Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 18.07.2016, 18:49h           45      Teilen:   |

Weitere Proteste angekündigt

Berlin: Streit um "Pink Washing" eskaliert

Artikelbild
Der Protest am Stand der israelischen Botschaft dauerte wenige Minuten. Vor wenigen Wochen hatte "Berlin against Pinkwashing" gefordert, die Vertreter Israels auszuladen. (Bild: Berlin against Pinkwashing / Activestills)

Beim lesbisch-schwulen Stadtfest veranstalteten Aktivisten ein "Die-In" vor dem Stand der israelischen Botschaft.

Von Norbert Blech

Antisemitismus oder legitime Kritik an Israels Politik? Am Sonntag haben mehrere Aktivisten der Gruppe "Berlin Against Pinkwashing" ein "Die-In" vor dem Stand der israelischen Botschaft beim Lesbisch-schwulen Stadtfest in der Fuggerstraße durchgeführt.

In Fotos und einem professionell erstellten Video haben die Handvoll Aktivisten festgehalten, wie sie sich scheintot auf den Boden legen oder Banner hochhalten wie "No Pride In Israeli Apartheid" oder "2,300 tot in Gaza, das könnt ihr nicht pinkwashen". Mit dem an "Whitewashing" (Beschönigung) angelehnten Schlagwort wird, teilweise auch in Israel und nicht immer mit antisemitischen Motiven, eine angebliche Instrumentalisierung von LGBT-Rechten durch die israelische Politik beklagt, die von der Behandlung der Palästinenser ablenken solle.

Zu dem in Deutschland und auf dem queeren Straßenfest noch ungewöhnlichen Protest schrieb die Gruppe in einer englischsprachigen Pressemitteilung, man wolle die Menschen daran erinnern, "dass, während der israelische Staat mit seiner zynischen LGBT-PR-Kampagne beschäftigt ist, Palästina noch immer kolonialisiert ist und Palästinenser noch immer unter illegaler Besatzung leben". In einer Rede sagte eine Aktivistin, "hier" gebe es "keinen Platz für Kriegsverbrecher".

Vor wenigen Wochen hatte die Gruppe bereits in einer Pressemitteilung und einer von knapp über 100 Menschen unterzeichneten Online-Petition die Organisatoren des Motzstraßenfests aufgefordert, Vertreter Israels zu verbannen, wie man es bei der AfD gemacht habe: "Erlaubt es Vertreter*innen des Staates Israel nicht, an unserer Feier von Menschenrechten und Gleichheit teilzunehmen. Sagt Nein zu Pinkwashing!"

Fortsetzung nach Anzeige


Auftritt bereits beim Kreuzberger CSD

Belal Awad Ende Juni beim Kreuzberger CSD
Belal Awad Ende Juni beim Kreuzberger CSD

Propaganda betrieb freilich zunächst "Berlin Against Pinkwashing". In einer Pressemitteilung gab die Gruppe am Montag an, ein Mitarbeiter der Botschaft habe auf einen Fotografen eingeschlagen. Dann sei die Gruppe von Sicherheitspersonal und Polizei verfolgt und zu einer Personalienfeststellung festgehalten worden. Soweit zumindest der entsprechende Eintrag bei Facebook – in der ähnlich lautenden Pressemitteilung wird in der Überschrift ("Activists detained") und im Text gezielt das Missverständnis geweckt, die Polizei habe die Personen inhaftiert.

Die Pressestelle der Polizei gibt an, man habe kurz nach 15 Uhr die Personalien von neun Personen festgestellt, nachdem diese eine unangemeldete Aktion durchgeführt hatten und eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz vorlag. Man habe die Personen nach der Feststellung vor Ort sofort entlassen, Anzeigen oder Berichte zu Gewaltvorfällen lägen nicht vor.

