Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 18.07.2016, 07:42h           7      Teilen:   |

Statistik

Schweiz: Ehen stabiler als Lebenspartnerschaften

Artikelbild
Fast jede zehnte eingetragene Partnerschaft ist in der Schweiz in die Brüche gegangen

Schwule und lesbische Paare lösten ihre eingetragenen Partnerschaften zwischen 2007 und 2015 fast doppelt so häufig auf wie Heterosexuelle ihre Ehen.

Neun Jahre nach Einführung eingetragener Partnerschaften liegen in der Schweiz erstmals Zahlen zum Trennungsverhalten lesbischer und schwuler Paare vor. So zeigen Erhebungen des Schweizer Bundesamts für Statistik, dass die Entpartnerungs-Quote bei Homosexuellen zwischen 2007 und 2015 fast doppelt so hoch liegt wie bei heterosexuellen Scheidungen.

In diesem Zeitraum haben nach einem Bericht der "SonntagsZeitung" insgesamt 8.008 homosexuelle Paare ihre Beziehungen in der Eidgenossenschaft registrieren lassen. Davon wurden 784 wieder aufgelöst. Das entspricht einer Trennungs-Quote von 9,8 Prozent.

Bei Heterosexuellen liegt die Scheidungs-Quote dagegen nur bei 5,8 Prozent. Von 374.898 zwischen 2007 und 2015 geschlossenen Ehen wurden 21.700 wieder aufgelöst.

Fortsetzung nach Anzeige


Gleiche Quoten nur bei echter Gleichstellung?

Gegenüber der "SonntagsZeitung" nannte der Soziologe Klaus Preisner von der Universität Zürich "fehlende gemeinsame Investitionen" wie ein Kind als eine mögliche Ursache für die höhere Trennungsrate bei Lesben und Schwulen. Hinzu komme, dass die eingetragene Partnerschaft weniger religiös aufgeladen sei. Auch seien die wirtschaftlichen Folgen für homosexuelle Paare bei einer Trennung oft weniger gravierend, da beide Partner berufstätig seien.

Gina Potarca, Soziologin der Universität Lausanne, machte vor allem die fehlende Gleichstellung für den Unterschied verantwortlich: "Die Trennungs-Quoten erklären sich damit, dass es in der Schweiz keine wirkliche Ehe gibt für schwule und lesbische Paare, sondern nur eine eingetragene Partnerschaft." Nur eine "richtige Heirat" würde "mehr Sicherheit bieten und den Druck der Gesellschaft erhöhen, zusammenzubleiben".

Hinzu kommt, dass eine eingetragene Partnerschaft in der Schweiz einfacher und im Streitfall früher aufgelöst werden kann als eine Ehe. So gilt für homosexuelle Paare primär die Gütertrennung, außerdem sieht das Gesetz nur selten Unterhaltsbeiträge vor.

Heftige Kritik von Pink Cross

Die Schweizer Schwulenorganisation Pink Cross kritisierte den Bericht der "SonntagsZeitung" in einer "Richtigstellung" als "konstruiert". Der gewählte Zeitraum sei für einen seriösen Zeitraum zu gering. Nach den Zahlen des Bundesamts für Statistik liege die Scheidungsrate bei Heterosexuellen in Wahrheit bei über 40 Prozent – allerdings würden Ehen im Durchschnitt erst nach 15 Jahren aufgelöst.

"Anstatt ein Jahr zu beleuchten und zu publizieren, wie hoch die Scheidungsrate in diesem Jahr war (2013 zum Beispiel Hetero ca. 41%, Homo ca. 10%), nimmt der Autor den Gesamtzeitraum von 2007 bis 2015 und vergleicht hier hetero- und homosexuelle Menschen im vollen Wissen darum, dass die Zahlen eine zu kurze Zeitdauer abbilden und sich ändern werden – weil die Ehedauer bei heterosexuellen Paaren eben bei durchschnittlich 15 Jahren liegt", kritisierte Pink Cross. "Dass fast die Hälfte der heterosexuellen Paare in diesem Verglich in 5 bis 10 Jahren gemäß jahrelanger Statistik nicht mehr zusammen sein werden, interessierte den Journalisten nicht und wird auch mit keinem Wort erwähnt." (cw)

(ergänzt um Stellungnahme von Pink Cross)

Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 7 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 59             4     
Service: | pdf | mailen
Tags: schweiz, scheidung, entpartnerung, eingetragene lebenspartnerschaft
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "Schweiz: Ehen stabiler als Lebenspartnerschaften"


 7 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
18.07.2016
08:26:09
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von Nicht-Schweizer


Pink Cross Schweiz hat zum Artikel der Sonntagszeitung eine Richtigstellung veröffentlicht:

Link zu www.pinkcross.ch

Demnach ist der Umgang mit den Zahlen im Sonntahszeitungsartikel zumindest fragwürdig. Kann das jemand statistisch-soziologisch kompetent beurteilen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
18.07.2016
09:21:40


(+4, 6 Votes)

Von Sveni Mausi


Okay, wird aber etwas aufwändiger. Da sind eine Menge Daten drin. Außerdem möchte ich noch anmerken, dass mir die Schweiz familienrechtlich nicht bekannt ist, d.h. Steuerrecht, Sorgerecht, etc. Und dann noch die Unterschiede zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe.

