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Die Schweizer Metropole Genf ist nicht so trendy wie Zürich, dafür umso aufgeschlossener. Queer.de war vor Ort.

Von Roberto La Pietra

Egal, ob man sich der Stadt auf dem Schienen- oder auf dem Luftweg nähert, die Ankunft am Genfer See ist ein Erlebnis für sich. Kommt man mit dem Zug aus der Richtung Bern, tut sich nach einem Tunnel plötzlich die ganze Schönheit des Lac Léman auf und man weiß: man ist ein Stückchen näher dran am Süden Europas, denn plötzlich liegen einem Weinberge zu Füßen. Erreicht man die Metropole auf dem Luftweg, so hat man meist auf der linken Seite des Flugzeugs einen fantastischen Ausblick auf Stadt und See, denn der Airport ist so zentrumsnah wie kaum ein anderer. In nur rund acht Minuten ist man mit dem Zug am Hauptbahnhof.

Am ersten Abend schlendere ich mit der Genf-Seite des "Spartacus" in der Tasche los, um mich auf die Suche nach den Szene-Bars zu begeben. Zugegeben: Zunächst bin ich etwas enttäuscht, denn sowohl "Le Concorde" als auch "La Trappe" entpuppen sich als Minikneipen im Rotlichtbezirk (später erfahre ich, Concorde eignet sich fürs After-Work-Bierchen und ist besonders am frühen Abend gut besucht). Doch wer sucht, der findet – und somit stoße ich kurz später auf "Le Phare" (Rue Lissignol), ein freundliches, helles Café mit lockerem Publikum – genau nach meinem Geschmack. Auch das "Exclus", das allerdings keinen Namen an der Tür trägt, kann sich sehen lassen. Später entdecke ich auch noch das beliebte "Nathan" in der Rue Baudin hinter dem Bahnhof und das "Déclic" (Pont D’Arve), das neben einer schönen Cocktail-Bar einen der besten Gay-Clubs der Stadt beherbergt.

Bevor ich mich am zweiten Tag erneut auf Erkundungstour der Szene mache, ist erstmal Sightseeing angesagt. Genf liegt am südwestlichen Ende des gleichnamigen Sees und ist eine kleine, aber international höchst bedeutende Stadt. Neben der Uno sitzen hier die WHO, das Rote Kreuz (übrigens mit gleichnamigem Museum – sehr empfehlenswert!) sowie zahlreiche weitere länderübergreifende Organisationen. Das verleiht der Stadt einen kosmopolitischen und humanistischen Touch.

Wo die Rhôneaus dem Genfer See heraus fließt, verbinden zahlreiche Brücken die neue und alte Seite der Stadt. Das historische Zentrum schmiegt sich romantisch an einen Hügel, von dem aus man den Blick über die Dächer der fast mediterranen Stadt ebenso schweifen lassen kann wie über den eindrucksvollen See, die noblen Vororte und die Bergkette des Jura und der französischen Alpen – an klaren Tagen sieht man oft bis zum Mont Blanc. Wer die Stadt aus der Froschperspektive sehen möchte, kann dies von den Booten des städtischen Nahverkehrs aus tun, die die Ufer des Sees miteinander verbinden. Von ihnen aus lässt sich natürlich auch das Wahrzeichen der Stadt, die Wasserfontäne, am besten betrachten.

Hinter dem Hügel der Altstadt befindet sich das edle Viertel um die Oper an der Place Neuve. Neben diesem Platz schließt sich der ehemalige Botanische Garten mit der Uni und den Statuen der vielen Berühmtheiten an, die Genf zu internationaler Bedeutung verhalfen. Darunter befinden sich zum Beispiel der strenge Reformator Calvin, der Philosoph Rousseau und der Psychologe Piaget.

