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Die Moderatorin in der Sendung "Bettina Maria Böttinger – Fast ein Selbstportrait", die der WDR anlässlich ihres 60. Geburtstags ausstrahlte (Bild: Screenshot WDR)

Die WDR-Talkerin hat sich an ihrem 60. Geburtstag heimlich verpartnert – Trauzeugin war die Kölner Oberbürgermeisterin.

Bettina Böttinger hat am 4. Juli, ihrem 60. Geburtstag, ihrer Freundin Martina im Historischen Rathaus Köln das Ja-Wort gegeben. Das hat die WDR-Talkerin nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" bei einer Geburtstagsparty im Kölner Sky-Tower bekannt gegeben.

Trauzeugin war die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), die das auch gegenüber der Boulevardzeitung "Express" bestätigte: "Ich hatte die Ehre, die Traurede zu halten. Die beiden sind ein tolles Paar, ich wünschen ihnen alles Glück dieser Erde", so Reker. An diesem Tag war die Oberbürgermeisterin sehr beschäftigt: Vor der Verpartnerung musste sie in Düsseldorf vor dem Untersuchungsausschuss zu den sexuellen Übergriffen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht aussagen. Danach fuhr sie direkt nach Köln, um pünktlich der Verpartnerung beiwohnen zu können.

Zeitungen wie die "BamS", der "Express" oder auch der "Stern" bezeichneten die Verpartnerung als "Heirat" oder "Eheschließung", obwohl es nach wie vor ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in Deutschland gibt und das Paar lediglich eine "eingetragene Partnerschaft" eingegangen ist.

Vor 21 Jahren durch Harald Schmidt geoutet

Böttinger hatte in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Berichten über ihr Privatleben gemacht und es daher nie an die große Glocke gehängt. Sie war 1995 gegen ihren Willen indirekt von Harald Schmidt geoutet worden. Der Entertainer hatte unter anderem in seiner Sat.1-Latenightshow in einem Bilderrätsel Fotos von Böttinger sowie der Zeitschrift "Emma", eines Eierlikörs und einer Klobrille gezeigt. Er fragte, was diese Bilder verbindet, und antwortete sogleich selbst: "Die Lösung lautet: Die würde kein Mann freiwillig anfassen." Vergangenen Monat beschuldigte Böttinger Schmidt daher in einem Interview der Homophobie (queer.de berichtete).

Anfang des Monats sendete der WDR eine Dokumentation über Bettina Böttinger, in der sie auch auf ihr Privatleben und ihre Erfahrungen mit Homophobie einging (Die gesamte Sendung in der WDR-Mediathek). So berichtete sie, dass sie sich als Schülerin in ein Mädchen verliebt habe und beinahe von der Schule geflogen sei, weil sie ihr einen Liebesbrief geschrieben hatte. Außerdem habe sie von den Eltern ihrer ersten Freundin Morddrohungen erhalten.

"Ich habe immer klar gesagt: Ich will nicht die Vorzeigelesbe vom Dienst sein", meinte sie kürzlich in einem dpa-Interview. "Ich bin Demokratin, ich bin Feministin, ich bin eine engagierte Frau. Und danach kommt die sexuelle Präferenz. Und nicht umgekehrt."

Vor zwei Wochen geriet Böttinger auch in die Schlagzeilen, als sie in einem Interview erklärte, dass "Köln relativ dreckig ist". Das führte bei Lokalpatrioten zu einiger Aufregung – insbesondere bei Fußballer Lukas Podolski, der via Twitter erklärte: "Dann wohn' und moderiere doch einfach in Düsseldorf". (dk)



#1 ickeAnonym
  • 18.07.2016, 14:24h

  • Einerseits finde ich es gut, wenn Zeitungen nicht nur über CSD-Paraden berichten (und dabei in jedem zweiten Satz das Wort "schrill" verwenden), sondern auch mal über den ganz normalen Alltag von LSBTIQs - andererseits kann ein schlecht recherchierter Artikel mehr Schaden anrichten als gar keiner. Lieber Stern, lieber Express, liebe "Zeitung" mit den vier großen Buchstaben: Die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homo-Paare ist NICHT dasselbe wie eine Ehe unter Heteros!!
    Und das Bilderrätsel von Herrn Schmidt war ja wohl das Letzte.
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#2 ElviraBERAnonym
  • 18.07.2016, 14:27h

  • Ach liebe Redaktion, lasst den beiden doch das Wort Heirat oder Eheschließung und wertet es nicht selber als "lediglich eingetragene Partnerschaft" ab. Wir wissen alle, wie's im LPartG steht. Und auch viele Heteros, mehr Juristen und alle Bundespolitiker wissen das. Aber ich werde der konservativen Regierung nicht noch weitere 15 Jahre den Gefallen tun, von meiner Frau "lediglich als Lebenspartnerin" zu sprechen. Auch darauf hat jeder ein Recht.
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#3 ElviraBERAnonym
  • 18.07.2016, 14:30h
  • Antwort auf #1 von icke

  • >Die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homo-Paare ist NICHT dasselbe wie eine Ehe unter Heteros!!