Ein maßgeblicher Aktivist der Gruppe ist Belal Awad, der sich auf Twitter als "britisch-irakisch-algerischer Journalist" bezeichnet und früher für die Agentur RUPTLY des Propagandasenders "Russia Today" arbeitete, die sich gezielt und verstärkend auf Konflikte in westlichen Staaten stürzt. Awad hatte bereits vor wenigen Wochen für Diskussionen in der Berliner Szene gesorgt, als er beim Kreuzberger CSD eine Rede gegen "Pink Washing" hielt: "Israels Bomben stoppen nicht für LGBT-Personen."

Nun mögen Stimmen von LGBT-Palästinensern über ihre Lage bei einem CSD samt Kritik an der israelischen Politik legitim sein; Awad zitierte sie in seiner Rede allerdings mit keinem Wort, ging auch mit keinem Wort auf ihre Führung, auf ihre spezielle Lage als LGBT ein. Wird hier nicht eine Veranstaltung zu LGBT-Rechten ebenfalls zu eigenen Zwecken instrumentalisiert, wie man es Israel vorwirft?

Der CSD, der Awad die Bühne bereitete, hatte sich selbst die Forderung gegeben, u.a. "gegen Pinkwashing und Homonationalismus" auf die Straße zu gehen (und "gegen jeglichen Rassismus und Antisemitismus"). Während der Rede Awads kam es zu kleineren Rangeleien mit Personen, die seine Worte mit Buh-Rufen kritisiert hatten.

Kritik an "einseitiger Thematisierung" Israels

Der Auftritt Awads hatte in den Folgetagen für Kritik in der Szene gesorgt. "Wir gehen völlig d'accord, wenn es darum geht, die israelische Regierung als Rechtsregierung zu bezeichnen und die Siedlungspolitik als kontraproduktiv für den Friedensprozess anzusehen", schrieb dazu etwa Bodo Niendel, ehemaliger Mitarbeiter der Linken und Ex-Vorstand der Berliner Aids-Hilfe, auf Facebook. "Doch was zum Teufel hat dies als Topthema auf dem Kreuzberger CSD zu suchen? Und weshalb wird die Homofreundlichkeit Israels auch noch negativ ausgelegt? Ich bleibe dabei, wer immer wieder obzessiv Israel einseitig thematisiert, nebenbei die Homoverfolgung in den palästinensischen Gebieten verschweigt, der muss sich im Land der Täter mindestens den Vorwurf gefallen lassen, den krassen bestehenden Antisemitismus zu bedienen. Und wenn Gruppen, die zum Boykott israelischer Waren aufrufen, ungestört auf den Kreuzberger CSD sich tummeln, dann endet meine Solidarität."

Der Grünenpolitiker Volker Beck ergänzte in dem Facebook-Thread: "Diesen Anti-Pinkwashing-Campaignern muss man einfach sagen: Wir starten einen Wettlauf Bibi gegen Abbas im Pinkwashing. Mal sehen, wo es die ersten homosexuellen Trauungen gibt: in Tel Aviv oder Gaza, in Jerusalem oder Ramallah."

Weltweite Debatte mit Untertönen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte den Stand zusammen mit dem israelischen Botschafter Yakov Hadas-Handelsman eröffnet, Bilder davon verbreitete die Botschaft in sozialen Netzwerken
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hatte den Stand zusammen mit dem israelischen Botschafter Yakov Hadas-Handelsman eröffnet, Bilder davon verbreitete die Botschaft in sozialen Netzwerken (Bild: Israelische Botschaft)

Bereits im letzten Jahr waren Aktivisten von "Berlin Against Pinkwashing" beim Hauptstadt-CSD mit Bannern vor Vertretern Israels mitgelaufen, für die Parade am nächsten Samstag ist vermutlich Ähnliches geplant. Bereits am Dienstag soll es einen Protest vor einer queeren Filmnacht mit Filmen aus Israel geben, die vom Berliner CSD und der israelischen Botschaft unterstützt wird. "Diese Art von 'Pinkwashing'-Veranstaltungen haben nur eines zum Ziel", argumentiert die Gruppe: "Die unwürdigen Menschenrechte Israels gegenüber den Palästinensern zu vertuschen."

Während der Streit um die Haltung zu Israel schon seit Jahren den Kreuzberger bzw. Transgenialen CSD belastet, ist "Pink Washing" in Deutschland bislang nur eine Randdebatte. In Amerika wurde die Diskussion vor allem von der jüdischen Star-Philosophin Judith Butler populär gemacht; sie endete zuletzt in einer Eskalation, bei der über 200 Demonstranten eine Veranstaltung der amerikanisch-jüdisch-queeren Organisation "A Wider Bridge" und des "Jerusalem Open House" im "Hilton"-Hotel von Chicago mit Sprüchen wie "From the river to the sea, Palestine will be free" und "Hey, hey, ho, ho, Zionism has got to go" zu verhindern suchten.

Die Aktivisten orientieren sich dabei an der weltweiten "Boycott, Divestment and Sanctions"-Kampagne (BDS), auf deren Unterstützer auch "Berlin Against Pinkwashing" ausgiebig verlinkt – auf deutschen BDS-Seiten lässt sich die Gruppe für ihre Aktionen feiern. Kritiker meinen, die Kampagne sei klar antisemitisch motiviert und betreibe eine Delegitimation Israels. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas lehnt einen Komplettboykott israelischer Produkte ab.

In Israel selbst hatte es zuletzt Kritik daran gegeben, dass der Staat mehr Geld in die touristische Bewerbung des CSD in Tel Aviv stecke als in LGBT-Organisationen selbst (queer.de berichtete). Auch wurde oft kritisiert, dass Premierminister Benjamin Netanjahu mehrfach das LGBT-freundliche Israel, für das er selbst wenig getan habe, gegen muslimische Staaten ausspielte.

Die Lage ist, im positiven wie negativen, durchwachsener als es die Thematiken und Kompetenzen vermischende Debatte um "Pink Washing" vermuten lässt: Einerseits haben LGBT in dem Land viele Rechte und Selbstverständlichkeiten, andererseits lehnte die Regierung erst kürzlich mehrere fortschrittliche Gesetzesvorhaben ab (queer.de berichtete). Während der große CSD in Tel Aviv von der Stadt organisiert wird – der Bürgermeister ließ sich von einem Gegner von LGBT-Rechten zu einem Unterstützer der Bewegung überzeugen, der auch ihr wirtschaftliches Potenzial erkannte – durfte erst letzte Woche ein erster CSD in Beerscheba nicht auf der geplanten Route stattfinden (queer.de berichtete).

"Deutschland und Israel teilen heute dieselben Werte: Demokratie, Freiheit, Frieden und Fortschritt", hatte der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, zur Eröffnung des Standes beim Stadtfest gesagt. "Trotzdem müssen wir uns im Alltag immer wieder für die Rechte von Minderheiten starkmachen."

Mehr zum Thema:
» Dragqueen vertreibt von Storch vom Lesbisch-schwulen Stadtfest (18.07.2016)
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 45 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 786             5     
Service: | pdf | mailen
Tags: israel, berlin, pink washing, belal awad
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Berlin: Streit um "Pink Washing" eskaliert"


 45 User-Kommentare
« zurück  12345  vor »

Die ersten:   
#1
18.07.2016
19:21:09
Via Handy


(+15, 15 Votes)

Von markusbln11


Was mir schon auf dem strassenfest in berlin zur im artikel genannten aktion vor dem israel-stand einfiel.

Für volle anerkennung der lgbt-menschenrechte auch in gaza und auf der westbank durch die autonome palästinensche selbstverwaltung und hamas regierung. Das wäre doch mal ein schritt nach vorne.

