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  • 10.07.2016, 15:17h           24      Teilen:   |

Nach Brexit-Wirren

Zieht Homophobie zurück in die Downing Street?

Artikelbild
Theresa May (l.) oder Andrea Leadsom wird die Nachfolgerin von David Cameron. Beide Frauen könnten aber auch direkt auf Margaret Thatcher folgen.

Um die Nachfolge David Camerons in Partei- und Staatsführung bewerben sich zwei konservative Politikerinnen.

Von Norbert Blech

Als der britische Premierminister David Cameron vor wenigen Wochen das absurde Glücksspiel rund um die Volksbefragung zum Brexit verlor, hatte er nicht nur Europa und die Zukunft des Vereinigten Königreichs aufs Spiel gesetzt, sondern auch die von ihm durchgesetzte Modernisierung der konservativen Partei.

Die blieb unter ihm zwar eine Partei des sozialen Kahlschlags und der Kürzungen öffentlicher Dienstleistungen vom Gesundheitssystem bis hin zur BBC, erkannte aber zugleich, anders als Konservative in vielen Ecken Europas, die Vielfalt der Gesellschaft an. Unter Cameron wurde die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet, er selbst warb geradezu darum, dass schwule und lesbische Paare Kinder adoptieren.

Das war bemerkenswert für eine Partei, die in den Achtzigern unter Thatcher noch ein Gesetz gegen die "Bewerbung" von Homosexualität an Schulen erlassen hatte – Section 28 galt dem russischen Gesetz gegen Homo-"Propaganda" als Vorbild. Bei der Ehe-Öffnung 2010 folgten Cameron noch immer über ein Drittel der eigenen Abgeordneten nicht. Es handelt sich teilweise um die selbe störrische und dauernörgelnde Fraktion der Euroskeptiker, die Cameron mit dem Referendum ruhig stellen wollte.

Stattdessen stellte er sich selbst auf ein Abstellgleis. Nach seinem angekündigten Rücktritt und ersten Wahlrunden bei den Konservativen bewerben sich nun zwei Politikerinnen um die Nachfolge der Parteiführung. Das Ergebnis wird am 9. September bekannt, die Gewinnerin wird zugleich die nächste Premierministerin des Landes werden und könnte zunächst bis zu den regulären Wahlen 2020 im Amt bleiben.

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Theresa May: Wandel entlang der Gesellschaft



Als aussichtsreichste Kandidatin für Camerons Nachfolge gilt Therasa May. Die 59-Jährige, die länger als jeder andere in den letzten 100 Jahren das Innenministerium anführte, gilt als harte Verhandlungsführerin, deren Eintreten für einen Verbleib in der EU während des Referendums vor allem als Taktieren wahrgenommen wurde. May beschädigte dabei die EU längst in einem jahrelangen Kampf für die Idee, eine Ausnahme Großbritanniens von der Europäischen Menschenrechtskonvention zu erzielen.

Als die bis heute streng gläubige Tochter eines Priesters der Church of England 2007 Ministerin für Frauen und Gleichstellung wurde, hatten u.a. LGBT-Organisationen die Ernennung kritisiert. 1998 hatte May noch gegen eine Gleichstellung des Schutzalters für homo- und heterosexuellen Sex gestimmt, 2002 gegen Adoptionsrechte für schwule und lesbische Paare – sie folgte dabei, anders als etwa George Osborne und Boris Johnson, dem Fraktionszwang. Bei der Abstimmung zur Abschaffung des "Propaganda"-Gesetzes, Section 28, unter einer Labour-Regierung fehlte sie.

Sie stimmte aber für die Einführung von Lebenspartnerschaften und sprach sich später für ein volles Adoptions- und Eherecht aus; an der Einführung der Ehe für alle, für die sie entgegen manchem Medienbericht auch im Parlament stimmte, war sie in koalitionsinternen Gesprächen maßgeblich beteiligt. Auch unterstützte sie die unter Labour erlassenen und von ihr zunächst bekämpften Antidiskriminierungsgesetze.

Einer der Gründe, warum Briten der EU den Rücken kehrten, ist ihre Liebe zu klaren Zuständigkeiten. So gelangte auch Theresa May 2014 in Kritik, als herauskam, dass ihr Innenministerium LGBT-Asylsuchende mit erniedrigenden Fragen zu ihrem Sexleben konfrontierten. May versprach eine Untersuchung. Sie stand in den letzten Jahren auch unter Kritik für Geschäfte mit Verfolgerstaaten wie Saudi-Arabien.

Andrea Leadsom: Mit Gott gegen die Homo-Ehe



Während May in der zweiten Runde der Cameron-Nachfolge-Wahlen am 7. Juli bei drei Kandidaten 60,5 Prozent der Stimmen erhalten hatte, kam ihre Herausforderin Andrea Leadsom auf lediglich 25,5 Prozent. Die 53-Jährige hatte sich überraschend gegen Justizminister Michael Gove durchgesetzt, nachdem sie sich in den Wochen zuvor als Brexit-Vorkämpferin einen Namen gemacht hatte.