    Ja, aber der Unterschied ist 2016 auch nicht mehr der, der er 2001 war. Heute unterscheidet uns ein anderes Namensetikett und eine Verfahrenstrickserei bei der gemeinschaftlichen Adoption. MEHR NICHT.
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#4 RainerBERAnonym
  • 18.07.2016, 14:38h
  • Antwort auf #3 von ElviraBER

  • Genau. Wir müssen zwar hinten sitzen, aber wir fahren Bus.

    Aua.

    Wenn es wirklich kaum Unterschiede gibt, dann wäre die Anfrage an die CDU zu stellen, warum die "Ehe" immer noch mit Klauen und Zähnen "verteidigt" wird. Wäre ja dann nicht mehr notwendig, oder?
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#5 ElviraBERAnonym
  • 18.07.2016, 14:52h
  • Antwort auf #4 von RainerBER

  • Du, mir musst du das nicht sagen. Und ja, es geht den Konservativen nur noch um polemische Rhetorik. Aber deswegen lasse ich mich noch lange nicht in meinem Selbstbild auf die hintere Bank eines Busses sitzen. Ich fahre nicht den Bus mir gehört der Bus!
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#6 spontiAnonym
  • 18.07.2016, 15:37h
  • Antwort auf #2 von ElviraBER
  • inhaltlich und emotional hast Du recht - allerdings verzichte ich sehr bewusst von Heirat oder Ehe zu sprechen gleichsam als politische Demonstration.

    Nur so kann ich mit meinen kleinen Möglichkeiten darauf hinweisen, dass die Ehe für uns nicht geöffnet ist und mein Mann vor dem Gesetz eben NUR der eingetragene Lebenspartner ist.

    Genauso kämpfe ich dafür, dass auf Formularen endlich die eingetragene Partnerschaft als ein Familienstand Erwähnung findet.

    Ich werde mich nicht einlullen lassen von der Politik, indem die Wortwahl undifferenziert benutzt wird.
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#7 MarcAnonym
#8 TheDad
  • 18.07.2016, 15:56h
  • Antwort auf #7 von Marc
  • ""Du unterschlägst Unterschiede bei der Erbschaftssteuer.""..

    Neben vielem anderem..
    Als Reaktion auf das von der SPD geplante "Rechtsbereinigungs-Gesetz" listeten die Grünen in einem hier im dazugehörigem Artikel als PDF abrufbarem Papier mehr als 100 Unterschiede auf..

    Allein sprachlich müßten 1.800 Gesetze und Verordnungen immer noch angepaßt werden..

    Neben dem Verbot zur gemeinsamen Adoption gibt es massive Verzögerungen bei Sukzessiv-Adoptionen durch die Behörden..

    Die Ehe kann man mit 16 Jahren bei Zustimmung der Erziehungsberechtigten eingehen..
    Eine ELP selbst beim Vorliegen dieser Einverständnis nicht..

    Und immer noch kann die größte Gruppe der Gesellschaft, die Heten, eine ELP gar nicht eingehen..
    Auch das ist Diskriminierung !
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#9 ickeAnonym
  • 18.07.2016, 16:19h

  • Huch, so eine heftige Diskussion hätte ich gar nicht erwartet :-)

    Natürlich kann jede*r von seiner/ihrer besseren Hälfte als (Ehe-)Mann/Frau, Lebenspartner*in oder was auch immer sprechen. Mich stört es nur, wenn sogar seriöse (?) Zeitungen wie der Stern (bei der Bild habe ich nichts anderes erwartet) automatisch von "Eheschließung" schreiben. Vielleicht ist das sogar positiv/inklusiv gemeint nach dem Motto, wir wollen auch bei der Wortwahl alle Menschen gleich behandeln. Nur leider werden es einige Leser*innen als Bestätigung für ihre Meinung sehen, dass Homo-Paare doch heute sogar heiraten dürfen und sich demzufolge mal nicht so anstellen sollen von wegen Diskriminierung und so.
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#10 ElviraBERAnonym
  • 18.07.2016, 17:59h

  • Die Unterschiede bei der Erbschaftssteuer hätte ich gerne gewusst. Das Erbschaftssteuergesetz ist seit 2010 im Hinblick auf Ehe und Lebenspartnerschaft gleichgestellt.
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