Was die Zahlen eindeutig sagen sind zwei Sachverhalte
1. Schwule und Lesben trennen sich schneller (innerhalb von 8 statt von durchschnittlich 15 Jahren), eine genaue Angabe über die Länge der Lebenspartnerschaften findet sich nicht.
2. Die jährliche Scheidungsrate ist bei Homopaaren geringer.
Es sind somit zwei sehr unterschiedliche Betrachtungen, einmal wie viele sich in einem Zeitraum nach Schließung trennen und einmal wie viele sich pro Jahr trennen.

In Deutschland zumindest sind Kinder und gemeinsamer Kredit (z.B. Eigenheim) noch immer die größten Scheidungsverhinderungen bzw. -verzögerungen, denn viele Heteropaare trennen sich, wenn die Kinder aus dem Haus sind (ggf. nach dem Studium bzw. Groß genug).
Für die Schweiz wurde dies eingeschränkt. Ich gehe jedoch davon aus, dass es eine Erklärung für die schnellere Trennung bei Homopaaren ist.
Die rechtlich einfachere und folgenlosere Scheidungen trägt sicherlich ebenfalls dazu bei.

Ich hätte noch einen anderen Effekt vermutet.
Paare, die lange unverheiratet zusammen gelebt haben, heiraten häufig um eine Trennung abzuwenden. Dies könnte ich mir auch bei Homopaaren vorstellen. Ist aber aus den Angaben nicht herauszulesen. Lässt sich jedoch auch nicht ausschließen, da die Angaben über die Beziehungslängen und Trennungsgründe (bekommt man wohl nur durch Befragung) fehlen.

Ich hoffe, damit ein wenig weithelfen zu können.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
18.07.2016
09:24:40


(+4, 4 Votes)

Von Sveni Mausi


PS
Die queer.de Überschrift passt in soweit, dass mit "stabiler" ein längerer Zeitraum gemeint ist, nicht aber die Trennungswahrscheinlichkeit oder Trennungshäufigkeit.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
18.07.2016
10:54:35


(+4, 4 Votes)

Von Nicht-Schweizer
Antwort zu Kommentar #3 von Sveni Mausi


DANKE! Jetzt versteh ichs in der Tat etwas besser.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
18.07.2016
10:57:59
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von Ehka


Ganz eigenartig. Verschiedene Studien in USA, Großbritannien, Niederlande, Deutschland usw. haben immer gezeigt, dass gleichgeschlechtliche Ehen und Partnerschaften länger halten als heterosexuelle. Einfach mal nachgoogeln.

Ich weiß aber nicht, wie hoch die Benachteiligung die registrierte Lebenspartnerschaft in der Schweiz ist und wie sich die Benachteiligung im Alltag auswirkt. Außerdem weiß man nicht, "wer" die Statistik erstellt hat!
Man weiß, dass Statistiken von der katholischen Kirche immer schlecht für homosexuelle Menschen aussehen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
18.07.2016
14:51:26


(+4, 4 Votes)

Von ursus


>"Nur eine "richtige Heirat" würde "mehr Sicherheit bieten und den Druck der Gesellschaft erhöhen, zusammenzubleiben"."

äh... und dieser erhöhte druck wäre also wünschenswert? bin gerade ein wenig perplex.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
18.07.2016
20:03:54


(+4, 4 Votes)

Von Phil52
Aus Playa Bonita, Panama (Panama)
Mitglied seit 18.07.2016


Wenn ein Ehepartner stirbt, steht nachher im Zivilstandsregister des/der Überlebenden 'Witwer' oder 'Witwe'.

Ich lebte über 30 Jahre mit meinem Partner, aber erst ganz am Schluss in einer eingetragenen Patnerschaft. Bei mir steht jetzt unter Zivilstand: 'In aufgelöster Partnerschaft'. Das ist diskriminierend und sieht so aus, als hätte ich mich freiwillig von meinem Partner, oder er sich freiwillig von mir getrennt. Tatsache ist aber, dass wir über 30 Jahre zusammen waren, davon aber leider nur eine Woche, die letzte vor seinem Tod, als offiziell anerkanntes Paar ....

Wenn die Auflösung von Partnerschaften durch den Tod auch in die Trennungsquote mit eingerechnet wird, dann wundert es mich nicht, dass die 'Scheidungsrate' bei gleichgeschlechtlichen Paaren viel höher ist. Viele Schwule und Lesben konnten sich den Wunsch nach einer vom Gesetz anerkannten Partnerschaft erst in fortgeschrittenem Alter, also möglicherweise kurz vor ihrem Tod, erfüllen. Leider.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 BOULEVARD - EUROPA

Top-Links (Werbung)

 BOULEVARD



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck bedauert "schreckliche Sätze" aus den Achtzigern Schwulen Flüchtling verprügelt: Zehn Monate auf Bewährung 25 Jahre "Schwulen-Verrat" im Fernsehen LiSL: Keine deutschen Steuergelder für Verfolgerstaaten
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt