbar zu machen, gelingt es Yang mit seinen Games schließlich auch, auf leichtfüßige Weise gesellschaftliche Themen anzusprechen und wichtige Fragen aufzuwerfen. So kommen die vordergründig masturbatorischen Fantasien bei Yang meist mit einem Twist daher, der eher den Kopf als die Lenden anregt.

Mehr als nur Spielen



Da werden ebenso normative Schönheitsideale dekonstruiert und Polizeigewalt an LGBT-Menschen thematisiert wie konsumkritische Überlegungen zum Medium Computerspiel angestellt. Dass Yang in seinen Aussagen mitunter sehr vage bleibt und diese wohl nicht für jeden Spieler gleich ersichtlich sind, kompensiert der Designer durch sein lesenswertes Blog, auf dem er Hintergründe und Entstehungsprozesse seiner Kreationen beleuchtet.

In Zeiten, in denen viele Entwickler ihr Publikum lieber verhätscheln wollen, anstatt es herauszufordern, bietet Robert Yangs störrisches Werk auf jeden Fall einen willkommenen Anstoß, um Games nicht einfach nur zu spielen, sondern mit ihnen nachzudenken, über sie zu diskutieren und zu schreiben.

Youtube | Offizieller Trailer zu "Radiator 2"
Links zum Thema:
» "Radiator 2" kostenlos downloaden
» Blog von Robert Yang
Mehr zum Thema:
» Bericht zu Yangs Game "Rinse and Repeat": Einmal einseifen bitte! (26.09.2015)
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Tags: robert yang, radiator 2, videogame, computerspiel, hurt me plenty, succulent, stick shift
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Reaktionen zu "Lutschen lernen im schwulen Videogame"


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
03.07.2016
09:55:45


(+6, 6 Votes)

Von UrsaMajor


In diesem Zusammenhang können wir mal über die Beleidigung "Lutscher" nachdenken, die m.E. ganz klar von "Schwanzlutscher" abgeleitet ist.

Letzteres ist lt. Duden ein Schimpfwort für eine männliche Person.

Link zu www.duden.de

Im Sinne von "Versager", auch "Schmarotzer".

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Lutscher


Das Ganze hat natürlich wieder mal mit Abwertung weiblich konnotierten Verhaltens zu tun.

***

Meist kommen solche Beschimpfungen völlig gedankenlos daher (würde sich jemand darüber Gedanken machen, würde er_sie dieses Schimpfwort ja vielleicht nicht nutzen - nicht immer ist das bewusst homophob gemeint). In meinem Umfeld hat Aufklärung über die homophobe Bedeutung dieses Begriffes da jedoch durchaus schon geholfen.

Also: lasst das nicht einfach stehen - nehmt das nicht einfach hin - sondern klärt die Leute darüber auf, was sie da sagen!

Manche lernen daraus.


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#2
03.07.2016
13:00:35


(+1, 7 Votes)

Von Sveni Mausi
Antwort zu Kommentar #1 von UrsaMajor


Also ich denke bei Lutscher zuerst immer an einen Lolli.
Aber vielleicht bin ich auch einfach zu schwach sexualisiert.


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#3
03.07.2016
21:44:01


(+3, 5 Votes)

Von Sabelmann
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wers braucht!Das ist irgendwie............


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#4
04.07.2016
00:56:34


(+4, 4 Votes)

Von Alex


Ich glaube, pornografische Spiele haben sich nur deswegen noch nicht durchgesetzt, weil man einen Controller nur schlecht einhändig bedienen kann.


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