Keine staatlich geduldete ausgrenzung aufgrund der sexuellen orientierung, nirgendwo. Es ist das existenzrecht eines jeden in seiner vollen identität anzuerkennen. Für alljene, die versuchen, ihren staat so zu organisieren, sollte am stadtfest ein platz gefunden werden.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
18.07.2016
19:23:32


(+10, 12 Votes)

Von Timbercom
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.05.2010


Leider gab es ja bereits beim letzten Berliner CSD diverse antisemitische Plakate. Ich hoffe sehr, dass die Veranstalter in diesem Jahr konsequenter gegen solchen menschenverachtenden antisemitischen Rassismus vorgehen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
18.07.2016
19:32:00
Via Handy


(+6, 10 Votes)

Von Nick
Antwort zu Kommentar #1 von markusbln11


Nur zur info: lgbt die aus dem gazastreifen und dem westjordanland nach israel fliehen sind illegale, sie bestreiten ihren lebensunterhalt durch prostitution.

Werden sie erwischt werden sie abgeschoben.

Anstatt diesen Menschen schutz zu geben. Das ist in den letzten Jahren immer schlimmer geworden seitdem ultranationalisten an der regierung sind.

Es lief vor gut einem jahr eine doku darüber bei arte.

Die Aktion als kritik an der politik der israelischen regierung finde ich gut, auch wenn es sehr viele gibt die jede kritik mit antisemitismus gleich setzen


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
18.07.2016
19:44:01
Via Handy


(+11, 11 Votes)

Von markusbln11


Nick, deine ist die richtige analyse, wenn es un berechtigte forderung an isreal geht. Formale anerkennung und aufenthaltsrecht von vor islamistischen terror aus gaza und westbank nach isreal geflüchteten lgbt.

Aber solch eine forderung wurde von den provokativen pink washern am stadtfest erst gar nicht erst erhoben.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
18.07.2016
20:09:08


(+1, 5 Votes)

Von niedergemeiert


Free Gaza from Hamas, and some queer Activists from RT-Querfront-Propaganda


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
18.07.2016
20:17:56


(0, 8 Votes)
 
#7
18.07.2016
20:25:01


(+2, 6 Votes)

Von niedergemeiert
Antwort zu Kommentar #3 von Nick


Würde Isreal das Aufenthaltsrecht lockern, brüllten Querfront-Faschos erneut die "Pink Washing"-Parole.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
18.07.2016
20:26:19


(+12, 14 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013
Antwort zu Kommentar #3 von Nick


Wer für die Rechte von LGBTI im Nahen Osten eintritt, tut gut daran, trocken die Situation in Israel wie in Palästina zu analysieren und daraus Forderungen abzuleiten. Wer einseitig in eine Richtung austeilt, handelt propagandistisch auf Seiten einer rechtsnationalen Regierung oder einer radikalislamischen. Beides ist für mich inakzeptabel und solche Propagandisten unterstützen nicht, sondern spalten und drehen unversöhnlich an der Gewaltspirale dort.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
18.07.2016
20:39:41


(+9, 9 Votes)

Von wombat


Nun, in den ziemlich israelfeindlichen Medien wird so einiges berichtet - ich habe vor Ort in Gesprächen mit den "Betroffenen" Anderes erfahren ... die große Hilfe und Solidarität der Israelis mit den bedrohten palästinensischen LGBTs.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
18.07.2016
20:41:50


(+4, 6 Votes)

Von SaschaHM


Einige Infos, wer sich hinter den pseudo-schwulen Gruppen wie "Queers against Israeli Apartheid" tatsächlich verbirgt:

Link:
haolam.de/The-cheerful-Coyote/artikel_21562.html


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345  vor »


 SZENE - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 SZENE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Mexiko: Papst unterstützt Homo-Gegner Paragraf 175: Schwule Senioren kritisieren Union Magdeburg: Demo für LGBTI-Aktionsplan am Freitag LGBTI-Akzeptanz: Höcke kündigt Kampf gegen "perversen Zeitgeist" an
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt