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Die Beisetzung des Papstes war eine große Kundgebung der Menschlichkeit.

Von Jürgen Friedenberg

Zeitlebens hat Papst Johannes Paul II. viel bewegt, aber dass sein Tod Millionen und Abermillionen Menschen in aller Welt so tief bewegen und sie selber in Bewegung setzen würde, das hätte er wohl selber kaum geahnt. So geriet seine Beisetzung im Petersdom zu einer einzigartigen Kundgebung der Menschlichkeit. Gefordert wurde hier nichts, gefördert aber wurde das friedliche Miteinander von Menschen aus allen Herren Ländern, die sich in ihrer Wertschätzung des Verstorbenen verbunden wussten.

Angesichts der weltweit zunehmenden Säkularisierung, Kommerzialisierung, Materialisierung grenzt das, was dieser Tage in Rom und anderenorts zu beobachten war, an ein Wunder. Die Spontaneität des Trauerns, des Dankes und des Respekts, den beileibe nicht nur Katholiken ihrem kirchlichen Oberhaupt bezeugten, war echt und kein Schauspiel. Schon gar nicht eine Demonstration kirchlicher Macht, auch wenn das Medienspektakel dem Ansehen der nach wie vor schrumpfenden Katholischen Kirche gut getan haben dürfte.

Homosexuelle haben allen Grund, mit dem verstorbenen Papst unzufrieden zu sein. Skepsis gilt auch gegenüber dem zu den Kandidaten für seinen Nachfolger zählenden Kardinal Ratzinger, der ihm in Glauben und Dogmatik sehr nahe stand. Unvergessen ist der von Ratzinger maßgeblich formulierte Aufruf des Vatikans zum Widerstand gegen die staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften. Unvergessen auch die Entlassung kirchlicher MitarbeiterInnen, die sich zu ihrem Sosein bekennen. Unvergessen die Ächtung vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehrs, unvergessen, ja, unverzeihlich die Missachtung des Kondoms als lebenserhaltendes Schutzmittel gegen Aids.

Vielleicht aber hat Johannes Paul II. durch seine persönliche Hinwendung zu den Menschen, durch sein Engagement für das friedliche Miteinander der Völker und Konfessionen und durch seine Sorge um die Menschheit unwissentlich auch den Weg bereitet für eine künftige, eine natürlichere Einschätzung von Sex – nicht als Fluch oder Sünde, sondern als Gottesgeschenk.

9. April 2005



Auch Westerwelle lobt Papst

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich positiv über die Aussagen von Papst Franziskus zur Homosexualität geäußert.

54 Kommentare

#1 OchnöööAnonym
  • 09.04.2005, 09:13h
  • Unwahrscheinlich.

    Einen lustfeindlichen Papst gutheißen, weil sein seniles Wettern in einem liberalen Umfeld das Gegenteil bestärkt? Sorry, das ist genau so rosaäugige Schönfärberei wie das ständige Wunschdenken, Robbie Williams möge sich doch endlich outen. Eine Unlogik, die nur in einem Umfeld blühen kann, in dem die Basis sich vor der Irrationalität ihrer Obrigkeit für jeden vernünftigen Beschluss verantworten muss. Eine Semantik, die ebenso verquer ist wie die Witze in katholischen Familienblättchen unlustig.

    Millionen trauern um einen - welch Heuchelei! Nicht einer von diesen trauert um Millionen, die nicht weniger wert waren und trotzdem starben.
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#2 MarkusAnonym
  • 09.04.2005, 09:33h
  • Durch seine lange Krankheit und überhaupt seine gar nicht mehr enden wollende Amts-, sprich: Lebenszeit war der Alte in den letzten Jahren zunehmend "entrückt". Dyba hat noch polarisiert, Meisner hat noch polarisiert, aber wenn der Oberopa sich (wieder mal) in dummdreister Form gegen Schwule, abtreibende Frauen oder die Benutzung von Kondomen äußerte (bzw. "äußern ließ", denn vermutlich wurde ihm ja schon seit Jahren alles nur noch von seinen Beratern unterschriftsreif vorgelegt...), hat man das mehr oder weniger achselzuckend hingenommen. Der neue wird freilich nicht besser sein, nur geistig klarer und körperlich gesünder. Bleibt zu hoffen, daß ihm dann genauso entschlossen entgegengetreten wird wie in Spanien (Zapatero). Aber in einem Land wie Deutschland, wo unlängst Volker Becks völlig berechtigte Kritik an den letzten päpstlichen Ergüssen über das "Prinzip des Bösen" (=Homoehe...) von der CDU sofort mit Rücktrittsforderungen beantwortet wurde (an Beck, versteht sich), ist soviel spanisches Selbstbewußtsein wohl kaum zu erwarten.
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#3 wolfAnonym
  • 09.04.2005, 10:41h
  • kann meinen vorrednern nur beipflichten !
    die trauerfeierlichkeiten hatten es ja in sich,
    allein die repräsentanz unserer regierungsvertreter, von anderen glaubensrichtungen ganz zu schweigen !
    man muss sich doch wundern, dass es überhaupt noch religionsprobleme auf der welt gibt, nach dieser demonstration des einvernehmens.
    das gewöhnliche "fussvolk", befand sich in einer art gesitteten massenhysterie und der ausverkauf an polnischen fähnchen, spricht auch für sich.
    hinterlässt ein sehr ungutes gefühl, sehr dumpf, eher mittelalterlich.
    kein kommentar, der auch nur versuchte dieses "wunder von rom", differenziert zu betrachten, ich glaube angesichts dieser tatsachen werden wir uns noch fürchterlich
    wundern !
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#4 KritikerAnonym
  • 09.04.2005, 11:16h
  • Diese Beiträge zeigen doch nur wieder den unglaublichen Egoismus der schwulen Community.
    Es ist kaum zu glauben, wie man selbst einem Toten Schlechtes nachsagt und sein Andenken schindet.

    Ich bin keinesfalls ein Kirchgänger und Verfechter des Katholozismus' , trotzdem muss man doch auch die Leistungen dieses Papstes mal erwähnen. Er hat sich mehr als jeder Politiker für den Frieden auf der Welt eingesetzt und sehr viel bewegt. Ohne ihn wäre es wohl nicht zum friedlichen Umsturz des Kommunismus gekommen, ohne ihn würde es keine Verständigung zwischen den Religionen geben.
    Seine Äußerungen zur Homosexualität finde auch ich beschränkt, aber man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass der Papst in Polen - einer streng katholischen und im Vergleich zu Deutschland zu seiner Geburtszeit sehr rückständigen Gesellschaft - geboren ist. Erziehung hat doch wesentlich damit zu tun, wie man mit Homosexualität umgeht. Hier bei Queer gibt es doch auch immer wieder Leute die klagen, dass sie selber ein schlechtes Gewissen haben schwul zu sein usw.

    Abgesehen davon passt sich die Kirche nicht gesellschaftlichen Gepflogenheiten so schnell an. Ihre Aufgabe ist das langfristige Seelenheil. Im Vatikan denkt man nicht in Jahren, sondern in Jahrhunderten. Das öffentliche Aufkommen der Homosexualität und die Freiheit, wie damit umgegangen wird, besteht auch erst seit max. 20 Jahren.

    Und noch etwas:
    Volker Beck, diese peinliche Gestalt der schwulen Community fordert und fordert immer, doch nichts passiert. Er macht sich einfach nur lächerlich und lässt sich dafür noch von den Schwulen feiern, die auf diesen Schwachsinn reinfallen. Dann lieber keinen Lobbyisten, also so einen. Diese Regierung wollte homosexuelle Gemeinschaften der Ehe ursprünglich mal gleichstellen. Was ist dabei herausgekommen?! Ein 0815-Gesetz!
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#5 @kritikerAnonym
  • 09.04.2005, 11:58h
  • Die Grünen wollten die HomoPaare der Ehe gleichstellen. Die SPD war immer dagegen. Durch Die Grünen nähert sich die Gesetzgebung immer mehr den Vorstellungen der Grünen an.
    Bilanz:
    Rehabilitierung der homosexuellen NS-Opfer
    Lebenspartnerschaftsgesetz, Lebenspartnerschaftsüberarbeitungsgesetz, Beschluß für das HomoDenkmal und jetzt wohl noch das Antidiskriminierungsgesetz verdienen deine Kritik nicht.
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#6 rudolfAnonym
  • 09.04.2005, 12:41h
  • Dieser Papst war ein Feind von Format - und ein Feind von Format ist ein besonders gefährlicher Feind.