Leadsom war erst 2010 ins Parlament eingezogen und enthielt sich bei der Abstimmung über die Ehe für alle, die sie zuvor als "inakzeptabel" bezeichnet hatte. Vor ihrer ersten Wahl ins Parlament hatte die streng gläubige Politikerin öffentlich gefordert, Heterosexuellen bei Adoptionen ein Vorrecht zu gewähren.

Noch in der letzten Woche sagte sie in einem Interview mit dem Privatsender ITV, sie sei kein Fan der Ehe für alle und hätte es besser gefunden, die Ehe sei "im biblischen Sinne" geblieben, als "christlicher Dienst für Männer und Frauen, die sich gegenüber Gott verpflichten wollen". Die Ehe-Öffnung habe viele Christen "verletzt".

Lesbische Politikerin will Labour anführen



Derweil geht nach dem Brexit-Vote auch das Chaos bei der größten Oppositionspartei Labour weiter. Dem im letzten Jahr überraschend von der Parteibasis gewählten Vorsitzenden Jeremy Corbyn wird vor allem aus der Fraktion heraus vorgeworfen, nur halbherzig für einen Verbleib Großbritanniens in der EU gekämpft zu haben. Bei einem Vertrauensvotum stimmten nach dem Brexit nur 40 Abgeordnete für und ganze 172 gegen ihn.

Nach einem gescheiterten Schlichtungsverfahren um eine neue Führung erklärte am Samstag die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin Angela Eagle, am Montag eine Bewerbung um den Parteivorsitz einzureichen. Die frühere Unterstützerin Corbyns, die seit 1992 für einen Wahlbezirk bei Liverpool dem Parlament angehört und ab 2009 für rund ein Jahr als Staatsministerin für Renten und Senioren fungierte, hatte sich 1997 als lesbisch geoutet und war 2008 eine Lebenspartnerschaft eingegangen. Ihre Zwillingsschwester Maria sitzt seit 1997 ebenfalls im Parlament.

Würde sich die Parteilinke durchsetzen, wäre sie die erste gewählte Frau an der Spitze von Labour – den Vorsitz hatten Frauen bislang nur vorübergehend nach Rücktritten oder einem Todesfall inne. Und sie wäre die erste offen homosexuelle Parteichefin des Landes. Im April hatte sich bereits die Labour-Vorsitzende in Schottland, Kezia Dugdale, beiläufig als lesbisch geoutet (queer.de berichtete) – in dem nach Unabhängigkeit strebenden Landesteil sind auch die Anführer der Konservativen (Ruth Davidson), der Grünen (Patrick Harvie) und der dort unbedeutenden UKIP (David Coburn) schwul oder lesbisch.

 Update  13.20 Uhr: Andrea Leadsom gibt auf: Leadsom hat am Montag angekündigt, sich nicht mehr um David Camerons Nachfolge bewerben zu wollen. Nachdem die ersten beiden Wahlgänge durch Abgeordnete erfolgten, scheint die Briefwahl durch Parteimitglieder damit wegfzufallen und die einzige verbliebende Kandidatin Theresa May in den nächsten Tage neue Parteichefin und Premierministerin zu werden. Zur Begründung ihres Rückzugs sagte Leadsom, sie habe keine ausreichende Unterstützung in den Reihen der konservativen Abgeordneten gefunden. Ein von ihr am Wochenende geführtes Interview, indem sie sich als bessere Kandidatin darstellte, weil sie anders als May Kinder habe, hatte zuvor für erhebliche Kritik gesorgt.

Auf Labour-Seite hatte am Montag zugleich Andrea Eagle ihre Kandidatur gegen Parteichef Corbyn offiziell angekündigt. Damit beginnt ein mehrmonatiger Prozess, im Rahmen dessen die Parteibasis per Briefwahl den neuen Vorsitz bestimmt. Das schwächt Forderungen Labours nach einer vorgezogenen Parlamentswahl ab, die am Montag auch von den Liberaldemokraten erhoben wurden. Regulär fände die Wahl erst am 7. Mai 2020 statt.

Youtube | Am Samstag sprach Eagle im Privatsender ITV über ihre Bewerbung um die Labour-Parteispitze
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Tags: großbritannien, david cameron, theresa may, andrea leadsom, angela eagle
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Reaktionen zu "Zieht Homophobie zurück in die Downing Street?"


 24 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
10.07.2016
15:36:31


(+15, 15 Votes)

Von hugo1970
Aus Pyrbaum (Bayern)
Mitglied seit 08.02.2015


"christlicher Dienst für Männer und Frauen, die sich gegenüber Gott verpflichten wollen".

Ich kann diesen Satz nicht mehr hören!!!!
Sollen die doch sich ein kloster bauen und sich darin der scheiß verfluchten bibel widmen, aber sie sollen doch enfdlich die Mehrheit der menschen mit ihrem aberglauben endlich in ruhe lassen


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#2
10.07.2016
17:52:32


(+10, 14 Votes)

Von Robin


Wenn die Tories nur religiöse Fanatiker aufstellen, bleibt als einzige Hoffnung Labour.