Am Abend bin ich bei François von Dialogai eingeladen, Genfs größter Schwulenorganisation. Er und sein Kollege erzählen mir vom neuen 15-Minuten-HIV-Test, den das Zentrum in Kooperation mit einem "gay-friendly" Arzt durchführt. Man ist hier zu Recht stolz darauf, denn neben Genf bietet bisher nur Amsterdam diesen Test an. Des Weiteren leistet Dialogai tolle Arbeit, um die Community zusammen zu führen: So gibt es zum Beispiel seit 20 Jahren jeden Mittwoch ein Abendessen für 15 Franken – oft kommen spontan bis zu 70 Leute. Die perfekte Gelegenheit, um Einheimische kennen zu lernen.

Im Gegensatz zu vielen Franzosen wirken die frankophonen Schweizer sofort überaus weltoffen und aufgeschlossen. Hier kann man sich endlich mal trauen, das längst eingerostete Schulfranzösisch rauszukramen, denn die Leute hier sind rücksichtsvoll, wenn es um ihre Sprache geht. "Wieso versteh ich Euch nur so gut, in Frankreich dagegen oft kein Wort?", frage ich meine Gastgeber und die Jungs an meinem Tisch. Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie sympathisch: "Weil wir eine internationale Stadt sind, selbst Fremdsprachen gelernt haben und uns deswegen in Deine Situation hinein versetzen können. Darum geben wir uns einfach Mühe!" Wow, die Genfer gefallen mir!

Wer Lust hat, die Stadt am Lac Léman" zu besuchen, fliegt zum Beispiel von Köln oder Stuttgart mit Germanwings nach Zürich und steigt am Flughafenbahnhof um in den Zug, der nur rund drei Stunden bis in die südwestlichste Metropole der Schweiz braucht.

Fotos: Fremdenverkehrsamt Genf

11. April 2005



11 Kommentare

#1 FroschAnonym
  • 11.04.2005, 16:50h
  • ist ja schön, dass sich queer auch mal in die Schweiz verirrt. Nur darf dabei nicht vergessen werden, dass ausserhalb der vier grossen Städte Zürich,Basel,Genf und Lausanne das schwule Angebot äusserst bescheiden ausfällt! Es gibt zwar weitere Städte wo es einzelne wenige Lokale und Clubs gibt, aber die besucht wohl niemand von weit her nur weil er was wirklich schwules erleben will? Und wer sich dann erstmal in die Innerschweiz wagt, na, der lässt seinen Pimmel am besten gleich zu Hause...
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#2 FroschAnonym
  • 11.04.2005, 16:53h
  • o.k.,die Bundeshauptstadt Bern habe ich vergessen, dort gibt es auch etliche Angebote,doch Vorsicht: In der Öffentlichkeit schwul rumknutschen,an den Arsch oder gar vorne in die Hose fassen in der Einkaufsmeile,das wird selbst in grösseren Städten im Gegensatz vielleicht zu Berlin nicht von allen gern gesehen und kann schon mal die Polizei auf den Platz rufen wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses...also,daher besser etwas zurückhaltender sein als vielleicht in Berlin...
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#3 StorchAnonym
  • 11.04.2005, 21:20h
  • Frosch, ich finde es schön, dass Du die Schweiz so schön reduzierst - auf ein Nichts. Genf und Zürich sind tolle Städte und bieten eine aufgeschlossene Atmosphäre. Oder hast du etwa vergessen, dass Genf und Zürich die einzigen Orte auf der Welt sind, wo sich eine deutliche Mehrheit der Bürger für das Partnerschaftsgesetz (für gleichgeschlechtliche Paare) aussprachen? Gruss aus Zürich.
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#4 SuisseAnonym
  • 11.04.2005, 21:22h
  • Auch wenn manches bisschen sehr nach schwulen Reiseführer klingt........ Gratulation zu diesem Bericht.

    Auch ich habe mich in Genf immer sehr wohl gefühlt und die Stadt hebt sich wunderbar von der Arroganz und der gepflegten Langeweile von Zürich ab. Ich weiss auch nicht, was in Zürich besonders trendy sein soll; die Stadt hat wohl einfach nur bisschen mehr Narrenfreiheit, da sie die grösste Stadt der Schweiz ist.

    Noch ein Nachtrag zu Genf: Im Winter ist die Sauna direkt vor dem Hotel Beau Rivage sehr empfehlenswert. Nich weil man dort Kerle abschleppen kann...sondern weil ein Sprung in den eisigkalten Lac Leman ein Genuss ist.
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#5 FroschAnonym
  • 11.04.2005, 23:29h
  • @Storch:
    Tja, lieber Storch,wärst Du wie ich im Kanton Glarus aufgewachsen,wüsstest Du wovon ich spreche...oder gehe mal in ein Walliser Bergdorf oder in den Kanton Uri und knutsche dort im Berdorf offen mit Deinem schwulen Lover rum...glaube mir, so eine Mistgabel in Deinen Eiern tut verdammt weh!!!
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#6 DanishguyAnonym
  • 12.04.2005, 05:18h
  • Wir haben auch schon oft von Zürich gehört, das es so ne geile Stadt sein soll, und als wir dann dort waren war überhaupt nix dolles zu finden. Die Kerle waren aufgebretzelt und zickig. Am Schlimmsten waren die Prospekte, die machten Werbung, dass man am Stadtrand der Rheinfall fände bzw. einen Katzensprung bis in die Berge, tatsächlich waren wir stundenlang unterwegs. Für uns hatte Zürich den Charme von Bielefeld morgen kurz nach 4
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#7 MarsAnonym
  • 12.04.2005, 05:26h
  • Also im Bezirk 4 von Zürich gibt es in so ner Art Garage eine klitzekleine Kneipe Männerzone, die ist noch witzig, ansonsten sieht man in der Stadt viel hässlichen Beton, Sonnenbrillen im Haar und Menschen die nicht sprechen können (das soll keine Beleidigung des Dialektes sein, die Zürcher sprechen einfach nicht mit jedem)
    Genf kenne ich (noch) nicht, bin aber dann am Ueberlegen, ob es nicht gleich Paris oder Barcelona sein sollte???
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#8 BoleroAnonym
  • 12.04.2005, 07:38h
  • @danishguy:

    Beleidige mal nicht Bielefeld, wir Ostwestfalen sind wohl genauso langsam wie die Schweizer, doch sicher ist es bei uns nicht so tröge wie in Zürich. Dort war ich einmal und NIE wieder.
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#9 Storch aus ZürichAnonym
  • 12.04.2005, 21:11h
  • Was das Glanerland an Heugabeln und Bielefeld an Langeweile bieten mag; Zürich hat weder noch. Wer die Stadt am See wirklich kennenlernen will, findet einen wundervollen und schwulenfreundlichen Ort vor. Wer es nicht glaubt, bitte: www.warmermai.ch, das lesbisch-schwule Kulturfestival, täglich, vom 1. - 31. Mai 2005. Da ist für jeden Frosch und/oder Langeweiler etwas dabei. Aber Vorsicht: Die Augen muss man halt schon aufmachen.
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#10 MaibowleAnonym
  • 13.04.2005, 05:24h
  • Lustige Diskussion hier........

    Auch ich war in Zürich und hab immer gehört wie aufregend diese Stadt sei. In Wirklichkeit war es ein kleines verschlafenes Provinznest ohne irgendwelches Flair. Die Bahnhofstrasse eine Einkaufsstrasse wie überall auf der Welt mit H&M, Fielmann und so weiter. Der See war sehr hübsch und die Altstadt auch. Im 4. Kreis war es grauenvoll schmutzig und dort waren wohl auch die Nutten daheim und dann gab es noch die Werthinsel, wo sich die Schwulen trafen.

    Was mir in Zürich auffiel: Jeder Schweizer erzählte mir, was es für eine wahnsinnig geile Stadt sei, doch es war absolut nix Besonders zu finden, ausser langweilige Menschen (wir hören immer in der Lounge Chilout ) ganz viel schreckliche Betonbuden und dazu war es sauteuer.

    Entweder kommen die Schweizer nie aus ihrem Land heraus und wissen nicht, was wirklich geile Städte ausmacht oder sie leiden an Grössenwahn (so wie die Manager bei der glorios untergegangenen Swissair)
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