    Seine polnische Herkunft rechtfertigt seine Positiion zur gleichgeschlechtlichen Liebe nicht. Der Papst müßte sich nur mal im Vatikan umsehen: sowohl Michelangelos Fresken in der SIxtinischen Kapelle als auch die verschiedenen Statuen von Hadrians Liebhaber Antinoos hätten ihm zeigen können, daß Homosexualität mehr als eine Sünde sein kann...

    Was ist angesichts des papistischen Massenwahns zu tun: eine Hoffnung auf einen reformierten Katholizismus ist sicher vergeblich. Man muß die Gegenkräfte stärken. Die liegen sicher nicht einem haltlosen Hedonismus, sondern vielmehr in einem glaubwürdigen Humanismus und einem lebensfrohen Protestantismus (auch das kann's geben!).

    Übrigens Julia, ich gratuliere Dir zu Deiner Königin. Die gute Beatrix hat sich nämlich als Oberhaupt der liberalen reformierten Kirche der Niederlande dem ganzen Spektakel verweigert und hat die Beerdigung von Wojtyla boykottiert.
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#7 JürgenAnonym
  • 09.04.2005, 12:48h
  • "Kritik selbst noch an einem Toten", pfui! Bah! Wie kann man nur!? - Was ist das denn für eine beschränkte Weltsicht? Es gibt ja wohl eine ganze Reihe verstorbener Weltenlenker und -henker, über die man sehr wohl das eine oder andere kritische Wort wird sagen dürfen! Da reiht sich der tote römische Potentat in eine Reihe mit vielen anderen "zu Recht Verstorbener". Sterben rechtfertigt doch nicht alle Fehler!
    Man sollte doch den Blick für die Realität nicht verlieren: Beitrag im Kampf gegen den Kommunismus? Ja. Aber: Nichts dergleichen in Südamerika, im Gegenteil: Unterdrückung der Befreiungstheologie. Einsatz für den Frieden? Ja (wohlfeil genug, wenn man sich auf demonstrative Appelle beschränken kann). Aber: Schuld am millionenfachen Tod und Leiden durch AIDS aufgrund einer durch und durch kranken Sexualethik. Der Mann war ein Medienzampano und hat einiges bewirkt. Daß er hinsichtlich seiner Politik gegenüber Homosexuellen ein fataler Totalausfall war, wird man ja wohl trotzdem noch sagen dürfen.
    Und von wegen: bedenken, in welcher Kultur er aufgewachsen ist. Wenn es irgendwo auf der Welt üblich ist, Menschen zu essen, Minderjährige zu verheiraten oder bei Diebstahl Hände abzuhacken, muß ich das doch wohl nicht gut finden, Respekt vor anderen Kulturen hin oder her. Und wo war eigentlich ein derartiger Respekt vor der Kultur und Zivilisation der anderen beim toten Papst, der doch auch der Meinung war, seine Ansichten einer ganzen Welt aufzwingen zu müssen und zu dürfen??
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#8 ACopAnonym
  • 09.04.2005, 13:37h
  • Ich finde es lächerlich - wenn einer tot ist, muss man dann
    alles verklärt sehen? Dieses Papst hat sehr viel Leid und
    Elend über die Menschen gebracht und das darf man auch
    noch sagen/schreiben wenn er tot ist.
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#9 DanielAnonym
  • 09.04.2005, 14:39h
  • Hi

    Ich glaube nicht das der Papst aufgrund seiner Taten so beliebt war, es war wohl vielmehr seine ständig Medienspräsents.
    (so wie Big Brother ,DSDS und Co.)

    Jeder sollte eine Fan von etwas sein!!!!!

    Ich selbst bin nunmal eine Sünde,und hab nur mit Sündern zutun. ; )
    (Eurythmics: Missionary Man)

    Und Ich bin froh das kein Papst, keine Partei und keine Presse (die drei P's), die Homosexualität auf diesem Planeten
    ausrotten kann.
    (Schwule und Lesben sind wie Löwenzahn, sie wachsen auch auf Asphalt)

    MfG

    der Egoist
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#10 GottfriedAnonym
  • 09.04.2005, 14:53h
  • Niemand ist so gut, wie sein Nachruf, und niemand so schlecht, wie sein Ruf.

    Er hat viel gutes bewirkt, in manchen Dingen hat er gefehlt ... obgleich des Dogmas der Unfehlbarkeit. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.
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