Ich glaube zwar nicht, dass irgendwer nochmal die Eheöffnung rückgängig machen könnte oder wollte, aber in vielen anderen Bereichen kann man durchaus noch viel Schlimmes anstellen...


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#3
10.07.2016
21:14:17


(+2, 10 Votes)

Von HOPE
Antwort zu Kommentar #2 von Robin


Wer hat Hoffnungen in Blair-style Neoliberale, Demokratiezerstörer_innen und Kriegsverbrecher_innen - welcher sexuellen Orientierung auch immer - die einen erst vor wenigen Monaten von Hunderttausenden Labour-Mitgliedern gewählten linken Parteivorsitzenden absetzen wollen, um wieder ungestört Politik für Banken, Konzerne und Milliardäre machen zu können?

Die Hoffnung von Millionen Menschen richtet sich auf den prinzipienfesten Linken, der schon in den 1980er Jahren gemeinsam mit der Arbeiter_innenklasse für LGBT-Rechte kämpfte! Und der wegen exakt dieser Ausrichtung jetzt in der immer tieferen Krise des Kapitalismus, für die weiterhin die Lohnabhängigen bezahlen sollen, von den herrschenden Wirtschaftsgruppen mit allen Mitteln entfernt werden soll.


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#4
11.07.2016
09:57:29


(+4, 6 Votes)

Von Mariposa


Politisch sind beide schlimm - allerdings May noch das weitaus kleinere Übel. Sie wurde ja von Leadsom wegen ihrer Kinderlosigkeit beschimpft.....


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#5
11.07.2016
10:16:48
Via Handy


(+6, 6 Votes)

Von markusbln11


Gross-Britannien steht vor einem Scheidewg. Entweder nationales sektierertum mit religiös idiotisierter untermalung oder weltoffener auftritt und aktive mitgestaltung europas. Noch ist offen, wie es ausgehen wird.

Es zeigt sich in dieser debatte nur zu deutlich , dass dumpfer rückzug ins nationale wie durch den brexit forciert für die lgbt-bewegung sehr schnell einen drastischen rückschlag bedeuten kann. Erkämpft geglaubte rechte stehen dann wieder zur disposition.

Und das gilt nicht nur in GB, sondern überall. Auch in deutschland mit seiner afd und andreren unverbesserlichen, die sich gerne als bürgerliche mitte titulieren wollten. Sie sind und bleiben rechter rand.


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#6
11.07.2016
10:37:20


(+4, 8 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #4 von Mariposa


"" Sie wurde ja von Leadsom wegen ihrer Kinderlosigkeit beschimpft.....""..

Erst Recht ein Grund sie wegen ihrer Beschimpfungen der LGBTTIQ* besonders kritisch zu hinterfragen :

"""christlicher Dienst für Männer und Frauen, die sich gegenüber Gott verpflichten wollen". Die Ehe-Öffnung habe viele Christen "verletzt".""..

Mit derlei Unsinn Menschen als "nicht wert eine ehe zu führen" zu bezeichnen muß auch dazu führen, sie für den Job als Parteivorsitzende und mögliche Premier-Ministerin zu disqualifizieren..


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#7
11.07.2016
11:24:40


(+8, 8 Votes)

Von Jogolein
Aus Aalen (Baden-Württemberg)
Mitglied seit 06.10.2015
Antwort zu Kommentar #3 von HOPE


Hoffnung von Millionen? Das ist ja bestenfalls Wunschgedanke. Die zahlreichen linken Partein im UK sind alle Minderheitsparteien, die null Einfluss und noch weniger Chancen hat. Und die paar größeren eher links gerichteten Parteienc. (wie Grüne etc) haben zusammen gerade mal 11 Sitze im House of Commons.

Millionen werden wie immer zwischen Pest und Cholera, zwischen Tories und Labour entscheiden.


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#8
11.07.2016
12:00:45
Via Handy


(+2, 4 Votes)

Von Nick


Dchon schlimm genug das seit dem brexitvotum rassistische Übergriffe massiv zunehmen.

UK wird so enden wie in dem Film "V für Vendetta"...


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#9
11.07.2016
12:17:32


(+6, 8 Votes)

Von agneta
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Das schlimme an diesen Christinnen ist, dass für sie selbst die Bibel und "Gottes Wort" nicht gilt.Paulus 5.22. ( Die Weiber seien ihren Männern untertan ) ist unmissverständlich. Gilt das für diese beiden Weiber nicht? Suchen die sich aus der Bibel aus, was ihnen gefällt?!


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#10
11.07.2016
14:00:32
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von Orthogonalfront


Link:
m.spiegel.de/politik/ausland/a-1102430.html


Na, wenigstens wird es nicht die komische Jesus-Schabracke!


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